Pleitebank Lehman war solider als die meisten Staaten…

Das hatte niemand erwartet: Die europäischen Lehman-Gläubiger bekommen Ihr Geld vollständig zurück. Eine hundertprozentige Quote in Insolvenzen ist mehr als ungewöhnlich. Sie zeigt nun mehr als deutlich: Die einst große Bank hatte 2008 nur einen Mangel an verfügbarem Bargeld, an „Solvenz“, sie war aber insgesamt alles andere als überschuldet. Wie auch immer man den damals dennoch erfolgten Zusammenbruch bewertet (in meinen Augen deutet vieles auf eine böse Intrige von Konkurrenten mit Hilfe der US-Regierung): Der Vergleich zu den Staatsfinanzen ist erschreckend. Denn deren Gläubiger werden in Europa und Amerika nie mehr alles zurückbekommen. Sie erleben nur eine Umschuldung nach der anderen. Sie sehen nur eine Europäische Zentralbank, welche die Banken praktisch unlimitiert mit Gratisgeld überschüttet. Sie sehen nur Banken, die darauf den Staaten natürlich alles abkaufen, was immer diese an Anleihen produzieren (in Amerika funktioniert die Staatsfinanzierung noch direkter). Während die Lehman-Schulden gegen Null gehen, gehen die Schulden der meisten Staaten auch in Zeiten einer leichten Konjunkturerholung steil nach oben. Bis alles platzt. Aber vorher lenkt die Politik noch einmal kräftig von ihren eigenen Untaten ab, indem sie die Banken beschuldigt und sie – in Wahrheit die Sparer – zur Finanzierung ihrer Wählerbestechungsaktionen durch ständig neue Steuern beraubt . . . (TB)

13 comments

  1. Klaus Kastner

    Dieser Artikel ist irreführend, weil man aus ihm ableiten könnte, dass Lehman-Gläubiger kein Geld verlieren werden. Der Artikel erwahnt schon, dass das nur für die ‘europäischen Gläubiger’ zutrifft, aber diesen kurzen Zusatz werden viele Leser übersehen (übrigens: es geht nicht um ‘europäische Gläubiger’, sondern um ‘Gläubiger europäischer Lehman-Gesellschaften’).

    Lehman Group hatte ein weltumspannendes Netz an Tochtergesellschaften mit der Lehman Holdings Inc. an der Spitze. Jeder einzelne Gruppengesellschaft wurde/wird nach den Gesetzen des jeweiligen Landes liquidiert. Die Anleger von Lehman Deutschland waren beispielsweise zu 100% durch die deutsche Einlagensicherung geschützt. In der Tat sieht es so aus, dass die Gläubiger von Lehman Deutschland und Lehman UK nichts verlieren werden.

    Anders sieht die Siuation jedoch bei anderen Gruppengesellschaften aus. Am schlimmsten betroffen sind die Gläubiger von Lehman Holdings Inc., die bestenfalls mit einer pay-out Ratio von 20% rechnen können.

  2. DNJ

    Danke für die Richtigstellung, da hat Unterberger wieder mal ans falsche Bein gepisst in seinem Übereifer.

  3. Christian Peter

    Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass Banken einen erheblichen Anteil an den Staatsverschuldungen haben : In fast allen Staaten explodierten die Staatsverschuldungen im Rahmen der Finanzkrise 2008 wegen Wirtschaftskrise, Finanzhilfen für angeschlagene Banken, Verstaatlichungen von Banken, Konjunkturprogramme, etc. innerhalb weniger Jahre um 10 – 30 %. Die durch Banken verursachte Finanzkrise 2008 kostete alleine Deutschland etwa 500 Milliarden Euro, das ist 1/4 der gesamten Staatsverschuldung des Landes.

  4. gms

    Christian Peter,

    “Die durch Banken verursachte Finanzkrise 2008 kostete alleine Deutschland etwa 500 Milliarden Euro, das ist 1/4 der gesamten Staatsverschuldung des Landes.”

    Quelle? — Oscar Lafontaine? Wolfgang Schäuble Die NDP? Alle Genannten?

    Doch weil für flachwurzelnde, geifernde Propagandisten eh alles egal ist, bedarf es weder einer Differenzierung zwischen Kosten als getätigte Ausgaben und impliziten und hochgerechneten Wohstandsverlusten für Daumen mal Pi 10 Jahre, noch zwischen einer Banken- und Schuldenkrise oder auch zwischen Privat- und Zentralbanken.

    Lieber Kommissar Pjotr, die Radfahrer waren’s, und zwar die mit kurzen Hosen! Diese kosteten Deutschland nicht nur 500 Milliarden, sondern 650. Das ist zwar ebenso völlig Holler, aber zumindest sind Sie dann nicht der einzige hier, der propagandistisch die Schnauze aufreißt.

  5. Klaus Kastner

    @gms
    Christian Peter hat recht und Sie irren. Der unten verlinkte Artikel erklärt es. Nicht der deutsche Staat hat +/- 500 Mrd.EUR zwischen 2007-11 verloren, sondern die gesamte deutsche Volkswirtschaft. Nur ganz wenig von diesen Verlusten ist bei den Steuerzahlern gelandet, weil sie auf oberen Ebenen der Volkswirtschaft verzeichnet wurden (Banken, Versicherungen, Fonds, etc.). Die deutschen Auslandsvermögen übersteigen derzeit 7 Billionen EUR. Wenn beispielsweise eine Deutsche Bank bei einem Casino in Las Vegas 100 Mio.EUR verliert, dann ist die deutsche Volkswirtschaft um diese 100 Mio.EUR ärmer.

    http://online.wsj.com/news/articles/SB10001424052702303332904579226120436774220

  6. gms

    Klaus Kastner,

    “Die deutschen Auslandsvermögen übersteigen derzeit 7 Billionen EUR. Wenn beispielsweise eine Deutsche Bank bei einem Casino in Las Vegas 100 Mio.EUR verliert, dann ist die deutsche Volkswirtschaft um diese 100 Mio.EUR ärmer.”

    Ja, und?

    Oder, um einen Auszug aus dem von Ihnen verlinkten WSJ zu bringen: “The Berlin-based German Institute for Economic Research estimates that German investors have lost some €400 billion ($543 billion) through bad investments abroad since 1999, equal to around 15% of gross domestic product. Between 2006 and 2012, the losses were around €600 billion.”

    Auch hier: Ja, und? Nichts von dem, was Sie oder das WSJ schreiben, deckt auch nur annähernd das lachhafte “Die durch Banken verursachte Finanzkrise 2008 kostete alleine Deutschland etwa 500 Milliarden Euro”.

    Auch wenn die Aussicht gegen null tendiert, mit Ihnen oder dem Phrasendrescher, dem Sie hier so eigentümlich zur Seite springen, eine faktenbezogene, gemeinsame Eröterung zu führen, so will ich es dennoch versuchen:

    1. Was man vereinfacht als Bankenkrise bezeichnen mag, ist zu einem signifikaten Ausmaß auch eine Staatsschuldenkrise. Erst gemeinsam machen beide die Finanzkrise aus.

    2. An den aktuell Schiefständen sind die Wirkungen der Staaten wie auch der Zentralbanken verdammt kausal, sowohl hinsichtlich US-amerikanischer Hypotheken, deren Aufpumpen mit nachfolgendem Kollaps, der die Dominosteine weltweit kippen ließ, wie auch die Schulden der USA und jene der Staaten in Europa betreffend.

    3. Was auch immer man als Bezugsgröße für die Berechnung von Verlusten, Kosten und aufsummierten Wohlstandsverlusten heranzieht, bemißt sich an dem, was man 2008 noch für real hielt, als beispielhaft DAX und Dow so hoch standen wie heute. Hier sei einmal mehr auf das Diktum Baaders verwiesen: “Was man vorgefressen hat, muß man später nachhungern.”

    4. Die Geschäftbanken haben an dieser Misere ein gerütteltes Maß an Mitverantwortung und daher auch der Mitschuld. Weder aber werden Peters Aussagen der Interpunktion der Ereignisse gerecht, noch haben genannte 500 Milliarden, die dabei “den Banken” angedichtet werden, eine tragfähige Basis. Die Darstellung, der deutsche Steuerzahler hätte 25% seiner gegenwärtigen Staatschuld “den Banken” zu verdanken, weil dieser Betrag in Bankenrettungen ging, ist in jeder Hinsicht abgrundtiefer Nonsens, wie man ihn sonst nur von roten, grünen und braunen Sozialisten zu hören bekommt, die damit gesellschaftsklempnerische politische Veränderungen vorantreiben wollen.

    Nun mag man einwerfen, es sei ja garnicht so gemeint gewesen, und jede Darstellung sei zwangsweise eine Verkürzung. Wird dieser Verkürzung aber ausgerechnet mit Ihrer Ansage “Wenn beispielsweise eine Deutsche Bank bei einem Casino in Las Vegas 100 Mio.EUR verliert ..” beigesprungen, dann bedarf es schon eines übersteigerten Fatalismus’, diese Nebelkerzen nicht ebenso einsilbig vom Spielfeld zu kicken wie jenes, das es vorgeblich bekräftigen soll.

  7. gms

    Christian Peter,

    Sie wären einmal mehr gut beraten, die Texte, zu denen Sie hier Links bringen, auch zu lesen. Da heißt es dann nämlich, anders als von Ihnen behauptet, abschließend:
    Zitat: In den USA ist der Schuldenstand durch den Ausbruch der Finanzkrise um 2,7 Billionen Euro stärker gestiegen, in der Euro-Zone um zwei Billionen Euro und in Großbritannien um 300 Milliarden Euro. “Überschlagsmäßig könnte man sagen, dass bis zu einem Drittel dieser Kosten ohnehin angefallen wäre, da die Immobilienblasen in den USA, Großbritannien, Spanien und Irland ohnehin geplatzt wären”, sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. Diese Blasen hatten vor der Krise den Trend der Staatseinnahmen geschönt. Und das Platzen der Blasen hätte Kosten verursacht, selbst wenn die USA den Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 verhindert hätten. — Zitatende

    Staatsschulden, Trend der Staatseinnahmen geschönt, Immobilienblase, Lehman, ein Drittel, usw. usf. Zugleich thematisiert der Artikel einen wichtigen Hintergrund für deutsche Wohlstandseinbußen von insgesamt umgerechnet 496 Milliarden, O-Ton: “Deutschland hängt als Exportland stark von der globalen Konjunktur ab.” — Tell news!

    Für eine faktenresistente Propagandaschleuder aber sind Hintergründe und Zusammenhänge belanglos, selbst dann, wenn man sie eigenhändig aus dem Netz ausgräbt, solange man “den Banken” ans Bein pinkeln kann durchs Auflisten irgendwelcher Unsummen, die vorgeblich sie und nur sie dem armen deutschen Michel aufbürden. Es verfestigt sich Eindruck, Sie wollten hier paradox intervenieren, indem Sie penetrant wie Herpes den Trottel mimen, der von jedem des Lesens und Denkens Kundigen postwendend widerlegt wird.

  8. Klaus Kastner

    Da es hier offensichlich ein Mißverständnis zwischen Staatsvermögen/Staatsschulden einerseits und Auslandsvermögen einer Volkswirtschaft andererseits gibt, verweise ich auf diesen Link, der zu einer Auflistung der Auslandsvermögen der deutschen Volkswirtschaft führt.

    http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/BBK/2013/2013_09_27_auslandsvermoegen_anlage.pdf?__blob=publicationFile

    Auslandsvermögen einer Volkswirtschaft sind die Summe aller Aktiva, die die deutschen ‘volkswirtschaftlichen Agenten’ (‘economic agents’) im Ausland halten. Economic agents sind Private, Firmen, Banken, Versicherungen, Fonds, etc. etc. Anders, als bei einer Fimen G+V, lassen sich Erträge/Verluste bei den Auslandsvermögen nicht genau zuordnen.

    Die großen Verluste entstehen meist bei den auslandischen Finanzanlagen (im Gegensatz zu Direktinvestitionen im Ausland). Wenn z. B. eine deutsche Bank 10 Mrd.EUR bei sub-prime verliert, diesen Verlust jedoch verkraften kann, spürt kein Bürger, dass er für diesen Verlust bezahlt. Die Bank verdient einfach weniger oder macht sogar vorübergehend einen Verlust. Wenn jedoch eine Bank weniger verdient oder Verluste macht, dann zahlen dafür die Bankkunden (schlechtere Konditionen), die Bankmitarbeiter (die möglicherweise den Job verlieren), die Bankeigentümer (die weniger Rendite bekommen); etc. Zu den Bankeigentümern gehören beispielsweise Versicherungen und Pensionsfonds, die dann weniger Ertrag für ihre Versicherungs- und Pensionsleistungen haben. Das gleiche passiert, wenn beispielsweise eine Deutsche Bank 10 Mrd.EUR Strafe an die SEC zahlen muss. Die Strafe wird nicht von ‘der Deutsche Bank’ bezahlt, sondern von ihren Kunden, Mitarbeitern und Eigentümern (und auch vom Staat, der weniger Steuern von der Deutsche Bank einnimmt).

    Es gab seit 2007 kaum eine internationale Blase (Bernie Madoff ausgenommen…), wo deutsche Auslandsvermögen nicht in großem Umfang mit Verlusten beteiligt waren. Beispiele: sub-prime; Island; spanischer Immobilienmarkt; griechische Staatsschulden; Irland; etc.

    Wie schon gesagt, man kann nicht messen, ob die Finanzkrise ALLE +/- 500 Mrd.EUR Verluste an deutschen Auslandsvermögen verursacht haben. Man kann nicht einmal diese Verluste genau messen. Deswegen macht das WSJ seine eigenen Schätzungen. Mir persönlich kommen diese Schätzungen zu hoch vor. Man kann halt nur schätzen.

    Sicher ist jedoch, dass die Verluste an deutschen Auslandsvermögen GRÖSSTENTEILS eine Konsequenz der Finanzkrise 2007/08 waren. Der größte Einzelposten dabei war mit Sicherheit die HypoRealEstate.

  9. Klaus Kastner

    @Christian Peter
    Ich glaube nicht, dass bisher viele Auslandsvermögensverluste durch den Staatshaushalt geflossen sind. Soweit ich weiss, wurde eine Konstruktion gefunden, wo die Bankenrettungen (vor allem die HRE) in einen Sonderhaushalt fließen, der bisher das Budget nicht oder nur sehr wenig belastet hat (die Schulden werden jedoch den Staatsschulden hinzugerechnet). Am Ende des Tages werden natürlich Verluste aus der Bankenrettung beim Steuerzahler landen, aber der Tag kann sehr lang sein. Siehe HAA.

    Ebenso muss man berücksichtigen, dass die Finanzkrise – und vor allem die Eurokrise – dem deutschen Budget erhebliche Entlastungen beim Zinsaufwand auf Staatsschulden bringen.

    Niemand kann das genau sagen, aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass der deutsche Steuerzahler als Steuerzahler bisher noch nicht für die Finanz- und Eurokrise bluten musste.

  10. Christian Peter

    @klaus kastner

    ‘der deutsche Steuerzahler musste für Finanz- und Eurokrise nicht bluten’

    weil die bereits entstandenen gigantischen Kosten der Finanz- und Bankenkrise in Haftungen versteckt wurden, die irgendwann realisiert werden müssen : Dem deutsche Steuerzahler wurden bislang Haftungen von 1,2 Billionen Euro (211 Milliarden für EFSF; 190 Milliarden Euro für ESM; 750 Milliarden Euro Target-II-Forderungen der Bundesbank; u.a.) aufgebürdet, das entspricht 400 % des deutschen Bundeshaushalts. Im schlimmsten Fall könnten sich die Haftungen sogar auf 3,7 Billionen Euro summieren, das entspricht 1200 % des deutschen Bundeshaushalts.

    http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/08/46370/

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