Populismus, das blödeste Schimpfwort überhaupt

Der Vorwurf des Populismus ist demokratietheoretisch kurios: Populisten, die Populisten Populisten nennen. Wollen CDU und SPD nicht auch gewählt werden? Schielen die nicht auf “das Volk”? (weiter hier)

12 comments

  1. sokrates9

    Populismus ist eines der wichtigsten Wörter im PC – Katalog! Auch Verschwörungstheorie gehört da dazu!

  2. mariuslupus

    Die spachebeherrschende politische Korrektheit geht bei jeden Anlass mit diesen Begriiff hausieren. Aber im Sprachgebrauch der politisch korrekten gibt es nur den Rechtspopulismus, nie den Linkspopulismus. Das Problem ist nicht das Wort das Wort an sich, sondern die Adjektiva die immer mit diesen Begriff verknüpft werden und die immer die gleichen Assoziationen evozieren. Wie beim Pawlovschen Hund.

  3. Lisa

    Das erinnerrt mich an eine Szene, wo die eine Hure auf der Treppe die andere unten als Hure beschimpfte… wenn in meiner Gegenwart Wörter wie Populismus (u.v.a. Worthülsen) verwendet werden, frage ich immer nach, was genau das heissen soll.Da tritt dann meist Erstaunliches zutage…

  4. Fragolin

    Rechtspopulistisch ist inzwischen ein wichtiges Adjektiv geworden.
    Wenn eine Partei nur beim Namen genannt wird, ist sie Teil des Einheitsblockes; Opposition wird grundsätzlich als “die rechtspopulistische XYZ” als solche erkennbar gemacht. Das vereinfacht die Zuordnung.

  5. Historiker

    Zur Zeit in Deutschland in aller Munde : Die “demokratischen Parteien” müssen sich gegen die rechtspopulistische AfD verbünden . . .
    Dabei weiß jeder : In deutschen Parlamenten gibt es ausschließlich “demokrstische Parteien”.

  6. astuga

    Solche Begriffe dienen leider auch dazu, einen kritischen Diskurs und Sacharbeit zu ersetzen, anstatt sich von beiden Seiten auch selbstkritisch mit den zu Grunde liegenden Problemen zu befassen und Verantwortung zu übernehmen.
    Merke: nichts scheut der Verantwortungsträger so sehr, wie tatsächlich für etwas verantwortlich zu sein.
    Besser man wartet ab, tut bloß das nötigste, und weidet sich am Ende an den Fehlschlägen der anderen, oder nimmt den zufälligen Erfolg für sich selbst in Anspruch.

    Also natürlich gibt es so etwas wie Populismus (und zwar überall in der Politik, nicht nur bei rechts).
    Auch dieses mehr Schein als Sein, die öffentlich gelebte wie verlogene Inszenierung gehören dazu.
    Aber nicht jeder Populismus funktioniert eben wie geplant, deshalb prangert man dann den der Gegenseite an, so dieser funktioniert.
    Und natürlich gibt es auch Gutmenschen.
    Die auf Kosten anderer, und mitunter aus ökonomischen Motiven, ihre eitle Selbstgefälligkeit dümmlich ausleben.
    Auf Kosten der Allgemeinheit sich moralisch über die Allgemeinheit zu erheben, was könnte schöner sein – eine Form von Gesinnungsmasturbation.

  7. Fragolin

    @astuga
    Unser heutiges Herrschaftssystem basiert ausschließlich auf Lüge und Verdrehung, das merkt inzwischen jeder. Die Blockparteien bauen alle am gleichen Lügengebäude, das nur in selbstreferenzierender gegenseitiger Lobhudelung der Gravitation der Realität widerstehen kann. In jeder Diskussion stellt man in kürzester Zeit fest, dass die Argumente der Gegner reale Argumente sind, während das Lügenhaus nur durch wahrheitsleere Parolenpfeiler gestützt werden kann. So bleibt den Verteidigern dieses Sandschlosses einzig und allein jede realistische Argumentation zu verhindern – indem man einfach jeden, der zweifelt oder argumentiert, zum Schmuddelkind erklärt, mit dem man nicht redet. Sie halten sich die Ohren zu und singen lauthals ihr Mantra. Das Volk schaut dieser Kasperiade nur noch kopfschüttelnd zu und weiß: wo immer jemand in die Schmuddelecke gestellt wird, ist das einer, der den Blödsinn durchschaut hat und hinterfragt. Die Tauben am Schachbrett nimmt keiner mehr ernst. Die leben in ihrer eigenen geistigen Blase.

  8. Susi Einstsorglos

    @Fragolin: “Das Volk schaut dieser Kasperiade nur noch kopfschüttelnd zu und weiß: wo immer jemand in die Schmuddelecke gestellt wird, ist das einer, der den Blödsinn durchschaut hat und hinterfragt.” Schön wenn es so wäre, aber warum wählen dann immer noch 50% VdB oder über 50 % links in Wien? Entwerder wollen sie es nicht durchschauen und hinterfragen oder sie können nicht.

  9. Wanderer

    Susi Einstsorglos
    Viele von denen wollen wohl ganz bewusst eine andere, nach unten nivellierte, weniger materialistisch-kapitalistisch orientierte Gesellschaft. Der Bogen spannt sich von Mittelstand-68ern über Ökofaschos bis zu gewöhnlichen Antifanten. Der muslimische Bevölkerungsanteil Wiens hat in der Frage auch einen eindeutige Präferenz.

  10. Johannes

    Populismus kann doch nur dann einen negativen Beigeschmack haben wenn der der Populismus ablehnt glaubt in vielerlei Hinsicht über dem sogenannten Normalbürger zu stehen. Manche nennen es auch dem Volk nach dem Mund rede, so als würde das Volk immer falsch liegen.
    Es ist ein Phänomen der Linken das sie den Populismus als kritische unberechenbare Strömung sehen die alle manipulativen Anstrengungen das Volk zu erziehen untergräbt .
    Populismus ist die Kunst den Willen der Gemeinschaft einer Nation zu erkennen und als den wesentlichen Teil eines Auftrages den das Volk an seine gewählten Mandatare stellt nachzukommen.
    Faymann hat 2015 versucht nicht populistisch zu handeln und hat Schiffbruch erlitten, wer gegen die Volksmeinung sprich Meinung der Mehrheit seiner Bürger regiert kann in einer Demokratie langfristig nicht bestehen.
    Will man es dennoch so muß man Abhängigkeiten schaffen, möglichst viele Staatsbedienstete, möglichst viele Nebenschauplätze eröffnen in denen willkürlich Privatangelegenheiten zu Staatsangelegenheiten gemacht werden. ich denke nur an Hymne, gendern, sexuelle Ausrichtungen, usw.
    Mit solchen Aktionen hat man jahrelang versucht die Menschen zu Gehorsamkeit zu erziehen. Es waren Maßnahmen die wenn sie gelingen einen Mechanismus in Gang setzen der Kritiker zu intoleranten Individuen stigmatisierte.
    Die wichtigsten Verbündeten jeder Form von Regierung sind die Medien, sie können unabhängig das gesamte Spektrum abbilden oder autokratisch der verlängerte Arm der Regierenden sein.
    Jeder Regierende sollte sich hüten die Medien zu vereinnahmen, ich muß ehrlich gestehen beim ORF fällt es mir sehr schwer ein Meinungsspektrum zu sehen. Ich bin der Meinung dort zieht sich ein sprichwörtlicher rotgrüner Faden durch alle Journale.
    Den Journalisten ist vielleicht der geringste Fehler zu machen sie sind wie sie sind und wurden wohl deshalb in ihre Positionen gehoben.

  11. Falke

    Standard ist ja, dass im Falle von Wahlerfolgen sogenannter “rechtspopulistischer Parteien” von seiten der linken “Demokraten” laut hinausposaunt wird, dass die Wähler diesen Parteien “auf den Leim gegangen” seien. Das heißt also im Klartext, dass die Wähler zu blöd sind, um die von den Linken so deutlich aufgezeigte sonnige Realität zu erkennen, sondern eher den “falschen Versprechungen” der Rechtspopulisten glauben. Nach den Wahlschlappen der “gutmenschlichen” Parteien hört man ja immer sofort als Erklärung: “Es ist und nicht gelungen, den Wählern unsere Ideen nahe zu bringen”. Also nochmals: Der Wähler ist zu blöd, um die großartige frohe Botschaft zu vernehmen, er zieht es vor, den “geschürten Ängsten” der Rechtspopulisten zu glauben.

  12. gms

    Susi Einstsorglos,

    “Schön wenn es so wäre, aber warum wählen dann immer noch 50% VdB oder über 50 % links in Wien?”

    Anknüpfend an die zutreffende Antwort des Kollegen Wander betreffend des Wunsches nach einer nach unten nivellierten Gesellschaft: Wer unter Druck steht, kann schon mal Antworten an der völlig falschen Stelle suchen, noch dazu, wenn diese falschen Antworten im Minutentakt propagiert werden. Was ist populistischer, als linke Heilsvesprechungen? Was sichert den eigenen Machterwerb und -erhalt besser, als willfähriges Stimmvieh, noch dazu, wenn’s den Leuten gefühlt oder real zunehmend dreckiger geht?

    Wie keine andere Ideologie bedarf der Sozialismus der Fähigkeit, die Massen zu adressieren. Klientelspezifische Kommunikation ist das das A&O kollektivistischer Bewegungen, seit Anfang an dreht sich alles um Diskurshoheit, Stimmungsmache und Legendenbildung, aufdaß auf ein falsches Narrativ morgen erfolgreich das nächste mentale Gift gesetzt wird.

    Weder haben Liberale und Bürgerliche die Bedeutung der Massenkommunikation verstanden, noch würden sie selbst sich im Ungeiste eines Mittel heiligenden Zwecks dermaßen der Infamie bedienen. Und während Rechte ihre Opponenten der Dummheit bezichtigen, lautet der gegenlautende Vorworf auf Bösartigkeit. Die einen zielen argumentativ auf den Kopf, die anderen auf den Bauch.

    Linke beschäftigten sich mit Soziologie, Psychologie und was sonst noch zur süßlichen Gesellschaftsklemnerei nötig ist in einer gesellschaftlichen Matrix, derzufolge die Mehrheit vorgeblich bestimmt, wo’s langgeht. Von allen Seiten in Sozialdemokratie (sic!) eingewickelt, wird das Volk langsam aber sicher in die genehme Richtung bugsiert, genau so, wie es rote Vordenker in unzähligen Abhandlungen zur Umsetzung vorgaben.

    Dressur wirkt, was redliche Linke ebenso wissen, wie jene, die sich nur des Sozialismus bedienen zur Errichtung eines totatlitären Regimes. Dummheit mit Absicht vereint zeitigen jene Kräfte, denen wir die heutige Polarisierung verdanken, weshalb nicht überrascht, wonach die Thinktanks der Oligarchie den ‘Kampf gegen Rrrächts’ bereits lange vor dessen Umsetzung zur wichtigsten Aufgabe deklariert hatten. Schlammschlacht mit Ansage, dessen Dreckigkeit sich mit dem hohen Ziel erklärt — die Erosion der Nationalstaaten.

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