ÖVP: Wie wäre es mit “Kurz & Strolz”?

Von | 11. Mai 2014

(C.O.)  Auf Michael Spindeleggers Formulierung, eine Steuersenkung könne erst kommen, “wenn wir uns das auch leisten können”, replizierte sein Tiroler Parteifreund, AK-Präsident Erwin Zangerl, schmerzhaft: “Die Frage ist, wie lange wir uns Herrn Spindelegger noch leisten können.” Nun ist Herr Zangerl nicht unbedingt die oberste Instanz der ÖVP, den Kern des Problems hat er trotzdem gut erkannt.

Spindelegger ist der perfekte ÖVP-Chef – aus der Sicht der SPÖ-Zentrale. Denn der Sozialdemokratie kann nichts Besseres zustoßen als ein ÖVP-Chef, der zwar zu stark ist, um gestürzt zu werden, aber zu schwach ist, um Wahlen zu gewinnen. Und genau das ist die Situation, in der sich Spindelegger (noch) befindet. Solange sich die nicht ändert, kann auch eine nicht übertrieben kampfkräftige SPÖ einigermaßen beruhigt davon ausgehen, Seniorpartner im Tandem zu bleiben. Für die ÖVP heißt das freilich: Alles so zu lassen, wie es ist, und darauf zu hoffen, göttliche Fügung möge der Partei bessere Zeiten bescheren, ist keine wirklich überzeugende Strategie. Die Wiener ÖVP geht diesen eigentümlichen Weg ja schon seit Jahren mit dem bekannten Ergebnis der nahezu völligen Marginalisierung.

Wäre die ÖVP ehrlich zu sich selbst, müsste sie sich eingestehen: Hier wird derzeit ein nicht sehr marktgängiges politisches Produkt von nicht sehr begabten Verkäufern an immer weniger Kunden verramscht. Und gleich nebenan strömen die eigenen Kunden zur neuen Firma “Strolz & Co” des Neos-Gründers.

Die ÖVP ist zwar nicht die einzige Partei in einer derartigen Situation – aber sie ist es in besonders hohem Maße. Deshalb würde es auch nichts nützen, den glücklosen Spindelegger durch den auch nicht gerade strahlenden Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner zu ersetzen – die Partei braucht einen radikalen Eingriff, will sie wieder reüssieren. Tabus darf es dabei gar nicht geben.

Wie wäre es zum Beispiel mit einer Fusion mit den Neos? Der erfolgreiche Matthias Strolz, selbst lange in ÖVP-Diensten, könnte Parteichef einer “Neo-Volkspartei” und vielleicht Wirtschafts- oder Finanzminister werden – und ÖVP-Senkrechtstarter Sebastian Kurz sein Co, Vizekanzler und vielleicht sogar Kanzleraspirant der fusionierten Firma “Kurz & Strolz” (Spindelegger gäbe einen guten EU-Kommissar ab).

Natürlich bekämen die klassischen ÖVP-Granden Pustel im Gesicht bei der rein hypothetischen Vorstellung, mit der gottlosen Pink-Truppe und Leuten wie dem “Pastafari” Niko Alm ins Bett gehen zu müssen; die wiederum quittieren solche Fantasien damit, für derartige Altlasten keine Verwendung zu haben.

Doch rein rechnerisch und laut aktuellen Umfragen wären ÖVP und Neos zusammen mit 30 bis 35 Prozent die größte Partei, sofern sie ihre bisherigen Fans halten könnten. Grund für allzu viel Hochmut haben die Neos auch nicht: Spätestens nach einem – für 2018 durchaus realistischen – Regierungseintritt als Mehrheitsbeschaffer für Rot-Schwarz droht der Partei eine harte Auseinandersetzung mit sich selbst.

Natürlich ist eine Fusion der beiden bürgerlichen Parteien derzeit weit und breit auf keiner Agenda und pure Fantasie. Aber ohne ein Quantum Fantasie wird sich die ÖVP ziemlich schwer tun, irgendwann wieder einmal an einem Wahlabend Grund zum Feiern zu haben. (“WZ”)

12 Gedanken zu „ÖVP: Wie wäre es mit “Kurz & Strolz”?

  1. world-citizen

    Wozu Fusion?
    Die Sache wird sich selbst erledigen, wenn die ÖVP verliert und verliert und zur Kleinpartei schrumpft und die Entwicklung bei NEOS gegenläufig verläuft.

  2. Thomas Holzer

    Herr Ortner!
    Sie belieben zu scherzen, oder Ihr Sarkasmus ist mittlerweile sogar mir unverständlich geworden!
    OEVP und NEOS als bürgerlich(sic!) zu bezeichnen, ist eine absolute Verkennung der Realität, auch wenn Vertreter beider Vereine dieses Gerücht tagtäglich unter das vulgus populus streuen.

    Beide frönen dem Etatismus, der staatlichen Bevormundung und dem Wohlergehen der eigenen Mitarbeiter, und sonst rein gar nichts!

  3. cppacer

    @Thomas Holzer:leider wahr. Aber warum geschieht nichts? Es wird geredet,geschrieben,dikutiert.DAS geht der Politik am A….. vorbei.
    Dort gilt: Mir san Mir. Deutlichst zu sehen beim Maiaufmarsch auf der
    Tribüne.

  4. Reinhard

    @Thomas Holzer
    Wir haben wahrscheinlich die falsche Vorstellung von “bürgerlich”. In Österreich steht dieser Begriff immer mehr für wohlversorgte linksdrehende Staatsdiener.
    Auch die FPÖ wird immer wieder in diesem Zusammenhang genannt, was ich besonders putzig finde, weil der nationalistische Linkspopulismus der von Jungproleten umschwärmten FPÖ nun so gar nicht zum “Bürgertum” passt.
    Muss an uns liegen, dass wir unter “Bürgertum” etwas anderes verstehen als jene, die sich selbst als solches sehen…

  5. Christian Peter

    ÖVP : Wie wäre es mit Kurz & (Conchita) Wurst ?

  6. Thomas Holzer

    @Christian Peter
    Touche!
    Dieses Zwitterwesen könnte Herr Kurz als SonderbotschafterI*n für die islamischen Länder einsetzen.
    Ich warte darauf, welcher Politikerdarsteller als erster einen Wurst-Empfang gibt…

  7. Rennziege

    … und mit dem herzinnigen Spruch “Tränen lügen nicht”, eine Eitrige ans überschminkte Goscherl führend, würde das nunmehr geheiligte Trans-Tschänderl der Politik (und dem Stimmvieh) die verlorene Jungfräulichkeit der Wahrheitsliebe zurückgeben. Dazu noch der Nudelsiebträger — und der erschütterte Glaube an eine österreichische Demokratie ist wiederhergestellt.
    Selten gab es eine solche Win-Win-Situation für die Alpenrepublik. Und wie wäre es mit einer last-minute-Kandidatur der (des) Schönen in der EU-Wahl? Sie (er) würde Schulz und Juncker mühelos auf die Plätze verweisen. Man packe die Chance beim Schopf</strike< bei der Perücke!

  8. gms

    Thomas Holzer,

    “OEVP und NEOS als bürgerlich(sic!) zu bezeichnen, ist eine absolute Verkennung der Realität”

    Besagtes “bürgerlich” leitet sich von “Bürge” ab, und den Bürgen soll man laut Volksmund würgen. Sei’s nun in der schwarzen Variante als Entfesselter (einen Wehrlosen zu würgen ist des Waidmanns unwürdig), oder in Zartrosa per hoher Progressionsschraube für das absurde Streben nach einem hohen Einkommen.

    Wenn’s nach mir ginge, beschränkten sich die Fusionsüberlegungen nicht auf Schwarz und Pink. Nicht nur sind die Differenzen der in Parteien organisierten Repräsentanten sowieso allenfalls akademischer Natur, vielmehr ist das Volk durch eine einzige und allumfassende Volkspartei sowieso vollständig vertreten. Auch braucht niemand eine Partei in Opposition oder als Koalitionspartner, die das Volk nicht vertritt und sich bestenfalls für Menschenrechte für Tiere ins Zeug legt.

    Hinzu kommt das pragmatische Argument. Wieviel ließe sich monetär durch unterbliebene Wahlen ersparen oder den Wegfall überzähliger Parteiakademien? Wieviel Platz in Zeitungen könnte anderwärtig genutzt werden, entfielen Berichte über das tägliche politsche Kleingeld-Wechseln? Der Wohlstandsgewinn wäre sagenhaft!

    Put simply: Alle Parteien wollen nur das Beste für’s Volk und sie würgen es auf ähnliche Weise. Wir, das Volk, entheben sie daher der Bürde des Scheinwettkampfes, erhalten dafür weniger schlampige Verhältnisse und sparen obendrein noch Geld.

  9. Thomas Holzer

    @gms
    Nur wie! entheben wir diese Politikerdarsteller ihrer Bürde?!

    Laternen und Stricke sind nicht meines, nasse Fetzen werden aber auch nicht reichen 😉

  10. gms

    Thomas Holzer,

    > Nur wie! entheben wir diese Politikerdarsteller ihrer Bürde [des Scheinwettkampfes]?!”

    Hmmm, da war ich wohl nicht deutlich genug. Indem wie sie alle zu einer einzigen Partei fusionieren lassen. Die Parteien müssen dann nicht krampfhaft so tun, als paßten Löschblätter zwischen sie.

  11. michelle

    der ortner’sche vorschlag einer fusion der övp mit den neos wär sicher a lustige gschicht ! ich gehe aber davon aus, dass dies nicht passieren wird – werder strolz noch spindi würden das tun.
    übrigens: den mitterlehner würd ich nicht einmal erwähnen. jeder, der den – der sich für nichts wirklich interessiert – als nachfolger für spindi ins spiel bringen möchte, kann gleich einen antrag auf auflösung der partei stellen. angeblich kommt er über’s tv so gut rüber (hör ich immer wieder), aber was hat dieser mann in den letzten jahren seiner ministerschaft wirklich erfolgreiches getan? meines wissens: nichts.

    so wie leider die anderen ministerdarsteller (arztgehilfinnen, dreher, gewerken, taxifahrer, etc) der spö auch…

    kurz und strolz wären wenigstens eine ansage !

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