Quoten: Wie Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit ruiniert

(A. TÖGEL)  Eine im internationalen Wettbewerb erfolgreiche Produktion von Waren und Erbringung von Dienstleistungen, hängt entscheidend von der optimalen Auswahl des handelnden Personals ab. Für gewinnorientierte Privatunternehmen kann das zu einer Überlebensfrage werden. Es sollte daher selbstverständlich sein, daß ausschließlich die Qualifikation der Bewerber für Stellenbesetzungen relevant ist. Doch die Bedeutung der fachlichen Eignung wird infolge des durch die Politik des Gender Mainstreamings ausgelösten Quotenfimmels immer weiter zurückgedrängt. Jüngstes Beispiel für die wirtschaftliche Autodestruktion in der Spätzeit des Wohlfahrtsstaates, ist die in Deutschland soeben beschlossene Frauenquote für Aufsichtsräte. Ab 2016 sollen, nach dem Willen der schwarzroten Großkoalitionäre, 30 Prozent aller derartigen Positionen für Frauen reserviert sein. Lang wird es wohl nicht dauern, bis Österreich in dieser Angelegenheit nachzieht.

 

Wären Talente, Meriten und Fertigkeiten zwischen den Geschlechtern gleich verteilt, würde daraus kein Problem erwachsen. Diese Voraussetzung ist indes nicht erfüllt. Wer untersucht, welche beruflichen Tätigkeiten Frauen mehrheitlich anstreben, wird feststellen, daß es erhebliche Abweichungen von den Zielen der Männer gibt – und zwar auf allen Qualifikationsebenen. Weibliche Pflichtschulabsolventen bevorzugen Lehrberufe wie Friseurin, Verkäuferin oder Bürokauffrau, während Burschen sich mehrheitlich technischen Berufen zuwenden. Frauen, die Straßen pflastern, Dächer decken oder am Hochofen stehen, sind daher rar. Auch bei Absolventen höherer Schulen und akademischer Studien klaffen die Präferenzen der Geschlechter deutlich auseinander: Streben Frauen häufig Karrieren in „weichen“ Berufen an, zieht es Männer eher in die „harte“ Welt wettbewerbsorientierter Sparten. Hier ist nicht der Platz, zu ergründen, warum es so ist.

 

Faktum ist, daß zum Beispiel die Zahl der Absolventinnen technischer Studienrichtungen weit geringer ist als jene der Absolventen. Das ist kein Problem, so lange der Staat sich nicht in privatrechtliche Vereinbarungen zwischen Arbeitgebern und -Nehmern einmischt. Frauen werden eben ihren Interessen folgen (in aller Regel also keine Karriere in der Rüstungsindustrie anstreben) und Männer den ihren – und eher nicht im Nagelstudio anheuern.

 

Probleme tauchen erst dann auf, wenn den Betrieben einseitig und willkürlich festgelegte Quoten oktroyiert werden, die nicht mit entsprechend ausgebildetem, weiblichem Personal besetzt werden können. Liegt der Anteil von Frauen mit bestimmten Schlüsselqualifikationen unter jenem der geforderten Anstellungsquote für solche (Führungs-)Aufgaben, geraten die betroffenen Branchen in Probleme. Es fällt übrigens auf, daß es bei Frauenquoten stets um saubere, gut bezahlte Positionen geht, niemals aber um Tätigkeiten im Bereich körperlich schwerer Drecksarbeiten, die großzügig und obligatorisch den Männern überlassen werden. Von Forderungen nach Frauenquoten in der Kanalbrigade, für Gerüstarbeiter oder Starkstrommonteure, wurde bislang jedenfalls nichts bekannt.

 

Zu den praktischen Konsequenzen des Quotenirrsinns, von denen die Mitglieder des Politbüros naturgemäß keine Ahnung haben, da sie die ungastlichen Niederungen des marktwirtschaftlichen Wettbewerbs im Regelfall nie kennengelernt haben: Die deutsche Industrie ist vom Maschinenbau und Automobilsektor geprägt. In der Motorenentwicklung oder in anderen für diese Branchen entscheidenden Schlüsselqualifikationen, sind aber Frauen kaum zu finden. Da der Anteil der in einschlägigen Berufen qualifizierten Frauen weit unter jenem der Männer liegt, werden suboptimale Personalbesetzungen die logische Folge sein.

 

Selbst Politschranzen, die ihr ganzes Leben in geschützten Werkstätten zugebracht und Intellektuellen, die ihre Elfenbeintürme nie verlassen haben, sollte einleuchten, daß es von Vorteil ist, wenn in der Privatwirtschaft tätige Führungskräfte vom Geschäftsgegenstand ihrer Dienstgeber etwas verstehen. Daran allerdings scheint keiner von ihnen auch nur einen Gedanken zu verschwenden…

 

Die zerstörerische Konsequenz von Frauenquoten wird sofort deutlich, wenn man den Blick nicht auf börsennotierte Großunternehmen, sondern auf kleine Betriebe richtet. Man stelle sich einen einfachen Handwerksbetrieb vor: Da macht sich etwa ein Schmiedemeister selbständig, investiert sein mühsam zusammengespartes Geld in seinen Betrieb (oder er verpfändet das Dach über seinem Kopf, um einen Bankkredit zu besichern), engagiert einige Leute und plötzlich schreibt der Staat ihm eine Frauenquote für seine Mitarbeiter vor. Da er die nicht mit qualifiziertem Personal besetzen kann (und das gilt nicht nur für Schmiede, sondern für Dutzende andere Handwerksgewerbe in gleicher Weise), muß er entweder schließen oder ungeeignete Kräfte anheuern, um dem Gesetz zu genügen.

 

Mag sein, daß die Auswirkungen von Quotenvorschriften bei Großbetrieben weniger dramatisch ausfallen, als das bei KMU der Fall wäre. Welche Konsequenz die Beschäftigung unqualifizierten Personals für die Produktivität eines Unternehmens hat, ist indes – ungeachtet seiner Größe – klar: Sie nimmt ab. Sei es, weil fachliche Nieten gehäuft Fehlentscheidungen treffen, oder weil Frauenquotenpositionen faktisch doppelt besetzt werden müssen – nämlich zusätzlich mit einem Mann, der weiß, worum es geht. Was das in Zeiten globalisierten Wettbewerbs zu bedeuten hat, dürfte auf der Hand liegen: Wer den Standort seines Unternehmens nicht längst ins Ausland verlegt hat, wo man ihn mit weniger anmaßenden Regulativen quält, verfügt jetzt über einen weiteren Grund, bei künftigen Investitionsentscheidungen einen großen Bogen um Deutschland zu machen.

 

Doch die ausschließliche Beschäftigung mit den wirtschaftlichen Konsequenzen von Quotenvorschriften greift zu kurz. Damit wird das dem Quotendenken innewohnende, entscheidende Problem nämlich gar nicht erfaßt. Dessen wichtigster Aspekt ist die rücksichtslose Mißachtung von Eigentümerrechten! Egal, wie groß ein in Privathand befindliches Unternehmen ist; Gleich, ob es sich um eine Personen- oder eine Kapitalgesellschaft handelt: Sie wird mit privaten Mitteln und auf privates Risiko betrieben. Es gibt daher keinen Grund, weshalb Staatsagenten, die weder etwas von der Unternehmensführung verstehen, noch am Unternehmensrisiko beteiligt sind, in betriebsinterne Entscheidungen – etwa in Fragen der Stellenbesetzung – eingreifen sollten.

 

Es geht um die Frage: Freiheit oder Zwang? Privat oder Staat? Es geht schlicht und ergreifend um einen weiteren Schritt zur Ausdehnung der politischen Macht zu Lasten der Bürger. Bewerkstelligt durch einen weiteren Anschlag auf das Privatrecht und die weitere Relativierung des Wertes privaten Eigentums.

 

Mit Quotenvorschriften ist daher nicht nur eine Beschädigung der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen verbunden, sondern – viel schlimmer noch – ein weiterer Anschlag auf die Freiheit. „Blühende Landschaften“ werden auf diese Weise weder entstehen noch bewahrt werden. Jedenfalls nicht in Deutschland…

Tagebuch

6 comments

  1. michelle

    wir leben leider in einer zeit der totalen vertrottelung, der quotenirrsinn gehört natürlich dazu.
    haben wir im grunde den linken rotgrünen vollidioten – und vor allem dem immer unbelehrbaren und irren(den) wahlvolk – zu verdanken. da wird sich demnächst nicht viel zum besseren ändern.

  2. Fragolin

    Vielleicht schenke ich meiner Frau zu Weihnachten einen Gutschein für eine systemisch-kunsttherapeutische Supervisionsfortbildung in psychologischer Gestaltungstherapie mit zertifizierter Anerkennung. Da hat sie was, da hat sie ihr Jodeldiplom.
    Und mit diesem Abschluss ist sie auf diesem Gebiet höchstqualifizierte Fachfrau, muss sich also nur noch um irgend einen der bald den Arbeitsmarkt überschwemmenden Vorständinnenposten bewerben und wir haben ausgesorgt.
    Waren das noch harte Zeiten, als Männer, die nichts arbeiten wollten, ihre Frauen auf den Straßenstrich geschickt haben. Heute…

  3. Mona Rieboldt

    Bei der jetzigen Quote geht es um ein paar Akademikerinnen, deren ganz persönliche Karriere gefördert wird. Da es gar nicht genug Frauen gibt für die einzelnen Aufsichtsräte, werden ein paar Frauen gleich in mehreren Aufsichtsräten sitzen.

    In den Ministerien selbst gibt es keine Frauenquote, da gibt es wesentlich mehr männliche Staatssekretäre. Aber der freien Wirtschaft Quoten auferlegen.

  4. Christian Weiss

    @ Mona Rieboldt
    Ich denke da liegen Sie richtig. Die Quotenregel ist ein bürokratisches Elitenprojekt der Extraklasse. Vergleichbar damit, wenn der Sonnenkönig unter seinen Hofschranzen eine Quotenregel eingeführt hätte. Anna-Normalbürgerin hat von solchen Quoten – abgesehen davon, dass sie wirtschaftlich schaden und darum auch für Anna schlecht sind – genau gar nichts.
    Dass es bei Quotenregeln um Steigbügelhalterei altfeministischer Seilschaften und nicht um die beliebte “Geschlechtergerechtigkeit” geht, erkennt man daran, dass keine Quoten für Eisenleger, Dachdecker, Grubenkumpel und Akkordmaurer gefordert werden.

  5. Mona Rieboldt

    @Christian Weiss
    Die Quotenregelung wird damit begründet, sie soll Vorbild für Frauen sein, was man als Frau erreichen kann, als hätten wir keine Bundeskanzlerin. Mit der Lebenswirklichkeit von 99% der Frauen hat das nichts zu tun.

    Richtig ist auch, dass besonders schmutzige und gefährliche Arbeiten immer Männer machen müssen. Es gibt auch keine Quote von Frauen bei Minen suchen.

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