Österreich, eine karges Feld für Liberale

(JOSEF STARGL) Die Geschichte Österreichs zeigt, dass die Ideen der Aufklärung und des Liberalismus bis heute in diesem „Land des Aufgeklärten Absolutismus“(!), des Deutschliberalismus der Honoratioren, des Antiliberalismus der Massenparteien, des antimarktwirtschaftlichen konsensorientierten Austro-Korporatismus der Arrangementkultur-Experten sowie des Austro-Keynesianismus der Etatisten und der an Ergebnisgerechtigkeit orientierten sozialistischen Konstruktivisten in allen Parteien und Verbänden keinen besonderen Stellenwert hatten.
Liberale Forderungen waren in Mitteleuropa im 19. Jahrhundert eng mit nationalen Überlegungen verbunden. Nach 1866 war die liberale Einstellung in Österreich „Deutsch-liberal“. Der „Schwarze Freitag“ des Jahres 1873 „bewirkte“ das Ende des politischen Liberalismus in Österreich. Danach setzte sich das Streben nach „sozialer Sicherheit“ durch. Es begann der Aufstieg der Sozialisten/Sozialdemokraten und der Christlich-sozialen.
Damals wurde der Liberalismus in Österreich mit kapitalistischen und mit antiklerikalen Positionen, mit Juden und mit Freimaurern assoziiert und identifiziert. Noch heute fühlen sich zahlreiche Christen in diesem Land (automatisch) als Gegner des Liberalismus. Unter den wenigen Liberalen sehen viele nach wie vor im Christentum und vor allem in der katholischen Kirche ein Feindbild.
Enttäuscht vom Liberalismus und gefördert durch Wahlrechtsreformen wandten sich die Wähler bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts immer mehr jenen zu, die „klassenkämpferisch“ ein „gesellschaftliches Eigentum“, eine Gemeinwirtschaft, einen Staatssozialismus, staatliche Umverteilung, eine „Zustände- und Gesinnungsreform“ durch eine christliche Sozialreform sowie durch eine christliche Erziehung und durch eine „genossenschaftliche Kooperation statt Gewinnstreben“ forderten.
Im 20. Jahrhundert wurden in Österreich der Antiliberalismus und der Antikapitalismus zum Grundkonsens. Für einen politischen Liberalismus und für die Ideen der Denker der Marktwirtschaft war und ist in diesem Land kaum Platz. Auch die Vertreter der österreichischen Schule der Nationalökonomie haben Österreich verlassen.
Die Anti(neo)liberalen agier(t)en gegen einen Liberalismus, den es in Österreich, dem „Land ohne Wettbewerb“, weder gab noch gibt.
Es war Reinhard Kamitz, der sich für eine mehr „freiheitlich-demokratische-marktwirtschaftliche Ordnung“ eingesetzt hat und die Idee einer Privatisierung verstaatlichter Unternehmen propagierte, die allerdings erst unter Wolfgang Schüssel realisiert wurde.
Den Sozialisten gelang bis heute keine Versöhnung mit dem wirtschaftlichen Liberalismus. Zahlreiche Funktionäre der „türkis lackierten strukturkonservativen Partei“ haben nach wie vor ein gestörtes Verhältnis zum Liberalismus.
Im Funktionärsstaat hat sich ein stark parteipolitisch durchsetztes und instrumentalisiertes Vereinswesen entwickelt, das bis heute eine antiliberale Bewusstseinsbildung bewirkt.

2 comments

  1. sokrates9

    Ein Land in dem sich viele nach einem Kaiser sehnen der ihnen alles vorschreibt und dem sie nacheifern können, kann nicht liberal sein!

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