Österreich gehen die österreichischen Unternehmen aus

Von | 16. Juli 2014

(GEORG VETTER) Dass die österreichische Regierung keinen Unternehmergeist hat, ist allgemein bekannt. An allen Ecken und Enden wird der Stillstand beklagt. Anlässlich der Mehrheitsübernahme bei der Telekom Austria durch den mexikanischen Mobilfunkanbieter America Movil stellt sich die Frage, ob uns die österreichischen Unternehmen auszugehen drohen.

Dass die Sozialdemokraten immer ein schlechtes Händchen in Sachen Wirtschaft gehabt haben, ist kein Geheimnis. So haben sie in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts nicht nur die Verstaatlichte Industrie in Grund und Boden gewirtschaftet – sie haben auch ihre eigenen Betriebe den Bach hinunter gehen lassen (vorwärts, Konsum, BAWAG). Es war daher eine der wirklich zukunftsweisenden Entscheidungen der Regierung Schüssel, die ÖIAG möglichst selbständig arbeiten zu lassen und zahlreiche Privatisierungen durchzuführen. Hätte es zu Beginn der Krise 2008 noch einen Staatseinfluss etwa auf die VOEST gegeben, hätte diese kaum so unbeschadet aus dieser Krise herausgefunden. Wenn Generaldirektor Wolfgang Eder den 31. August 2005 als den schönsten Tag seines Lebens bezeichnet, weil die Republik damals ihre letzte VOEST-Aktie veräußerte, verstehe ich ihn voll und ganz.

Seit SPÖ und ÖVP wieder zusammen regieren, sind die Privatisierungen gestoppt worden. Nur die AUA wurde „verkauft“ – um nicht zu sagen: mit einer Mitgift von EUR 500 Millionen notverschenkt. Dies ist symptomatisch für die derzeitige Regierung: Man handelt nicht aus wirtschaftlicher Vernunft, sondern unter dem Druck der äußeren Ereignisse. Dies ist auch bei der Hypo Alpe Adria so.

Auch das Loslassen bei der Telekom Austria erfolgte unter wirtschaftlichen Zwängen. Sogar von einer „Todesspirale“ war die Rede. Herausgekommen ist ein zweifelhafter Kompromiss. Das Unternehmen wurde gerettet, ohne Not hat sich die ÖIAG allerdings verschuldet, um einen Viertelanteil zu behalten – der politisch herzeigbar, beteiligungspolitisch allerdings überflüssig ist.

Weitsicht ist nicht gerade des Politikers erste Tugend. Auch nicht die Einsicht in wirtschaftspolitische Zusammenhänge. Wenn die VOEST heute in Texas ein neues Werk baut, fragt man sich in Österreich nicht, ob die Arbeitskosten zu hoch sind, ob die Steuern zu hoch sind, ob die Energiekosten zu hoch sind etc – man bezweifelt einfach den Patriotismus der Handelnden.

Die Wiener Börse träumt vor sich hin, österreichische Unternehmer blicken bereits nach Singapur, Hongkong und Shanghai – und die Politik pejorisiert hohe Managergehälter. Ergebnis: Gute Manager gehen ins Ausland.

Statt über Vermögensteuern laut nachzudenken bedarf es in Österreich der Förderung vermögensbildender Maßnahmen. Wer möchte, dass Unternehmen wie die Telekom Austria in österreichischer Hand bleiben, muss auch dafür sorgen, dass das Geld vorhanden ist, solchen Unternehmen das entsprechende Kapital zur Verfügung zu stellen.

Binsenweisheit für Politiker: Kapitalismus braucht Kapital. Und Politiker brauchen Unternehmergeist. Nur so kann Österreich den derzeitigen Stillstand, der in den Abgrund führt, überwinden.

3 Gedanken zu „Österreich gehen die österreichischen Unternehmen aus

  1. Christian Peter

    ‘Österreich gehen die österreichischen Unternehmen aus’

    na ja, mit der Wirklichkeit hat das nicht sehr viel zu tun. 99,7 % der Unternehmen in Österreich sind kleine und mittelständische (österreichische) Unternehmen, welche netto mehr als 80 % der öffentlichen Finanzen tragen (Steuern und Sozialabgaben), während Großunternehmen mehr Subventionen erhalten als Steuern bezahlen. Daher kann nur eines gelten : Schluss mit Privilegien und Subventionen für Großunternehmen und Kapital, Mittelstand entlasten.

  2. DNJ

    Ah der Traumtänzer vom TS wieder mal, und wie lebt es sich mit der zusätzlichen NR-Gage?

  3. Christian Peter

    @DNJ

    der träumt von einer Privatisierungswelle als Finanzminister..

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.