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Sehr gehrter Herr Ortner, Da ich von einigen Ihrer Leser “aufgefordert” wurde, die Grundlage meiner Argumentation näher zu erläutern, möchte ich dies hiermit tun. Es bleibt natürlich Ihnen überlassen diesen Beitrag zu veröffentlichen. Mir ist es einerlei. Grundsätzlich: Die Art wie ich argumentiere geht auf Wolfgang Stützel und sein Buch “Volkswirtschaftliche Saldenmechanik. Ein Beitrag zur Geldtheorie” (1958) zurück. Diese Art von Denken hat in den letzten Jahren rapide Verbreitung auf beiden Seiten des Atlantiks gefunden, dort heisst sie für gewöhnlich “Modern Money Theory”, kurz: MMM, hier: “Saldenmechanik”. Ich distanziere mich jedoch von der angelsächsischen Variante, weil sie auf die spezifischen Bedingungen der USA zugeschnitten ist und einen stark “politikberatenden” Charakter trägt, während die deutsche Sichtweise – wie unter Deutschen üblich – einen rein abstrakten Bezugsrahmen hat, losgelöst von der Frage der Politik. Auf beiden Seiten geht es darum Geld als Kredit zu erfassen.

Kredit im engsten Sinne heisst: “Geld jetzt gegen Geld später”. Man ist also sofort mit dem Problem konfrontiert, dass Geld nicht Kredit sein kann, eben weil es das Medium ist, auf dem Kredit fusst. Unser Geldsystem besteht daher aus zwei Stufen: dem Zentralbankgeld (“ZB-Geld”) als Geld und dem Geschäftsbankengeld (“GB-Geld”) als Kredit. Wann immer eine Geschäftsbank einem Kunden Kredit gibt, bucht sie simultan auf der Aktivseite die langfristige Forderung gegen den Kunden und die kurzfristige Verbindlichkeit in Form von GB-Geld. Damit aber dieses GB-Geld zirkulieren kann, indem es zum Beispiel zum Kauf von Waren dient, muss ZB-Geld ausgehändigt werden: Der Kreditnehmer verfügt über das GB-Geld entweder bar oder durch Überweisung. Überweisung bedeutet aber nichts anderes als dass zwischen zwei GB`s ZB-Geld transferiert wird in Form von Sichtguthaben bei der Zentralbank. Das heisst: ZB-Geld ist (Bargeld + Sichtguthaben der GB`s bei der Zentralbank) und bewegt sich immer dann, wenn Kredit übertragen oder getilgt wird.

Daraus folgt unmittelbar: dass ein System mit ZB-Geld saldenmechanisch schwer zu fassen ist, weil sich immer die Frage stellt, was ZB-Geld eigentlich ist: Geld oder doch, wie manche behaupten, Kredit? Wie gesagt, für mich ist ZB-Geld Geld, und daher muss ich in einem ersten Schritt davon abstrahieren, wenn ich ein reines Kreditgeld-System betrachten will, wo “Gesamt-Forderungen = Gesamt-Verbindlichkeiten” gilt. Ansonsten müsste man das ZB-Geld als “Netto-Geld” betrachten, eine Herangehensweise, die viele nicht akzeptieren würden und zusätzlich theoretische Probleme aufwirft. Ohne auf diese näher einzugehen, erlaubt die Abstraktion vom ZB-Geld die Formulierung gewisser “saldenmechanischer Grundsätze”, wobei man der Einfachheit halber und in einem ersten Schritt einen geschlossenen Raum (ohne Staat) unterstellt, Dann gilt nämlich: “Forderungen der Haushalte = Verbindlichkeiten der Unternehmen”. Da kein ZB-Geld existiert, heisst das nichts anderes als: “GB-Geld der Haushalte = Fremdkapital der Unternehmen”.

Hier ist schon klar ersichtlich, dass die Geschäftsbanken bloss als “Verrechnungsdrehscheibe” arbeiten: Sie halten auf ihrer Aktivseite die Forderungen gegen die Unternehmen und auf der Passivseite die Verbindlichkeiten gegenüber den Haushalten (=GB-Geld). Zusätzlich weisen sie auf der Passivseite einen Restposten aus, “Eigenkapital” genannt, der nicht mehr als eine mathematische Differenz zwischen Aktiva und Passiva ist. Die Grundgleichung modifiziert sich daher zu: “Forderungen der Haushalte + Eigenkapital des GB-Sektors = Verbindlichkeiten der Unternehmen”. Man erkennt daran gut, dass das Eigenkapital der GB`s als eine Art “Puffer” oder “Versicherung” gegen Konkursfälle der Unternehmen wirkt. Wann immer Unternehmen in Konkurs gehen, müssen die Banken Forderungen abschreiben und die verkürzen ihr Eigenkapital. Erst wenn das Eigenkapital verbraucht ist, kommt es zu Ausfälle im Bereich des GB-Geldes: Sparer verlieren ihre Einlagen.

Man kann dann in einen weiteren Schritt den Staat integrieren: “Forderungen der Haushalte = Verbindlichkeiten der Unternehmen + Verbindlichkeiten des Staates”, schliesslich auch das Ausland: “Forderungen der Haushalte = Verbindlichkeiten der Unternehmen + Verbindlichkeiten des Staates + Verbrindlichkeiten des Auslands”, am saldenmechanischen Grundsatz (Gesamt-Forderungen = Gesamt-Verbindlichkeiten) ändert sich freilich nichts. Um dieses Grundgerüst herum lässt sich dann eine ganze Theorie aufbauen, die in Feinheiten gipfelt, die hier zu vermitteln, sinnlos wäre. Es genügt, wenn ein paar Leser eine Grundvorstellung von einem “Kreditgeldsystem” im Kopf haben, die in Zukunft vielleicht nicht zu so sinnlosen Sätzen wie “Forderungen und Verbindlichkeiten weichen voneinander ab” führen. Ich möchte es damit belassen und jeden selbst anregen: nachzudenken. Wolfgang Stützel mit seiner “Saldenmechanik” ist ein guter Beginn.

PS: Das stärkste Argument für die “Saldenmechanik” ist: dass sie politikfrei ist. Man muss sich nicht mit Holzköpfen herumstreiten, die einer vorgefassten politischen Meinung folgen. Saldenmechanik dient immer nur der Verifizierung einer Position, und niemals politischer Propaganda.

Mit freundlichem Gruss
Alfred Felsberger

45 comments

  1. Klaus Kastner

    @Felsberger
    Jetzt verstehe ich das Grundgerüst Ihres Denkens. Debatten über das Geldsystem finde ich hoch interessant, es ist nur so, dass Geldsysteme nie verändert werden, weil man meint, ein besseres gefunden zu haben. Sie werden nur dann verändert, wenn es gar nicht mehr anders geht. Spätestens seit John Law im 18. Jahrhundert die französischen Staatsschulden mit gedrucktem Geld getilgt hat, weiß man, dass Geld nicht gleich Gold ist; zumindest fast nie. Das Problem des heutige Fiat-Money-Systems is allerdings schon erkannt und es gibt legitime Diskussionen darüber, ob nicht ein Vollgeld-System (oder sonst etwas) eine bessere Alternative wäre. Selbst einige Professoren der Milton-Friedman-Alma-Mater, der University of Chicago, haben sich auf die Seite des Vollgeldes gestellt. Die Bank of England hat erst vor kurzem ein weltweit beachtetes Papier veröffentlicht, in dem sie mit der herkömmlichen Vorstellung des Bankwesens („Banken nehmen Einlagen an und verleihen das Geld als Kredite“) aufgeräumt hat: http://www.bankofengland.co.uk/publications/Documents/quarterlybulletin/2014/qb14q1prereleasemoneycreation.pdf.

    Über Feinheiten der „Saldenmechanik“ könnte man streiten. Ich z. B. würde das ZB-Geld schon als Nettogeld betrachten. Außerdem glaube ich nicht, dass man die Rollenverteilung so einfach mit „Haushalten“ und „Unternehmen“ machen kann. Aber das kann ja hier nicht das Thema sein.

    Was mir noch nicht klar ist, ist der Zusammenhang zwischen der „Saldenmechanik“ und der „Deflationsgefahr“, was ja das ursprüngliche Thema war. Ich persönlich gehöre zu jenen, die schon meinen, dass eine Deflation eine Gefahr für die Volkswirtschaft sein kann. Deswegen lese ich so gerne „Deflationsangstentwarnungen“, weil ich gerne erfahren möchte, wo ich mich irre. Die Deflationsangstentwarnung von Herrn Ortner haben Sie m. E. noch nicht entkräftet.

  2. S.M.

    Herr Felsberger!

    Leider sind Sie mit keinem einzigen Wort auf die sachliche Kritik unsererseits eingegangen, sondern fühlten sich lediglich bemüßigt, uns Ihre Geldtheorie zu erläutern, die aber x-fach in allen Lehrbüchern der Volks”wirtschafts”lehre dem dummen Stimmvieh untergejubelt wird. Das ändert aber nichts daran, dass sie falsch ist.
    Sie können zwar bei den Forderungen, die ausfallen (und bei einer Kreditkontraktion sind das erklecklich viele) durch den Staat ersetzen. Das passiert seit 2008 ja auch. Aber entweder geht der Staat dann in die Binsen, wie bei Griechenland, oder es wird derart viel Geld gedruckt, dass eine Hyperinflation unausweichlich ist. Nun ist mir ja bekannt, dass Ihre Frakr

  3. S.M.

    Sorry aus Versehen Senden gedrückt.

    …Fraktion verneint, dass Inflation irgendetwas mit Geldschöpfung zu tun hat. Die Realität, und das lehrt einen nicht nur die Geschichte, sondern auch der Hausverstand, ist eine andere. Siehe Zwischenkriegszeit, siehe Argentinien, siehe zahllose afrikanische Staaten.

  4. Graf Berge von Grips

    Milchmädchenrechnung, ohne Mädchen und Milch, mit Beherrschung des Ein-Mal-Eins bis 5….

  5. nometa

    Ich bin immer skeptisch gegenüber solchen buchhalterischen “Spielchen”… Weil sie meist nur Banalitäten ausdrücken und auf Geldströme fokussieren, ohne die realen Güter und Dienstleistungen zu beachten. Das kann ökonomische Theorie nicht ersetzen und führt oft zu gefährlichen Trugschlüssen. Etwa dem, dass der Privatsektor nur sparen kann, wenn der Staat sich verschuldet (das ist offensichtlich falsch – sonst könnte es in einer Welt ohne Staat keine Nettoersparnisse geben).

    Unter fast jedem Wirtschaftsartikel im “Standard” kommentiert ein User mit dem Namen “Der Markt will es!”. Ein Ideologe, wie er im Buche steht, der zwar von Wirtschaft kaum Ahnung hat – aber gern mit Saldenmechanik protzt à la: “Die dummen Neoliberalen verstehen nicht, dass man nur sparen kann, wenn andere sich verschulden!” etc. …

    Das soll keine vernichtende Kritik sein. Aber ich habe so meine Bedenken…

  6. begges

    @Alfred Felsberger
    Das sind Trivialitäten. Spielereien mit selbstverständlichen Begrifflichkeiten.
    Eine Theorie, die unberücksichtigt lässt, welche Wirkung ein Geldsystem auf die Formierung der realen Produktionsfaktoren hat, ist nutzlos.

    Fragen, die eine Theorie u.a. zu beantworten hat, sind folgende:

    Sind die Preissignale verläßlich, sodass Entscheidungsträger nicht en masse zu Fehl-Investitionen verleitet werden?
    Hält ein Geldsystem die Kaufkraft des Geldes stabil?
    Ist ein Geldsystem gerecht oder profitiert eine Gruppe mehr als eine andere?

    Ich empfehle Ihnen sehr das im April erschienene Buch von Andreas Marquart und Philipp Bagus:

    http://www.amazon.de/Warum-andere-Kosten-reicher-werden/dp/3898798577

  7. Alfred Felsberger

    >Etwa dem, dass der Privatsektor nur sparen kann, wenn der Staat sich verschuldet> Es gibt Geld-Sparen und Sachwert-Sparen. Wenn jemand Investitionsgüter, Grund und Boden, Lager, etc. anhäuft, dann ist das Sachwert-Sparen. Man kalkuliert dies zu Kaufpreisen und erhält so – nach Abzug der Abschreibungen – die jährliche Netto-Investition oder alternativ: den jährlichen Netto-Sachvermögens-Zuwachs einer Ökonomie. Die über alle Perioden aufsummierten Netto-Investitionen nennt man den “Kapitalstock” der Ökonomie, der bei Abstraktion von den Haushalten von den Unternehmen gehalten wird. Auf der Passivseite des Unternehmenssektors findet man das Fremdkapital und das Eigenkapital als mathematische Differenz zwischen dem Kapitalstock und dem Fremdkapital. Daraus folgt, dass zu jeder Zeit gilt: “Kapitalstock = Eigenkapital der Unternehmen + Fremdkapital der Unternehmen, und wegen: “Fremdkapital der Unternehmen = Geld-Ersparnisse der Haushalte”: “Kapitalstock = Eigenkapital der Unternehmen + Geld-Ersparnisse der Haushalte”. Als Stromgrösse und auf ein Jahr bezogen, gilt: “Netto-Investition = Eigenkapital-Zuwachs der Unternehmen + Geld-Ersparnis-Zuwachs der Haushalte”. Das ist dann exakt das, was Ökonomen meinen, wenn sie – etwas salopp – von der Gleichheit von Investition und Ersparnis sprechen.

    PS: Die “dummen Neoliberalen” haben zwar verstanden wie die Geld-Grössen ineinander greifen, aber von dem Verständnis der “Netto-Investition = EK- plus FK-Zuwachs” sind sie noch meilenweit entfernt. Ich halte von solchen Ettikettierungen (“Neoliberaler”, “Marxist”, “Keynesianer”) nichts, weil sich zu jeder Zeit der Hausverstand beweisen muss. Und da hat keiner von den Genannten einen Vorteil.-)

  8. gms

    Alfred Felsberger,

    > Die “dummen Neoliberalen” haben zwar verstanden wie [Bla], sind aber von [Fasel] noch meilenweit entfernt.

    Ihre Unfähigkeit, Geld zu auch nur ansatzweise plausibel zu definieren, um hernach auf dem Beliebigen (“ZB-Geld ist Geld”) endlos lang umherzuturnen (“Saldenmechanik”), paßt vortrefflich zur Empirie, wonach der größte Bullshit auch den längsten Sermon hinten nach erfordert, der vergessen manchen soll, daß bereits das entscheidende Eingangsstatement Quatsch war. Oben zitiertes ungustige Nachtröpfeln geht dabei schon als senile Inkontinenz durch.

    Ob also Ihr Geldsystem auf zwei Stufen fußt, zwanzig oder zweihundert, wird solange niemanden jucken, solange Sie Geld nicht als etwas beschreiben können, dem jemand von Verstand auch im Großen und Ganzen zustimmen könnte.

  9. S.M.

    Was Ökonomen Ihrer Zunft einfach nicht in ihren voll Zahlen und Eigendefinitionen vollgestopften Schädel kriegen, ist, dass “Sachkapital”, wie Sie es nennen, und Geldkapital ein-und dasselbe sind und wenn sich Ihr stures und vermeintlich gelehrtes Hirn noch so dagegen sträubt, bleibt es wahr. Wenn nämlich begonnen, wird Geld als eigenes Produkt zu sehen, fängt die Katastrophe bereits an. Denn Kapitalfehlallokationen sind die Folge, da Geld, wenn kein geschöpfter Wert dahinter steht, wertlos ist und der Markt dies nach unzähligen Zyklen der Kapitalverzerrungen und versuchter Verhinderung der Kreditkontraktion immer merkt. Herr Felsberger Lassen Sie es einfach, Sie sind zu sehr in Ihrer indoktrinierten Denke gefangen.

  10. Thomas Holzer

    Deswegen sage ich schon seit Jahrzehnten: “Die Wirtschaftswissenschaft ist eine Pseudowissenschaft” 😉

  11. gms

    Thomas Holzer,

    > Deswegen sage ich schon seit Jahrzehnten: “Die Wirtschaftswissenschaft ist eine Pseudowissenschaft”

    Augenscheinlich wird dies dann, wenn man sich Felsbergers Postscriptum vor Augen hält: “Das stärkste Argument für die “Saldenmechanik” ist: dass sie politikfrei ist. Man muss sich nicht mit Holzköpfen herumstreiten, die einer vorgefassten politischen Meinung folgen.”

    Nicht grundlos behaupten ja Saldenmechaniker, ihre Theorie bedürfe keiner Annahmen über menschliches Verhalten. Demzufolge machte es auch keinen Unterschied, ob Marionetten sich der Schnüre an ihren Händen und Beinen bewußt sind, weil sie sowieso nicht anders agieren könnten, als der große Steuermann ihnen per Zug am Band vorgibt. Nachdem für handelsübliche Politiker sowieso schon alles so kompliziert ist, können sie sich nicht auch noch mit zirkulären Phänomenen herumschlagen.

    So schließt Felsberger auch locker flockig und in völliger Verdrehung der Tatsachen: “Saldenmechanik dient immer nur der Verifizierung einer Position, und niemals politischer Propaganda.”

    Saldenmechanik dient der Propaganda perfekt! Sie geht davon aus, Geld sei das, vom dem der Staat behauptet, es sei solches. Was der Mensch darunter versteht, ist irrelevant. Zugleich ist für Saldemechaniker und deren Drang zur Steuerung irrelvant, was Menschen antizipieren und welche künftigen Ereignisse in aktuellen Preisen bereits eingepreist sind. Was Menschen im Anlaßfall davon halten, wenn mehr oder weniger Fiat-Money vom Staat verblasen wird, der Staat mehr oder weniger Löcher auf und wieder zubuddelt — who cares.

    Und so kommt es dann, daß Otto-Normalverbraucher Optimismus verspüren soll, wenn der Staat die Lage für so beschissen erklärt, daß nur noch die Flucht ins Absurde helfen solle. “Druckfeuchte Lappen mit vielen Nullen drauf für alle.” – “Hurra!”

    Felsberger: “Saldenmechanik dient immer nur der Verifizierung einer Position” — Ach? “Nur” also?

    Eben weil alles mangels jeglicher Bodenhaftung doch ach so objektiv ist, fühlen die Mechaniker sich zum Eingreifen und Rauf- und Runterdrehen diverser Schrauben berufen und maßen sich dergestalt an, einen zwanzig Meter hohen Maibaum mit drei Gelenken wie ein von der eigenen Hybris besoffenes Walross auf der Nase zu balancieren. Und wenn das Werkel mit Karacho kippt, dann hat der blöde Baum nicht auf Vieh an der Basis geachtet und bog ausgerechnet dort ab, wo laut Mechanik eben dieses nicht erwartbar war.

    Saldenmechanik ist Propaganda. Nicht grundlos stürzen sich linke Ideologen mit besonderer Inbrunst drauf, nicht grundlos ist der inflations- und wirtschaftsverkurbelungsgeile Ewald Nowotny bekennender Anhänger dieser Irrlehre — weil man damit doch gar so toll alles steuern kann. Niemand würde es den Volkstretern verübeln, sollten diese /nur/ Position verifizieren. Das dürften sie auch mit der Wünschelrute machen oder bloßem Münzwurf. Angekreidet wird Mechanikern der Salden einzig und allein deren Versuch eines Antizipierens und dem daran geknüpften Irrtumsmonopol mit verdammt gut gesicherter Mißerfolgsquote.

  12. nometa

    @Alfred Felsberger: Sorry, ich kann Ihnen folgen, aber ich weiß nicht genau, was Sie mir mit Ihrem ersten Absatz mitteilen wollen bzw. inwiefern das zu dem passt, was ich geschrieben habe. Denn dass Investitionen den Ersparnissen ungefähr entsprechen müssen, ist mir eh klar.
    Ihrem zweiten Absatz stimme ich zu, Etikettierungen ersetzen meistens Argumente. Und selbst wenn nicht, finde ich sie meistens einfach unangebrecht. Ich stehe mehr auf sachliche Diskussionen, also solche, zu denen z.B. “gms” nicht fähig ist.
    Ich denke, man sollte mehr auf reale Güter und Dienstleistungen schauen. Zur Veranschaulichung empfehle ich Ihnen diesen Artikel, der darlegt, dass Horten nicht nur nicht schädlich sein muss, sondern sogar die Aufgabe von Finanzmärkten übernehmen kann: http://www.misesde.org/?p=5365

    @SM: Nein, die Unterscheidung zwischen realem Kapital und Geld ist sehr wohl sinnvoll. Weil’s eben einfach nicht das gleiche ist. Oder wollen Sie sagen, Gelddrucken wäre gleichzusetzen mit Kapitalstockaufbau?

  13. Heinrich Elsigan

    Das stimmt so nicht, da sich Staaten und private auch im Ausland verschulden können, bzw. eine positive oder negative Leistungsbilanz erzeugen.

    Der linke Nikolaus Kowall erklärt in einem seiner Youtube Videos (http://goo.gl/3l7W2R) seine These dazu. Staaten mit hohen Guthaben/Forderungen im privaten Sektor und niederen Staatsschulden/Verbindlichkeiten im öffentlichen Sektor (wie z.B. Deutschland, Österreich) sind seiner Meinung nach besser als Staaten mit einem Plus im staatlichen Sektor und einer zu hohen Verschuldung des privaten Sektors. (wie z.B. Spanien vor der Krise).
    Es gibt wenige Staaten, wie z.B. Schweden die ein plus im staatlichen und privaten Sektor haben.
    Es gibt auch Staaten wie Griechenland, wo der staatliche Sektor und der private hoch verschuldet sind.
    (Dieser letzte Fall ist ganz schlecht)

    Das liegt an der simplen Tatsache, dass sich der staatliche und private Sektor nicht nur im Inland oder in der eigenen Währung verschulden (flexible Wechselkurse sind hier dann das Tüpfelchen auf dem i) und Volkswirtschaften untereinander Handel treiben. Eine negative Leistungsbilanz ist nach Kowalls Meinung auch schlimmer als leicht erhöhte Staatsschulden, weil sich in dem Fall die Volkswirtschaft als ganzes und nicht der staatliche Sektor verschuldet.

    Kowall ist der Ansicht, dass die Saldenmechanik nur dann auch stimmen würde, wenn es nur ein einziges Land auf der Welt (z.B. die Schweiz gäbe)

  14. Alfred Felsberger

    Man muss hier einigen Missverständnissen vorbeugen: Der Staat ist innerhalb der saldenmechanischen Welt nur ein Zusatz-Aggregat, die wesentlichen Identitäten werden für einen geschlossenen Raum ohne Staat abgeleitet. Man spricht von Zwei-Sektoren-Modellen mit Unternehmen und Haushalten. Insofern sind alle Versuche die Saldenmechanik in die Nähe einer “Staats-Liebe” zu rücken an den Haaren herbeigezogen. Das Besondere der Saldenmechanik liegt ja gearde darin, dass sich Liberale und Sozialisten zugleich dieser Methodik bedienen. Stützel war bekanntlich ein Liberaler, Mitglied des Sachverständigenrates, während einer seiner beanntesten Schüler, H.Flassbeck, ein Sozialist ist. Ich finde es sehr tarurig, wenn man über simple physikalische Gesetze den Ideoligieverdacht spannt. Was ist das Nächste? Dass Einstein ein Kommunist war, weil er die Realativitätstheorie lehrte? Meine Herren! Es wird Zeit, dass sie sich einbremsen.

    Alfred Felsberger

  15. Thomas Holzer

    @Alfred Felsberger
    Da die Wirtschaftswissenschaft eben keine Wissenschaft sind, sollte man in diesem Zusammenhang auch nicht von “simplen physikalischen Gesetzen” schreiben; dies zeugt nur von einer Verkennung der Realitäten

  16. S.M.

    Herr Felsberger sorgt für den Brüller des Wochenendes! Der Staat soll also nur eine weitere Größe sein, wo doch der Staat qua Ermächtigungsgesetz erst ermöglicht, Zwangsgeld zu drucken, also die Saldenmechanik gründet. Mit welchem Blödsinn wollen Sie uns hier noch beglücken!?

  17. Alfred Felsberger

    Sehr geehrter Herr S.M:,

    Sie glauben also, dass Schuldbeziehungen, etwa ein Wechsel oder eine Unternehmensanleihe oder GB-Geld, irgendetwas mit Staat zu tun haben? Lange bevor der Staat auf die Idee kam selbst Anleihen aufzulegen, haben italienische Bankiers den Wechsel und das Sichtguthaben erfunden. Es ist mühselig, und ich nehme auch davon Abstand, auf Einwände dieser Art zu antworten. Wer etwas Vernünftiges zu sagen hat, bitte gern. Wer den Anspruch hat nur Schwachsinn zu reden, soll sich woanders hin wenden. Zum Beispiel zum Papst.

    Alfred Felsberger

  18. Alfred Felsberger

    Sehr geehrter Herr Holzer,

    Sie glauben also, dass die saldenmechanischen Grundsätze (Gesamt-Forderungen = Gesamt-Verbindlichkeiten) nicht gelten, dass Sie schlichtweg falsch sind. Was kommt als nächstes: Dass sich die Sonne um die Erde dreht? Jeder kann jede Meinung vertreten – aber glauben Sie mir, Herr Holzer: Es wird auf ewig Ihre Privatmeinung sein.

  19. S.M.

    Ohne staatliche Unterstützung funktioniert die Saldenmechanik nicht, da es in einer Marktwirtschaft nur “Sachgeld” gibt, wie Sie es bezeichneten. Kein Zentralbankgeld kein Teilreservegeld. Wenn Sie schon herumpöbeln müssen, sollten Sie erstmal begreifen, was Ihr Gegenüber sagte. Sie sind schlicht zu verblendet, um sinnerfassend lesen zu können.

  20. Alfred Felsberger

    Sie können schon morgen Gold als Geld einführen und per Dekret verordnen, dass nur mehr eine Unze Gold das Geld sei. Es wird sich trotzdem nichts daran ändern, dass Schuldbeziehungen entstehen, für die der saldenmechanische Grundsatz “Forderungen = Verbindlichkeiten” gilt, nur eben lautend auf Unzen Gold. Die Unternehmen werden Anleihen begeben, die Privaten Wechsel zeichnen und vieles mehr, und es ist nicht einmal garantiert, dass die Schuldverhältnisse dann kleiner sein werden als sie heute sind. Denn, weil das Gold knapp ist, werden die Marktteilnehmer auf Schuldverhältnisse ausweichen um ihre Geschäfte zu tätigen. Es ist einfach mühselig mit Menschen zu diskutieren, die den Unterschied zwischen Geld und Schuld nicht verstehen. Man kann`s auch so sagen: das ist das Erbe der guten, alten “österreichischen” Tradition der Vertrottelung. Oder meine Herren: Wollt ihr Schuldverhältnisse abschaffen? Dann empfehle ich die Auswanderung auf den Mond.

    Alfred Felsberger

  21. S.M.

    Ihre Sprache entspricht offensichtlich Ihrem geistigen Horizont. Niemand bestreitet, dass Forderungen = Verbindlichkeiten ist. Was Sie jedoch abstreiten, ist, dass Einnahmen nicht zwangsläufig Schulden entgegenstehenmüssen. Im Gegenteil, in einer Marktwirtschaft sind viele Käufe Täusche, durch Geld repräsentiert. Getauscht werden zuvor wertgeschöpfte Produkte. Gegen dieses Argument, das zahlreiche andere auch schon brachten, gehen Sie nie ein. Warum ist wohl offensichtlich. Sie begreifen Marktwirtschaft nicht.
    Natürlich gibt es in einer Marktwirtschaft auch Schulden. Kreditoren, die sich ihr Vermögen zuvor hart aufgebaut haben, werden aber selten Schuldner akzeptieren, deren Kreditwürdigkeit so fraglich wie Ihre Scheinwelt ist.

  22. gms

    Alfred Farnberger,

    “Ich finde es sehr tarurig, wenn man über simple physikalische Gesetze den Ideoligieverdacht spannt.”

    Physikalische Gesetze beziehen sich auf die Wirklichkeit, Saldenmechanik beschreibt ein Paralleluniversum. Gerade der Umstand, daß diese Mechanik im selbstimmunisierenden Gewand der vorgeblich objektiven Wirtschaftsphysik daherkommt, macht sie für Ideologen so reizvoll. Wenn daher etwas traurig ist, dann daß dies von Menschen mit IQ über Zimmertemperatur noch wortreich bestritten wird.

    Siehe u.a. Wolf Schäfer [1]: “Den Preis bezeichne ich als die schleichende Dominanz französischen Wirtschaftsdenkens in der EU. Dieses offenbart sich als zunehmende Präferenz der politischen Klasse in der EU zur politökonomischen Saldenmechanik, zur EU-gemeinschaftlichen Wirtschaftslenkung, zur Harmonisierung und zum politischen Zentralismus. Das ist der traditionelle französische Konstruktivismus, der der mechanistischen Wirtschaftsphilosophie näher steht als dem evolutorischen Denkansatz [..]”

    “Das Besondere der Saldenmechanik liegt ja gearde darin, dass sich Liberale und Sozialisten zugleich dieser Methodik bedienen.”

    Daß Sozialisten auf diesen Nonsens abfahren, steht völlig außer Streit. Überraschend wäre Gegenteiliges. Gleiches gilt für bestimmte *ordo*liberale Kreise, haben doch auch diese ein Faible für den aktiven Staat und dessen Tendenz zur Wirtschaftsverkurbelung.
    Echte Liberale im Gegenzug dazu haben (a) ein brauchbare Vorstellung davon, was Geld ausmacht und was eben nicht [2], sowie (b) die tiefe Überzeugung, wonach jede nicht triviale Wirtschaft sich einer mathematisch präzisen Beschreibung ebenso entzieht, wie einer darauf basierenden Möglichkeit der Steuerung.

    Den entscheidenden Lackmustest können Sie, Herr Farnberger, hier und jetzt leicht erbringen: Finden Sie das Konzept vom Fiat-Money als der Gesellschaft zuträglich oder nicht? Halten Sie persönlich eine Beeinflussung der Wirtschaft über Mittel der Saldenmechanik für zulässig halten oder nicht?

    [1] wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=3040
    [2] August von Hayek, “Denationalisation of Money”
    Ludwig von Mises “Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel”
    Roland Baader: “Geldsozialismus”
    Diverse jüngere Bücher von P. Bagus, T. Polleit, R. Taghizadegan, etc. pp.

  23. gms

    [ 1. Juni 2014 – 15:56 gms Ihr Kommentar muss noch freigegeben werden. ]

    Die eratische Automoderation ist ein verdammt guter Grund, dem Blog hier den Rücken zu kehren.

  24. S.M.

    @gms

    Stellen Sie den Kommentar doch ohne Links rein. Oder warum muss er freigegeben werden? Ich warte gespannt darauf.

  25. Alfred Felsberger

    >Den entscheidenden Lackmustest können Sie, Herr Farnberger, hier und jetzt leicht erbringen: Finden Sie das Konzept vom Fiat-Money als der Gesellschaft zuträglich oder nicht?> Natürlich. Wieso nicht?

    Alfred Felsberger

  26. Alfred Felsberger

    >Halten Sie persönlich eine Beeinflussung der Wirtschaft über Mittel der Saldenmechanik für zulässig halten oder nicht?> Man kann über die Saldenmechanik nichts beeinflussen. Wie stellen Sie sich denn das vor?

  27. S.M.

    Und wieder einmal schweigt einer weil er nicht weiß was sagen. So viel Scheiße verzapfen und dann sich verkriechen! Erbärmlich Herr Felsberger

  28. Alfred Felsberger

    Wer`s noch immer nicht verstanden hat: Hier ist das Geld, dort ist die Schuld. Geld kann sein: eine Muschel, eine Einheit Silber, eine Einheit Gold, eine Einheit ZB-Geld. Das Schuldverhältnis ist ein Vertrag der lautet: “Geld jetzt gegen Geld später”. Sie kann sein: ein Wechsel, eine Anleihe, eine Einheit GB-Geld, ein Lieferantenkredit und vieles mehr. Die Lieferung des Geldes tilgt die Schuld, das Geld ist Erfüllungsgegenstand des Schuldverhältnisses. Das Unternehmen bekommt das ZB-Geld heute und gibt es später zurück. Wenn die GB mir Kredit gibt, bekomme ich das ZB-Geld heute und gebe es später zurück. Worüber diskutieren wir hier eigentlich? Wer keine Schuldverhältnisse möchte, soll seine Beschwerden beim lieben Gott abgeben, aber nicht bei mir. Oder ist es das ZB-Geld, das sie so “wild” macht?

  29. S.M.

    Ungebildet sein muss wahrlich ein Segen sein. Ein Schuldverhältnis ist ein Vertrag. Dieser kann ein Tausch, ein Kauf, eine Miete sein. Ihre peinliche Saldenmechanik behauptet jetzt, dass bei Erfüllung dieser Verträge jemand Schulden machen muss. Das ist mit Verlaub absoluter Schwachsinn. Und das was Sie in Ihrem letzten Beitrag herumblöken, nennt man nicht Schuldverhältnis sondern Kreditvertrag! Dass bei einem solchen Schulden entstehen ist trivial und evident! Wenn jedoch per staatlich gewolltem Fiat- Money Kredite vergeben werden, kommt es eines Tages zur Kreditkontraktion, womit wir wieder beim Ausgangsthema wären. Dass einer wie Sie ein Schuldverhältnis nicht vom Schuldverhältnis namens Kreditvertrag unterscheiden kann, ist logisch. Könnten Sie bitte, falls Sie noch den Mut haben sich wieder die Blöße zu geben, auf die Kreditkontraktion eingehen? Ich warte seit Ihrem ersten Schreiben an Herrn Ortner darauf.

  30. Alfred Felsberger

    Was haben Sie bloss mit dem Staat? Sofern sie es noch immer nicht begriffen haben: alle diese Schuldverträge werden privat abgeschlossen. Wenn ich bei der Bank einen Kreditantrag stelle, dann ist das Sache zwischen der Bank und mir. Sie will Sicherheiten sehen, ich das Geld. Sind wir beide zufrieden, dann kommt`s zum Vertragsabschluss. Hören Sie endlich auf dieses legitime privatschaftliche Verfahren als “Fiat-Money” – was für schwachsinniger Begriff! – zu diskreditieren. Oder haben Sie etwas gegen privatwirtschaftliche Verträge?

  31. Alfred Felsberger

    Eine Kreditkontraktion entsteht dann, wenn ein privatwirtschaftlicher Schuldvertrag platzt. Ich habe mich um den Kredit bei der Bank bemüht, sie hat meine Sicherheiten geprüft, hat mir das Geld gutgebucht, ich hab`s bar behoben und ausgegeben. Nun stellt sich nach ein paar Jahren heraus, dass ich als Privater die Schuld nicht mehr bedienen kann. Ich gehe in Konkurs, die Bank verwertet meine Sicherheiten. Die Differenz zwischen dem vorgeschossenen Geld und dem Ertrag aus dem Verkauf der Sicherheiten ist der Verlust, den die Bank zu nehmen hat. Sie schreibt das Geschäft ab. Wo sehen sie hier einen Staat? Das Ganze ist höchst trivial. Oder passt es Ihnen nicht, dass die Bank und ich die Freiheit hatten einen Vertrag zu schliessen? Über was regen Sie sich eigentlich auf?

  32. S.M.

    Oje ein ganz Unwissender… Fast süss, wie naiv Ihre Position ist eingedenk Ihrer peinlichen Ergüsse in Richtung Ortner.

  33. S.M.

    Wissen Sie Herr Felsberger, es ist schon witzig, dass Pseudoökonomen wie Sie über die österreichische Schule der Nationalökonomie herziehen, aber noch kein einziges Wort darüber gelesen haben. Wär ja noch schöner, wenn man sich mit der Gegenposition auseinandersetzen müsste. Dann könnte man ja nicht mehr so lässig von der rein “Naturgesetzen” folgenden Saldenmechanik herumschwurbeln. Da müsst ma sich ja weiterbilden um Gottes Willen…

  34. Alfred Felsberger

    Naja, man kann ja stundenlang herumstreiten, wer sich nun weitergebildet hat oder nicht, und nichts einfacher als dem anderen das zu unterstellen. Ich verlange keine Bildung, ich verlange: Hausverstand. Und noch. lieber Herr S.M., haben sie den nicht aufblitzen lassen.-) Also: was ist ihre Kritik an einem privatwirtschaftlichen Schuldvertrag? Oder was kritisieren Sie überhaupt? Keine Ahnung, was in Ihrem Kopf vorgeht.

  35. S.M.

    Nicht ich muss mir vorwerfen lassen, einen Blogautor feige per Mail angepöbelt zu haben, ohne dessen Position zu kennen 😉

  36. gms

    Alfred Felsberger,

    [Finden Sie das Konzept vom Fiat-Money als der Gesellschaft zuträglich oder nicht?]
    “Natürlich. Wieso nicht?”

    Kein Kommentar.

    [Halten Sie persönlich eine Beeinflussung der Wirtschaft über Mittel der Saldenmechanik für zulässig oder nicht?]
    “Man kann über die Saldenmechanik nichts beeinflussen. Wie stellen Sie sich denn das vor?”

    Wollen Sie in Abrede stellen, daß sowohl der Staat wie auch Zentralbanken die Resultate der Saldenmechanik (= einzelne Werte, die als Salden an diversen Stellen aufscheinen) als jenen Kaffesud nutzen, aus dem sie ihre Grundlagen für Interventionen ableiten, sei es inform von Deficit-Spending oder geldpolitische Maßnahmen?

    Welchen Grund könnte es geben, wonach ausgerechnet der aktuelle österreichische Notenbank-Gouverneur und waschechte Sozialist ein überzeugter Vertreter der Saldenmechanik ist?

    Sie kennen die Antworten und ich kenne sie auch, also tun Sie bitte nicht weiter so, als hätten wir es hier mit einer reinen Lehre zu tun, die weder ideologisch angehaucht ist, noch selbsternannten Gottspielern zum Ziehen an diversen Fäden dient. Ok?

    “Was haben Sie bloss mit dem Staat? Sofern sie es noch immer nicht begriffen haben: alle diese Schuldverträge werden privat abgeschlossen.”

    Selbst wenn man diese Aussage so akzeptiert: Angesichts der im Zentrum der Saldenmechanik stehenden verqueren Dualität des Geldes (ZB vs GB) sind sowohl Gläubiger wie Schuldner von der Willkür der amtlichen Geldsozialisten abhängig, was die in Wohlstand (!=Geld) denominierte Rückzahlung betrifft. Fix ist einzig der zu retournierende Betrag, dessen Kaufkraft aber steht in den Sternen.

  37. gms

    S.M.,

    > Stellen Sie den Kommentar doch ohne Links rein.

    Das ist ein plausibler Hinweis, aber nachdem ich allfällige Links entsprechend verkürze (kein http:// resp www), erkennt die Forensoftware diese Zeichenketten garnicht nicht als Links, weswegen man auch Artikel mit vielen Verweisen ohne Moderationseingriff hier einstellen kann.

    Probe aufs Exempel:

    [1] cesifo-group.de/ifoHome/events/seminars/Muenchner-Seminare/Archive/mucsem_20130128_Beck.html
    [2] dejure.org/gesetze/EU/Praeambel.html
    [3] “Vertrag über eine Verfassung für Europa” parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXII/I/I_00851/index.shtml
    [4] europarl.europa.eu/brussels/website/media/Basis/Vertraege/Pdf/Urteil_BVerfG_Lissabon.pdf
    [0] wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=3040

    > Oder warum muss er freigegeben werden?

    Ich weiß es nicht. Irgend eine automagischer Mechanismus hat wohl zugeschlagen.

  38. Klaus Kastner

    @Felsberger
    Nachdem ich bisher mit der Saldenmechanik von Stützel nicht vertraut war, habe ich mich jetzt schlau gemacht. Vor allem den angehängten Artikel fand ich recht hilfreich.

    http://guthabenkrise.files.wordpress.com/2012/10/sparen-fluch-oder-segen.pdf

    Die Saldenmechanik ist ein brauchbarer Ansatz, eine Gesamtwirtschaft ex-post zu erklären. Alles, was auf einer doppelten Buchhaltung basiert, ist ein brauchbarer Ansatz, weil „for every debit, there must be a credit“. Von daher ist sie in ihrer ‚Trivialität‘ (Stützel) beeindruckend. Gut fand ich auch, dass Stützel seine Theorie einen ‚Beitrag‘ zur Geldtheorie genannt hat (Keynes hätte sie in seiner Überheblichkeit die ‚Basis‘ der Geldtheorie genannt, wobei man allerdings schon daran erinnern muss, dass Keynes lange vor Stützel den gesamtwirtschaftlichen Ansatz propagiert hat).

    Wichtig erscheint mir die Feststellung, dass ‚Sparen‘ nicht gleich ‚Sparen‘; ‚Ausgaben‘ nicht gleich ‚Ausgaben‘; ‚Einnahmen‘ nicht gleich ‚Einnahmen‘; etc. sind. Es hängt vor allem davon ab, wie gespart und wie das Geld ausgegeben wird. Außerdem interpretiere ich in Stützels Theorie die Bestätigung, dass wahrhafter Reinvermögenszuwachs nur über die Realwirtschaft kommen kann.

    Ich sehe eine Verwandschaft zwischen der Saldenmechanik und dem Leistungsbilanzansatz. Es ist eine mathematische Konsequenz, dass der Saldo der weltweiten Leistungsbilanzen gleich Null ist („for every debt, there must be a credit“). Damit eine Volkswirtschaft Überschüsse erzielen kann, muss der Rest der Welt, in Summe, ein Defizit mit dieser Volkswirtschaft haben. Vor allem fiskalpolitisch ‚seriöse‘ Europäer haben in den letzten Jahrzehnten die konsumrauschigen, keine-Angst-vor-Schulden-habenden amerikanischen Konsumenten aus ethish-moralischen Gründen kritisiert. Ebenso hätten sie diesen Konsumenten ein Denkmal der Dankbarkeit setzen können, weil ohne die horrenden Leistungsbilanzdefizite der USA das Wachstum im Rest der Welt geringer gewesen wäre. Produkte, die anderswo hergestellt wurden (und demzufolge anderswo für Beschäftigung, Einkommensteuern und Sozialabgaben sorgten), flossen nach Amerika und in die Gegenrichtung flossen Schuldscheine als Bezahlung. „For every debit, there must be a credit“.

    Die Saldenmechanik stößt für einzelne Volkswirtschaften an ihre Grenzen, weil es in der ganzen Welt kein Land gibt, das eine vollkommen geschlossene Volkswirtschaft hat; nicht einmal Nord Korea. D. h. der Auslandssektor spielt in allen Ländern eine ganz maßgebliche (und nicht wirklich kontrollierbare) Rolle.

    Bei allem Respekt für die hausverstandsmäßige Plausibilität der Saldenmechanik als ex-post Erklärung von volkswirtschaftlichen Abläufen, kann man daraus nicht ableiten, dass sie ein verlässliches Steuerungsinstrument für zukünftige Entscheidungen ist. Die Autoren des angehängten Artikels sagen z. B., dass die Einführung von europaweiten Schuldenbremsen ein Schritt in die falsche Richtung ist. Mag sein, muss aber nicht unbedingt sein. Nehmen wir Österreich als Beispiel. Theoretisch könnte es auch sein, dass die Schuldenbremse und die damit verbundene Sanierung des Staatshaushaltes eine ‚Entfesselung‘ der privaten Haushalte auslöst und dass diese plötzlich einen guten Teil ihrer Sparvermögen in den Konsum stecken. Das Wachstum im Sektor der privaten Haushalte (und auch Unternehmehn) könnte das Einbremsen des Staates mehr als kompensieren. Reine Theorie, natürlich…

    Griechenland wird als Beispiel von ‚Kaputtsparen‘ genannt. Man hätte dem Staat wesentlich weniger Austerität aufzwingen sollen, um so viel menschliches Leid zu ersparen. Stimmt aber so nicht. Man hätte Griechenland nicht nur als Staat, sondern vor allem als Volkswirtschaft betrachten müssen. Dann hätte man erkannt, dass Griechenland ca. 2008 eine Zombie-Volkswirtschaft geworden war, die Hauptsächlich als Drehscheibe für Geld funktionierte: Geld kam aus dem Ausland und wurde im Ausland für Produkte (Importe) ausgegeben. Vergleichbar mit einem Benzinmotor, der nur dann funktioniert, wenn es Benzinzufluss gibt. Der Benzinzufluss des griechischen Volkswirtschaftsmotors war Kapital aus dem Ausland. Der Staat saugte nur ca. die Hälfte dieses Auslandskapitals auf. Die andere Hälfte wurde von Banken und Großunternehmen aufgesaugt. Klar, dass dadurch ein Boom entsteht: Arbeitsplätze beim und Einkommen vom Staat; in der Importwirtschaft; in der Dienstleistungsbranche; etc. Sobald jedoch der Benzinzufluss zurückgeht, kommt der Motor ins Stocken. Nicht die staatliche Austerität war Griechenlands Problem; diese war und ist nach wie vor notwendig. Das Problem war, dass man nicht parallel zur staatlichen Austerität für Wachstumsmaßnahmen im Privatsektor gesorgt hat, um einen Teil des staatlichen Einbruches zu kompensieren. Statt Geld an den Staat hätte man Maschinen & Anlagen in den Privatsektor schicken müssen.

    Nehmen wir an, Griechenland hätte als einzigen Auslandspartner Deutschland gehabt. Dann hätte eben Deutschland weniger exportieren, sondern mehr in Griechenland investieren sollen, damit die Griechen sich ihren Lebensunterhalt selbst verdienen könnten. Natürlich hätte dies die deutsche Volkswirtschaft etwas an Exportwachstum gekostet, aber kein Vergleich zwischen diesem geringeren Exportwachstum und den Kosten, eine Zombie-Volkswirtschaft am Leben zu halten. Warum hätte sich in diesem Szenario Deutschland überhaupt über Griechenland Gedanken machen sollen? Aus Gutmenschentum heraus? Nie und nimmer. Nur aus einem einzigen Grund: weil dies der einzige Weg wäre, um die Hoffnung aufrecht zu erhalten, dass man einmal zumindest einen Teil seiner bereits vergebenen Kredite zurückbekommt.

    Frankreich würde mehr Autos in der Welt verkaufen, wenn es wettbewerbsfähiger wäre. Der Weltmarkt würde allerdings deswegen nicht wachsen. Andere Länder, möglicherweise Deutschland, würden weniger Autos verkaufen, d. h. aus der Sicht eines globalen Dorfes wäre es ein Nullsummenspiel. Man zähmt die Überlegenheit der deutschen Exportwirtschaft nicht dadurch, dass andere Volkswirtschaften sie besteuern. Man muss ihr Konkurrenz bieten. Der Kuchen der gesamten Weltwirtschaft wird nicht so rasant wachsen, wie das einzelne Volkswirtschaften tun könnten. Einen größeren Teil des Gesamtkuchens sollte man sich erarbeiten, statt zu verlangen, ihn zugeteilt zu bekommen.

    Kurz und gut: die Saldenmechanik ist m. E. nichts Ideologisches, sondern nur angewandter Hausverstand. Ideologisch wird sie, wenn man aus ihr Schlußfolgerungen zieht, dass man nur auf ‚A‘ drücken muss, damit ‚B‘ passiert. Man kann natürlich auf ‚A‘ drücken, aber man weiß vorher nie, ob nicht vielleicht ‚Z‘ dabei herauskommt (aber ex-post würde die Saldenmechanik diesen Umstand richtig erklären…).

  39. Alfred Felsberger

    Die Schlüsse, die man aus der Saldenmechanik über die aktuelle Lage des entwickelten Teils der Welt (USA, Europa, Japan) ziehen kann, sind:

    1) Das Wachstum der Netto-Investition hat sich über Jahrzehnte abgeschwächt, nachdem es 1970 herum eine Spitze erreicht hatte. Das heisst: der um gegenseitige Beteiligungen bereinigte Kapitalstock der Unternehmen, kalkuliert zu Kauf- und Marktpreisen der Aktiva minus der jährlichen Abschreibungen, stagniert in diesen Staaten seit langem, was vor allem auf das Wachstum der Abschreibungen zurückzuführen ist, während sich das Wachstum der Brutto-Investition weniger stark abgeschwächt hat. Dies ist ein deutliches Indiz für einen “kurzlebigeren” Kapitalstock wie er durch den Übergang zur Dienstleistungsgesellschaft erzwungen wurde.

    2) Wenn das Wachstum des Kapitalstocks sich abschwächt, dann heisst dies auf der Passivseite der Unternehmen, dass weniger Spielraum für Eigenkapital- und Fremdkapital-Zuwächse besteht. Man denke sich den Kapitalstock als einen Balken, der jährlich um die Netto-Investition wächst und damit auf der Passivseite des Unternehmenssektors EK- und FK-Zuwächse ermöglicht. Wenn der Balken immer schwächer wächst, erlahmt auch das Wachstum der Passivseite. Da aber der Fremdkapital-Zwachs der Unternehmen in einem Zwei-Sektoren-Modell dem Geldersparnis-Zuwachs der Haushalte entspricht, entsteht Druck auf die Haushalte: Ihr Geldvermögens-Zuwachs schwächt sich ab, die Gesellschaft empfindet sich als “geldärmer”.

    3) Alle Staaten haben, um dieser drohenden Geldverknappung zu begegnen, seit 1970 ihre Verschuldung in die Höhe geschraubt, was den Haushalten Spielraum für Geld-Ersparnis-Zuwächse eröffnete. Die Staaten haben also die stagnierende Netto-Investition kompensiert, indem sie sich als Schuldner dazwischen geschoben haben. Dadurch wurde es möglich die Gelderparnis der Haushalte weiter in die Höhe zu treiben, obwohl die Netto-Investition schon lange stagnierte.

    4) In der aktuellen Lage kommt sowohl das Wachstum der Staatsschuld als auch das Wachstum der Netto-Investition zum Erliegen, was bei konstantem EK-Wachstum der Unternehmen (“angemessene Eigenkapital-Rendite”) heisst, dass das Fremdkapital der Unternehmen – und damit die Geld-Ersparnisse der Haushalte – schrumpfen. Einfach gesagt: Die Unternehmen entschulden sich auf “Kosten” der Haushalte. Mit diesem Entschuldungsverlangen sinkt das Geld-Vermögen der Haushalte ab, die Menschen werden “geldärmer”.

    5) Alles in allem kann man das stagnierende Wachstum des Kapitalstocks als “Sättigungstendenz” interpretieren: Keine Gesellschaft benötigt ein immer Mehr an Investitionsgütern, jede wird sich irgendwann die Frage stellen müssen, ob das “Optimum” des Kapitalstocks erreicht ist. Für keine Gesellschaft stellt das ein Problem dar, weil sie sich ja auf ein riesiges Quantum jährlich produzierter Konsumgüter stützen kann. Unsere Gesellschaft jedoch hat das Problem, dass sich der Kapitalstock als EK und FK abbilden muss, damit zum Teil: als Geldersparnis der Haushalte. Dadurch wird die Abschwächung des Wachstums des Kapitalstocks als “Krise” wahrgenommen.

    Alfred Felsberger

  40. Alfred Felsberger

    Sehr geehrter Herr Kastner,

    >Kurz und gut: die Saldenmechanik ist m. E. nichts Ideologisches, sondern nur angewandter Hausverstand.> Ich freue mich, dass Sie so schnell das “Wesen” der Saldenmechanik erkannt haben. Der Blog vom Herrn Buschbeck, ein sehr engagierter deutscher Unternehmer, der nicht müde wird den Namen “Stützel” in die Welt zu tragen, ist ein guter Beginn. Ich sage Ihnen aber gleich, dass die “Lösungen”, die der Herr Buschbeck präsentiert, aus meiner Sicht keine sind. Man kann an und durch ihn die Mechanik der Zusammenhänge üben und verstehen lernen, die Wirkungsketten, die der Herr Buschbeck konstruiert, existieren aber nicht. Dies ist deshalb so, wie Sie ja auch richtig erkannt haben, weil die Aggregate ohne “Urasache und Wirkung” nebeneinander stehen. Übereinstimmung habe ich mit dem Herrn Buschbeck nur dahingehend, dass das Problem, dem sich die entwickelte Welt konfrontiert sieht, in der Stagnation der Netto-Investition liegt. Es gibt aber keinen “Hebel”, auch wenn man sich es noch so wünscht, an dem man drehen könnte, um das Wachstum der Netto-Investition wieder in Gang zu bringen. Mit einem Wort: Der Herr Buschbeck ist Optimist, ich: Pessimist.

    Mit freundlichem Gruss
    Alfred Felsberger

  41. Alfred Felsberger

    Es ist klar, dass, wenn das Land A gegen das Land B einen Aussenhandelsüberschuss hat, das Land A – ceteris paribus – gegen das Land B Forderungen aufbaut. Diese Forderungen können unter Bedingungen eines einstufigen Geldsystem (nur-GB-Geld/kein ZB-Geld) die Form von Anleihen, Wechsel oder GB-Geld haben, unter Bedingungen eines zwei-stufigen Geldsystems (GB-Geld + ZB-Geld) darüberhinaus die Form von Devisen (=ZB-Geld des Landes B). Ebenso klar ist, dass dieser Überhang an Forderungen nur abgebaut werden kann, wenn sich die Aussenhandelsbilanz zugunsten des Landes B dreht. Ansonsten bleiben diese Forderungen als “Geldvermögen” im Land A hängen, sei es bei den Privaten oder den Unternehmen. Diese Forderungen können sich über Abwertungen des ZB-Geldes des Landes B entwerten oder auch durch Konkurs der Menschen, Unternehmen oder Institutionen dieses Landes. Insofern ist aus der Sicht der Saldenmechanik klar: dass die Erzielung von Aussenhandelsüberschüssen ein zweischneidiges Schwert ist, das auf den Gläubiger, das Land A, zurückfallen kann. Die Krise 2008 ist ein gutes Beispiel dafür: Die Hauptbetroffenen waren die Länder, die Aussenhandelsbilanzüberschüsse gegenüber der USA hatten. Sie mussten ihre Forderungen abschreiben.

    Alfred Felsberger

  42. gms

    Alfred Felsberger,

    “Alle Staaten haben, um dieser drohenden Geldverknappung zu begegnen, seit 1970 ihre Verschuldung in die Höhe geschraubt, was den Haushalten Spielraum für Geld-Ersparnis-Zuwächse eröffnete.”

    Teuerungsraten von an die 10% in den 70ern relativieren besagte Ersparnisse doch deutlich.

    “Die Staaten haben also die stagnierende Netto-Investition kompensiert, indem sie sich als Schuldner dazwischen geschoben haben. Dadurch wurde es möglich die Gelderparnis der Haushalte weiter in die Höhe zu treiben, obwohl die Netto-Investition schon lange stagnierte.”

    Und was haben wir heute davon? Schulden ohne Ende, Inflation und zugleich ein Stagnieren der Investitionen, nachdem sich rumgesprochen hat, wonach die perpetuierte staatliche Verschuldungs- und Geldentwertungsorgie der letzten Jahrzehnte die Volkswirtschaften an den Rand des Zusammenbruchs führte.

    Die These, es sei von Vorteil, wenn Staaten sich als “Schuldner dazwischen schieben”, ist weder logisch noch empirisch haltbar. Umso lächerlicher wird dies, erfolgt dies mittelbar per Mausklicks, von denen Zentralbanken behaupten, sie produzierten damit Werthaltiges, das hernach via Anleihen und Staatsausgaben Bürgern zu Gute käme.
    Staatsgläubige und Gottspieler werden aber auch morgen noch an der Saldenmechanik festhalten und zentralistisch da und dort “kompensieren”, wenn Abermillionen private Player die Lage vollkommen anders einschätzen und davon abgeleitet anders vorgehen würden.

    Leute bauen Mist, aber für das wahrhaft große Übel bedarf es des zentralen Irrtumsmonopols.

  43. Alfred Felsberger

    >Die These, es sei von Vorteil, wenn Staaten sich als “Schuldner dazwischen schieben”, ist weder logisch noch empirisch haltbar.> Ich habe keine Forderung oder Vorteils-These aufgestellt, ich habe etwas beschrieben. Sie suchen einen Feind, der keiner ist.

    >Umso lächerlicher wird dies, erfolgt dies mittelbar per Mausklicks, von denen Zentralbanken behaupten, sie produzierten damit Werthaltiges, das hernach via Anleihen und Staatsausgaben Bürgern zu Gute käme> Die ZB ist ein Intermediär: Sie produziert keine Schuld, sie kauft bestehende Schulden auf und übersetzt sie in ZB-Geld. Ein Beispiel: Siemens begibt eine Anleihe, eröffnet also einseitig ein Ansuchen auf Kredit. Gesetzt, die Raika hält das Angebot für attraktiv, dann kauft sie die Anleihe von Siemens auf. Sie bucht die Anleihe aktiv und das GB-Geld passiv (Bilanzverlängerung), das Siemens nun zufliesst. Der Gläubiger ist die Raika, der Schuldner Siemens, das Mittel, mit dem dieses Schuldverhältnis dokumentiert ist: das GB-Geld. Nun leitet die Raika die Anleihe im Rahmen eines Pensionsgeschäfts an die EZB weiter um ZB-Geld (Bargeld + Sichtguthaben der GB`s bei der ZB) zu bekommen. Die ZB bucht die Anleihe von Siemens aktiv und das ZB-Geld passiv (Bilanzverlängerung), das nun der Raika zufliesst. Jetzt ist die ZB der Gläubiger von Siemens, allerdings nur temporär, weil ja die Raika das Pensionsgeschäft innerhalb einer vorgegebenen Frist wieder schliessen muss. Die Raika hat statt der Anleihe von Siemens, die nun auf der Aktivseite der ZB steht, ZB-Geld auf ihrer Aktivseite, das sie nach Ende des Pensionsgeschäfts wieder an die ZB zurückfliessen lassen muss. Und Siemens hat nach wie vor das GB-Geld, allerdings die Wahl: sich das nun als ZB-Geld (bar) von der Raika auszahlen zu lassen. Es existiert nur ein nachhaltiges Schuldverhältnis: das zwischen Raika und Siemens. Die ZB ist nur ein temporärer Intermediär. Ergo: Banken, weder GB`s noch die ZB, schaffen keine Schuldverhältnisse, sie treten nur dazwischen. Das Schuldverhältnis ist (mit Ausnahme der Staatsanleihe) ein privatwirtschaftlicher Vertrag zwischen Gläubiger und Schuldner (hier: Raika und Siemens).

    Alfred Felsberger

  44. gms

    Alfred Felsberger,

    “Ich habe keine Forderung oder Vorteils-These aufgestellt, ich habe etwas beschrieben. Sie suchen einen Feind, der keiner ist.”

    Sie schrieben selbst: “Die Staaten haben also die stagnierende Netto-Investition kompensiert, indem sie sich als Schuldner dazwischen geschoben haben.”

    War es Ihrer Meinung nach richtig, daß Staaten die stagnierende Netto-Investition kompensiert hatten?

    “Die ZB ist ein Intermediär: Sie produziert keine Schuld, sie kauft bestehende Schulden auf und übersetzt sie in ZB-Geld.”

    Zentralbanken kaufen auch Handfestes, notabene Gold. Ob und wieviele Anleihen Zentralbanken ohne jedes Übersetzen kaufen und damit zum faktischen Gläuber werden (siehe Griechenland und insbesondere die USA mit unverdeckter Staatsfinanzierung), sei dahingestellt.
    Es reicht und ist schon ausreichend schädlich, wenn für Geldpolitik dubiose Anleihen als Sicherheit akzeptiert werden, deren Ausfall den Eigentümern der Zentralbanken umgehängt werden.
    Es ist diese Willkür gemeinsam mit einer Zinspolitik von der Kanzel im Gravitationszentrum des Geldwesens, die jegliche Exaktheit der Saldenmechanik ad absurdum führt. Die Zahlen mögen auf drei Kommastellen korrekt sein, was aber diese Zahlen wertmäßig darstellen, ist offensichlich irrelvant, solange Geld jenes ist, von dem der Staat behauptet, es sei solches.

    “Ein Beispiel: Siemens begibt eine Anleihe, eröffnet also einseitig ein Ansuchen auf Kredit.”

    Die Giraldgeldfrage ist im Kontext von staatlichem Fiat-Money und zentralen Zinsvorgaben bestenfalls nachgelagert.

  45. Alfred Felsberger

    >War es Ihrer Meinung nach richtig, daß Staaten die stagnierende Netto-Investition kompensiert hatten?> Was hätten sie denn tun sollen? Das Volk rief danach. Erinnern sie sich doch an 1973 als weltweit die Arbeitslosigkeit explodierte, die Schwerindustrie in eine Krise rutschte und die Ölpreise anzogen. Man muss sich doch in die Zwänge von Staaten hineinversetzen können und sie nicht bloss als Ungeheuer mit Eigeninteresse zeichnen. >Es reicht und ist schon ausreichend schädlich, wenn für Geldpolitik dubiose Anleihen als Sicherheit akzeptiert werden> Ich kann Ihnen garantieren: in Europa ist das nicht der Fall. Schauen Sie sich doch die Bilanz der EZB an! Was passiert ist, ist eine enorme Ausweitung der ZB-Geldmenge seit 2008 (die mittlwerweile wieder zurück gefahren wird) um die Aktivseite der GB`s zu entlasten. Man nimmt ihnen Anleihen ab und bucht ihnen ZB-Geld gut. Das heisst für viele europäische Banken, dass sie erstmal tief durchatmen dürfen. Die Exzesse gingen von den GB`s aus, die es nicht erwarten konnten mit ihren Krediten ganz Süd- und Osteuropa zu entwickeln. Und letztlich die >Zinspolitik>: Wird allgemein überschätzt.

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