Notenbanken vor dem Endspiel?

“….Das staunende Publikum wurde Zeuge, wie gigantische Wertpapierkaufprogramme (harmlos QE, Quantitative Easing, genannt), staatlich administrierte Null- und Negativzinsen und die offene Abwertung von Währungen zum normalen Handwerkszeug vieler Notenbanken geworden sind. Zentralbankpolitik, lange Zeit ein seriöses Handwerk mit klaren Regeln, mutierte zum Spielfeld für geldpolitisches Voodoo…..” (hier)

3 comments

  1. gms

    Das vorherrschende Geldwesen ist Voodoo. Der einzige und verzeihliche Fehler des Artikels der ‘Furche’ ist das Anführen der Zentralbankbilanzen und deren Ausweitung. Für Bürger relevanter ist die Ausweitung von M0, und diese wurde seit 2008 sowohl in den Staaten wie auch in Europa von einem hohen Niveau ausgehend noch vervierfacht.

    Abschreibungsbedingt (weniger kryptisch: durch Verluste) sind Bilanzen nicht entsprechend gewachsen oder zeitweise sogar zurückgegangen, was insbesondere bei der ECB, so der Bilanzgraph korrekt ist, auf einen Wohlstandstransfer zu anderen Playern hinweist. Da war die privat verfaßte Fed wohl geschickter beim Bewahren der Pründe.

    Milton Friedman, der, seines Zeichens Monetarist, einer der wenigen Liberalen war, der an das Wirken der Zentralbanker und zugleich an einen seiner Meinung nach nur gezielt mißverstandenen Keyenes glaubte [1, Min 20:00], ist logisch leicht widerlegt, für die Empirie brauchen manche halt länger.

    Erhellend sind zugleich Friedmann eigene Worte [1, Min 3.50], wonach am 10. Dezember 1930 in den Räumlichkeiten der Fed die Rettung der jüdischen ‘Bank of United States’ scheiterte und damit das Chaos ausbracht. Wer Analogien zu Knickerbocker Trust 1909 [1] und Lehman 2008 findet, darf sie behalten, dasselbe gilt für das erneute Wirken von JP Morgen und Konsorten, die nach all den drei großen Crashes gestärkt vom Feld gingen.

    Exkurs: 1933 kam mit Roosevelt der perfekte Globalist an die Macht, der mit seinem New Deal nicht nur den Sozialismus in den Staaten einführte, sondern dank Pearl Harbor die USA auch in den zweiten Weltkrieg führte und mit Stalin die Teilung Europas vereinbarte.

    Laut Friedman hätte das Fed-Bord zur Abwendung der Krise bloß weitere US-Bonds zeichnen und diese erfolgreich an Geschäftsbanken verkaufen müssen zur Schaffung von Money out of thin air. Nachdem diesselben Gruppen die Fed und die größten Banken zugleich beherrschen und zeitweise sogar den Finanzminister stellen (i.e. Henry Paulson), ist alles und nichts möglich, ganz wie’s beliebt.

    Auf der einen Seite wurden also Zentralbanken vorgeblich geschaffen als Lender of Last Resort, sprich exakt zur Vermeidung von Crashes, auf der anderen Seite erleben wir immer wieder Eigentümliches. Friedmann machte das fractional reserve System des Giralgeldes dafür verantwortlich und verkannte damit die grundlegende Falschheit des Systems.

    [1] youtube.com/watch?v=RFmMm9NPj3U
    A Monetarist’s explanation of the cause of Great Depression
    [2] de.wikipedia.org/wiki/Knickerbocker_Trust_Company

  2. Lisa

    Da kann auch “die Politik” nichts tun, geschweige denn der einzelne Bürger und Wähler. Wer gibt ihnen diese Allmacht? Warum empören sich Leute über Flüchtlinge/Migranten statt über die Macht der Zentralbanken? Warum ärgern sie sich über ein paar Steuer-Euros mehr wegen der Zuwanderer und verschliessen die Augen davor, dass es offensichtlich die Möglischkeit gibt, von einem Tag auf den andern das Bargeld abgeschafft zubekommen, das ganze Ersparte der Bürger als wertlos zu erklären, eine Währungsreform anzuzetteln und ähnliche Massnahmen zu ergreifen. Dürfen die das denn…? und wenn ja, warum?

  3. gms

    Lisa,

    “Da kann auch „die Politik“ nichts tun”

    Die Politik hat es schon getan, im Anlaßfall in Europa in den Maastrichter-Verträgen. In den USA beißen sich aktuell einige redliche Senatoren an der Fed die Zähne aus zur Offenlegung, wer nach 2008 all die druckfeuchten Billionen (engl. trillions) bekam. In Europa veröffentlicht die EZB seit Jahren keine Zahlen mehr über die Basisgeldmenge (M0), ebenso keine Targetsalden. Was auch immer bekannt wurde, wußte man sich über andere Zahlen und Quellen mühsam selbst zusammenrechnen.

    Tun könnte die Politik allein für Transparenz jede Menge, warum sie’s nicht tut, liegt auf der Hand.

    ” .. geschweige denn der einzelne Bürger und Wähler.”

    Der Bürger kann sich in Sachen Geldwesen bilden und anderen aufzeigen, wohin der falsche Hase läuft. Entscheidend dabei ist das Wissen um den Unterschied zwischen Geld und Währung beziehungsweise gedecktem Geld und Fiatmoney.

    “Wer gibt ihnen diese Allmacht?”

    Der Bürger ermächtigte Poliker. Zugleich sind Politiker, neben der Hochfinanz, die besten Profiteure des Pyramidenspiels, ermöglicht es doch Staatsfinanzierung durch die Hintertür, während man gleichzeitig seine Hände in Unschuld waschen kann mit dem Verweis auf eine unabhängige Einrichtung.

    Das zweite Doppelspiel zwischen Politik und Zentralbank, neben der Gründung der EZB, bildet die jüngste sogenannte Bankenunion, für welche EU-Politiker die EZB ermächtigten, Vorgaben und Kontrollen für alle Banken im Euroraum zu erstellen respektive durchzuführen und darüber hinaus alle Spareinlagen über Landesgrenzen als gemeinschaftliche Haftung heranzuziehen.

    Das entmachtet nationale Regierungen und begünstigt zugleich große Banken, die hinter den Kulissen an den Regularien mitwirken. Die Pointe, wonach in Italien bereits gezielt marode Banken (Stichwort ‘non performing loans’) fusioniert werden und diese demnächst zur Rettung anstehen, haben die Deutschen bislang nicht kapiert. Überhaupt war das Medienecho betreffend ~harmonisierter~ Einlagensicherung auffällig gedämpft. Ein Wunder?

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