Österreich, Die Insel der vergnügten Entmündigten

Von | 25. Mai 2015

(C.O.) Bauarbeiter sollen nach dem Willen der Regierung künftig nicht mehr bar entlohnt werden dürfen, sondern nur noch über ein Bankkonto. Nicht unverständlich, denn gerade dem Baugewerbe sollen steuervermeidende Praktiken nicht ganz fremd sein. Das Bargeldverbot lässt sich daher plausibel als Maßnahme gegen die Steuerhinterziehung verkaufen.

Konsequenterweise wird es aber früher oder später nicht beim Bau bleiben. Denn auch im Bereich der häuslichen Reinigungsdienste sollen ja steuerschonende Cash-Transaktionen die Regel sein, genauso wie in trinkgeldintensiven Dienstleistungen. Konsequenterweise müsste künftig auch das Honorar der Putzfrau nur noch per Bankanweisung legal möglich sein und der Bargeld-Schmattes für den Friseur zum Fiskaldelikt erklärt werden.

Zum generellen Bargeldverbot, wie es erst dieser Tage der prominente deutsche Ökonom Peter Bofinger forderte, ist es da nicht mehr weit.

In Kombination mit der Einführung des Kontoregisters, der Abschaffung des Bankgeheimnisses und dem formlosen Behördenzugriff auf alle privaten Kontodaten haben wir es hier zweifellos mit dem massivsten Eingriff in die Freiheitsrechte der Bürger seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu tun: der Abschaffung der Privatsphäre des Individuums. Denn wenn der Staat jede auch noch so intimste Handlung seiner Untertanen überwachen kann, existiert diese Privatsphäre nicht mehr.

Wie konsequent sie beseitigt wird, zeigt Deutschland. Dort wurde 2005 der Behördenzugriff auf Konten aus Gründen der Terrorprävention ermöglicht und 8700 Mal genutzt. 2014 knackten unterschiedlichste Behörden schon mehr als 200.000 Mal das nicht mehr existente Bankgeheimnis. Was eher nicht mit einer derart stark verschärften Bedrohungslage zusammenhängen dürfte.

Am verblüffendsten an dieser Entsorgung der Privatsphäre durch den Staat ist, wie apathisch und gleichgültig die Opfer diesen Angriff hinnehmen. Einer hierorts nicht untypischen Prioritätenpervertierung folgend hyperventiliert die halbe Republik um Song Contest, Life Ball, Conchita Wurst und Andreas Gabalier, während die Entsorgung bürgerlicher Grundrechte hingenommen wird wie Schlechtwetter zu Pfingsten.

Zum Teil liegt das natürlich daran, dass es der Regierung ganz gut gelungen ist, all diese Maßnahmen unter dem Label “Steuergerechtigkeit” zu verkaufen und bei den meisten das Gefühl zu erzeugen, ohnehin nicht betroffen zu sein. Das wird sich zwar als ziemlicher Irrtum herausstellen, aber dann wird es schon zu spät sein. Zum Teil liegt es auch daran, dass längst Realität ist, wovor der Medienforscher Marshall McLuhan 1985 warnte: “Wenn ein Volk sich von Trivialitäten ablenken lässt, wenn das kulturelle Leben neu bestimmt wird als eine endlose Reihe von Unterhaltungsveranstaltungen, als gigantischer Amüsierbetrieb, wenn der öffentliche Diskurs zum unterschiedslosen Geplapper wird, kurz, wenn aus Bürgern Zuschauer werden und ihre öffentlichen Angelegenheiten zur Varieté-Nummer herunterkommen, dann ist die Nation in Gefahr – das Absterben der Kultur wird zur realen Bedrohung.” Das gilt natürlich besonders für die politische Kultur, also das Einmischen der Bürger in ihre eigenen Angelegenheiten, wie etwa die Demontage bürgerlicher Grundrechte. (“WZ”)

10 Gedanken zu „Österreich, Die Insel der vergnügten Entmündigten

  1. Zaungast

    Sehr gut geschrieben. Leider wird es den “Medianwähler” nicht erreichen. Er wird es erst – wenn überhaupt – begreifen, wenn es längst zu spät ist.

  2. Mourawetz

    Wenn nur mehr Frauenpolitik und so Gedöns (Gerhard Schröder) den politischen Diskurs bestimmen und die Message im Medium verkommt (the medium is the message. Marshall McLuhan), hats der Leviathan  leicht, die Freiheit in Form des Bargeldes (Geld ist geprägte Freiheit,  Fjodor Michailowitsch Dostojewskij) abzuschaffen ohne dass das jemanden sonderlich stört. Hängen schon alle an den Klebeelektroden der Matrix, ESC gewaschen und life ball bescheuert, Zombies mit durchgeschalteten Synapsen im (Social) Media, abgestumpft, nichtsahnend zur Abtragung der Freiheit.

  3. Syria Forever

    Shalom Mourawetz.

    Guten Feiertag!

    Weil ich in diesem Moment über das selbe Thema mit meiner Frau sprach.
    Anfang des 20.JH; Europa blühte an Intellekt und Wissen, und das wurde auch umgehend beendet. WWI und WWII waren die Folgen und der Austausch der Intellektuellen, nach Zuschnitt, ging einher. Heute nennt man diese pseudo Intellektuellen auch gerne “Experten”.
    Wenn Sie die Geschichte Europas verfolgen werden Sie dieses Ausmustern alter Intellektueller gegen neue, von der Herrschaft geschaffene, immer wieder finden. Der Adel und die Kirchen haben dafür gesorgt Europa auf Bildungsstandards zu trainieren, je nach Belieben und politischen und/oder religösen Anforderungen (derzeit wird Europa auf “Standard Islam” trainiert..).

    Europa ist am Ende eines langen Prozesses angekommen. Historiker werden Hallen mit Büchern füllen die über diesen Niedergang berichten. Ein Kontinent der an Arroganz und Ignoranz erstickte; “Europa”

    Guten Tag.

  4. O.d.S.

    Es verwundert schon sehr, dass sich derart viele angeblich Liberale, von der Barbeldverbitsdiskussion blenden lassen. Weder der kluge Kämpfer für Freiheit, noch die sozialistischen Raubtiere glaubt ernsthaft an ein Bargeldverbot. Denn die Folgen wären, dass Währungen erstarken oder eingeführt werden, die den Euro zerbröseln würden.
    Das eigentliche Ziel dieser Debatte ist für den Brüsseler Sowjetmachtapparat die Stärkung der bunten Fetzen. Man sieht ja jetzt schon deutlich an den Diskussionen, dass das Bargeld, was ja wertloses Toilettenpapier ist, wieder an Wert gewinnt.
    Honi soit qui mal y pense.

  5. feldscher

    @ O.d.s
    ……ich glaub, ich bin zu blöd für den Kommentar.

  6. O.d.S.

    @feldscher

    Ich wusste nicht dass der verehrte Herr BK höchstselbst in diesem Forum verkehrt.

  7. sokrates

    Guten Abend Syria forever!
    ..der Adel und die Kirchen haben dafür gesorgt Europa auf Bildungsstandards zu trainieren, je nach Belieben und politischen und/oder religiösen Anforderungen (derzeit wird Europa auf “Standard Islam” trainiert…?.
    Habe in den 70-ern studiert und hatte nicht den Eindruck dass der Adel und die Kirchen großen Einfluss hatten! Religion war eigentlich ziemlich unwichtig – auch in der Türkei ( Istanbul) ging kaum eine Frau verschleiert, eine Religionssendung im österreichisch / deutschem TV ausgenommen urbi et orbi war mir nicht bekannt: Scholl Latour prognostizierte für die Zukunft Religionskriege, die für den Durchschnittskonsumenten nicht vorstellbar waren.( Nordirland war kein Krieg von Ideologien). Der Abstieg begann meiner Meinung mit Bolognia wo man das humanistische Prinzip der Bildung zugunsten des Spezialisten” der betriebsblinde vertrottelte Buchhaltungsspezialist opferte! Alle ” Fliederfächer” die nicht unmittelbar Nutzen stiften wie Philosophie, Strategie, Gesamthaftes Denken wurden mehr oder weniger gestrichen, begeistert forciert von der EU die den Neuen Menschen, einen intellektuellen Volltrottel der dankbar ist wenn ihm die EU erklärt welches Licht er aufdrehen darf – ohne dass ihm ein Licht aufgeht – was er essen trinken oder rauchen darf , nicht sieht wie demokratische Strukturen und alle Werte zerstört werden und dankbar über die EU ist die ihm vor den Kampf der Kontinente, von den USA und China schützt!
    Eliten wie die Kommunistin Merkl oder der Alkoholiker Junkers (” kleiner Diktator zu Orban – schaun Sie sich das auf You tube an, der ist völlig im Öl”) werden nicht hinterfragt! Größtes Rätsel für mich ist wie es die EU schaffte innerhalb kürzester Zeit das Denken in Europa auszuschalten! –

  8. Syria Forever

    Shalom Sokrates.

    Ein von mir hoch geachteter Mann sagte; “Länder, Staaten, Gesellschaften sind wie Wellen im Meer. Einmal Oben einmal Unten. Ich denke nicht in Wellen, ich denke und arbeite für den Ozean deshalb denke ich in anderen, zeitlichen Dimensionen.”
    (Oktay Sinanoglu)

    Ich widerspreche Ihnen nicht, Bologna war ein weiterer Ziegel am Grabstein der Bildung in Europa.
    Sie dürfen nicht in ein Jahrzehnten denken, denken Sie in Jahrhunderten. Diese Prozesse brauchen seine Zeit, doch Sie haben Punkte erwähnt die als Beispiele ausgezeichnet funktionieren.
    Religionen, Ethnien, Rassismus.
    In den 70igern, wie Sie selbst schreiben, waren Religionen kein besonderes Thema. Auch Rassismus, verschiedene Ethnien, Hautfarbe, Geschlecht uvm. waren keine besonderen Themen.
    Heute?
    -Religionen und deren Kriege haben wieder die Macht übernommen,
    -Rassismus und Ethnische Unterschiede bestimmen die Nachrichten,
    -Diskriminierung von Geschlecht und Sexueller Ausrichtung usw..
    -Stammeskriege
    Tiefstes Mittelalter (es hat gute Gründe das Historiker die Zeit nach der Fr. Revolution als “Dark Ages” bezeichnen!)!
    Europa ist eine Ansammlung primitiver Stämme die sich nicht ausstehen können. Auch wird der Limes vergessen. Eine historische Trennlinie die Europa Grundsätzlich teilt. Griechenland zeigt es vor..

    “Standard Islam”
    Vergleichen Sie die Zeit Ihrer Studien mit dem jetzt und heute. Ich denke ich muss nicht weiter ausführen.
    Vielleicht noch. Dieser Prozess hat Mitte des 19. JH in Saudi Arabia begonnen (Wahabismus ist ein Erfindung der Engländer), hatte mit Ägypten eine etwas moderatere Plattform und ist spätestens mit den Naaz in Europa angelandet.

    Die Menschen sind zu Zusehern verkommen die einer Show ungebildeter Clowns folgen. Geplante Prozesse? Selbstverständlich!
    Wenn ich schreibe Europa ist am Ende dann ist Europa am Ende.

    Guten Abend!

  9. Rennziege

    25. Mai 2015 – 17:14 Syria Forever
    Und wieder einmal eine ex-cathedra-Verlautbarung aus Ihrem allwissenden Mundwerk:
    Wenn ich schreibe Europa ist am Ende dann ist Europa am Ende.
    Das mag für die EU stimmen, nicht aber für die paar Europäer und ihre Staaten, die noch halbwegs bei Sinnen sind. Österreich gehört leider nicht dazu. Das UK, Polen, Tschechien, die Slowakei, Ungarn, große Teile Skandinaviens, die Republik Irland und besonders die Schweiz aber schon.

  10. sokrates9

    Rennziege@ Stimme zu, ich schreibe es nicht gerne, aber ergänzend als alter Russlandkenner ist dieses Land in vielen Dingen liberaler als die USA!

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