Nur der Einzelne zählt….

“.…Die Gesellschaft ist ein Erzeugnis des Willens und der Tat. Wollen und Handeln können immer nur Menschen. Alle Mystik und Symbolik der kollektivistischen Philosophie kann uns nicht darüber hinweghelfen, dass wir vom Denken, Wollen und Handeln von Gesamtheiten nur figürlich reden können, und dass die Vorstellung empfindender, denkender, wollender und handelnder Kollektiva nur ein Anthropomorphismus ist….” (Ludwig v. Mises)

6 comments

  1. Fragolin

    Bei aller gebührenden Wertschätzung für den Intellekt und die Weitsicht Herrn von Mises, heute haben wir weitreichendere Erkenntnisse zu Schwarmverhalten und Gruppendynamik. Der Mensch ist zwar ein Individuum, aber auch ein soziales Wesen. Die Handlungen eines Menschen absolut abgekoppelt von seinem sozialen Umfeld, von seiner elterlichen und gesellschaftlichen Sozialisierung, von Gruppendruck und Gruppenzielen zu betrachten, greift zu kurz.
    Wer behauptet, die Taten Einzelner im Namen einer Gruppe hätten nichts mit der Gruppe und deren anderen Mitgliedern zu tun, hat den Sinn für Realität verloren.
    Wer behauptet, deshalb sei auch nur der Einzelne verantwortlich zu machen, die Gruppe aber nicht weiter zu behelligen, verfährt fahrlässig und begünstigt das weitere Wirken der anderen Gruppenmitglieder.
    Um allein verantwortlich zu sein, muss man eine Entscheidung getroffen haben. Diese Entscheidung basiert aber nicht auf einem Weltbild, das sich der Einzelne aus dem Nichts heraus selbst geschaffen hat, sondern es wurde durch Erfahrungen mit seiner Umwelt geformt. Jede Entscheidung eines Einzelnen spiegelt also das Weltbild wider, das durch seine Umwelt in ihm geformt wurde. Das sollte man nicht vergessen.
    Versteigerungen wie die generelle “Die Gesellschaft ist immer Schuld!”-Entschuldigung lasse ich aber auch nicht gelten, zumindest nicht in unserer Gesellschaft, die dem Einzelnen sehr viel mehr Spielraum für Entscheidungen und sehr vielfältigeren Input zum Formen eines eigenen Weltbildes lässt als zum Beispiel die Iranische oder Saudische. Aber ganz ausblenden kann man sie auch nicht.
    Die Umwelt formt den Menschen.

  2. Thomas Holzer

    Jedem Menschen ist es aber auch freigestellt, sich Schwärmen und Gruppen zu entziehen.
    Es wird niemand durch Sozialisierung etc gezwungen, sich Hooligans, IS, Sozialisten, Kommunisten, Etatisten, Bauernbündlern oder welch auch anderen Kollektven anzuschließen; schon gar nicht in Zeiten des Internet. Nicht eine Gruppe glaube, sondern immer nur die Person (und ja, ein Glaube/eine Überzeugung kann natürlich dadurch, daß sich eine Person einer Gruppe zugehörig fühlt, verstärkt/”vertieft” werden; aber es ist immer noch die Person für ihre Taten verantwortlich)

    “Die Umwelt formt den Menschen.”
    So eindimensional ist die Welt nun auch wieder nicht

  3. A.Felsberger

    „Das Verlangen nach ‚Freiheit des Willens‘, in jenem metaphysischen Superlativ-Verstande, wie er leider noch immer in den Köpfen der Halb-Unterrichteten herrscht, das Verlangen, die ganze und letzte Verantwortlichkeit für seine Handlungen selbst zu tragen und Gott, Welt, Vorfahren, Zufall, Gesellschaft davon zu entlasten, ist nämlich nichts Geringeres, als eben jene causa sui zu sein und, mit einer mehr als Münchhausen’schen Verwegenheit, sich selbst aus dem Sumpf des Nichts an den Haaren in’s Dasein zu ziehn.“ (F.Nietzsche)

  4. A.Felsberger

    Der Mises zählt zu jenen Menschen, die auf die Feststellung “Die Erde dreht sich um die Sonne” antworten: “Das sollte nicht so sein.” Und als “Beweis” verweist er auf den Anthropomorphismus der Planeten, die sich nur einbilden Planeten zu sein und in Wahrheit wählen könnten. Dabei führt ihm seine eigenes Dasein als “hochdekorierter Bürokrat und Leistungsträger” vor Augen, dass er standesgemäß ein Leben lang nur um die Sonne (=Staat) kreiste. Er hat gehorcht und in diesem Gehorchen ist ihm eine Funktion zugeordnet worden, die ihn als “guten Bürger” ausweist. Das ist ihm alles egal, er negiert seine eigene Existenz, und spinnt sich in eine andere Welt. Schlimmer als Marx, der wenigstens noch den Mut hatte für seine “Ideen” vom Staat verfolgt zu werden. Schreibtischtäter, das sind diese Leute! Die den Menschen Hoffnungen in die Augen streuen, die sich nie bewahrheiten werden, eben weil sie Planeten der Sonne (=des Staates) sind und als “Leistungsträger” auch immer sein werden.

  5. H.Trickler

    @Fragolin
    >”Die Umwelt formt den Menschen.”

    Das wird niemand ernsthaft bestreiten wollen. Aber Mises hat schon recht, dass immer der Einzelne verantwortlich ist, selbst wenn es ein angeblich kollektiver Entschluss war.

    Und man ist auch verantwortlich, wenn man nicht denkt oder nicht entscheidet, nämlich für die Unterlassung und die daraus resultierenden Folgen.

  6. Thomas Holzer

    Und da gewisse Menschen diese (Eigen)Verantwortlichkeit nicht nur bezweifeln, sondern geradezu verneinen, fällt es umso leichter, für überhaupt nichts mehr verantwortlich sein zu können/dürfen. Diese Entwicklung wird ja auch von unseren Politikerdarstellern tatkräftig mit allerlei Gesetzen unterstützt und forciert.

    Nur stellt sich mir dann die Frage, warum die Verfechter dieser “Idee” diese Nichtexistenz einer Verantwortung nur allzu liebend gerne an andere Personen delegieren, die doch auch keine Verantwortung übernehmen können, für sich selbst nicht, warum dann jedoch für andere?!
    Da bleibt die Logik doch ein bisschen auf der Strecke………..

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