Österreichs 6 sozialdemokratische Parteien

Von | 31. Mai 2016

(ANDREAS TÖGEL) „Zerrissene Republik“, „Tiefe Spaltung der Gesellschaft“ – so oder so ähnlich, lautet der Tenor der Berichterstattung in- und ausländischer Medien nach der „Richtungswahl“ zur österreichischen Bundespräsidentschaft. Über ganze 31.000 Stimmen Vorsprung vor seinem „rechten“ Widersacher durfte sich der Politrentner Van der Bellen am Ende freuen. Angesichts des Schulterschlusses aller politischer Kräfte, die sich auf Seiten des Guten wähnen und sich daher für ihn stark gemacht haben, ist das ein peinlich schwaches Ergebnis, wie mittlerweile auch den edelsten aller Bessermenschen dämmert.

Was hat es nun mit der „Spaltung“ und der „Zerrissenheit“ der Republik auf sich? Besteht sie tatsächlich oder handelt es sich bei der inszenierten Erregung um einen Sturm im Wasserglas?

Die stark unterschiedlichen Wahlresultate in Stadt und Land einerseits, sowie bei männlichen und weiblichen Wählern andererseits, lassen sich nicht wegdiskutieren. Dass in schadstoffreicher Stadtluft linke Ideen besser gedeihen und Frauen dafür eher zu begeistern sind als Männer, ist indes nichts Neues. Linke leben nun einmal in der Stadt und nicht auf dem Dorf und politisch interessierte oder gar aktive Frauen trifft man in den Reihen der Grünen oder in anderen Linksparteien eben wesentlich häufiger an, als bei konservativen oder liberalen Kräften. Das war so, ist so und wird sich so bald auch nicht ändern.

Dass die Wähler Van der Bellens im Schnitt über höhere Bildungsabschlüsse verfügen als diejenigen, die Norbert Hofer den Vorzug geben, mag ebenfalls stimmen. Allerdings muss man wissen, dass im Land der Hämmer ein höherer Bildungsabschluss traditionell auch mehr Staatsnähe bedeutet. „Wer in Österreich studiert hat, will Beamter werden“, so der Historiker Lothar Höbelt und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Die Massenuniversitäten produzieren Unmengen von Absolventen überflüssiger Orchideenfächer – Akademiker, die für die Wirtschaft unbrauchbar sind, der Marktwirtschaft und dem „Kapitalismus“ kritisch bis feindselig gegenüberstehen und Zeitlebens niemals an der Wertschöpfung teilnehmen. Das unterscheidet sie von den „einfachen“ Hofer-Wählern, die Großteils produktiv tätig und (vielfach als Selbständige) jenen Fährnissen des Marktes ausgesetzt sind, von denen die anderen allenfalls aus Büchern und Zeitungen etwas wissen. Diese „einfachen“ Menschen sind zwar diejenigen, die mit ihren (Steuer-)Leistungen dafür sorgen, dass von Steuergeld  lebende Linke ein unbeschwertes Leben führen können, ernten dafür aber nichts als Geringschätzung und Verachtung des in Ämtern, Kirchen, NGOs, Redaktionen und Künstlerzirkeln sitzenden akademischen Lumpenproletariats. Insofern hat die Diagnose einer „Spaltung“ der Republik schon ihre Richtigkeit. Allerdings besteht diese nicht erst seit der Präsidentschaftswahl, sondern wurde dadurch nur offensichtlich. Außerdem handelt es sich um kein nur auf dem Nordbalkan zu anzutreffendes Phänomen, sondern gilt EU-weit.

Es darf indes ein anderer Aspekt nicht aus den Augen verloren werden, der diese Diagnose relativiert: Vier der sechs im Nationalrat vertretenen Parteien, haben den linken Kandidaten unterstützt – auch die angeblich „bürgerliche“ ÖVP. Die vermeintlich „rechten“ Freiheitlichen, die Norbert Hofer ins Rennen geschickt haben, erfreuten sich lediglich der vernachlässigbaren Unterstützung des „Teams Stronach“.

Ein Blick in die Parteiprogramme zeigt, dass es sich bei allen sechs Parteien faktisch um sozialistische oder sozialdemokratische Gruppierungen handelt. Allesamt stehen sie für eine rigorose Bevormundung der Bürger in Fragen der Arbeitszeit, der Bildung, bei den Pensionen und im Gesundheitssystem. Alle treten für einen progressiven Tarif bei der Einkommenssteuer und eine massive „soziale Umverteilung“ ein. Österreich ist – wie der Rest Eurolands (mit kleinen Einschränkungen in einigen Staaten des ehemaligen Ostblocks) – vollständig sozialdemokratisiert. Liberale oder gar libertäre Kräfte sucht man hier – anders als in den USA – vergebens. Für einen radikalen Rückbau der krebsartig wuchernden Bürokratie, den Abbau konfiskatorischer Steuern und ein Ende der unerträglichen Gängelung mündiger Bürger durch die Staatsgouvernante, tritt keine dieser Parteien in glaubwürdiger Weise ein. Auch die Freiheitlichen nicht. Die stehen nämlich, wie der Sozialsprecher und ideologische Mastermind Herbert Kikl betont, „verteilungspolitisch links“.

Wie tief sind die Gräben also tatsächlich, von denen die österreichische Gesellschaft durchzogen sein soll?

Die Gräben beschränken sich in Wahrheit auf den auch in jedem anderen Staat bestehenden Gegensatz zwischen denen, die Steuern zahlen und denen, die davon leben. Dass diejenigen, die schon den – gewaltig großen und stetig wachsenden – Teil der Unproduktiven durchzufüttern haben, wenig Lust haben, auch noch jährlich Zehntausendschaften von Sozialtouristen aus Afrika und dem Orient zu versorgen, kann kaum verwundern. Die bestehenden Benefiziare des Wohlfahrtsstaates aber haben leider noch immer nicht begriffen, dass jeder zusätzliche (ausländische) Esser die Ausgabe ihrer eigenen Wohlfahrtsschecks zunehmend gefährdet. Wer niemals für sein Geld arbeiten musste, entwickelt für diesen offensichtlichen Zusammenhang eben keinerlei Gespür und meint, der zu verteilende Kuchen falle einfach vom Himmel.

Der „tiefe Graben“ zwischen den Lagern, lässt sich somit am Ausmaß der staatlichen Umverteilung festmachen. Während die Linken die Segnungen des Wohlfahrtsstaates den Mühseligen und Beladenen der ganzen Welt zukommen lassen möchten (ohne dafür selbst auch nur den geringsten Beitrag zu leisten), wollen die „Rechten“ das den „Reichen“ und    “ den Besserverdienern“ gestohlene Geld lediglich unproduktiven eigenen Volksgenossen zugeschanzt wissen. Umverteilung ja – aber nicht an Schwarze und Levantiner – so könnte man diese Haltung zusammenfassen.

Die Linke wähnt sich, wie immer, im alleinigen Besitz der Moral. Diese arrogante Selbsteinschätzung gründet darauf, dass sie – noch hemmungsloser als die „Rechten“ – fremdes Gut enteignen und an Menschen umverteilen wollen, die zu dessen Produktion nichts beigetragen haben oder je beitragen werden. Dass sie mit dem massenhaften Import von Analphabeten aus Afrika und Asien, verlorengegangene autochthone Wähler zu ersetzen trachten (wie sie das bereits seit geraumer Zeit erfolgreich tun – die Ergebnisse der zurückliegenden Wahlen sind der nächstliegende Beweis), ergänzt lediglich den blanken Irrsinn durch Niedertracht.

Fazit: Nicht die Tiefe der Gräben zwischen den Lagern ist das Problem, sondern der völlige Mangel an Einsicht, dass auf dem Boden des bestehenden Systems eine Wende zum Besseren schlicht unmöglich ist.   (Vom Autor stammt auch, ganz aktuell: “Flüchtlingswelle und Völkerwanderung: Die Zukunft Europas steht auf dem Spiel“)

Tagebuch

14 Gedanken zu „Österreichs 6 sozialdemokratische Parteien

  1. Fragolin

    “Dass diejenigen, die schon den – gewaltig großen und stetig wachsenden – Teil der Unproduktiven durchzufüttern haben, wenig Lust haben, auch noch jährlich Zehntausendschaften von Sozialtouristen aus Afrika und dem Orient zu versorgen, kann kaum verwundern.”
    Treffender kann man es nicht formulieren. Umso perfider die Strategie des “akademischen Lumpenproletariats” mit den Verbindungen zu den Schlathebeln der Macht, den schuftenden Zahlschafen und Melkkühen “diffuse Ängste” und “dumpfe Ressentiments” zu unterstellen, ja sie sogar zu “Phobikern”, also therapiebedürftigen Geisteskranken, zu erklären – dieses Dreckspack ist sich nicht zu schade, in seiner Überheblichkeit, die glatt mit dem Grad ihrer Nutzlosigkeit konkurrieren kann, jenen, die ihnen all ihre süßen “wohlerworbenen” Rechte finanzieren, lachend in’s Gesicht zu spucken. Selten hat der Feudalismus einen widerlicheren, präpotenteren und ausbeuterischeren Adel produziert.

  2. Thomas Holzer

    @Fragolin
    Mißbrauchen Sie bitte nicht das Wort “Adel” in diesem Zusammenhang; auch in seinen dekadentesten Zeiten war der Großteil des Adels noch immer niveauvoller als alle, welche in unseren Zeiten auf Steuerzahlerkosten leben.
    Der ach so ausbeuterische Adel hat wenigsten Kunst und Kultur geschaffen, wovon wir heute noch zehren dürfen, auch materiell, die derzeit herrschende Nomenklatura schafft rein gar nichts Positives

  3. wbeier

    Was die Niedertracht von Sozialdemokraten aller Schattierungen letztlich auszeichnet, ist der Umstand gerade jene auszusackeln, deren Anwalt sie vorgeben zu sein. Echtes altes Geld war und bleibt unangreifbar und beim eigenen Filz ist wohl Schonung angesagt. Bleibt nur mehr das (noch) Massensegment des Mittelstands und auch des aufstrebenden Proletariats.
    Beispiele gefällig?: Junger Werkmeister und Gattin kfm. Angestellte. Unzählige Überstunden mit entsprechender Steuerlast und fast ohne steuerliche „Gestaltungsspielräume“. Entsprechend dem Familieneinkommen schrammen die beiden an allen Grenzen für Förderungen und Unterstützungen vorbei. Dafür waren seinerzeit monatlich an die 6000.- Schilling für zwei Kinderbetreuungsplätze an die Gemeinde Wien des Spezialdemokraten Helmuth Zilk abzudrücken. Aber und immerhin gab es im Gegenzug entbehrliche Sprüche von „Solidarität mit den Schwachen“ oder „starke Schultern müssen eben mehr tragen“.
    Nein, nein, werte Sozialdemokraten und Sozialisten aller Schattierungen! Der Abschnitt der Gaußschen Glockenkurve wo der Klang entsteht, hat nach Jahrzehnten zunehmender Abzocke und Verarschung mit euch fertig. Freundschaft!

  4. sokrates9

    Diesem System ist noch die EU übergestülpt, die Sozialismus in Reinkultur betreibt! Oder schon mal was von Produktivität in der EU gehört??Was aber noch schlimmer ist, dass es kein Entrinnen aus diesem System gibt!
    Klar sieht man es am Beispiel Griechenland, welches derzeit systematisch zerstört wird! Und selbst die Linken und Rechten nicken dort alle EU – Vorgaben ab, das Volk ist ihnen total egal!

  5. Der Realist

    Die bildungsfernen und unterprivilegierten Hofer-Wähler haben halt nur begriffen, dass es auf Dauer nicht funktioniert, dass immer weniger für immer mehr zahlen müssen.
    Außerdem ist die ganze Diskussion von Spaltung usw. ohnehin nur scheinheilig, das Ergebnis der Wahl ist in einer Demokratie eigentlich nichts Außergewöhnliches, nur stört halt die Koalition aller guten Menschen, dass ein Blauer mit ihrem “Flüchtlingskind”beinahe gleichauf ist. Zudem fällt schon auf, dass bis jetzt keinem die Kompetenzen des Bundespräsidenten als zu stark erschienen, klopft ein FPÖler an die Hofburgtür, gilt es diese umgehend zu beschneiden. Die Genossen mit ihren grünen Ableger waren auch nur für die Abschaffung des Bundespräsidenten, solange nicht einer der ihren den Sessel in der Hofburg wärmte, genauso ist es mit den nicht amtsführenden Stadträten in Wien, diese sind bestimmt keine Erfindung der Freiheitlichen.
    Es gibt schon einen Grund, warum die Wähler den Altparteien scharenweise davon laufen, das “blöde” Volk lässt sich halt nicht mehr bereitwillig am Nasenring durch die Arena ziehen, die meisten Bürger wissen wie es ist, den täglichen Überlebenskampf zu meistern, sie wissen auch, dass ihnen der Staat nichts schenken kann, nur unsere “Eliten” fordern unentwegt Geld vom Staat, um es in aller Welt großzügig zu verteilen. Erst jetzt hat Herr DDr. Landau laut Medienberichten wieder eine zusätzliche Milliarde für Integration von der Regierung gefordert, klingt eh sehr harmlos, nur sollte man Herrn DDr. Landau fragen, woher die Regierung diese Milliarde nimmt. Die Regierung und alle die mit dem Geld der anderen gerne die Wohltätigen spielen, haben ja bisher schon die Kosten für Flüchtlinge und Integration schöngeredet, teils mit kuriosen Berechnungen wie, die Flüchtlinge kurbeln den Konsum an, nur hat keiner gesagt, dass es unser Geld ist das sie ausgeben, und mein Geld, auch wenn ich glaube genug davon zu haben, kann ich auch ohne fremde Hilfe ausgeben.
    Die Linke wird letztendlich daran scheitern, dass vieles, was sie jetzt auf ihre Fahnen heftet, einfach nicht dauerhaft finanzierbar ist, vieles einfach realitätsfremd ist, und die vielen hochqualifizierten Asylanten werden daran kaum etwas ändern.

  6. Zaungast

    Von einem Streik der Steuerleistenden war bisher nicht allzu viel zu bemerken. Die Melkkühe murren vielleicht ein bisserl, aber die Milch fließt. Die meisten schuften weiterhin fürs vollständig sozialdemokratisierte Land. Die Rindviecher wollen das so, also geschieht es. Rot bis in den Tod.

  7. S.M.

    Die Rechtfertigung mit der Stadtluft ist grundfalsch. Wer in Linz und Wien seine Kreise zieht, der weiss, wer da vor allem in den Städten dem alten Scheibenwischer zum Sieg verholfen hat…

  8. astuga

    Die heimische Parteienlandschaft gleicht immer mehr einer etwas demokratischeren Version der SED (Soz. Einheitspartei) mit ihren Blockparteien in der DDR.
    Jedenfalls noch.

    Allerdings war der real existierende Sozialismus deutlich weniger migrationsfreundlich.
    Gleich ob Auswanderung oder Einwanderung.
    Und Oh Schreck – Grenzkontrollen gab es auch im Sozialismus.
    Allerdings solche die für vernunftbegabte Menschen heute wie damals indiskutabel waren.

    Aber die gleichen verblendeten Personenkreise (ja oft sogar die selben Personen) die damals ein verkorkstes Verhältnis zur Realität hatten, haben es heute immer noch in Bezug auf unsere Gesellschaften.
    Infantil und selbstherrlich werden Probleme und Blödheiten ignoriert, und auf die Überbringer schlechter Nachrichten… äh, Hetzer wird eingeprügelt.

  9. Fragolin

    @Thomas Holzer
    Vielleicht hätte ich “Adel” unter Gänsefüßchen setzen sollen. Der alte Adel war edel von Geburt und wuchs in einer entsprechenden Umgebung auf (Kunst, Kultur und Bildung); der neue Adel kommt nicht nur aus proletischer Sozialisation sondern bezieht die eigentliche Legitimation zum Herrschen aus Selbstreferenzierung. Beim Geburtsrecht besteht wenigstens die Chance, dass der Spross nicht vollkommen missraten wird (auch wenn es keine Garantie gibt), während die Parteifeudalhäuser ausschließlich Intriganten, Egozentriker und arrogante Fahrradfahrer nach oben spülen.
    So, wie Sozialisten dann, wenn sie Unternehmer spielen, sich genau wie jene unmenschlichen ausbeuterischen Menschenschinder benehmen, als die sie Unternehmer karikieren, benehmen sie sich, wenn sie Herrscher spielen, wie genau jene dekadenten überheblichen ausbeuterischen Menschenschinder, als die sie Herrscher karikieren. Das kommt davon, wenn man sein Wissen aus Parteiakademien und ideologischen Kampf- und Hetzschriften bezieht…

  10. Reini

    … wäre interessant wer mehr Steuern an den Staat einzahlt – die Hoferwähler oder VdB Wähler?? …
    was nützt Bildung wenn man nichts damit anfangen kann! … da kann man sich hinterfragen, war es gratis oder umsonst, …
    Wäre interessant wenn nur Netto Steuerzahler wählen dürften, und so über die Steuereinnahmen selbst bestimmen könnten … den Beamte sind ja in gewisser Hinsicht von den Parteien befangen.

  11. Lisa

    @Reini;”was nützt Bildung, wenn man damit nichts anfangen kann?”Genau das war ja der Grund für die 68er, Latein, Literatur, Philosophie und ähnlich unnütze Fächer abzuschaffen und dafür Umweltprobleme, Soziologie und Psychologie ad usum delphini samt entsprechend simplifiziertem Unterrichtsmaterial einzuführen, dies aber dafür mit allem technischen Schnickschnack, der nun mal von kapitalistischen Unternehmern produziert wird. Es gibt ein paar hartegesottene, bei Kollegen indes nicht unbedingt beliebte Pädagogen, die immer noch auf traditioneller Kulturvermittlung bestehen, auch wenn die halbe Klasse aus Ländern stammt, wo unsere Kultur unbekannt ist oder sogar verteufelt wird.

  12. Paul H. Ertl

    In den modernen (sozialdemokratischen) Staaten sind die, die vom Staat leben, die Patrioten; die, die das bezahlen müssen, sind die Egoisten. (G. Davila)

  13. Gerald Steinbach

    Christian Peter@ Bei der nächst kommenden Wahl in Österreich wäre ich für Russische Wahlbeobachter,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.