Nivea statt Meinungsfreiheit

“……..Wenn die deutsche Industrie wirbt, erwartet sie von den Medien die Bereitstellung eines geeigneten Umfelds. Freie Meinungsäußerung kann da mitunter nur störend wirken. Man wolle „natürlich vermeiden, mit unserer Werbung in einem Umfeld zu erscheinen, das keine Brand Safety gewährleistet und zu Shitstorms führen kann“, wie das für Unilever tätige OWM-Vorstandsmitglied Arne Kirchem in einem „horizont“-Interview sprachlich geschliffen zu Protokoll gab. Die Organisation Werbungtreibende im Markenverband (OWM) ist ein deutscher Verein der Werbungtreibenden mit Sitz in Berlin. Zweck des Branchenverbandes ist die Vertretung der Interessen der Werbung treibenden Unternehmen, den Einsatz für weitgehende Derregulierung von Werbevorschriften. Auch wendet der Verband sich gegen jede Art von Werbeverboten für legale Produkte, zB für Zigaretten. Vorstandsvorsitzende des Lobbyverbands ist Tina Beuchler, „Digital Director“ der Nestlé Deutschland AG. Mitglieder sind u.a. Allianz, Beiersdorf, Deutsche Bank, Nestlé, Opel und Volkswagen.

Wer bisher dachte, die größten Gefahren für die in der Verfassung verbriefte Meinungsfreiheit wären Justizminister Heiko Maas oder Familienministerin Manuela Schwesig, der muss nun umdenken…..” (weiter hier)

9 comments

  1. Fragolin

    Da wird (und ich nehme mich selbst nicht aus, Asche auf mein Haupt) immer die Macht des Inseratenkaufs durch Parteien und Amtsinhaber gegeißelt (zu Recht, denn Steuergeldverschwendung und Amtsmissbrauch bleiben Verbrechen am Staatsvolk, egal wie man es dreht) und ganz auf den zweiten großen Geldgeber, nämlich die Werbeindustrie vergessen.
    Das erklärt die seichten Programme der von Werbung finanzierten Privatmedien durchaus.
    Aber jetzt die Werbeindustrie allein zu geißeln greift auch zu kurz. Denn das Grundproblem klingt ja bei der zugegeben zynischen Begründung für ein meinungsfreies Programm (also eines frei jeder Meinung, die nicht dem Silansprech entspricht) bereits durch: Wenn sich da einer mokiert, dass die Museln ihre Frauen in schwarze Stoffsäcke stecken, will Persil nicht hinterher mit dem Weißmacher werben. Nicht etwa, weil das geschmacklos wäre, sondern weil sie mit einem “shitstorm” rechnen müssen, also diesem neuen Machtmittel der radikalen Brandstifter von links, die über konzertierte Empörungsstürme den Blätterwald aufrauschen lassen und das Unternehmen sofort in Verbindung mit egal-was-auch-immer bringen, um es in Zukunft von Plattformen zu vertreiben, die nicht silanisiert wurden.
    Es ist diese extrem aggressive Meinungsmache, dieses propagandistische Aufhetzen über die sozialen Netzwerke von links, das die Medien ebenso wie die Werbewirtschaft vor sich hertreibt. Nicht umsonst kämpfen die Propagandisten der radikalen Linken so vehement gegen “Hass und Hetze im Netz”, weil es nämlich genau ihr eigenes Werkzeug ist, und das haben sie nicht vor an ihren politischen Gegner zu übergeben.

  2. Fragolin

    @sokrates9
    Aber eines funktioniert, das kann ich bestätigen: Man braucht im Supermarkt nur Artikel bestimmter Firmen aus dem Regal nehmen, das Etikett anschauen und es dann mit den Worten: “Ach, das sind ja die, die pro Produkt zehn Cent für die Moslems spenden, aber sich für uns nur interesseiren, solange wir ihren Mist kaufen.” und schon kann man zuschauen, wie Leute mit Stirnrunzeln in ihrem Wagen wühlen und das eine oder andere wieder zurücklegen. Funktioniert auch mit dem Herkunftsland; für uns sind Produkte aus der Türkei zum Beispiel absolut tabu. Da muss man nur schön laut nachfragen, woher denn dieses Obts kommt, und wenn die Mitarbeiterin das nicht beantworten kann, sagt amn eben: “Naja, wenn ich nicht weiß woher das kommt, kaufe ich das nicht, ich will keine Staaten unterstützen, die mit den Terroristen unter einer Decke stecken.”
    Sie ahnen gar nicht, wie gut das geht! Man kann Leute sowas von zum Nachdenken bringen…

  3. Fragolin

    Wenn Meinungen einfach verschwinden…
    Was genau ist eigentlich der rechtliche Unterschied zwischen facebook und OrtnerOnline? Was genau ist der Unterschied zwischen dem dort und dem hier Gelöschten? Nur mal so aus Neugier, nix für ungut.

  4. Rennziege

    Ich teile die Bedenken der hier zitierten OWM. Produktwerbung nach gutmenschlicher Weltsicht zu verbieten ist grober Unfug und widerspiegelt die Anmaßung der allmächtig gewordenen Nanny-Staaten. die ihre Bürger zu unmündigen Idioten degradiert haben.
    Werbung für Konsumgüter aller Art ist eine Einladung, nicht mehr, ein HIlfsmotor der Wirtschaft — freilich bisweilen verlogen, wenn auch längst nicht so betrügerisch wie die Pamphlets und Sprechblasen aller Parteien und Politiker.
    Werbeverbote sind nur ein weiteres Attentat der staatlichen Kraken auf die verfassungsrechtlich einst garantierte Meinungs- und Entscheidungsfreiheit der Bürger.

  5. Rennziege

    29. August 2016 – 09:57 — Fragolin
    Da ich das Gfrießerbiachl meide wie das Weihwasser den Teufel (Umkehrschluss), vermag ich Ihre Frage nicht zu beantworten. Außerdem bin ich nach Wochen erstmals wieder in Christian Ortners Wohnzimmer, noch dazu in Kärnten, mag Ihre Statements immer noch sehr, kann aber die Löschtaste des Hausherrn gut verstehen, der schlicht auf die neuerdings grassierenden gesetzlichen Einschränkungen der Meinungsfreiheit reagieren muss.
    Herzliche Grüße vom Millstätter See, an dessen östlichem Nordufer “unser” frischgebackener Kanzler seit Jahren seine Sommerresidenz heimsucht. Nicht diese empfehle ich, da heftig bewacht, sondern den ganzen wunderschönen See. Trinkwasserqualität!

  6. Johannes

    Ich halte Facebook für vollkommen überbewertet, für mich selbst hat diese Einrichtung keine Bedeutung und ich würde mich sehr dagegen wehren einer solchen anzugehören und sie mit meinen persönlichen Privatleben zu füttern. Ein gutes Gespräch in einem echten Freundeskreis von Angesicht zu Angesicht das ist Realität und sie kann um vieles schöner sein als das Einsammeln von Freunden ähnlich dem Einsammeln der Pokemonster.
    Da hat jemand die Macht des Kaisers neue Kleider teuer zu verkaufen, ich bin der festen Meinung das Gesichtsbuch ist eine hohle Nuss die den Menschen Freundschaften vorgaukelt die keine sind und vielleicht sind die Chancen für viele einsame Menschen dadurch gesunken weil sie auf ihr Augentelephon starrend einen lieben Menschen gegenüber übersehen haben der ihnen ein echtes Lächeln und einen vielversprechenden Augenkontakt geboten hätte.
    Also lassen wir den Konzernen keine Macht sondern lassen wir es wieder real menscheln und alle werden glücklicher sein davon bin ich überzeugt.

  7. Fragolin

    @Rennziege
    Willkommen in der alten Heimat, Teuerste, ich wünsche Ihnen den angenehmsten Aufenthalt!
    Ich verstehe die Löschtaste auch; der Grat auf dem man heute bei Veröffentlichung seiner Meinung wandert kann schon einmal rasiermesserdünn werden. Aber wenn Postings gelöscht werden nachdem man selbst erst vor zwei Tagen das Löschen von Postings als unzulässige Einschränkung der Meinungsfreiheit gegeißelt hat, muss man sich die Frage schon einmal gefallen lassem, wo denn jetzt die Unterschiede liegen. Das Löschen an sich ist ja im heutigen Rechtsumfeld verständlich, aber wenn die Kritiker der Elche selber welche sind, darf man den Spiegel schon mal auspacken.
    Ich habe mit facebook auch nichts am Hut; nach einem kurzen Intermezzo (man muss einen Wein erst kosten, um zu wissen, ob er genießbar ist) nutzte ich die erste sich bietende Möglichkeit zur restlosen Vernichtung des Accounts bereits vor Jahren. Twitter und WhatsApp ließ ich hernach ungekostet an mir vorbeiziehen, wohl wissend, dass in zehn Jahren kein Hahn mehr nach diesen virtuellen Litfaßsäulen kräht und junge Leute, die sich noch damit beschäftigen, als uncoole Nerds verlacht werden. Jede Dekade hat ihre Modeerscheinungen und auch die Taschenmonsterjäger werden nach kurzem Hype schon morgen wieder einer anderen aufgewärmten Idee des vorigen Jahrtausends nachlaufen, was ein kleiner Hinweis darauf ist, dass die Innovation in diesem Bereich am Absterben ist. Die virtuelle Küche versucht nur noch, ihre alten Essensreste immer wieder frisch gewürzt unter das technikhungrige Volk zu bringen.
    Wenn dann immer wieder das große Aha-Erlebnis kommt, dass irgend eine Technikspielerei oder Modeerscheinung gar böse kommerziell ausgeschlachtet wird oder sogar politisch missbraucht, wundere ich mich jedesmal, dass es scheinbar Menschen gibt, die wirklich ganz fest und doll und überzeugt glauben, aber diesmal würde doch alles komplett einfach nur aus Spaß an der Freude geschehen und nicht weil irgendwer Milliardär werden möchte. Wenn jeder jeden Pups (sorry) aus seinem Leben auf die virtuelle Ankündigungstafel setzt und dann erstaunt ist, dass nicht nur seine Kumpels und alle, die ihn cool finden sollen, den Schmonzes mitlesen, sondern auch seine Eltern, Lehrer, Arbeitgeber oder der örtlich zuständige Geheimdienst, dann frage ich mich, ob die Lampe am Schreibtisch desjenigen nicht intelligenter ist als das, was davor am Sessel sitzt.
    Das ganze Gesülze um facebook und seine Sperrungen finde ich dermaßen verlogen, vor Allem, wenn es von Medien verbreitet wird, die selbst Profile von Kommentatoren sperren, wenn diese unbotmäßige Botschaften absetzen. Egal an welche Pinnwand ich einen Zettel nagele, muss ich damit rechnen, dass ein anderer ihn wieder runterzupft. Ich muss doch nicht diese Pinnwand nehmen. Diverse Kommentarbereiche meide ich, weil es uninteressant ist, zwei Stunden auf redaktionelle Freigabe zu warten – das ist nichts für Diskussion sondern nur zur einseitigen Selbstdarstellung. Monolog statt Dialog. Das hat nichts mit Kommunikation zu tun sondern nur mit Information, und sei es darüber, dass man gerade keine Informationen hat. Sozial ist an diesen Netzwerken gar nichts, denn sozial spielt sich jenseits des Monitors ab.
    Weder die “presse” noch Ortner oder eben das Fratzenbuch bekommen auch nur einen Cent von mir, wenn ich ihre Pinnwände nutze (dafür werde ich beworben, mir doch eine einsame Muslima anzulachen oder endlich den neuesten Weber-Grill zu kaufen, wohl um ihr ein Lamm darauf zu rösten), und deshalb steht es ihnen auch jederzeit frei, mich rauszuschmeißen. Das Geseiere, man wäre dann faktisch nicht mehr wahrnehmbar, halte ich für nerdisches Gegreine – ich bin überzeugt, durch meine alltägliche persönliche Arbeit mit Menschen und mein Verhalten und meine Argumentation in der realen Öffentlichkeit mehr Menschen zum Nachdenken angeregt zu haben als durch das Posten von Meinungen hier im Biotop der großteils ähnlich Tickenden. Die größten Schätze in Foren wie diesen sind die Mengen an Informationen, die ausgetauscht werden, die Verlinkungen zu Info-Material, das niemals in der “Zeit” erscheinen wird oder nur der Hinweis, wonach man forschen kann, wenn unsere Lückenpresse mal wieder Lücken hat (wie z.B. im Fall des versuchten Attentas auf Merkel in Prag und die Gegendemos dort, wovon man nur in englischer Presse erfuhr) und die angenehme Diskussion über diese Themen mit Menschen, die nicht sofort in den Taube-auf-dem-Schachbrett-Modus schalten, wenn es mal politisch inkorrekt wird.

    @Johannes
    Genau!
    (Ich höffe, Sie fühlen sich jetzt nicht “diskriminiert”, weil ich der Rennziege so ausführlich geantwortet habe und Ihnen so kurz. Denken Sie einfach an die alte Weisheit: Ein Mann, ein Wort, eine Frau, ein Wörterbuch… 😉 )

  8. Rennziege

    30. August 2016 – 01:09 — Fragolin
    Vielen Dank für Ihre weise, flott formulierte Replik, deren Tenor ich teile.

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