ORF: Das Leben aus der Sicht der geschützten Werkstätte

(ANDREAS TÖGEL) Wer den österreichischen Staatsfunk als Informationsquelle nutzt, braucht starken Nerven. Das gilt jedenfalls für diejenigen, die dem ständig schrumpfenden Kreis von Zeitgenossen angehören, die produktivtätig sind, nicht von Steuern leben und eine Bilanz lesen können. Der ständig zunehmende Linksdrall des Staatsmediums zeigt sich insbesondere

dann, wenn es um Wirtschaftsthemen geht. Völlige Ahungslosigkeit
bezüglich der Funktion von Märkten und deren Gesetzmäßigkeiten,
paart sich hier mit radikal etatistischen Phantasien hinsichtlich einer
möglichst lückenlos zentral zu planenden Kommandowirtschaft. Sollten
externe “Experten” zu Wort kommen, dann handelt es sich ausschließlich
um Linke. Daran, jemals einen liberalen Ökonomen vor der Kamera oder
einem Mikrophon des ORF erlebt zu haben, kann der Autor dieser Zeilen
sich jedenfalls nicht erinnern.

Ein wahres Kleinod stellte das am 23. 4. im “Bildungssender” des ORF,
dem Radioprogramm Ö1, ausgestrahlte Mittagsjournal dar. In gleich zwei
Beiträgen durften die antikapitalistischen Klassenkämpfer ihr (Gottlob
kleines) Klientel anangitieren. In einem davon ging es um die
bekanntermaßen ruchlose Pharmaindustrie, die – welch eine bodenlos
entmenschte Gemeinheit – doch tatsächlich auf Profite aus ist! Hart am
Rande des Tränenausbruchs entlang wurde der Umstand bejammert, daß
Pharmaunternehmen es gemeinhin vorziehen, ihre Forschung und Produktion
auf gewinnträchtige Produkte zu konzentrieren, anstatt sich um
Randindikationen zu kümmern, mit denen nichts zu verdienen ist. Ein
Skandal, der dringend abgestellt werden sollte – am Besten wohl durch
staatliche Kommissare, die den Herstellern die gewünschte Verwendung
ihrer Forschungsetats verbindlich vorschreiben. Wo kämen wir denn da
hin, wenn jeder Unternehmer sein Betriebsvermögen so einsetzen wollte,
wie es ihm am Vernüftigsten erscheint? Wo doch jeder weiß, daß
Politker, Beamte und ORF-Redakteure die wahren Fachleute sind, wenn es
um betriebswirtschaftlich zweckmäßige Entscheidungen geht.

Doch halt – hier geht es ja gar nicht um Betriebswirtschaft (eine jedem
fortschrittlichen Bessermenschen zu Recht suspekte Disziplin!) – sondern
um das Gemeinwohl! Schließlich hat doch jeder Patient, so der
Originalton im Radio “…ein Recht auf die von ihm benötigte Medizin” –
koste es andere was es wolle. Unausgesprochenes Fazit: Pharmabetriebe
gehören verstaatlicht (wie es schließlich auch Sahra Wagenknecht vorschwebt –
und eine gestandene Kommunistin kann ja gar nicht falsch liegen).

Im zweiten Beitrag ging es um die Textilindustrie in Bangladesh.
Selbstverständlich werden die für sie tätigen Menschen (“80 Prozent
Frauen”) “nicht gerecht entlohnt”. Klar – wer, wenn nicht Radioreporter,
wären dazu berufen, Löhne als “gerecht” oder “ungerecht” einzustufen?

Daß unersättliche westliche Plutokraten ihre Produktion in Länder wie
Bangladesh auslagern, hat ja ausschließlich mit der ihnen eigenen
“Profitgier” zu tun und selbstverständlich nicht etwa mit der Nachfrage
westlicher Konsumenten nach billigen Kleidungsstücken. Daß – trotz
Jahrzehntelanger Stagnation der Nettolöhne in den (einstigen)
Industrienationen – dort auch “sozial Schwache” noch immer nicht nackt
durch die Straßen schleichen, ist zu einem Teil dem Umstand zu
verdanken, daß heute – der viel geschmähten Globalisierung sei Dank –
billige Waren aus Schwellenlandern geliefert werden. Dies, und die
Tatsache zu begreifen, daß westliche Investitionen in diesen Ländern
auch dort das Wohlstandsnivau langfristig heben werden, reicht das Hirn
der ORFler offensichtlich nicht aus. Oder aber, sie betreiben (was
wahrscheinlicher ist) bewußte Desinformation mit dem Ziel einer
weiteren Diskreditierung jeder Form freier (nicht nur unternehmerischer)
Entscheidungen. Wes´ Brot ich ess´, des´ Lied ich sing…

Es ist erhellend und deprimierend zugleich – etwa am Beispiel von
ORF-Reakteuren – zu beobachten, wie sehr der lebenslängiche Aufenthalt
in geschützten Werkstätten die Fähigkeit, klar zu denken, vernebelt
oder völlig zerstört. Daß man den eigenen ökonomischen Unverstand
nicht nur nicht bedauert, sondern sogar noch im Brustton der moralischen
Überlegenheit öffentlich zur Schau stellt, fügt der Peinlichkeit noch
die Chuzpe hinzu…

 

9 comments

  1. Thomas Holzer

    Es ist eben nicht! “Völlige Ahungslosigkeit bezüglich der Funktion von Märkten und deren Gesetzmäßigkeiten” sondern das wissentliche und willentliche Negieren derselben, um dem “hehren” Ziel, den neuen Menschen, die neue Gesellschaft, die Uniformität, die Gleichheit, die Gleichschaltung, gepaart mit entsprechender PC, Tschänderastentum und Installierung von unzähligen “Meinungsparagraphen”, umzusetzen.
    So etwas wird in Österreich auch euphemistisch “Bildungsauftrag” genannt 😉

  2. oeconomicus

    Die Linken glauben, dass sie das Volkseinkommen/-vermögen gerechter verteilen können als es der Markt tut. Besonders wenn am Markt nicht das gewünschte Ergebnis herauskommt (Marktversagen!), fühlen sie sich verpflichtet korrigierend einzugreifen, weil sie ja besser wissen, was für den Bürger gut ist. Kenn wir alles aus dem real exiustierenden Sozialismus der Sowjetunion und der DDR.

  3. Menschmaschine

    @ thomas holzer

    das sehe ich auch so.
    hr. tögel ist in diesem punkt zu freundlich und unterstellt naive unwissenheit, wo in wahrheit zynische agitation am werke ist. es sei ihm verziehen, denn der konsum von propagandasendern wie ö1 wirkt traumatisierend.

  4. M.Kunze

    Diese diversen Absonderungen irgendwelcher Darsteller sin a priori Makulatur und daher unbeachtlich…..

  5. Milton

    Nun, der Umstand der wirklich mein Gemüt etwas trübt, ist wie tief bzw. wie weit die Subversion und Indoktrination schon voran geschritten ist.

    Kürzlich gab ich mich auch meiner masochistischen Ader hin und hörte ebenfalls Ö1. Es ging um die EU (der genaue Kontext ist mir entfallen). Irgendwelche Technokraten diskutierten (nicht im eigentlichen Sinne des Wortes) bzw. propagierten irgendwelche Gestaltungsspielräume der EU um irgendwas anzugelichen oder zu verteilen – es ging um Diebstahl.

    Jedenfalls sah das Sendeformat vor, Anrufe von den Zuhörern entgegen zu nehmen. Das Traurige war, dass unter den ca. 4 – 5 Anrufern sich alle (!) wortwörtlich für die “Trockenlegung der Steueroasen” aussprachen. Nicht irgendwie durch die Blume, beschönigend, sondern “in your face”, raus mit dem Schwanz, “Wir müssen zusehen, dass wir diese steuerschonenden “Schurkenstaaten” trockenlegen.
    Dabei schwang soviel Neid, Missgunst und Hass im Vibrato der Anrufer mit, dass ich einfach nur noch erstaunt war.

    Wäre ich schon wohlhabend genug und würde ich entsprechende substanzerhaltende Perspektiven haben, würde ich eine Abwanderung unbedingt in Betracht ziehen. So sehr ich dieses Land schätze, seine Perlen und Schätze, es ziehen tiefschwarze Wolken auf. Die Menschen haben keinen Hausverstand mehr und sind allesamt Brainwashed. Scary as hell.

  6. menschmaschine

    @ milton

    ich verstehe ihr erstaunen, möchte allerdings anmerken, dass jene, die bei Ö1 anrufen ja nicht der wirkliche durchschnitt der bevölkerung sind. jedenfalls versuche ich mich damit zu beruhigen.
    Ö1 ist radio von alt-68ern für alt-68er sowie zur größtmöglichen beeinflussung der jugend und anderer naiver mitbürger. kurz gesagt: propaganda im eigentlichen sinn.

  7. Thomas Holzer

    @menschmaschine
    Ich möchte Sie nicht beunruhigen, denke aber, daß es durchaus zu erwägen ist, daß “unliebsame” Anrufer in Ö1 gar nicht “durchgeschaltet” werden.

  8. Menschmaschine

    @ thomas holzer

    also nein, das halte ich für ausgeschlossen, denn Ö1 gehört doch zum hochlöblichen öffentlich-rechtlichen volkserbauungsrundfunk. mir scheint, rechte neoliberale spekulanten von der ostküste haben ihnen diese hetze eingeflüstert.

  9. Thomas Holzer

    @menschmaschine
    Zerknirscht und untertänigst muß ich -nachdem ich länger Zeit Einkehr gehalten hatte- eingestehen, daß Ihre werte Mutmaßung den Tatsachen entspricht. 😉
    Wie konnte ich dies nur nicht erkennen, wie konnte ich nur der “Nazipropaganda” erliegen………..

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