Pensionen: Wenn “Gerechtigkeit” Ungerechtigkeit schafft

(C.O.) Dass 2020 die kleineren Pensionen unter 1.111 Euro wesentlich stärker – nämlich um 3.6% – erhöht werden als größere Renten, dürfte die große Mehrheit der Österreicher als irgendwie “gerecht” empfinden. Den ärmeren mehr zu geben als den besser gestellten, darüber besteht weitgehend Einigkeit, ist “gerecht”.

Man kann das so sehen. Man muß aber nicht. Denn die Höhe einer Pension hängt – ausgenommen die Luxuspensionen bei OeNB & Co. – wesentlich davon ab, wieviel der Ruheständler wie lange eingezahlt hat. Höheres Gehalt und längere Beitragszeiten führen dann eben zu höheren Pensionen. Man kann auch das “gerecht” finden.

Je öfter aber kleine Pensionen stärker erhöht werden als größere, um so kleiner wird dieser Unterschied. Mehr und länger zu arbeiten wird dann immer weniger durch eine entsprechend höhere Rente belohnt. Leistung lohnt sich so immer weniger. Diejenigen, die aus irgend einem Grund mehr verdient haben, werden still enteignet.

Man kann das durchaus “ungerecht” finden, wenn sich mehr Arbeit nicht in angemessen höheren Renten wiederspiegelt.

12 comments

  1. Hatschi Bratschi

    Selbstverständlich ist es ungerecht, kleinere Renten prozentuell stärker zu erhöhen, als höhere. Aber solange es Menschen gibt, die bei Bund-Land-Gemeinde oder sonstwo im staatsnahen Bereich mit weit unter sechzig Jahren nicht unter 2000 Euro netto in Pension gehen, gibt es ohnehin keine Bezugsgerechtigkeit. Von Luxusschmarotzern wie Nationalbank, Sozialversicherungen, Kämmerern aller Art, Alt-ORFlern, ÖMVlern, Alt-AUAnern und Co. mal ganz abgesehen.
    Es müsste ein für alle, ich wiederhole: für ALLE geltendes Pensionssystem mit gesetzlich geregelten jährlichen fixen Erhöhungen geben. Natürlich nach ASVG. Erst dann wird es halbwegs Pensionsgerechtigkeit geben. Aber das werde ich in unserem Kammern- und Bündestaat nicht mehr erleben, falls es überhaupt je kommt.

  2. GeBa

    Ganz meiner Meinung, etwas das ich auch bei den diversen Kommentaren in den onlin Medien sehr klar und deutlich zum Ausdruck bringe.
    Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich – es gab auch früher schon sehr heiße Tage – in unserm unklimatisiertem Büro 8 Stunden schwitzte und eine Halbtagskollegin sich um 12 Uhr mit den Worten, “So jetzt fahr ich auf die Donauinsel”, verabschiedete. Genau diese Personen kriegen heute mehr % auf ihre Pension als ich.
    Schei.. humane Gesellschaft. Mich braucht auch keiner anzubetteln von den Gestalten, die da überall herumkreuchen und fleuchen, mir wurde auch nichts geschenkt.

  3. Der Realist

    Gerecht oder ungerecht, das ist vielfach Ansichtssache. Gerade bei unserem komplizierten Beitrags- und Pensionssystem spiegelt sich die erbrachte Arbeitsleistung nicht immer in der Pensionshoehe wider. Da gibt es schon große Unterschiede und Ungerechtigkeiten. Die ehemaligen Pensionsregelungen für Politiker waren ja ein Schlag ins Gesicht für die normalen Hackler.
    Es gibt einige, die haben sich während des Studiums schon politisch engagiert, waren da schon im Nationalrat, und haben danach nichts mehr anderes getan. Verglichen mit der Leistung und Lohn durchschnittlich hart arbeitender Leute, sollte man diesen Privilegierten überhaupt keine Pensionserhoehung geben.

  4. Falke

    Völlig richtig. Es ist absolut nicht einzusehen, warum Menschen, die während ihres Arbeitslebens weniger in die Pensionskasse eingezahlt haben, dann als Pensionisten ständig mehr bekommen, als versicherungstechnisch und auch gesetzlich vorgesehen.. Ganz abgesehen davon, dass die aktuelle Wählerbestechungsaktion der Großparteien das Budget mit über 500 Mio (jährlich!) belastet.

  5. Selbstdenker

    @Hatschi Bratschi:
    „Es müsste ein für alle, ich wiederhole: für ALLE geltendes Pensionssystem mit gesetzlich geregelten jährlichen fixen Erhöhungen geben. Natürlich nach ASVG. Erst dann wird es halbwegs Pensionsgerechtigkeit geben.“

    Erklären Sie mir bitte, warum alle ausgerechnet per Zwang in das ASVG einzahlen sollen? Warum erheben wir nicht das GSVG, das BSVG oder das FSVG zur allgemeinen Norm? Oder warum lassen wir den beitragspflichtigen Menschen nicht selbst die Wahl in welches System sie einzahlen wollen?

    Ich wäre für eine staatliche Grundpension, mit dem die wichtigsten Bedürfnisse abgegolten werden und für alles was darüber hinaus geht für eine Versicherungspflicht bei freier Wahl der Sozialversicherung.

    Vielleicht können Sie mir kurz darlegen wie Ihr Gerechtigkeitsbegriff definiert ist. Gehört Leibeigenschaft in Kombination mit einem Ponzi-Schema auch zu dem was sie als „gerecht“ empfinden?

    Ist es für Sie „gerecht“, wenn ein nicht erwerbstätiges Bevölkerungssegment sich die Höhe ihrer Pension auf Kosten der erwerbstätigen Menschen politisch festlegen kann (eingezahlte Beiträge + Wahlzuckerl)?

    Und wie sieht es aus, wenn jene, die jetzt einzahlen erwartungsgemäß nicht einmal ihre eingezahlten Beiträge retour kriegen? (eingezahlte Beiträge – aufsummierte Kosten für die Wahlzuckerl)?

    Ist es für Sie gerecht, dass jeder ein T-Shirt in der Größe M zu bekommen hat (natürlich nur solange der Vorrat reicht) und dafür den Preis eines XL-Shirts zahlen muss?

  6. Der Realist

    @GeBa
    Und jene, die sich ihr ganzes Leben ‘geschont’ haben, bekommen mit Mindestsicherung oder Ausgleichszulage genau das, was eine Pensionistin die Kinder groß gezogen hat, nebenbei noch 30 Stunden gehackelt hat und am Abend den Haushalt geschupft hat.
    Von all den ‘Schutzsuchenden’, die dem Steuerzahler mindestens genauso viel kosten wie oben angeführte Pensionistin Pension ausbezahlt bekommt, will ich gar nicht reden,

  7. Johannes

    Bald wird es Menschen geben die mit 40, 50, und 60 Jahren zugewandert sind und auf ihre Pension warten, dann gesellt sich zu den niedrigen Pensionen eine neue Kaste an “Pensionisten“ die unter Umständen nie eingezahlt haben aber bei jeder Erhöhung kräftig belohnt werden.

    Man fragt sich warum Pensionen überhaupt noch festgesetzt werden wenn nachher alles als große Ungerechtigkeit an den Pranger gestellt wird. Jeder muss wissen was er tut und was es ihm bringt, der Staat als Nanny der dann den Geldhahn aufdreht kann nicht auf Dauer funktionieren.

  8. sokrates9

    Johannes@ Familiennachzug wird dem Sozialsystem wahrscheinlich den geben. Die Eltern von unseren Goldstücken werden kaum unsere Facharbeiterlücke schließen!!Rest

  9. Hatschi Bratschi

    @Selbstdenker
    Warum ASVG? Weil es das einzige System ist, das “einigermaßen finanzierbar” ist und asoziale Luxuspensionen ausschließt. Und ja, ich bin ganz bei Ihnen. Eine staatliche Grundpension plus Krankenversorgung, alles was du mehr haben willst, musst du selbst beisteuern. Und: Eine Pension ist kein Bausparvertrag, nach der Devise: Ich habe so und so viel “eingezahlt”, drum muss ich so und soviel herauskriegen. Pensionen sollten generell steuerfinanziert und entsprechend der Länge der Versicherungszeiten honoriert werden. Was aber nichts mit der Höhe der Abgaben zu tun hat. Wer viel verdient, zahlt viel Steuer. Deshalb hat er aber nicht das Recht, irgendetwas mehr oder öfter zu konsumieren als andere. Warum sollte das bei der Pension anders sein? Derzeit ist es so, dass im öffentlichen Dienst kein Arbeitgeberanteil an die SV abgeführt wird, der in der Privatwirtschaft fast ebenso hoch ist, wie der des Arbeitnehmers. Dennoch gibt es beim Staat die höchsten Pensionsleistungen.
    Vergleiche: Arbeitnehmer, Akademiker, Privatwirtschaft. Gehalt: 5000 €. Pensionsleistung nach 45 Jahren: 2.500 €.
    Arbeitnehmer, Akademiker, Beamter. Gehalt: 5000 €. Pensionleistung nach 45 Jahren: 3.500 €.
    Please, tell me why.

  10. Selbstdenker

    @Hatschi Bratschi:
    Das ASVG sehe ich nicht als Vorbild.

    Eine staatliche Grundpension sollte nur ein Existenzminimum abdecken und könnte sich zum Beispiel an der Höhe der Bauernpension orientieren. Die Finanzierung sollte aus dem allgemeinen Steuertopf erfolgen.

    Alles was darüber ist, ist alleine eine Angelegenheit zwischen der versicherten Person und dem von ihm frei wählbaren Versicherungsträger. D.h. alles was über Grundbedürfnisse hinausgeht, kann und soll man nicht über einen Kamm scheren.

    Wichtig ist, dass die individuellen Präferenzen selbt getragen und nicht auf andere abgewälzt werden.

    Darüber hinaus sollte auch das Steuersystem von der Individualbesteuerung auf eine Haushaltsbesteuerung auf Flat-Tax Basis umgestellt werden. Das effizienteste, am wenigsten missbrauchsanfälligste und für alle Betroffenen auch emotional erfüllendste Sozialsystem ist die Familie.

    Und nur dort, wo dieses hocheffiziente Sozialsystem namens Familie finanzielle Unterstützung benötigt, sollte die Gemeinde, das Land und der Staat (in genau dieser Reihenfolge) unterstützend eingreifen.

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