Nur Bares ist Wahres….

Von | 27. März 2013

(von ANDREAS TÖGEL)  Die beiderseits des Atlantiks betrieben Politik der „finanziellen Repression“ zeigt Folgen: Auf der Suche nach Möglichkeiten zum bloßen Erhalt der Vermögenssubstanz, werden Sparer in Anlagen gezwungen, die weit jenseits ihrer normalen Risikobereitschaft liegen. Blasenbildungen, wie im nur scheinbar sicheren Immobilienbereich oder bei dubiosen „Wert“papieren – und damit das Risiko schmerzhafter Vermögensverluste – ist die Folge.

 

Die Erwartung, das Geld würde zunehmend an Kaufkraft verlieren, steigert weiters die Zeitpräferenzrate, was zu einer Verringerung der Sparneigung und erhöhten Konsumausgaben führt. Da dauerhafter Wohlstand die Existenz eines soliden Kapitalstocks voraussetzt – der nicht zu verwechseln ist mit dem vom Bankensektor in beliebiger Menge herzustellendem Papier- oder Buchgeld – dieser Kapitalstock aber unter den herrschenden Bedingungen nicht nur nicht aufgestockt, sondern sogar aufgezehrt wird, sollte man sich hinsichtlich der auf uns zukommenden Entwicklung keiner Illusion hingeben: Es geht bergab. Der „Peak Wohlstand“ liegt hinter uns. Den Jungen wird es, und das nicht nur materiell, schlechter gehen als der zügig auf die Pension zumarschierenden Generation der Babyboomer.

 

Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, dräut eine weitere Bedrohung, derer sich die meisten Zeitgenossen noch gar nicht bewusst geworden sind: Die schleichende Einführung von Bargeldverboten. Unter allerlei Vorwänden werden von den herrschenden Dressureliten immer weiter reichende Einschränkungen des Bargeldverkehrs verordnet. Möglichst alle Zahlungen sollen über elektronisch überwachte Konten abgewickelt werden. Eine Hitliste der beliebtesten Märchen dazu:

► Es geht lediglich darum, Steuerhinterziehern das Handwerk zu legen,

► Bezahlen mit Kredit- oder Bankomatkarte ist wesentlich bequemer,

► Beim Verlust einer Kreditkarte tritt, anders als bei Bargeld, keinerlei Schaden ein,

► „Anständige Bürger“ haben ohnehin nichts zu befürchten.

 

Da es zu den weit verbreiteten menschlichen Schwächen gehört, erst durch Schaden klug zu werden, haben die Obertanen in einigen Ländern bereits beachtliche Erfolge bei der schrittweise erfolgenden Abschaffung des Bargeldes erzielt: Italien geht mit leuchtendem Beispiel voran. Bereits jetzt gilt ein Limit von 1.000 Euro, das – falls das Land bis dahin über eine handlungsfähige Regierung verfügt – ab Mitte des Jahres auf 50 (!) Euro heruntergesetzt werden soll. Damit wird der allgegenwärtigen Cosa Nostra unzweifelhaft ein schwerer Schlag versetzt. Sie ist damit wohl so gut wie fertig. Daß indes der Besuch einer braven Familie im Eissalon schon bald im Kriminal enden könnte, falls vergessen wurde, die Kreditkarte einzustecken und sich der Gelataio auf die Annahme von Bargeld einlässt, tut dieser brillanten Maßnahme keinen Abbruch.

 

In Griechenland endet der Bargeldspaß bei 1.500, in Spanien bei 2.500 Euro, in Frankreich sind die regierenden Neobolschewiken noch nicht ganz mit sich im Reinen und brüten über ein zweckmäßiges Limit, in England ist der Gebrauch von 500,–Euro-Scheinen verpönt und in Schweden träumt man bereits von der totalen Kontrolle durch den Leviathan und einem „Leben ohne Bargeld“.

 

Wenn das eben in Zypern über die Bühne gehende Drama nur ein Gutes gebracht hat, dann die brachial erteilte Lehre, was ein „Leben ohne Bargeld“ in einer entwickelten, arbeitsteiligen Gesellschaft bedeutet: blankes Chaos. Hätten die zypriotischen Haushalte nicht noch über gewisse Bestände an Bargeld verfügt, wäre es ihnen nach der hoheitlich verordneten (bisher immerhin neun Tage dauernden) Schließung der Banken nicht einmal mehr möglich gewesen, selbst einfachste Grundbedürfnisse zu befriedigen, also etwa Lebensmittel einzukaufen. Wer allein auf „virtuelles“ Geld in Gestalt bunter Plastikkarten angewiesen ist, muß im Fall der Fälle eben hungern. Wer an den politischen Schalthebeln sitzt, entscheidet dagegen, ob – und von wem – gegessen wird oder nicht. Entspricht das dem Wunsch mündiger Bürger?

 

Daß Nomenklatura und Bankenwelt entschlossen auf eine Abschaffung des Bargeldes hinarbeiten, leuchtet indes ein. Während es den Apparatschiks in den Politbüros um eine weitere Ausdehnung ihrer Macht geht – wenn es ihnen gerade nicht passt, kann der Bürger sich auf legale Weise dann nicht einmal mehr ein Stück Brot kaufen – ist es für die Banken der zusätzlich winkende Umsatz. Schließlich bringt jede einzelne Transaktion den Finanzhäusern Geld. Ein Leben ohne Konto wäre nicht mehr möglich – selbst einem Einsiedler nicht. Die Kontrolle des Staates über seine Bürger wäre nahezu total, denn schließlich hinterlässt jede Benutzung von Kredit- oder Bankomatkarten Spuren. Daß mit der Abschaffung des Bargeldes auch privates Eigentum ein Stück weiter dem Zugriff des Fiskus ausgesetzt wird, liegt auf der Hand. Konten einzufrieren oder abzuräumen, ist für den Staat allemal bequemer, als Haussuchungen vorzunehmen, um unter Matratzen verstecktes Geld zu konfiszieren. Seine treuesten Handlanger und Komplicen – die Geschäftsbanken – stehen jederzeit bereit, dem Großen Bruder zu helfen.

 

Wer einwendet, er habe tatsächlich nichts zu verbergen, und es sei ihm daher egal, ob die Regierung jeden seiner Schritte überwacht, sollte sich einen Moment lang in die Lage eines regierungskritischen Nonkonformisten versetzen. Hätten die Terrorregimes des 20 Jahrhunderts über Mittel verfügt, in dem Maße jede Geldbewegung zu kontrollieren oder zu unterbinden, wie sie in der Alten Welt gerade verwirklicht werden, wären die von ihnen produzierten Leichenberge noch deutlich höher ausgefallen. Viele weitere Menschen wären dann schlicht verhungert…

 

Der naive Traum vom real existierenden Rechtsstaat kann – spätestens nach den rezenten Ereignissen auf Zypern – endgültig begraben werden. Jedes Vertrauen auf die Rechtmäßigkeit staatlichen Handelns läuft seither auf grobe Fahrlässigkeit hinaus. Der Staat ist und bleibt, wie es die zypriotische Regierung eben beispielhaft vorgeführt hat – eine kriminelle Organisation. Seine Macht kommt aus den Gewehrläufen – denen seiner eigenen Büttel oder denen der Eurogendfor. Rechtssicherheit gibt es nicht (mehr).

 

Es ist zu spät, den Anfängen zu wehren. Jetzt geht es – bis zum bevorstehenden Kollaps des herrschenden Ponzi-Systems – nur noch um Schadensbegrenzung. „Leben ohne Bargeld“ bedeutet, den in den Regierungsvierteln lauernden Räuberbanden auf Gedeih und Verderb ausgeliefert zu sein. Der Besitz von Bargeld dagegen ist ein Ausdruck von Freiheit. Entschlossener Widerstand gegen seine Abschaffung ist daher Bürgerpflicht.

 

Tagebuch

 

13 Gedanken zu „Nur Bares ist Wahres….

  1. Roms

    PS:
    Zu den letzten drei Absätzen von A.Tögel gibt es auch noch eine schöne Quelle, wenn man an Dejavuerlebnisse glaubt. Anderenfalls: Einfach zum Nachdenken!

    Verordnung über die Anmeldung von Vermögen (für bestimmte Österreicher, 1938)
    http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?apm=0&aid=glo&datum=19380004&seite=00000249&size=45

    Verordnung für die Beteiligung an einer Sühnekontribution von einer Milliarde RM (ebenfalls für bestimmte Österreicher, ein paar Monate später)
    http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?apm=0&aid=glo&datum=19380004&seite=00002833&size=45

  2. Thomas Holzer

    Die Politik setzt alles daran, daß NICHT gespart, sondern nur mehr konsumiert wird, in der trügerischen Hoffnung, dadurch die Wirtschaft -staatlich verordnet natürlich- wieder in Schwung zu bringen.
    Andererseits, wer hat denn diese Politiker gewählt, und wer wählt diese nicht ab?!

  3. Samtpfote

    OT
    Diese verdammte Erderwärmung…. 🙁 🙁

    PS:
    Sogar Sparkonten werden eingefroren….

  4. Thomas F.

    Besonders wichtig wird sein, auch noch den Besitz von Gold zu verbieten, denn irgendwann funktioniert das mit dem Gelddrucken nicht mehr, wenn man den Bürgern nicht den letzten Ausweg abschneidet.

  5. Thomas Holzer

    @Thomas F.
    Wenn in absehbarer Zeit das Bargeld verboten sein wird, jeder EU-Bürger von EU-Gnaden sein “Recht auf ein Konto” verpflichtend in Anspruch genommen hat, wird über kurz oder lang dem Bürger vorgeschrieben werden, wieviel er pro Tag mit seinem Plastikkarterl ausgeben darf.
    Darauf verwette ich mein letztes Bargeld 😉

  6. Roms

    Thomas F. :Besonders wichtig wird sein, auch noch den Besitz von Gold zu verbieten, denn irgendwann funktioniert das mit dem Gelddrucken nicht mehr, wenn man den Bürgern nicht den letzten Ausweg abschneidet.

    Nicht nur Gold, auch das Verbot des Besitzes von Valuten gehört zum Standardrepertoire von Regierungen. ZB für den Fall, dass sich der US-Dollar oder sogar das britische Pfund als Nebenwährung etablieren sollten.

  7. Samtpfote

    Aus in der Regel gut informierten Kreisen sickerte durch, dass schon ein Verbot des Monopoly-Spiels zur Diskussion gestellt wird.
    Dass der Verband der “Herausgeber Deutscher Wörterbücher e.V., Berlin Kreuzberg” die Streichung des Wortes “Bargeld” ins Auge fasst, konnte (noch) nicht verifiziert werden. Ich bleibe aber d’ran….

  8. Roms

    Thomas Holzer :@Thomas F.Wenn in absehbarer Zeit das Bargeld verboten sein wird, jeder EU-Bürger von EU-Gnaden sein “Recht auf ein Konto” verpflichtend in Anspruch genommen hat, wird über kurz oder lang dem Bürger vorgeschrieben werden, wieviel er pro Tag mit seinem Plastikkarterl ausgeben darf.Darauf verwette ich mein letztes Bargeld

    Alles Bargeld in € wird wohl nicht verboten werden, weil der Kosovo würde sich sonst mächtig aufregen! 🙂

  9. Sven Lagler

    Edelmetalle könnte in naher Zukunft einer ähnlichen Regelung ausgesetzt werden wie Waffen.
    In einer Übergangsfrist muss man melden wie viel man hat. Es könnte eine Regelung geben, wie viel man behalten und oder in € umwechseln darf / muss. Im schlimmsten Fall ist nach der Übergangsfrist ist der Besitz illegal.

  10. Titus Feuerfuchs

    Wenigstens ist nach der Abschaffung des Bargeldes ein allfälliges Bettelverbot obsolet. 🙂

  11. Erich Bauer

    (Zitat: Andreas Tögel) – “… eine kriminelle Organisation…”

    Es scheint mir etwas unzulässig eine “kriminelle Organisation”, die sich in EU und deren Vasallen (enteierte Mitglied”staaten”) offensichtlich manifestiert, mit einem auch nur halbwegs funktionstüchtigen Staatswesen gleichzusetzen… Wenn die EU es sich zur Aufgabe macht, Staaten zu zerstören, indem man die “Staatenlenker” zu Vogte von “Ländereien” erklärt, und mit der Erlaubnis ausstattet, in der Zeit ihrer “Regentschaft” hemmungslose Ausbeutung zu betreiben…

    Das hat mit “Staat” nicht das geringste mehr zu tun. Daher scheint mir Ihr Beispiel nicht sehr geeignet für irgendwelche “Staatstheorie”. Denn, wie Ihre Feststellungen zeigen ist bereits der heutige Status “beispiellos”… vom “Mauerfall” an beginnend.

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