Populismus, na und?

“…….Die klassische Populismus-Kritik besagt, Populisten gaukelten den unzufriedenen Bürgern und Wählern einfache Lösungen für schwierige Fragen vor und setzten dort auf eingängige Feindbilder, wo sie selber keine Lösungen anzubieten hätten. Das mag so sein, sagt aber wenig aus: Populismus ist nichts Abgesondertes, sondern eine Zuspitzung des Politischen: Jedwede Politik beruht auf einem Freund-Feind-Schema, das erklärt die Existenz von Parteien. Und jedwede Politik lebt von Vereinfachungen, sonst wäre sie nicht kommunikationsfähig……” (Thilo Sarrazin, hier)

9 comments

  1. Fragolin

    Populisten müssen sich wenigstens erst einmal mit den Problemen befassen, welche die Menschen haben, auch wenn sie dann keine Lösungen anbieten. Die anderen Politiker kümmern sich erst gar nicht um die Probleme der Menschen.
    Außerdem hat es mal jemand (etwas abenteuerlich) sprachlich so abgeleitet: “Populisten sind die römische Version der griechischen Demokraten”.

  2. Calderwood

    Die komplexen Zusammenhänge der für die Gegenwart relevanten politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Phänomene ist heute alles andere als wissenschaftlich geklärt, und davon, daß irgendwelche Politiker sie verstanden haben, kann erst recht nicht die Rede sein. Somit ist der Vorwurf des “Populismus” gegenber dem politischen Gegner nichts weiter als pure Anmaßung.

    Die langsame Verschiebung des politischen Schwerpunkts weg von der in den letzten Jahrzehnten herrschenden linken Ideologie ist einfach eine Folge der zunehmenden Sichtbarkeit der Diskrepanz zwischen dieser Ideologie und der Lebenswirklichkeit der Bürger.

    In einer Diktatur führt so etwas irgendwann zu einem revolutionären Umbruch und in der Demokratie zur Erstarkung von Parteien, die sich dieser Ideologie verweigern. Das ist ein ganz normaler und wünschenswerter Vorgang, den zu ermöglichen zu den großen Vorteilen eines demokratischen Staates zählt.

  3. Falke

    Wenn die Systemparteien und -medien die “Populisten” beschuldigen, sie gaukelten der Bevölkerung etwas vor, was nicht stimmt, sie trotzdem aber immer mehr Zulauf bekommen, müssen sie (ich meine die p.c. Politiker) die Bevölkerung ja für blöd halten, umso mehr, als sie selbst ja dieser Bevölkerung angeblich immer die absolute Wahrheit vor Augen halten. Offenbar tun sie es auch (nämlich die Leute für blöd halten), können das aber natürlich nicht offen sagen. Daher beschränken sie sich weiterhin darauf, die “Populisten” der Lüge und Hetze zu beschuldigen.

  4. gms

    Calderwood,

    “Die langsame Verschiebung des politischen Schwerpunkts weg von der in den letzten Jahrzehnten herrschenden linken Ideologie ist einfach eine Folge der zunehmenden Sichtbarkeit der Diskrepanz zwischen dieser Ideologie und der Lebenswirklichkeit der Bürger.”

    Dazu ein mitterdings zwei Jahre altes Statement: — Diesen Negativpunkten [=noch Platz nach unten, Anm.] steht die zunehmende Verbreitung liberaler Antworten gegenüber, wie zugleich die oftmals verkannte Tatsache, daß Gesellschaften rascher und vehementer umschlagen können, als Einzelpersonen dies in der Regel zustande bringen. Gut informierte Insider berichteten vor Jahren schon, wonach manch namhaften Politikern der sprichwörtliche Arsch auf Grundeis ginge ob des Unmutes, der sich bei den Leuten zusammenbraut. Ein paar weitere Tropfen ins zunehmend voller werdende Faß werden wir aber wohl noch erleben, bis die Griechenlandisierung Österreichs Fahrt aufnimmt und die Wahrnehmung einer feindlichen Besatzungsmacht common sense wird.
    — ortneronline.at/?p=28703&cpage=1#comment-31169

    Thilo Sarrazin: “Überdruss am hohlen Pathos.”

    Pathos ist die wahrgenommene unüberbrückbare Kluft zwischen letitimem Wollen und notwendiger Pflicht, dessen hohle Version daher etwas darstellt, das zumindest auf einer der beiden Seiten keiner Überprüfung standhält. Sowohl beim Euro als Währung und dessen ‘Rettung’, wie auch beim rezenten Hauptthema der Migration ungebildeter kulturfremder Massen, hinkt die von oben getrommelte Alternativlosigkeit dermaßen, daß alles andere als eine einfache und klar artikulierte Widerlegung selbst schon Betrug gleichkäme.

    Wer eine Materie durchdrang, kann sie in wenigen Worten auf den Punkt bringen. Damit sind wir schnurstracks in jener dem Populisums vorgeworfenen Einfachheit. Wenn der Kaiser splitternackt ist, bedarf es keiner flankierenden Analysen betreffend Stoffqualität und allfällig sich ändernder Bekleidungsgewohnheiten in Hitzeperioden. Es mag schon sein, daß Populismus mit Einfachkeit einhergeht, bloß ist es dann eine Trivialität, die sich jedem erschließt, so er nur hinsehen will.

    Wollte man etwas Bedauernswertes am Populismus erkennen, dann den Umstand, wonach ein System in der Regel erst extrem korrumpiert sein muß, bis auch die breite Masse für korrekte Zustandsbeschreibungen empfänglich ist, sprich allein theoretische Überlegungen noch vor einem evidenten Mißstand allein selten bis garnicht auf Widerhall in der Bevölkerung stoßen. Erst das real fortgeschrittene Übel schafft den Raum, die klare Botschaft wirksam in die Öffentlichkeit zu bringen.

    Aufgelegt ist daher auch die Diskreditierung des Populären, indem das um seine Vormacht ringende Establishment ausgerechnet dem Souverän der Demokratie, dem Demos (griechisch) respektive Populus (latein) vorhält, sich wie ein Volk zu verhalten, wenn es dem von oben offerierten Kreationismus und dessen perpetuierten Hilfs- und Zusatzkonstrukten irgendwann den Mittelfinger zeigt.
    Die sich selbst als Eliten bezeichnenden Kreise behaupten vertiefte Einsichten, sind aber außerstande für einen Beweis dessen und greifen wie Aushilfsmarxisten zum billigsten aller Schmähs, dem falschen Bewußtsein, dem die Massen auf den Leim gehen würden.

  5. Hanna

    PS zu meinem Demo-Kommentar. Eigentlich getraue ich mich gar nicht, Medienberichte über diese heutigen Veranstaltungen anzuschauen, denn meine Seele hält auch nicht unbegrenzt Bullshit aus.

  6. stiller Mitleser

    @gms

    “und greifen wie Aushilfsmarxisten zum billigsten aller Schmähs, dem falschen Bewußtsein”

    …aber könnten Sie sich, abgesehen von Hayeks Ablehnung, die einem Einzelwerk Karl Mannheims galt, nicht doch vorstellen, daß am Begriff des falschen Bewußtseins was dran ist? Ich meine nicht die Weiterverwendung des Begriffs bei deutschen Soziologen der 70er Jahre, sondern Mannheim genuin. Das nur so als Anregung, zum Überdenken in einer schönen Frühsommerwiese, im hohen Gras …la fausse conscience (Joseph Gabel) meint nicht nur fehlendes Klassenbewußtsein…

  7. Falke

    @Hanna
    Ich habe sie mir angeschaut. Der ORF sagt “es kam zu Zusammenstößen, die Polizei musste Pfefferspray verwenden, es wurden mehrere Personen verhaftet”. Die Bilder zeigen: Die Identitären (ORF-Bezeichnung. “die Rechtsextremen”) hielten eine angemeldete Demo ab, da sammelten sich sofort einige hundert linksextreme Gewalttäter, die die Demo aufhalten wollten, Steine und Flaschen auf die Identitären und auf die Polizei warfen, die Polizei musste Pfefferspray gegen das linke Gesindel einsetzen und einige davon festnehmen. Antifa-Demokraten eben.

  8. gms

    stiller Mitleser,

    “…aber könnten Sie sich [..] nicht doch vorstellen, daß am Begriff des falschen Bewußtseins was dran ist?”

    Es wäre töricht zu leugnen, die Wahrnehmung und damit einhergehend das eigene Weltbild seien zwangsweise subjektiv, doch folgt daraus nichts von Relevanz, müßte man andernfalls doch jedwedes Handeln oder gar Streben nach besseren Zuständen einstellen, unabhängig davon, welche man als solche behauptet. Dessen eingedenk berauben jene sich selbst der eigenen Argumentationsbasis, die ein falsches Bewußtsein in den Zeugenstand rufen wollen, was umso drolliger ist, wenn man damit etwas anderes als l’art pour l’art betreiben will.

    Wer der Überzeugung anhängt, alles sei relativ, taugt vielleicht zum Eremiten oder Nerd unter Seinesgleichen, aber gewiß nicht zum Debattenredner oder gar Staatslenker, verneint er mit seinem Bekenntnis doch nicht nur jegliche Prämissen, sondern darüber hinaus noch die Bedeutung von Negation oder Affirmation zu diesen, die man ihm versuchsweise abringen könnte.

    Was also soll dran sein an einem Begriff, dessen Verwendung sich zwangsweise in endlosen Selbstwidersprüchen verliert?

  9. mariuslupus

    Populisten sind immer rechts. Das haben die staatlich gelenkten Medien so beschlossen. Aber die linken Populisten sind nicht nur in der Überzahl, sie sind auch erfolgreicher, als die angeblichen rechten Populisten. Die linken Populisten haben die besseren Propagandisten. Ausserdem, können die linken Populisten nicht nur mehr versprechen, sondern auch halten, als die angeblichen rechten Populisten. Die linken Populisten können den Mindestlohn einführen, die Senkung des Rentenalters beschliessen, die Energiewende starten, die Arbeitszeiten verkürzen, die Löhne der Staatsangestellten erhöhen, behaupten dass die Migranten den Wohlstand in Europa mehren und sichern werden. Das alles können linke Populisten mit einen Federstrich verfügen und umsetzen, Die Linke hatte nie Verantwortung für ihr Handel übernommen. Parlamentarische Kontrolle – bereits von Links ausgeschaltet,. So einfach ist es. Nur geht die Machtsicherung der heutigen linken Populisten, z.T. im geriatrischen Alter, zu Lasten der nächsten Generationen.
    Nach neuesten Umfragen gibt es bereits ein Umdenken bei der Jugend in Europa. Die sogenannten “rechtspopulistischen” Parteien werden von den unter 30 Jährigen unterstützt. Würde es nach den unter 19 Jährigen gehen, wäre die Front National die stärkste Partei bei den nächsten Wahlen.

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