Österreichs getürkter Arbeitsmarkt

Von | 24. Mai 2014

(A.UNTERBERGER) Hunderte Male haben wir es von Regierungsvertretern gehört: Österreich sei EU-Spitze in Sachen Beschäftigung. Die Arbeitslosenstatistik würde beweisen, dass diese Regierung und diese Sozialpartner ihre Arbeit doch gut machen. Wetten dass sie die nunmehr ans Tageslicht gekommene Wahrheit nicht kommunizieren werden? Und ihre Propagandisten natürlich auch nicht.

Denn seriös ist nicht der Vergleich der jeder Manipulation zugänglichen Arbeitslosenziffern, sondern einzig der Vergleich von Beschäftigtenzahlen. Nur diese machen die österreichischen Lügen, pardon: Tricks mit dem Ewigstudium, mit den zahllosen sinnlosen Kursen und insbesondere mit dem jugendlichen Pensionsantrittsalter sichtbar.

Bei den Beschäftigtenzahlen liegt nicht Österreich, sondern es liegen andere EU-Staaten weit voran: Schweden hat mit 79,8 Prozent Beschäftigten zwischen 20 und 64 eine um mehr als vier Prozentpunkte höhere Beschäftigungsquote als Österreich mit 75,5 Prozent. Auch Deutschland und die Niederlande liegen klar vor der Alpenrepublik.

Zwar können die Regierungsapologeten immer noch sagen, dass Österreich auch nach dieser Statistik an fünfter Stelle unter den 28 EU-Staaten liegt. Dennoch sollte ein seriöser Maßstab nicht mit den Krisenstaaten im Süden und den noch an den Nachwirkungen des Kommunismus leidenden Osteuropäern vergleichen, sondern mit den wenigen EU-Ländern im Westen und Norden, zu denen sich Österreich doch sonst so gerne zählt.

Noch deutlicher wird diese europäische Statistik, noch schlimmer wird die Lage Österreichs, wenn man nur die Beschäftigungsquote zwischen dem Alter von 55 und dem von 64 vergleicht: Da liegt das Land nämlich in der EU gar nur noch auf Rang 16. In Österreich sind in dieser Altersgruppe nicht einmal mehr 45 Prozent berufstätig. In Schweden hingegen über 73 Prozent. Dementsprechend gut geht es Schweden. Dementsprechend wenig reden Österreichs Sozialdemokraten heute noch über Schweden, das einst ihr Lieblingsvorbild gewesen ist.

Jeder Bundeskanzler, dem Österreich und nicht seine Partei am Herzen liegt, würde da dringenden Handlungsbedarf beim Pensionsantrittsalter erkennen. Aber ein Herr Faymann beschäftigt sich nur mit Conchita Wurst.

Jeder Finanzminister würde Tag und Nacht die Hebung des Pensionsalters verlangen. Aber unserer schreibt lieber dubiose Briefe, mit denen er über Nacht unmittelbar vor der parlamentarischen Budgetdebatte eine ganze Milliarde Defizit verschwinden lässt (oder nach Angabe seines Staatssekretärs 600 Millionen). Das ist mehr als erklärungsbedürftig.

Und es macht noch viel mehr das Schweigen zum Pensionssystem unakzeptabel. Denn dieses verschlingt schon wieder 500 Millionen Euro. Im Jahr. An Steuergeldern, die man dem System zuschießen muss. Trotz der hohen gesetzlichen Pensionsbeiträge.

Das ist wohlgemerkt nur der zusätzliche Betrag. Der zu den unvorstellbaren 9,1 Milliarden dazukommt, mit denen der Steuerzahler dem Pensionssystem schon im letzten Jahr zu Hilfe kommen musste. Und in jedem weiteren. Aber darüber wird geschwiegen. (TB)

3 Gedanken zu „Österreichs getürkter Arbeitsmarkt

  1. Heinrich Elsigan

    Bis vor kurzen befanden sich noch die Daten zu den Pensionsversicherungskosten Einnahmen und Auszahlungen pro Jahr auf dem Server der Sozialversicherung. Da sich einige Leute und auch meine Wenigkeit im Moment mit der Nichtfinanzierbarkeit des Pensionssystem beschäftigen, wollte ich ein par Daten kreuzverifizieren.
    Leider wurden diese Daten vom Server der Sozialversicherung jetzt gelöscht.
    Dass sie bis vor kurzem noch da waren, sieht man gut am Google Suchergebnis.
    siehe: http://blog.area23.at/2014/05/und-weg-ist-es-pensionsversicherungsdat.html

  2. Reinhard

    Unser Pensionssystem ist ein Umlagesystem. Es könnte, wenn man es ernst nimmt, nur soviel an Pension ausbezahlt werden wie Beiträge eingehen.
    Über die Lebensarbeitszeit allein kann man es nicht retten. Das ginge nur über ein Zurückfahren der Leistungen.
    Aber alle bereits in die wohlerworbene Pension abgetretenen (auch Sie, Herr Unterberger) sind zur vollmundig geforderten Rettung des Systems, für die die nächsten Generationen möglichst bis 70 arbeiten sollen, nicht bereit, auch nur auf einen einzigen Cent der nicht gerade mageren eigenen Bezüge zu verzichten.
    So wie es läuft kann es nicht weiterlaufen und auch – ich betone AUCH! – eine Verschiebung des REALEN Pensionsantrittsalters ist notwendig. Aber ohne Einschnitte bei jenen, die bereits in Pension sind, wird es nicht funktionieren.
    Also bitte, wer selbst mit 60 in den wohlbestallten Ruhestand gewechselt ist und selbst trotz nicht gerade magerer Bezüge jede unter der Inflation liegende Pensionserhöhung heulend verdammt sollte sich bitte SEHR zurückhalten mit der ständigen Forderung nach Verzicht bei den kommenden Generationen. Auch wenn Ihre Generation es nicht anders gelernt hat als sich bei den eigenen Kindern und Enkeln zu bedienen und auf deren Schuldenlast Fettlebe zu betreiben – irgendwann ist Schluss damit und das Altenteil bekommt seine Bedeutung wieder als eine Absicherung gegen Elend und Not, sprich Hunger und Obdachlosigkeit, anstatt wie bisher als Garantie für den Erhalt auch des üppigsten Lebensstandards mit fetter Villa, Harley Davidson, Paragliding in Südamerika und Rafting auf der Enns.
    Wenn die Pensionisten bereit sind auf jede Pension zu verzichten, die auch nur einen Cent über dem Median der Aktivbezüge der arbeitenden Menschen liegt (also derer, die Steuern zahlen und nicht derer, die von Steuern bezahlt werden – realitätsferne Beamtenbezüge werden also von vornherein ausgeklamert), kann man dem Steuervieh auch Forderungen nach Mehrleistung vorlegen. Ohne die Bereitschft, selbst Einschnitte hinzunehmen, wäre es besser, sich mit Forderungen still zurückzuhalten.

  3. M.Kunze

    Bravo Reinhard, nur tabulose Analyse ist angebracht. Das theoretische Herumreden u Jonglieren mit Halbwahrheiten ist zu unterlassen, das trübt den Blick weiter u ist daher lösungsavers.

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