Putin: “Ich mag die kommunistischen Ideen”

Von | 29. Januar 2016

(A. UNTERBERGER)Der russische Machthaber hat jetzt eingestanden, dass er aus Sowjetzeiten noch immer einen kommunistischen Parteiausweis hat. Und dass er weiterhin Sympathien für die kommunistischen Ideale hegt. „Ich mag wirklich die kommunistischen und sozialistischen Ideen.“ Noch schlimmer eine weitere Aussage: Er schätze einige der Ideale des Kommunismus, auch wenn sie in der Sowjetunion nie richtig umgesetzt worden seien. Da kann man nur sagen: Nein, bitte nicht schon wieder!Als ob die Menschheit nicht schon genug darunter gelitten hätte. 80 bis 90 Millionen Tote – die größte Opferzahl der Geschichte! – sollten eigentlich für den Rest des Jahrtausends reichen. Sie sind genau dadurch zustandegekommen, dass ständig irgendjemand zwischen Nordkorea und Moskau, zwischen Polen und Kuba einen Anlauf gemacht hat, die kommunistischen „Ideale“ diesmal „richtig“ umzusetzen. Oder dass er seine Machtgier und die der Nomenklatura so getarnt hat, als ob er für irgendwelche Ideale stünde.

Jedoch im wirklichen Leben haben sich diese Ideale absolut immer als Terror, Massenmord, wirtschaftliche Verarmung, Vernichtung aller „bürgerlichen“ Rechte wie Freiheit und Eigentum und ein Sklavenhalterstaat entpuppt. (TB)

 

19 Gedanken zu „Putin: “Ich mag die kommunistischen Ideen”

  1. Fragolin

    Und? Solche Sprüche hat er schon mehrere abgelassen, denn erstens sind die Stimmen der kommunistischen Veteranen wichtig, wenn man in den Umfragen Spitzenwerte erreichen will und zweitens sollte man sich nicht allzu abfällig über Kommunismus auslassen, wenn man sich mit dem Chinesen auf ein Packel haut. Mit den praktizierenden Kommunisten in Peking liegen wir doch, Tibet hin oder her, kommentarlos im Bett, obwohl es eine kommunistische Ein-Parteien-Diktatur ist, gegen die Iran oder Syrien oder eben auch Russland wie lupenreine Demokratien wirken.
    Viel bedenklicher finde ich, dass sich vom Kommunismus gebrannte Staaten Osteuropas sich trotz dieser Aussagen des Bonsai-Zaren wieder mehr in Richtung Russland orientieren, weil sich unser präpotenter Brüsseler Hochadel und seine Schranzen in Berlin, Wien und den anderen Protektoratshauptstädten so unübertrefflich herrenmenschlich hochwertig fühlt, dass sie glauben, diese Staaten in ihrem Sinne disziplinieren zu müssen. Es ist nicht nur erschreckend, wem sie sich zuwenden sondern noch viel erschreckender, von wem sie sich abwenden, denn während der Kreml-Taktiker in bekannt zynischer Weise Diplomatie als Schachspiel zelebriert, trampeln unsere sozialistischen Taxifahrer und protestantischen Bauerntrampel wie die Elefanten im diplomatischen Porzellanladen herum. Putin liebäugelt mit den Ideen des Kommunismus, das ist den Polen zuwider aber immer noch harmloser, als wenn Deutsche wie Öttinger sich hinstellen und Polen unverhohlen mit “Maßnahmen” drohen, wenn sie nicht sofort so tun wie er verlangt. Da fragen dann Polen schonmal sarkastisch, ab wann er denn “zurückschießen” will.
    Die Welt wird, einmal mehr, in Blöcke zerhackt und in Konflikten zerrieben. Von wem? Nun, cui bono…?

  2. Mourawetz

    Danke, wusste ich nicht. Für Putinversteher eine willkommene Vorlage für neue verschwurbelte Erklärungen.

  3. Fragolin

    Interessant wäre zu erfahren, wie die deutsche Kanzleuse dazu steht.
    Immerhin hat das Pastorentöchterchen als Funktionärin für Agitation und Propaganda des kommunistischen Jugendverbandes angefangen, war mutmaßlich Informantin der kommunistischen Staatssicherheit und engagiert in der Ost-CDU, die, falls man es vergessen haben sollte, in der Nationalen Front Seite an Seite mit der Sozialistischen EInheitspartei Deutschlands (=Zusammenschluss aus SPD und KPD unter ideologischer Führung allein der KPD) für den Aufbau des Sozlailismus und des Kommunismus in der DDR gekämpft und in ihren Statuten die alleinige Führungsrolle der Arbeiterpartei anerkannte und alles diesem Ziel unterordnete – also mit der Vita kommt sie zwar an die Putins nicht heran, aber man muss sich nicht fragen, ob sie ihr Parteibuch weggeworfen hat, denn die Blockpartei CDU(Ost) ging mit all den strammen Kommunisten in ihren Reihen restlos in der CDU(West) auf und erodierte diese innerhalb eines Vierteljahrhunderts und besonders des letzten Jahrzehnts von einer konservativen zu einer ultralinken Partei.
    Und nein, ich glaube nicht, dass Putin mehr tut als mit Sprüchen jeglicher Art die Macht im Inneren zu festigen. Dass er dabei nicht zimperlich ist, steht außer Frage. Aber das ist Donald Trump auch nicht, und der steht inzwischen unerwartet ernsthaft in den Startlöchern zur US-Präsidentschaft. Und von den Chinesen wird lieber erst gar nichts berichtet, was die guten Geschäftsbeziehungen mit den Kommunisten belasten könnte. Naja, und in Deutschland wie in Österreich wird unter dem Titel “Kampf gegen Rechts” auch gerade an einem Rundumschlag gegen offene Opposition gebastelt – erst rückt man alle Gegner in die rechte Ecke, berichtet dann vom rechten Terror (Farbbeutel gegen Hauswände oder kleine Pappgalgen in der Hand…) und lässt dann die Hunde von der Kette – von der SA des Schwarzen Blockes bis zur am Mittwoch klammheimlich im Schatten der Streif beschlossenen neuen Gestapo…
    Und wir kümmern uns darum, was Putin gesagt hat, anstatt uns darum zu kümmern, was inzwischen unsere Obertanen getan haben.

  4. Mourawetz

    man weiß gar nicht wohin man sich lieber wenden soll. nach Osten? oder doch lieber im Westen bleiben? Offenbar bleibt nur eine persönliche, radikale Enteuropäisierung.

  5. Thomas Holzer

    @Mourawetz
    Ich empfehle den Norden! 🙂
    Grönland, Island…………da scheinen noch ein paar vernünftige Köpfe zu leben.

    ref. Putin: sollte niemanden Wunder nehmen; ein nationaler Sozialist, welcher seine Nation an den Rändern halt ein bisserl erweitern will.
    Bücherverbote und Bücherverbrennungen, “Außenfeinde”, 5-Kolonne, nationalistische Jugendvereine etc.; sollte uns doch alles bekannt sein……….

  6. Herr Superg'scheit

    Vielleicht ist Putin schlauer als wir denken und er weiß: Wenn er wieder in Europa Fuß fassen will, muss er sich der hier allgegenwärtigen sozialistischen Denke anbiedern.

  7. Fragolin

    @Thomas Holzer
    Sehe ich auch so. Nur glaube ich nicht an Erweiterungsbestrebungen; Krim und Donbass wären ihm egal gewesen, wenn die strategische Bedeutung (Schwarzmeerflotte und Rüstungsindustrie) nicht so groß gewesen wäre. Ohne Petersburg im Norden hätte er auch das Baltikum kassiert, um den Ostseezugang nicht zu verlieren. Das Zarenreich war schon immer mehr auf innere Festigung ausgelegt als auf Expansion. Jetzt herrscht dort nur die gefährliche Meinung, besonders bei den alten Falken, mit denen sich der Bonsai-Zar gerne umgeibt und von denen er sich gern schmeicheln lässt, dass die “abtrünnigen” ehemaligen Sowjet-Republiken eigentlich zu Russland “gehören”. Da einige davon inzwischen Nato-Mitglieder sind und die Nato, trotz zwischenzeitlicher “Partnerschaft” durchgehend ganz unverhohlen Russland immer als Gegner betrachtet und behandelt hat, ist dies eine sehr brenzlige Situation.
    Dass der Russe in Stockholm, Berlin oder Wien einmarschiert ist bei allem Verständnis der von medialer Schnappatmung lebenden Propaganda nicht nur unwahrscheinlich sondern unmöglich – Putin weiß genau, dass ein Atomkrieg auch sein reich zerbröselt, und einen massiven Angriff auf den Westen ohne Einsatz solcher Waffen wird es nicht spielen.
    Ich finde es nur erschreckend, dass unsere unfähigen Hofschranzen nicht sehen, mit was für einem intelligenten Gegenspieler sie es zu tun haben. Manchmal wäre es für alle besser, zu versuchen, Putin zu verstehen. Dazu muss man ihn weder mögen noch seine Politik gutheißen. Und das gleiche gilt für Faymann, Merkel, Hollande, Orban – wen auch immer. Verständnis ist der erste Schritt zu einer vernünftigen Reaktion.

  8. Fragolin

    @Herr Superg’scheit
    Putin braucht sich nur zurücklehnen und zuschauen, wie es den kleinen versnobten Wurmfortsatz an seiner unbedeutenden Westgrenze zerbröselt. Er orientiert sich nicht umsonst ganz offen nach Osten und haut sich mit China und Indien auf ein Packel. Er ahnt, dass Ostasien die Zukunft gehört und Europa in muslimischer Vergangenheit versinkt.
    Nach dem nächsten großen Crash wird es entscheidend sein, wer es zuerst schafft, aus den Trümmern etwas Neues zu bauen. Ostasien hat da weit bessere Chancen als das dann kaputte Europa. Man muss den Untergang dekadenter Reiche nicht beschleunigen, sich aber in letzter Minute an sie zu hängen wäre dumm. Und dumm ist dieser Mann beileibe nicht.

  9. Lisa

    Der Gerechtiggkeit halber möchte ich aber Kuba als einigermassen funktionierendes kommunistisches Land erwähnen. Ohne die Sanktionen der USA – nein, jetzt bitte keine Aufzählung von “Säuberungen” etc. – da hat beinah jedes Land Dreck am Stecken – sondern ich spreche von den Menschen dort: lebensfroh und doch diszipliniert, gebildet und arbeitsam, loyal ihrer Heimat gegenüber – kein Vergleich mit den übrigen Latinos.

  10. Marcel Elsener

    Leider verschweigt uns Herr Unterberger, dessen Artikel ich sonst sehr schätze, worin denn eigentlich nun diese sozialistischen Ideale bestehen, die der Herr Putin so sehr mag. Der russische Autokrat hat sie nämlich explizit benannt: ‘Gleichheit’ und ‘Brüderlichkeit’.

    Und jetzt sollen all die empörten vereinigten Westsozialisten (von tiefrot, über grün bis hin zu schwarz) mal schön die Hand heben, soweit sie die Ideale ‘Gleichheit’ und ‘Brüderlichkeit’ NICHT mögen. Wie denn? Jeder von denen mag diese beiden Ideale? Na dann…

    Und wo ist die ‘Freiheit’ als drittes (oder vielmehr erstes) Ideal der Französischen Revolution abgeblieben? Tja, die hat in Europa schon lange vor der politischen Bürokratie und Regelungswut kapituliert – in Russland ebenso wie in Westeuropa. Auch in dieser Hinsicht gibt es keine nennenswerten Unterschiede.

    Herr Putin betreibt dasselbe Spiel, das die Westsozialisten schon seit Jahren betreiben: Er lobt die sozialistischen Ideale über den grünen Klee. Bloss die bisherigen Umsetzungen des Sozialismus waren halt schlecht; irgendwann wird man aber schon noch den wahren Sozialismus errichten – und dann werden wir in der besten aller möglichen Welten leben, wo Milch und Honig fliesst und keinerlei Klassenunterschiede die Menschen trennen.

    Wer immer noch an dieses sozialistische Dogma glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen.

    Worin die grundsätzlichen Unterschiede zwischen Autokrat Putin und den westlichen Autokraten liegen, konnte mir bisher noch niemand aufzeigen. Offenbar existieren sie gar nicht.

  11. Lisa

    *Hand aufheb* Freiheit gibts nur als ab und zuBefreiung von einer Zwangslage, nicht absolut. Gleichheit existiert nicht, nicht mal ebei einieiigen Zwillingen. Brüderlichkeit hat sich sschon zu Anbeginn der Welt als Konkurrenz und Mord manifestiert – also, was solls…

  12. Thomas Holzer

    @Marcel Elsener
    Ich habe mit den verordneten! “Idealen” Gleichheit und Brüderlichkeit überhaupt nichts am Hut.
    Nächstenliebe kann nur durch empathische Menschen gelebt werden, beruht daher auf Freiwilligkeit.
    Gleichheit ist nur per Zwang möglich, daher abzulehnen, genauso wie Brüderlichkeit. In deren Namen wurden mehr Menschen gefoltert und liquidiert als im Namen jeder Religion

  13. Marcel Elsener

    @Thomas Holzer
    Ich habe mit den beiden Idealen ‘Gleichheit’ und ‘Brüderlichkeit’ ebensowenig am Hut wie Sie und stimme Ihnen auch sonst zu. Die vereinigten Westsozialisten finden solche Ideale hingegen dufte.

    Herr Unterberger hat wohlweislich verschwiegen, worin die sogenannt kommunistischen Ideale bestehen, die Putin mag. Sonst könnte man ja auf die Idee kommen, dass die Autokraten im Osten und Westen so unterschiedlich gar nicht sind.

    @Lisa
    Ideale haben es so an sich, dass sie in absoluter Form nirgends existieren. Das heisst jedoch nicht, dass man sich ihnen nicht annähern kann.

    Ich finde Freiheit durchaus ein würdiges Ideal, dem man sich verbunden fühlen kann, auch wenn der Freiheit immer gewisse Grenzen gesetzt sind. Nur: Wie freiheitlich orientiert ist unsere Gesellschaft eigentlich heute? Und wie freiheitlich war unsere Gesellschaft vor 50 Jahren?

  14. Wettervik

    @”Lisa”

    “Kuba als einigermassen funktionierendes kommunistisches Land”….

    Waren Sie da mal einmal dort? Dort funktioniert NICHTS, NICHTS, NICHTS. Ja, die Leute sind sehr lebensfroh. Aber das war’s aber auch schon. Wenn das ein “funktionierendes Land” für Sie ist, liegen Ihre Standards aber schon eher sehr tief.

  15. Falke

    Viel mehr Angst als Putin machen mir, ehrlich gesagt, Merkel, Juncker, Schulz und Faymann.

  16. Thomas Holzer

    Die “Lebensfreude” der Cubaner existiert trotz 60 Jahre Kommunismus und nicht wegen 😉

    Genauso wie die vielen “Neubürger” in Europa, die trotz 50 und mehr Jahre Aufenthalt in Europa noch immer ihren atavistischen, trivialen, tribalistischen und jeder Vernunft widersprechenden “Idealen” anhängen, und nicht wegen 🙂

  17. Thomas Holzer

    @Falke
    Das ist der große Vorteil Putins; sein nationaler Sozialismus ist nicht expansionistisch; der von Merkel, Juncker, Schulz et al. leider schon 🙁

  18. mariuslupus

    Putins Botschaften zielen immer auf einen Empfänger. Als Putinversteher meine ich dass was er sagt muss nicht seine Überzeugung sein, sondern der Versuch seine Gegenspieler nach KGB Manier zu verunsichern.
    Wieso sagt Merkel nicht, dass sie an ihren kommunistischen Idealen festhält ?

  19. Lisa

    @Thomas Holzer: naja , mit dem “trotzdem” mögen Sie nicht ganz unrecht haben – “was mich nicht umbringt macht mich stärker!” 😀
    @Wettervik: Nichts funktioniert? – ach, hören Sie doch auf! So plappern Touris, die fünfstellige Beträge für eine Chinareise bezahlen und dann berichten (o-Ton), „nichts“ funktioniere da, man habe ihnen nicht mal Schirme abgegeben, als es zu regnen anfing. Ich war in meinem Leben nur zweimal als Touristin unterwegs, Jugendherbergen im Teenageralter abgezogen. Meine Kontakte mit der Welt und ihren Menschen sind hautnah, privat, persönlich, beruflich und nicht zuletzt verwandtschaftlich. Für den Blick auf die Wirklichkeit braucht es weder soziologisches noch wirtschaftliches noch politisches Geschwurbel: Abstrahieren – und damit auch generalisieren – ist zwar menschlich (und männlich noch typischer als weiblich), aber das sollte man nur für sich allein tun und immer wieder an die sich dauernd verändernde Wirklichkeit anpassen. Es ist imho falsch, die Abstraktionen als Wahrheiten zu verkünden. Und dann noch in so einem undifferenzierten Rundumschlag: „nichts funktioniert“!

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