Österreich: Wie man Investoren verschreckt

(ANDREAS UNTERBERGER) Schlechte Nachrichten für die SPÖ, die ja derzeit nicht nur das Wetter für wunderbar hält. Aber auch für Investoren – die machen freilich ohnedies längst schon einen weiten Bogen um Österreich. Das Finanzministerium spricht in einer neuen Studie von 70.000 durch die wirtschaftsfeindliche Politik Österreichs und die investorenfeindlichen Ankündigungen vor allem der SPÖ verloren gegangenen Arbeitsplätzen; das entspricht auch den Beobachtungen vieler Manager (ohne dass diese die Auswirkungen natürlich genau beziffern könnten). Der Sozialminister betont im üblichen roten Reflex hingegen sofort öffentlich, dass alles bestens wäre und blühend.

Für diese SPÖ-Propaganda ist nun die wenige Stunden später gekommene Nachricht von der Immobilienfront mehr als vernichtend: Im ersten Halbjahr ist hierzulande um ein Fünftel weniger in Gewerbe-Immobilien investiert worden als in der ersten Jahreshälfte 2012. Das ist deutlich schlechter als im restlichen Europa, wo sogar um etwa ein Viertel mehr investiert worden ist als im Vorjahr. Dieser katastrophale Trend passt aber auch haargenau zu dem – schon 2012! – eingetretenen steilen Absturz der ausländischen Investitionen in Österreich um 43 Prozent.

Aber wer soll denn noch in einem Land investieren,

das sich die letzten sieben Jahre zur Gänze auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausgeruht hat,
das zu den absoluten Spitzenreitern beim Einkassieren von Steuern und Abgaben zählt,
das in sämtlichen internationalen Rankings im letzten Jahr signifikant zurückgefallen ist,
das absolut reformresistent ist bei den von Investoren ständig beklagten Rahmenbedingungen (niedriges Pensionsalter, insbesondere der Frauen; Arbeitszeitflexibilität; lähmender Zugriff der Sozialpartner in die Unternehmen usw.),
das keinen einzigen Politiker in Regierung oder Opposition mit europäischem Format oder mit wenigstens ein bisschen ökonomischem Grundverständnis aufweist (höchstens die Finanzministerin zeigt da hier und da ein solches, ist aber auch bestenfalls die Einäugige unter Blinden),
dessen stärkste Partei ständig weitere Steuererhöhungen und Jagd auf Investoren, pardon: Millionäre verlangt,
in dem absurderweise die Arbeitszeit für (den Vergangenheitsberuf) Eisenbahner reduziert und für (den Zukunftsberuf) Lehrer erhöht wird,
und in dem – am grässlichsten – eine neuerliche große Koalition fast unabwendbar scheint, in dem nicht einmal mehr die neuerdings ja stark von Staatsbetrieben beeinflusste Industriellenvereinigung wagt, über bürgerliche und investorenfreundliche Koalitionen nachzudenken?
Ernst nehmen sollten diese Nachricht aber auch alle jene, die allzu viel Geld in Immobilien investiert haben. Die Blase scheint am Platzen, zumindest am gewerblichen Sektor, während bei den Wohnimmobilien der Run des billigen Geldes weitergeht, ja sich noch verstärkt hat.

Dabei begründet die Zentralbank die Überflutung Europas mit Billigstgeld ständig mit der Notwendigkeit von Investitionen. Das Geld landet jedoch nicht bei den Investitionen, sondern nur beim Konsum, insbesondere in den Wohnungen und Privathäusern, wo überdies auch noch italienisches und russisches Fluchtgeld die Situation anheizt.

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