Pensionssystem: Am Ende der Fahnenstange

Von | 29. August 2020

(ANDREAS TÖGEL) Der vielgepriesene österreichische Wohlfahrtsstaat gerät derzeit an gleich mehreren Fronten unter Druck. Doch während die einschlägigen Auswirkungen der Covid-19-Seuche täglich für Schlagzeilen gut sind – immerhin reduzieren sich im Gefolge der von der Regierung ergriffenen Eindämmungsmaßnahmen die Staatseinnahmen erheblich während zugleich die Einkommensersatzzahlungen drastisch zunehmen -, findet eine andere besorgniserregende Tendenz erstaunlich wenig Beachtung. Diese seit vielen Jahren negative Entwicklung betrifft das Pensionssystem.

Obwohl zahlreiche Pensionsexperten, Versicherungsmathematiker und Ökonomen seit Jahren davor warnen, die ungünstige Entwicklung der Altersstruktur im Lande zu ignorieren, gibt es bis heute keine wirksame Strategie zur nachhaltigen Sicherung künftiger Pensionsleistungen. In diesem Zusammenhang ist es erstaunlich, mit welchem Fatalismus die Jungen dabei zusehen, wie die Senioren ihre Zukunftsvorsorge verfrühstücken. Dass die Politik sich nur um die Alten sorgt – schließlich liefern ihre Stimmen in einer rapide vergreisenden Gesellschaft solide Mehrheiten gegen die Interessen der künftigen Beitragszahler – ist kein Wunder. Dass die sich das widerspruchslos gefallen lassen, indes schon.

Wie die Agenda Austria in einer ihrer jüngst publizierten Prognosen vorrechnet, steigt der Bundeszuschuss zu den Pensionen ebenso unaufhaltsam wie dramatisch. Lag dieser Wert vor 40 Jahren noch bei vier Milliarden Euro, wird er nach der vorliegenden Schätzung bis Ende dieses Jahres versechsfachen und auf 24 Milliarden ansteigen.

Das sollte auch niemanden überraschen, denn ein umlagebasiertes Pensionsfinanzierungssystem kommt rasch an seine Grenzen, wenn die Balance zwischen Einzahlern und Beziehern verloren geht. Spät in den Arbeitsprozess einzutreten, recht früh den Ruhestand anzutreten und anschließend Jahrzehntelang Pensionszahlungen zu beziehen, kann nur gutgehen, wenn das Geld vom Himmel fällt (oder nach Belieben gedruckt wird). Der zunehmenden Lebenserwartung muss also endlich Rechnung getragen werden, wobei die Politik über genau drei „Stellschrauben“ verfügt: Das Pensionsantrittsalter (und damit die Bezugsdauer), die Höhe der Pensionen und die Höhe der Beiträge der Aktiven.

Die Pensionshöhe ist, sofern es sich nicht um Beamten- oder Politikerpensionen handelt, eher unflexibel, da hier nicht viel Luft nach unten ist, wenn Altersarmut vermieden werden soll. Die Beiträge der Aktiven noch weiter zu erhöhen, würde sich augenblicklich negativ auf den Arbeitsmarkt auswirken (Stichwort Lohnnebenkosten), was speziell in Krisenzeiten wie jetzt, wo ohnehin viele Arbeitsplätze dauerhaft verlorengehen, einem Schuss ins eigene Knie gleichkäme. Bleibt das Pensionsantrittsalter, das in Österreich im internationalen Vergleich recht niedrig liegt. Dénes Kucsera von der Agenda Austria: „Derzeit zahlen die Bürger im Schnitt weniger als 32 Jahre ein und sind dann mehr als 20 Jahre in Pension.“

Es liegt auf der Hand, dass das nicht gutgehen kann, wenn zugleich immer weniger Personen Beiträge einzahlen. Es ist eine eklatante Schwäche der wohlfahrtsstaatlichen Demokratie, dass der erste, der dieses heiße Eisen anpackt, befürchten muss, dafür bei der nächsten Wahl vernichtend abgestraft zu werden. Dieser Umstand erklärt die Untätigkeit der politischen Verantwortungsträger und die Reformresistenz des Wohlfahrtsstaats.
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a das Problem zu ignorieren aber keine Option ist, und den Betrieben zudem Facharbeitskräfte fehlen, sind dringend Anreize für einen längeren Verbleib im Arbeitsleben zu schaffen und spürbare Abschläge im Falle eines frühen Pensionsantritts einzuführen, um die Balance zwischen Ein- und Auszahlungen wiederherzustellen. Ohne flankierende Maßnahmen seitens der Arbeitszeit- und Lohngesetzgebung (Stichworte Senioritätsprinzip bei den Löhnen und strukturkonservierende Kollektivverträge) wird das indes nicht funktionieren. Es bedarf also eines umfassenden und die gesamte Arbeitswelt umfassenden Maßnahmenpakets, denn die Pensionen unbegrenzt aus dem Budget zu bezuschussen, heißt, den finanziellen Handlungsspielraum der Regierung massiv einzuschränken. Wenn´s so weitergeht wie bisher, kann man sich heute schon den Tag ausrechnen, ab dem sämtliche Steuereinnahmen in die Pensionszahlungen fließen werden.

6 Gedanken zu „Pensionssystem: Am Ende der Fahnenstange

  1. Mike

    Ich versteh es bis heute nicht, warum unsere regierenden Amateurdilettanten – aller Farben – bis heute nicht imstande waren oder sind, endlich eine anständige Pensionslösung zu exekutieren. das jetzige System wird nicht mehr lange halten.

  2. sokrates9

    Ergänzend es kosten uns derzeit die “Schutzbedürftigen Flüchtlinge” weitere 2 MRD – so viel wire das österreichische bundesheer). Die werden natürlich auch auf die nicht vorhandenen Pensionstöpfe zugreifen!

  3. Herbert Manninger

    Nachdem wir auch für Teile Afrikas und Asiens die Sozialfürsorge, und zwar nicht nur die Alten, übernehmen, dürfte genug an Geld da sein. Also macht euch keine Sorgen, unsere ,,Elite” weiß, was zu tun ist.

  4. Walter

    Mit Absoluten Zahlen von vor 40 Jahren zu agieren und diese mit Zahlen aus der Gegenwart zu vergleichen ist irreführend. ALLEINE die Inflation der 40 Jahre hat die Zahl vervielfacht. Die Wertschöpfung hat sich ebenfalls vervielfacht. Also was soll das? Die ASVG Versicherten halten noch immer den Generationenvertag ein. 1/3 Eigenleistung, 1/3 Arbeitgeber und 1/3 Staat. Bei den Beamten sieht das völlig anders aus. 1. Der Arbeitgeber (Staat) zahlt in der aktiven Zeit keine Beiträge ein, muss daher bei Pensionsantritt voll zahlen. 2. Beamte bekommen praktisch das selbe Pension wie zur Aktivzeit (Natürlich lt. Papier nicht). Damit werden ca. 40% der staatlichen Pensionszahlungen nur für die Beamten aufgebracht. Obwohl diese um vieles weniger sind. Da sind Pensionsreformen nur Ansatzweise umgesetzt worden. Daher laufen diese Kosten noch Jahrzente auf. Auf Grund der Ausbildung stimmen zum Großteil auch die durchschnittlichen 32 Jahre Aktivzeit bei den Beamten. ASVG Versicherte haben im Schnitt sicher wesentlich höhere Aktivzeiten. Bei mir waren es 47 Jahre. Wem verfrühstücke ich da etwas weg. Frauen die Kinder großgezogen haben, derartiges zu unterstellen, ist schlicht fies und gedankenlos. Für sehr viele ASVG VERSICHERTE ist auf Grund der Lohnstruktur eine Selbstvorsorge völlig unmöglich. GELD lässt sich nicht konservieren, daher macht das Umlageverfahren Sinn. Arbeit muss besser Verteilt werden. Arbeit muss gerechter bezahlt werden, dann kann das System auch noch morgen funktionieren. Wir haben heute keine Zerstörungen nach Krieg aufzubauen und meinen wir können die Pensionen nicht mehr zahlen. Das hat schon auch mit wollen zu tun. Vor 40 Jahren wurde ein Auto um einiges mehr als 40 Stunden gebaut. Heute sind wir bei ca. 10 Stunden. So zum nachdenken ob 40 Stunden Wochenarbeit heute sinnvoll sein können, wo die Digitalisierung erst ihren Anfang nimmt.

  5. Cora

    Das Problem wollte man 2015 und 2016 durch die Flüchtlingswelle lösen, die letzte Generation der Europäer sollte seinen Wohlstand noch genießen können, ab dann übernehmen die arabisch- islamisch-ständigen Einwanderer das Ruder, als Eintrittsgeld hätten sie einmal ordentlich schuften sollen, für die Hofübergabe, so der unverhohlene Plan, der nicht funktioniert hat, dafür haben wir ein zwei Probleme mehr. Und nun, so scheint es, hat man alle Hoffnung fahren lassen, nun soll das Kälbl auch hin sein, der verbleibende Kredit wird abgefrühstückt bis die Troika kommt. Verkaufts mei Gwand i foahr in Himml.

  6. fxs

    Dienstnehmer zahlen laufend direkt und indirekt in das Pensionssystem ein. Direkt werden ihnen 10,25% vm Einkommen abgezogen (limitiert durch dei “Höchstbemessungsgrundlage) indirekt -vom Dienstgeber zu leisten- 12,55%. In Summe also 22,8% des Bruttoeinkommens. Um die vlle Pension von 80% des Durchschnitts der erzielten Einkommens zu erreichen muss zumindest 480 Monate, also 40 Jahre lang eingezahlt und das Pensionsalter erreicht werden. Wie man leicht berechnen kann, reichen die eingetahlten Beiträge UNVERZINST! aus die Pension 11,4 Jahre zu bezahlen. Bei Veranlagungzeiten von 40 Jahren ist natürlich die Verzinsung ein Maßgeblicher Faktor! Bei einer Jahresverzinsung von 6% reicht das eingezahlte und verzinste Geld locker aus, die Pension über 30 Jahre zu bezahlen. Die “Nullzinsplolitik” der EZB erfolgt also auf Konsten der Pensionssysteme! Es also besonders mies, zuerst die Kapitalverzinsung der Pensionskassen abzuschaffen und dann über “Verluste” dieser Kassen zu jammern.

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