Populismus am Geldautomaten

(CHRISTIAN ORTNER Ein interessantes Geschäftsmodell ließ sich vor einigen Jahren eine große österreichische Bankengruppe für ihre Filiale am Wiener Flughafen einfallen. Dort wurde nicht nur beim Umtausch von Euro in Dollar oder Pfund eine Kommission verlangt, sondern auch beim “Umtausch von Euro in Euro”, wie ein Aushang verdutzte Kunden informierte. Heißt: Wer einen Hunderter in zwei Fünfziger wechseln wollte, musste für diese anspruchsvolle Finanztransaktion 1 Euro Gebühr entrichten. Im Vergleich zu diesem dreisten Nepp ist die umstrittene Bankomatgebühr geradezu ein Schnäppchen.

Irgendeinen Grund, den Umtauschnepp am Flughafen zu verbieten, gibt es trotzdem nicht. Niemand wird gezwungen, das Produkt “Euro gegen Euro wechseln” in Anspruch zu nehmen. Und wenn es jemandem 1 Euro wert ist, warum denn nicht? Solange es korrekt ausgepreist ist, geht es genau niemanden etwas an. Schon gar nicht den Staat.

Das gilt natürlich im gleichen Maß für eine allfällige Bankomatgebühr. Dafür, was eine beliebige Finanzdienstleistung kostet, ist in jedem halbwegs zivilisierten Land eine Institution namens “Markt” zuständig. Ob es solche Gebühren gibt oder nicht und wenn ja, wie hoch sie sein dürfen, haben sich die Banken mit ihren Kunden auszumachen – und mit sonst niemandem.

Dass sich nun eine bizarre politische Regenbogenkoalition, angeführt von Andreas Schieder und heftig assistiert von der Arbeiterkammer, trotzdem für ein gesetzliches Verbot von Bankomatgebühren stark macht, hat einen einzigen, simplen Grund: Man macht sich damit beliebt. In einem Land, in dem das Verständnis um wirtschaftliche Zusammenhänge ungefähr so verbreitet ist wie die Fähigkeit, die Relativitätstheorie fehlerfrei zu erörtern, wundert das auch nicht weiter.

Hyperpopulistischen Politikern aller Couleurs – auch jenen, die nicht unbedingt Wiener Bürgermeister werden wollen – eröffnet sich in dieser Logik ein schier grenzenloses Betätigungsfeld. So könnte man der Unsitte entgegentreten, dass Supermärkte für Plastiksackerln, in denen man den Einkauf nach Hause bringt, Geld verlangen: Her mit dem Plastiksackerlgebührenverbot! Man könnte die Wähler gnädig stimmen, indem man sich der groben Ungerechtigkeit annimmt, dass man im Wirtshaus genötigt wird, zum Preis der Speisen und Getränke auch noch Trinkgeld zu geben – her mit dem bundesweiten Schmattesverbot! Bei der Gelegenheit könnte man auch gleich Hoteliers verbieten, das Frühstück extra zu verrechnen: Weg mit dem Frühstückspreis!

Keine Frage – ein Staat, in dem sich die Regierung darum kümmert, wer wieviel für welche Dienste verlangen darf, wird geradezu zwangsläufig prosperieren und gedeihen. War ja im Ostblock schon so und ist gerade wieder in Venezuela zu beobachten.

Sollte es übrigens der Arbeiterkammer wirklich ein Bedürfnis sein, die Menschen vor übermäßigen Gebühren zu beschützen, böte sich ein wirklich lohnendes Ziel an: Kein Unternehmen zockt die Bürger dermaßen brutal, schikanös und gnadenlos ab wie der Staat, der sich nicht einmal scheut, Steuern auf Steuern einzuheben, etwa bei der Benzinsteuer. Dagegen ist ja die Bankomatgebühr ein Ausbund an Seriosität. Man darf gespannt sein, wann die AK den Kampf gegen diese Missstände aufnimmt. (WZ)

7 comments

  1. Mourawetz

    besonders heldenhaft hat sich die Sozialistische Jugend verhalten. Sie hat die Bankomaten, die die Gebühr einheben, mit Sprüchen verziert! Was gehen die SJ Eigentumrechte an…

  2. Thomas Holzer

    Die AK sollte als allererstes ihre eigene Finanzierung hinterfragen. Aber das ist wohl zu viel verlangt

  3. aneagle

    AK ?
    ist das die Organisation die finanziert mit Zwangsbeiträgen mit der “Kraft” von 3 Millionen Zwangsmitgliedern prahlt ?
    Etwa so wie das Landesgericht mit der Kraft seiner hunderten Insassen ? 😉

  4. Thomas F.

    Bei planwirtschaftlichen Ideen jeder Art geht den linken Hirnederln immer sofort einer ab.

  5. Falke

    Alles o.k. Was der Staat allerdings machen sollte, ja muss, ist Preisabsprachen zwischen den Banken zu verhindern. Dazu gibt es ja eine Wettbewerbsbehörde, die aber – von seltenen Ausnahmen abgesehen – den, allerdings gut bezahlten, Schlaf des Gerechten schläft. Sonst wäre es ja wohl nicht möglich, dass unterschiedlichste Lebensmittelketten – Diskonter wie Hochpreisläden – für eine ganze Reihe von Produkten den auf den Cent gleichen Preis verlangen und eventuelle Preisänderungen landesweit auf die Stunde genau zur gleichen Zeit durchführen. Und das alles noch zu – im Vergleich zu Deutschland, wo sich fast alle Mutterkonzerne befinden – wesentlich höheren Preisen.

  6. Christian Peter

    Die Geldbehebung an Bankomaten ist verzichtbar, in den Foyer’s der eigenen Banken ist und bleibt die Geldbehebung gratis. Außerdem sollte das der Markt regeln, denn manche Banken bieten deutlich günstigere Bedingungen (Gratiskonto, Gratiskreditkarte, Gratisbehebungen sogar im Ausland in Fremdwährungen, etc.) als viele heimische Banken.

  7. Weninger

    @Falke
    Na dann hören wir mal Ihrer PG zu der Frage aus den eigenen Aussendungen:

    Die FPÖ versucht mit eigenen Anträgen zur Verhinderung von Bankomatgebühren die SPÖ unter Druck zu setzen und zu prüfen „ob den vollmundigen Ankündigungen von SPÖ-Konsumentenschutzminister Stöger auch Taten folgen“, wie es FPÖ-Konsumentenschutzsprecher Peter Wurm in einer Aussendung formulierte. — Der FPÖ-Antrag „Nein zu Bankomat-Gebühren“ wurde mit zugefügten Passus bezüglich dem Erhalt des Bankomaten-Netzes im ländlichen Raum im Tiroler Landtag einstimmig angenommen. — Die freiheitliche Konsumentenschutzsprecherin, LAbg. Nicole Hosp, bezeichnet die wieder aufkeimende Diskussion rund um generelle Bankomatgebühren als Angriff auf die Interessen der Konsumenten und stellt klar, dass eine Bankomatgebühr für Bankkunden für die Freiheitlichen nicht in Frage kommt. — „Nachdem in der vergangenen Nationalratssitzung die SPÖ, an der Spitze Konsumentenschutzminister Alois Stöger, den Antrag der FPÖ für gesetzliche Maßnahmen gegen die Einführung von Bankomatgebühren in Österreich abgelehnt hat, ist für uns Freiheitliche jedenfalls klar, dass bei der SPÖ Parteipolitik wohl wieder über den Interessen der Bevölkerung steht. Die vollmundigen Ansagen von Minister Stöger, sich gegen die Bankomatgebühren einsetzen zu wollen, sind folglich wieder einmal nur heiße Luft“, kritisierte heute FPÖ-Konsumentenschutzsprecher NAbg. Peter Wurm.

    So schaut er aus, der freie Markt der FPÖ.-

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