Peinliche Krise der Politisch Korrekten

(JÜRGEN POCK)  Noch etwas mehr als zwei Wochen trennen Österreich von der Wahl eines neuen Staatsoberhauptes. So die oberste Wahlbehörde diesmal ihren Pflichten nachkommt. Während hie und da noch das Echo der Fassungslosen ob Trumps Triumph durch die Redaktionsstuben hallt, werden die Bleistifte für die nächste Wahlkampf-Berichterstattung schon angespitzt. Die selbstüberschätzten Stimmen von Medien und Politik sind noch etwas belegt angesichts des erlittenen Realitätsschocks in Bezug auf den US-Wahlausgang und hadern mit dem drohenden Dammbruch der politischen Korrektheit.
Neben Staatsgläubigen schlüpfen mit Beginn der Intensiv-Wahlkampfphase auch ausgewählte Vertreter der Schrumpfkoalition in die Rolle strategischer Wahlempfehler und instrumentalisieren Trumps Sieg für Belehrungszwecke und moralinsaure Vorwürfe. Nachdem sich unlängst Mitterlehner auf die Seite des Grünen geschlagen hat, versuchte sich Othmar Karas, EU-Mandatar aus den Reihen der ehemaligen Großpartei ÖVP, als Meinungseinpeitscher bei Van der Bellens Wahlkampfauftakt. Verständlicherweise macht er sich als Teil der Brüsseler Euro-Elite Sorgen um seinen Einflussbereich und bejubelt Van der Bellens Engagement für ein Vereinigtes Europa. Haselsteiner und sein hoffärtiges Heer aus Systemabhängigen machen indes krampfhaft mit einer Anti-Hofer-Kampagne auf sich aufmerksam, stets darum bemüht, das etablierte Gefüge unbedingt am Leben zu erhalten.
Van der Bellen selbst zeigt sich immun gegen eine mögliche heilsame Wirkung des Trump-Effekts auf seine abgehobene Oberlehrer-Politik. Der grüne Kandidat und seine Helfershelfer üben sich unbeirrt als Mahner der Nation und vertrauen weiterhin auf den Gebrauch der politischen Korrektheit als akkurates Volkserziehungsmittel, als notwendige Bevormundungsmethode. Verliebt in das Negative, verliert sich sein Wahlkampf in angsterzeugenden Szenarien, die seiner Meinung nach mit dem Sieg des Gegenkandidaten einhergehen und nur von der elitären Klasse der Korrekten abgewendet werden können. Van der Bellen ruft nach Toleranz und Liberalität, verkörpert aber schlicht einen linken Belehrungswahn, der mit Denkverboten und Zensur agiert und sich einzig durch eine überbetriebene Anstandsreglementierung auszeichnet.
Diese vom Geist der 68er geprägte Meinungsdiktatur, welche Tabus und Verbote in ein gesellschaftsgültiges Regelwerk gegossen hat, von der Frankfurter Schule intellektualisiert und fortan als Inbegriff von Fortschritt propagiert wurde, beginnt zu bröckeln. Diese ideologische Ideensammlung hat sich mit Hilfe staatlicher Subventionen in sämtliche Erziehungs- und Forschungseinrichtungen gedrängt und wurde von deren Exponenten über Jahrzehnte hinweg gelehrt, gepredigt, als zivilisatorische Droge verabreicht und ist in weiten Teilen zu Allgemeingut geworden. Diese Lust an der Unlust, dieses Zurückweichen vor Authentizität, dieses exzessive Idealisieren fern von Realismus und Vernunft. Diese ignoranten Strukturen im Umgang mit alternativen Denkweisen befinden sich im freien Fall. Die politische Korrektheit, welche erfolgreich von den Linken lange Zeit als Wunderwaffe im Kampf gegen Andersdenkende eingesetzt wurde, ist stumpf geworden.

12 comments

  1. Fragolin

    Argumentativ am Ende:
    https://www.welt.de/politik/deutschland/article159591525/SPD-beleidigt-Beatrix-von-Storch-mit-Tiervergleich.html
    Ich glaube nicht, dass die den Vorgang selbst bedauern, sondern eher, dass ihnen sogar in den eigenen Foren scharfer Gegenwind ins Gesicht bläst. Selbst gemäßigte Linke haben von der linken Hetze der Fundamentalisten die Nase voll. Die Partei vom Stinkefingersiggi, der sich ohne zu zögern mit den Altkommunisten der SED in die Kissen der Macht suhlen würde, ist für Sozialdemokraten, die diesen Begriff noch ernst nehmen, nicht mehr wählbar.

  2. Mona Rieboldt

    Fragolin
    Und dann waren sie ganz perplex, weil sie dann Ärger bekamen, weil sie die AfD Frau damit entmenschlicht hätten. Das musste ihnen aber erst gesagt werden, selbst fanden sie es witzig. Inzwischen ist es gelöscht und die SPD hat sich dafür entschuldigt.

  3. Dihaus

    Ich denke dass ein Hofer Sieg nur mehr eine Frage ist wie hoch er gewinnt. T rumps Wahl wird auch jenen in .sterreich Mut machen, die sich bisher vor ihrem Freundeskreis nicht getraut haben, Hofer und direkte Demokratie zu wählen. Von den Personen her kann es ja wohl keinen ärgeren Kontrast geben. VDB steht für ausgedient und links und es ist unglaublich, dass sich die ÖVP für so einen schwachsinnigen Kurs entschieden hat. Merken noch immer nicht dass sie sich damit weiter ins out stellt.

  4. Wanderer

    Die USA sind nicht Österreich. Nach fast 50 Jahren 68er Erziehung sehen bei uns viele mit den Blauen eine Art NS-System wieder auferstehen. Das ist völlig irrational, aber argumentativ nur sehr schwer zu entkräften, wenn der Gegenüber historisch desinteressiert ist und seine Infos aus den Systemmedien bezieht. Ich rede nicht von Bobos oder sonstigen Grünen. SPÖ affine Bekannte schimpfen beim Bier lauthals über muslimische Gewalt und sagen im nächsten Satz, dass man VdB wählen muss, da es jetzt um das Ansehen der Republik geht. Auch hier im Blog sprechen manche gerne von den nationalen Sozialisten der FPÖ. Das mag sozialpolitisch z. T. zutreffend sein, aber das Eintreten für einen starken Staat, der seine Staatsbürger schützt, macht noch keinen Sozialisten.

  5. sokrates9

    Bin skeptisch was das Wahlergebnis pro Hofer angeht! Das gesamte österreichische Establishment hetzt gegen Hofer, die ÖVP empfiehlt Van der Bellen, nur ja keine Veränderung! Zensur ist derzeit das Thema schlechthin! Über Flüchtlinge darf von Seiten der Polizei, des Militärs, der Rettung, der Spitäler nichts negatives gesagt werden! Selbst die Verkäuferinnen von RWE – Töchtern dürfen nicht über Diebstähle von Flüchtlingen berichten,auch in der Automobilbranche ist das Thema Tabu!! Ob sich diese Personen in der Wahlzelle revanchieren, das ist die Frage! Man hat es hervorragend geschafft das Nazis und FPÖ assoziiert wird! Solange die FPÖ nicht daran geht den ORF zu privatisieren wird es für diese Partei immer eine Zitterpartie sein eine Wahl zu gewinnen!

  6. Christian Peter

    Viel Lärm um nichts, allzu groß sind die Unterschiede zwischen Hofer und Van der Bellen nicht, beide eindeutig Pro EU und Euro. Ganz egal, wer die Wahl am 4.12. gewinnt, in der politischen Praxis wird es keinen nennenswerten Unterschied machen.

  7. Falke

    Die Polit-Zombies (Busek, Fischler, Riegler, Molterer, Schmidt …) sowie die aktuellen Möchtegern-Winkelpolitiker (Karas, Haselsteiner…) merken in ihrer maßlosen Selbstüberschätzung offenbar nicht, dass ihre lächerlichen Aktionen für den grünen Struwwelpeter eher kontraproduktiv sind.

  8. waldsee

    der kernsatz des wahlkamps schlechthin :
    “” Van der Bellen ruft nach Toleranz und Liberalität, verkörpert aber schlicht einen linken Belehrungswahn, der mit Denkverboten und Zensur agiert…..””

  9. GeBa

    Peinlich, peinlich, was da so alles bei VdB´s Veranstaltung von der Katze reingetragen wurde …

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