Parlament: Wen interessieren schon Inhalte?

Von | 2. Dezember 2013

(GERG VETTER) Derzeit bereite ich mich auf meine zweite Rede im Parlament vor. Nach derzeitigen Berechnungen werde ich sie am Dienstag, den 3. Dezember 2013, ab 16.15 Uhr halten. Möglicherweise wird sie noch knapp vor Ende der Sendezeit in ORF III übertragen. Anlass die dringende Anfrage von FPÖ und GRÜNEN an den Bundeskanzler im Zusammenhang mit dem sogenannten Budgetloch. Reden sind unter Abgeordneten gefragt. Jeder sieht sich gern im Fernsehen. Die normalen Übertragungen finden zwischen 09.00 und 13.00 Uhr statt, sodass sich nach 13.00 Uhr schlagartig die Reihen lichten. Die Sondersitzung am Dienstag beginnt zwar um 10.15 Uhr wird aber sofort auf 13.15 Uhr vertagt werden. Sie wird daher nur in ORF III übertragen. Die Abgeordneten der kleinen Fraktionen haben es leichter, zu Wort zu kommen – da es von ihnen einfach weniger gibt. In den großen Fraktionen ist der Konkurrenzdruck wesentlich größer.

Der Inhalt einer Rede scheint mir im Hohen Haus im allgemeinen – überraschenderweise – gar keine so große Bedeutung zu haben. Gegenseitig misst man sich eher an der Anzahl der Wortmeldungen. Kaum gefragt scheinen rhetorische Fähigkeiten. Dass eine gute Rede, wie es in den antiken Rednerschulen gelehrt wurde, „docere, delectare et movere“, also belehren, erfreuen und bewegen solle, scheint noch nicht wirklich im österreichischen Parlament angekommen zu sein. Ich verhehle nicht, dass ich mit meinen Reden gegen den Sozialismus den Ehrgeiz verfolge, hier eine Trendwende einzuleiten. Schließlich ist noch auf die äußeren Bedingungen einer Rede, insbesondere die Redezeit, einzugehen. Es gibt hier alchemistische Formeln, die ich noch nicht ganz durchschaut habe. Jede Fraktion erhält eine bestimmte Anzahl von Minuten, die manchmal zwischen den Rednern aufgeteilt werden können, manchmal von vornherein bestimmt sind. Näheres werde ich beizeiten berichten. Mir etwa werden am Dienstag voraussichtlich sieben Minuten zur Verfügung stehen. In der letzten Minute leuchtet ein rotes Lämpchen auf, das daran erinnert, zum Ende zu gelangen. Leuchtet es dauernd rot, darf der Redner den Satz noch beenden. Andernfalls mahnt die Präsidentin mittels Glocke das Ende ein.

5 Gedanken zu „Parlament: Wen interessieren schon Inhalte?

  1. Reinhard

    Eine typische Beamtenburg – die Form triumphiert über den Inhalt, der Selbstzweck über den Allgemeinnutzen.
    Die Regeln erinnern mehr an ein Laientheater oder eine Castingshow als an eine politische Volksvertretung.

  2. Tom Jericho

    Wenn der Inhalt der Rede keine Bedeutung hat, welche Bedeutung hat dann die Rede an sich im Parlament? L’art pour l’art? Etwas wenig, oder?

  3. Thomas Holzer

    @Tom Jericho
    Eine Rede im Parlament hat nur dann Sinn, wenn diese jedes Sinnes entledigt ist, dafür aber “live” übertragen wird.
    Nicht mehr Inhalt ist wichtig, sondern nur noch Präsenz in allen (un)möglichen Medien

  4. Rado

    Parlamentarismus alter Schule findet man immer noch bei den Briten,
    Einer ihrer Abgeorneten im sogenannten EU-Parlament hat den Kommisaren des Friedensprojektes gerade einen Weckruf zukommen lassen. Großartig! Von einem oder einer Österreichischen Abgeordneten absolut undenkbar!

    Strassbourg, 21.11.2013

  5. Thomas Holzer

    Herr Dr. Vetter hat sich vergeblich! bemüht;
    wir rennen leider(sic!) wider besseren Wissens ohne Widerstand dem “sozialem” Sozialismus entgegen.
    Das einzig Positive: wenn dieser “neue, soziale, gemeinwohlhafte” Sozialismus realisiert wird, sind wenigstens alle gleich arm, und keiner braucht sich zu beschweren.
    Wie schon in anderen Beiträgen angeführt:
    der “neue, soziale, gemeinwohlhafte” Sozialismus braucht keine Gewehre mehr, der Einzelne wird einfach durch Verordnungen/Gesetzgebung, alles “ganz demokratisch” legitimiert, zum Sozialismus verdammt.
    Anscheinend dürfen/müssen wir wieder ca. 70 Jahre warten, um dieses System abzuschütteln

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