Medien sollten weder mit Wölfen heulen, noch mit Nachtigallen singen

Von | 14. Februar 2016

“…..Niemals darf es Aufgabe und Auftrag von Journalisten sein, ein höheres Ziel zu propagieren, auch nicht unter dem Vorzeichen der Moral oder der Vaterlandsliebe oder der Religion. Es ist nicht Aufgabe der Medien, Kulturen zusammen zu führen oder ein paar Millionen Einwanderer zu integrieren oder die große Koalition vor einer gefährlichen neuen Partei zu beschützen oder zu glauben, sie könnten der Spaltung der Gesellschaft entgegen wirken, indem sie vermeintlich Böses dämonisieren und vermeintlich Gutes propagieren. Die Medien haben die Fehler der Einwanderungspolitik nicht verursacht. Sie haben sich aber allzu lange (bis Köln) zum Sprachrohr von Emotionen machen lassen, die die Regierung als Politik ausgab. Die größte Gefahr für den politischen Journalismus ist Komplizenschaft mit Politikern. Die Jasager haben ihren Beruf verfehlt. Das gilt nicht nur in autoritären Gesellschaften. Journalisten sollten weder mit Wölfen heulen, noch mit Nachtigallen singen. Eigentlich dachte ich, all das sei selbstverständlich….” (Bemerkenswerter Text, hier)

13 Gedanken zu „Medien sollten weder mit Wölfen heulen, noch mit Nachtigallen singen

  1. Fragolin

    Gilt das jetzt auch für die Kriegspropaganda zwischen den Falken in Washington und Moskau?

  2. Falke

    Nicht, dass ich das befürworte: aber die öffentlich-rechtlichen Sender fühlen sich bemüßigt (oder verpflichtet), die vermeintlich öffentliche Meinung (d.h. die Meinung der politischen Mehrheit) wiederzugeben, da sie ja von der Politik abhängig sind. Leider tun das aber ohne Not auch die Privaten; da hört mein Verständnis allerdings auf.

  3. sokrates9

    Früher hat man in der Journalistischen Grundausbildung gelernt “objektiv” zu berichten – und das ist sprachlich verdammt schwer die passenden Wörter zu finden. Von den heutigen Schulabbrechern die sich Journalisten nennen ist so etwas nicht mehr zu erwarten!

  4. Christian Peter

    Nicht umsonst wird die Presse als ‘Vierte Gewalt’ bezeichnet, welche in funktionierenden Rechtsstaaten eigentlich ein Gegengewicht zu den anderen Gewalten Exekutive, Legislative und Judikative bilden sollten – davon kann in Bananenrepubliken wie Österreich und Deutschland freilich keine Rede sein.

  5. Herr Karl

    Siehe dazu auch den Fall jenes Welt – Journalisten, der sich von der AfD quasi kaufen lassen wollte uns als dies nicht geschah, plötzlich sehr kritisch über diese berichtete…

  6. astuga

    Schöner Artikel.

    @Christian Peter
    Die Rolle als ominöse 4. Gewalt in Form der Medien war immer schon reine Selbststilisierung.
    Auch in den besten Zeiten werden dem immer nur wenige Journalisten gerecht, und meist auch nur in spektakulären Einzelfällen (Watergate, Lucona etc.).

  7. Christian Peter

    @astuga

    Es gibt genug Länder mit einer unabhängiger Presse – Länder wie Österreich und Deutschland zählen aber nicht dazu.

  8. astuga

    Naja, unabhängige Journalisten haben wir ja auch.
    Und ich will auch gar nicht behaupten, dass es anderswo tatsächlich besser wäre.
    Mir ging es nur darum zu sagen, dass es sich bei der sog. 4. Gewalt um ein von der Branche selbstgestricktes hehres Idealbild handelt, das noch nie der Realität entsprochen hat (wohl auch nicht kann, weil Medien anders definiert sind als die 3 echten Gewalten der klassischen Gewaltenteilung).

    Würde mich interessieren, wer diesen Begriff überhaupt erstmals verwendet hat, und in welchem Kontext.

  9. Christian Peter

    @astuga

    In Bananenrepubliken wie Österreich wäre es ein Riesenfortschritt, wenn man von einer Gewaltenteilung der ersten drei Gewalten sprechen könnte – auch davon kann keine Rede sein. Auf Gewaltenteilung + freie Presse werden wir unter den herrschenden politischen Verhältnissen in unserem Lande wohl noch viele Jahrzehnte warten müssen.

  10. Fragolin

    Medien und Objektivität, ein Thema das gerade in der “Welt” ein großes internes Thema ist, weil eine Schutzgelderpressung bei der AfD schief gelaufen ist; so merkt man, wie es zur offensichtlichen Meinungsmache durch Journalisten kommt. Wir glauben immer, es geht um von 68ern unterwanderte, linksversiffte Redaktionsstuben – ach was, es geht um Bestechung. Die Meinung, deren Protagonisten die meiste Kohle abdrücken, kommt auf die Titelseite. Die Journalisten, die am besten Keilen, stopfen sich die Taschen voller als die Deppen, die ehrlich arbeiten.
    Ich beneide unseren Hausherrn nicht um seinen Kollegenkreis. Aber vielleicht sieht es in der “Presse” auch harmloser aus als in der “Welt” und anderen, mächtigeren Medienhäusern. Je größer die Macht, desto höher der Preis. Aber ein fader Nachgeschmack bleibt bei all der durch geschickte Attributierung subjektivierte “objektive” Berichterstattung.
    Oder um auf jemanden zu verweisen, der das noch besser formulieren kann:

    http://www.danisch.de/blog/2016/02/14/schutzgeld-journalismus/

  11. Christian Peter

    @Fragolin

    dennoch sollte man die Geschichte nicht überbewerten, denn das Problem sind nicht einzelne korrupte Journalisten, sondern große Medienkonzerne, die sich korrumpieren lassen.

  12. gms

    Christian Peter,

    “denn das Problem sind nicht einzelne korrupte Journalisten, sondern große Medienkonzerne, die sich korrumpieren lassen”

    Quatsch. Einzig und ausnahmslos Individuen können korrumpiert werden, wenn sie nicht sowieso, wie etwa die Dönhoffs mit ihrer “Zeit” zu den notorischen Kreisen zählen. Subersion geschieht immer durch’s Vereinnahmen der führenden Köpfe, sei’s in Politik, Medien, Gewerkschaften, Kulturvereinen oder NGOs.

  13. astuga

    Ich weiß, von wegen Wikiblödia und so, aber…
    https://de.wikipedia.org/wiki/Vierte_Gewalt
    Der österreichische Rechtsphilosoph und Publizist René Marcic nahm den Begriff in den 1950er-Jahren wieder auf[3][4] – der sich weniger auf die Legalverfassung als auf die Realverfassung bezieht. Damit wird die Forderung nach einer Verfassungsreform im Sinne einer stärkeren Rücksichtnahme auf die Realverfassung ausgedrückt, auch um einem Missbrauch der Medien entgegenzuwirken. Zugleich fordert der Begriff von Publizisten ein Berufsethos, das im Interesse von Demokratie und Rechtsstaat dem Auftrag der freien Meinungs- und Willensbildung gerecht wird.”

    Demnach könnte man also sagen, dass der heutige Begriff der 4. Gewalt gerade deshalb entstand weil die Medien ihrer Verantwortung bereits damals nicht nachgekommen sind!
    Und sie mit der Aufforderung sich informell als 4. Gewalt zu definieren an ihre Verantwortung gemahnt werden sollten.

    Oder pointiert:
    Ich bin außer Form darum nehme ich mir vor, später mal den City-Marathon zu gewinnen.
    Der Vorsatz macht mich aber noch nicht zum Champion.

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