Olympischer Gedanken 2014

Von | 20. Januar 2014

(GEORG VETTER) Ein Höhepunkt dieser parlamentarischen Woche war die Verleihung des Ordens der französischen Ehrenlegion an die Präsidentin des Nationalrats Barbara Prammer. Der französische Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault leitete die Zeremonie in der französischen Botschaft, an der auch mehrere Abgeordnete des französischen und des österreichischen Parlaments teilnahmen. Ayrault, ein ausgebildeter Deutschlehrer, hielt seine Rede in deutscher Sprache und verwies wie die Geehrte auf die guten politischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Die Beziehungen zwischen den Ländern waren nicht immer die besten und ich denke kurz an das Reversement des Alliances zu Beginn des Siebenjährigen Krieges. Ich erinnere mich, wenn es um die Völkerfreundschaft geht, auch an den französischen Landsmann Baron Pierre de Coubertin, der Ende des 19. Jahrhunderts den Olympischen Gedanken wieder belebt hat. Als Ayrault kurz den Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 anspricht, meine ich im Stillen, dass es vielleicht doch gelingen sollte, in einem Gedenkjahr, in dem Olympische Spiele stattfinden, das Gemeinsame vor das Trennende zu stillen. Auch jene, die die Veranstaltung in Sotschi boykottieren wollen, sollten daran erinnert werden, dass Olympische Spiele der Völkerverständigung, und nicht der Völkerzwietracht dienen mögen. Letztere bietet nämlich jenen Stoff, aus dem die Kriege sind.

4 Gedanken zu „Olympischer Gedanken 2014

  1. Thomas Holzer

    Wenn die Verleihung eines Ordens an Frau Prammer als “einer der Höhepunkte dieser parlamentarischen Woche” bezeichnet wird, erschließt sich mir schnell der Ruf nach Schließung dieser Institution.
    Daß alle demokratisch legitimierten Parteien dieses Parlamentes ausgerechnet die Hofburg als Ersatzquartier während der Renovierung des Parlamentsgebäude (er)wählten, passt in das Gesamtbild.
    Sich selbst als Demokrat zu bezeichnen, sich aber im imperialen Prunk zu sonnen, um die eigene Unfähigkeit und Niveaulosigkeit zu verschleiern zu versuchen, scheint zum Selbstverständnis dieser Frauen und Herren zu gehören.

  2. Anton Aushecker

    Hier muss man glaube ich trotzdem die Entscheidung pro Hofburg in Schutz nehmen. Die dortigen Räumlichkeiten sind mir nicht geläufig, aber rund um das sanierungsbedürftige Parlament wurde fast die komplette Infrastruktur für den parlamentarischen Betrieb angesiedelt. Die örtliche Nähe der Hofburg im Vergleich zum Standort der alten WU wird wohl ausschlaggebend gewesen sein.

  3. Thomas F.

    @Thomas Holzer
    Erst dachte ich auch, das mit der Ordensverleihung sei ironisch gemeint, im Sinne einer Kabarettnummer. Leider hat sich das beim Weiterlesen nicht bestätigt.
    Und das ach so Völkerverständigende an der 100 Milliarden Dollar Vernichtung von Steuergeld für eine Nationalismus schürende Sportveranstaltung sei genauso dahingestellt. Wer die Lebensverhältnisse einer gewöhnlichen russischen Familie kennt, sollte eigentlich aus diesem Grund Gewissensbisse haben, die Veranstaltung zu besuchen. Wieviele dringend nötige Sozialbauten oder moderne Spitäler könnte man mit diesen Ressourcen errichten?

  4. Thomas Holzer

    @Anton Aushecker
    Vielleicht wäre es aber gar nicht mal schlecht (vor allem für uns Bürger) würden die Parlamentarier für einige Jahre ihrer “kompletten Infrastruktur für den parlamentarischen Betrieb” verlustig gehen.
    Dann blieben wir wenigstens für zumindest eine Legislaturperiode von unsinnigen Gesetzen verschont 😉

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