ORF: Ein klassisches Revanchefoul der Anstalt

Von | 15. Juni 2014

(CLAUS REITAN) Dieses ZiB2-Interview von Dr. Armin Wolf (ORF) mit Dr. Michael Spindelegger (Finanzminister) hat Folgen. Mehr, als bisher erkannt wurde. Was war geschehen? Am Mittwoch beschloss der Ministerrat ein Sondergesetz zur Abwicklung der notverstaatlichten Hypo Alpe Adria. Abends befragte Wolf dazu Spindelegger mit Verweis auf Behauptungen einer rechtlich und sachlich fragwürdigen Vorgangsweise durch die Regierung. Des Finanzministers Darstellung, die Mündelsicherheit der entsprechenden Anleihen sei gewährleistet, beurteilte der ORF-Faktenchecker in der ZiB2 am Donnerstag aufgrund seiner Recherchen als „eher nicht richtig“. Das sitzt. Und was bleibt?
Spindelegger hat dank Sachkenntnis, Gelassenheit und Darstellungsvermögen mit diesem ZiB2-Auftritt an Statur gewonnen.
Der ORF hat sich in der Sache zur Partei gemacht. Die ZiB2-Moderatorin sprach nämlich am Donnerstag von einem „heftigen Schlagabtausch meines Kollegen“ mit dem Finanzminister. Eine entlarvende Wortwahl: Es war kein Interview, kein Nachfragen, kein Erkundigen, kein Überprüfen – nein, ein „Schlagabtausch“. Das pickt: Solange diese ZiB2 für ORF steht, ist der ORF gegen das Hypo-Sondergesetz. Und wer zur ZiB2 kommt, könnte in einen Schlagabtausch geraten.
Mit dem ORF-Faktenchecker nutzten die Kollegen die Möglichkeit, die Sache nochmals zu beleuchten, um dann die Position des Gastes im Studio in puncto Mündelsicherheit als „eher nicht richtig“ zu beurteilen. Hier hat jemand einen technischen Vorteil genutzt, um in der Sache das letzte Wort zu haben. So, wie das rüberkommt, ist das ist nicht fair gespielt.
Die Folgen sind klar: Wer zur ZiB2 kommt, muss damit rechnen, nach vorausgehendem Schlagabtausch am nächsten Tag korrigiert und beurteilt zu werden – ohne zu Wort zu kommen. Das sind samt und sonders Anmaßungen, die den ORF-Kollegen auch dann nicht zustehen, wenn man sie als Revanchefoul für die Gängelungsversuche der Politik durchgehen liesse, wofür ich aus grundsätzlichen Erwägungen nicht bin. (ORF-Watch)

4 Gedanken zu „ORF: Ein klassisches Revanchefoul der Anstalt

  1. cppacer

    Wolf Interviews geraten zu oft zu Tribunalen.
    Das stängige Unterbrechen, dieses leicht zischelnde sprechen samt nervösen herumrücken auf dem Sessel…….unangenehm.

  2. Sepp Hampel

    Österreichs Politik braucht Interviews à la Wolf. Ein völlig inkompetenter Finanzminister (den BK erwähne ich gar nicht mehr) wird aufgemacht, weil er – zum wievielten Mal eigentlich – die Bevölkerung belügt.
    Aber Reitan hat recht: es war kein Schlagabtausch, sondern eine links-rechts-links-rechts-Serie von Wolf, Spindi hatte nichts entgegen zu setzen gehabt und ging zu Boden.
    Ansonsten ein offenbar von der ÖVP gekaufter Beitrag, den sie wahrscheinlich selbst nicht glauben wird. Desaströs!

  3. gms

    Zur Auffrischung siehe [1] und [2]. Der von der ZiB-Redaktion inkriminierte Wortlaut Spindeleggers: “Das was für mündelsichere Anleihen gilt, nämlich das sind die sogenannten Senior-Bonds, das halten wir auch voll und ganz ein.”

    Für die rotzgrüne Jagdgesellschaft war das ein willkommener Elfer. Nachdem Spindelegger sich trotz dieses Fehlers den Schneid von Wolf nicht abkaufen ließ, war das Faulspiel am nächsten Tag aufgelegt, als man den Strafstoß ohne Torwart verwandelte und die Zeitlupe davon in der Endlosscheife mit akkustisch unterlegtem Beifall ausstrahlte.
    Hätte der Satz gelautet: “.. das werden die sogenannten Senior-Bonds sein”, wäre selbst mit giftigster Hermeneutik kein Strick daraus zu drehen gewesen, auch und insbesondere deshalb, weil sogar Wolf selbst nachfolgend noch in der Gegenwartsform formulierte, vom zweiten Fehler, der Minister würde selbst irgendetwas bezahlen, mal abgesehen.

    Wolf, nach einem kurzen rhetorischen Handgemenge mit Spindelegger: “Sie haben etwas faktisch Falsches gesagt, das muß ich jetzt korrigieren. Diese Anleihen, die Sie [echt?!] nicht zurückzahlen [Präsens?!], sind müdelsichere Wertpapiere. ..”. Die Replik Spindeleggers darauf: “Gesetzlich ist auch klar geregelt, daß dann, wenn eine Forderung erlischt, auch die Haftung dafür erlischt.”

    Damit war klar, daß weniger die Frage nach der juristisch exakten Bedeutung von Mündelsicherheit strittig sein konnte, denn viel mehr, ob eine solche per Gesetz legitim zu kippen sei. So aber bleibt festzuhalten, es sei nicht ratsam juristisches Fußball zu spielen, wenn der einzige Gegner am Feld ausgerechnet der Schiedsrichter mit einen Zehnerpack roter Karten ist und man selbst zuviel Skrupel oder zuwenig Geistegegenwart besitzt, dessen Fehler wiederum postwendend breitzutreten.

    [1] “Finanzminister Spindelegger zu Hypo und Steuerreform live bei Armin Wolf” – 11.6.2014
    youtube.com/watch?v=t_v7v2tWLgg
    [2] “Faktencheck: Finanzminister Spindelegger über Hypo-Gesetz” – 12.6.2014
    youtube.com/watch?v=8sBTocWpWFI

  4. gms

    Sepp Hampel

    “Österreichs Politik braucht Interviews à la Wolf.”

    Um was zu bewirken? Den Faktencheck (pardon the pun) verlieren Sie, nachlesen können Sie das in Langform, wenn der Hausherr in seiner Rolle als Schiedrichter mein Posting von heute 18:30 aus der Moderationsquarantäne entläßt.

    Übrigens: Die Automoderationskriterien saugen immer noch Mainframes aus den 80ern durch dreiadrige Flachbandkabeln. Aber das hatten wir ja schon.

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