ÖVP-Krise: Was ist heute bürgerlich?

Von | 9. Oktober 2021

(CHRISTIAN ORTNER/ „WZ“) Zu beschreiben, was „linke“ Politik im Jahr 2021 bedeutet, ist nicht besonders schwer: staatliches Schuldenmachen, Gelddrucken durch die Notenbanken, wesentlich stärkere Besteuerung von „Reichen“, noch mehr Ausbau des Sozialstaates, Bevormundung der Bürger durch einen fürsorglichen Nanny-Staat, Entlastung nur, wenn es um Entlastung von der Selbstverantwortung geht.

Zu beschreiben, was „bürgerliche“ Politik im Jahr 2021 bedeutet, fällt hingegen extrem schwer, gerade mit Blick auf die sogenannten bürgerlichen Parteien in Deutschland und Österreich. Ein wirklich klarer Gegenentwurf zur linken Weltsicht ist da nur sehr bedingt zu erkennen, um es einmal höflich zu formulieren. Sollte Sebastian Kurz die aktuellen juristischen Turbulenzen nicht überleben, würde das für die ÖVP ein erhebliches Problem. weiterlesen hier

7 Gedanken zu „ÖVP-Krise: Was ist heute bürgerlich?

  1. Selbstdenker

    Treffende Analyse. Conservativism is progressivism driving the speed limit.

    Sich ausschließlich als „Bewahrer“ zu definieren ohne sich bewusst zu sein für welche Prinzipien man steht, macht die Konservativen in mehrfacher Hinsicht angreifbar.

    Sie degradieren sich damit selbst zu Verwaltern von Gewohnheiten und Äußerlichkeiten und überlassen anderen die Defitionsmacht und das Setzen von Zielen

    Sie realisieren nicht, dass Sie unter permanenten Beschuss stehen und dass früher relativ neutrale Institutionen nicht mehr neutral sind, da sie im Zuge linker Unterwanderung zunehmend politisiert wurden.

    Die Menschen spüren, das man ihnen den Boden unter den Füssen wegziehen, auch wenn sie es oft nicht richtig deuten bzw. beschreiben können.

    In genau dieses von Konservativen ignorierte Vakuum stoßen Obskuranten jeglicher Couleur.

    Linke interpretieren die Gesellschaft top-down als eine Schichtung uneigenständiger Elemente.

    Nicht-Linke, also „Rechte“, begreifen die Gesellschaft bottom-up als Beziehungsgeflecht eigenständiger Akteure.

    Im Gegensatz zu vielen anderen sehe ich im Willen zur Macht nicht einen Makel, sondern einen Vorteil von Kurz. Das ersetzt aber nicht den Aufbau und das Schärfen vom inhaltlichen Profil

    Politik taugt nur zur Lösung politischer Dinge. Man kann auf sie aber nicht verzichten, da man sonst denjenigen, die uns als zu bekämpfende Gegner definieren, das Spielfeld überlässt.

  2. Mourawetz

    Die Grüninnen verlangen einen neuen mit untadeligem Ruf, denn Worte dürfen nicht sein, die einer in nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Kurzmeldungen gesagt hat und die nun doch in die Öffentlichkeit gelangt sind. Ja wer hat denn Privatgespräche auf dubiosem Weg in die Öffentlichkeit gezerrt ? Der Kanzler war’s nicht!
    Die sollen mal rüberschauen über den großen Teich, damit sie eine Ahnung von dem kriegen, was Reputationsmangel bedeutet: Fed Mitglieder haben heftig am Finanzmarkt teilgenommen, während das Fed mit voller Kraft- 120 Mrd. monatlich- dort interveniert hat. Da haben sich ein paar Fed Mitglieder ordentlich gesund gestoßen. Das ist ein Reputationsverlust. Nicht ein paar Privat SMS, die nun in der Presse herumgeistern und dort nichts verloren haben.Bei den Grüninnen und Genossinnen zählen Sprechakte, keine Handlungen. Pervers ist aber so. Die sind handlungsunfähig, nicht der Bundeskanzler.

  3. Selbstdenker

    Wenn man die gleichen „Ermittlungsmethoden“ bei den anderen Parteien anwenden würde, dann kann die gesamte politische und mediale Klasse zurücktreten bzw. den Job an den Nagel hängen.

    Es ist nunmehr der zweite Putsch mit Beilegung vom Ausland.

    Der eigentliche Skandal ist weniger das Gesagte oder vermutete oder tatsächliche Geldflüsse – das gibt es bei allen Parteien , sondern die extrem einseitige Vorgangsweise, wie mit derartigen Fällen umgegangen wird.

    Ich habe es schon einmal geschrieben und die aktuellen Ereignisse sehe ich aktuell als weiteren Beleg für meine These:

    Es ist aktuell alles gleichzeitig verboten und erlaubt. Je nachdem wer im Rampenlicht steht, wir daraus ein Skandal gemacht oder Hinweise auf Unregelmäßigkeiten leise entsorgt.

    Auffällig ist auch, wie die Medien gezielt die Befindlichkeiten innerhalb vom bürgerlichen Lager bespielen, um diesen zweiten linken Staatsstreich durch deren Mitwirken zu begünstgen:

    Schwarze ÖVP vs. türkise ÖVP
    Länder gegen Bund
    Rache für Ibiza innerhalb der FPÖ
    Karriereoptionen für Edstadler, etc

    Vielleicht sollten ÖVP und FPÖ ihre Kämpfe beilegen und an einer Koaöitionsoption für eventuelle Neuwahlen arbeiten.

  4. Johannes

    Ibiza war das Belauschen eines privaten Gespräches und hat in dieser Causa zu einer einzigen Strafverfolgung geführt nämlich der des Filmers und seiner Russin.
    Ibiza war der Türöffner für Beschlagnahmungen weiche gefühlt zu 90 Prozent zur Veröffentlichung von privaten, nicht strafrechtlichen dafür sehr persönlichen und daher von der Verfassung geschützten Privatspären führte.

    Hier liegt für mich der größte Skandal in dieser ganzen Geschichte, die Stigmatisierung von Menschen mit zuvor beschlagnahmten Informationen die, von wem auch immer, gegen den Willen der Betroffenen veröffentlicht wurden.
    Hier sind wir meiner Meinung nach auf einem Weg in eine Justiz die nicht im Stande ist die Rechte von Beschuldigten zu wahren.
    Warum das so ist?
    Nun ich denke dafür bräuchte es einen Untersuchungsausschuß.

  5. seerose

    Warum erinnert mich das Ganze:
    1. an Schüssel und die die Pflegerin seiner Mutter (wobei, ich sagen muss, dass ich Schüssel wegen seiner zu Ungunsten der ASVGler ausfallenden Pensionsreform keine Träne nachweine).
    2. An 2017 und die Silberstein-Affäre
    3. an die FPÖ-Ibiza Geschichte (ich weine auch Strache und Gudenus keine Träne nach). Aber, was ist eigentlich dabei rausgekommen? A bsoffene Gschicht.

    Und jetzt ists halt wieder einmal Kurz unter tätiger Mithilfe der Presse und des ORFs (endet nicht Ende des Jahres der Vertrag von Herrn Wrabetz?). Man kann darüber nachdenken, ein letzter Angriff?

    Wenn die Presse und der ORF jemals soviel über z.B. die SPÖ – Wien berichten würde, wenn sie sich jemals die Mühe machten, wir würden vermutlich über Jahre mit Schlagzeilen eingedeckt.

  6. CE___

    Wie ich sehe werden scheinbar der ÖVP kritische Kommentare gar nicht geschalten, sondern nur wo sich ergebenen ÖVP-Groupies ihre Wunden lecken dürfen, weil der Heiland Kurz ein paar Probleme mit der Justiz hat.

    Also auf ein neues, für mich ist mit Stand heute klar dass die ÖVP keine bürgerliche Partei (mehr) ist, sondern genauso links-totalitär wie Grünen, und daher mit denen politisch im Orkus versinken könnte.

    Und wer sich frägt was „bürgerliche“ Politik im Jahre 2021 bedeuten könnte bei der Beantwortung vielleicht damit anfangen dass man vor dem Körper und dem Vermögen der Menschen halt zu machen hat.

    Ersteres wird seit März 2020 im „Krieg gegen den Virus“ gebrochen, zweiteres folgt schon in Ansätzen beim „Krieg gegen den Klimawandel“, und wird sich allem Anschein verstärken (CO2-Steuer).

  7. hausfrau

    Bürgerliche Politik im Jahr 2022 könnte gut so aussehen:
    „Seht her, durch Kickls Schuld ist Österreich unregierbar geworden!
    Ich biete euch die Lösung des Problems – Schluß mit der Kleinstaaterei, die Lösung ist die Neue Weltregierung, in der auch ich meinen Platz haben werde zum Wohl Österreichs!“
    Amen.

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