Raus mit dem Saudi-Zentrum aus der Stadt!

(C.O.) Natürlich kann man angesichts der zahllosen Toten, die islamistischer Terror zwischen Frankreich, Nigeria, Syrien und dem Irak Tag für Tag fordert, eine saudi-arabische Propagandaplattform in Wien, notdürftig als “Dialogzentrum” getarnt, als eine der eher geringfügigen Sorgen dieses Planeten verstehen.

Man kann, aber man sollte nicht. Denn eine Republik, die für Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit steht und deren wichtigste Proponenten sich dieser Tage mit “Charlie Hebdo” solidarisieren, kann nicht, ohne jede Glaubwürdigkeit zu verlieren, zugleich Träger so einer Propagandaplattform sein, von der letztlich nur Saudi-Arabien und dessen Image profitieren. Ein Land also, das nicht nur all diese Freiheiten zutiefst verachtet und seiner Bevölkerung vorenthält, sondern dessen politische und ökonomische Eliten zu den Financiers des islamistischen Terrors zählen und ihre faschistoide Ideologie mittlerweile auch in den Balkan exportieren, eine Flugstunde von Wien entfernt.

Sollte die Regierung wirklich die sogenannte Arbeit dieses vermeintlichen Dialogzentrums noch ein halbes Jahr beobachten wollen, wie das Außenminister Sebastian Kurz ankündigte, wäre dies keine sehr glückliche Nicht-Entscheidung. In diesem halben Jahr drohen in Saudi-Arabien einem Blogger für das Verbrechen, von der Gleichberechtigung aller Religionen zu sprechen, trotz des jüngsten Strafaufschubes theoretisch noch 950 Peitschenhiebe. Österreich beobachtet derweil, ob das Saudi-Zentrum eh brav einen auf Dialog macht. Das ist nicht Charlie, das ist Herr Karl..

Es stimmt schon, dass aus rechtlichen Gründen nicht möglich ist, was nötig wäre, nämlich den Laden am Montagmorgen dichtzumachen. Durchaus möglich und wünschenswert wäre jedoch eine klare und eindeutige Absichtserklärung der Republik, das “Dialogzentrum” so schnell es rechtlich eben möglich ist abzuwickeln und von Stund’ an in keiner Form mehr zu unterstützen.

Dass dies vorerst unterblieb, dürfte nicht zuletzt dem verlogenen Verhältnis zu schulden sein, das nicht nur Österreich, sondern der ganze Westen gegenüber Saudi-Arabien und anderen Golf-Despotien pflegt. Dort ist ja, mal mehr, mal weniger, schon verwirklicht, woran der IS noch arbeitet: religionsgetriebene Diktaturen, in denen Menschenrechte ungefähr so viel wert sind wie eine leere Cola-Dose.

Dass der Westen diese Herrschaften trotzdem regelmäßig mit Glacehandschuhen angreift und auch gröbste Menschenrechtsverletzungen hinnimmt, ist natürlich jenen strategischen und energiepolitischen Interessen geschuldet, deren Kollateralschaden der unglückliche Blogger Raif Badawi und viele seiner Leidensgenossen wurden. Manchmal kann man verstehen, warum der radikale Islam den Westen für degeneriert, bar jeglicher Werte und deshalb nicht überlebensfähig hält. (WZ)

10 comments

  1. aneagle

    Das unaufgearbeitete Spindelegger-Erbe ist in seinem wirtschaftlichen aussen- und parteipolitischem Ausmaß (Hypo, Saudizentrum, NEOS) sogar für das wahrlich nicht zimperliche Österreich eine Schande. Ein Herkules, der das ausmistet ist auf weiter Flur nicht auszumachen. Die NEOSozialisten versuchen es erst gar nicht. Mit wem und wozu auch !
    Wenn Österreich dereinst sein wahrscheinlich einzigartiges Museum der politischen Fehlbesetzungen eröffnet, ist diesem Politiker ein Platz im Museumsolymp sicher.
    Aber noch wartet er auf seinen kongenialen Zwilling Novotny und genießt inzwischen den vom Steuerbürger großzügig zu Verfügung gestellten Lohn für seine Taten. (welche eigentlich?)

    Wie lange ist Mangel an politischer Verantwortung politisch korrekt? Den Begriff kennt und verwendet mittlerweile sogar Frau Mag. Nachbaur !
    Bin schon gespannt, wer sich am Saudi-Zentrum profilieren möchte, die sonst so humane Kirche ist es nämlich dezidiert nicht. Man wird doch einen populistische Erfolg nicht dem Wernele schenken wollen, da sei der Bundesheinzi davor. Verrückte Welt !

  2. Selbstdenker

    Wenn der Islamismus nichts mit dem Islam zu tun hat … dann könnte “möglicherweise” das Dialogzentrum nichts mit einem Dialog zu tun haben.

    Im nahen Ausland hörte ich im Autoradio ein dadaistisch anmutendes Radiointerview mit Faymann “…wenn sich herausstellt, dass das Dialogzentrum sinnlos ist … werden wir uns überlegen ob wir es weiterbetreiben wollen … weil wir nichts machen, was keinen Sinn macht … etc.”

    Noch bezeichnender als dieses Rumlavieren ist die Art und Weise wie Leichtgewichte ohne Legitimation, Verstand und persönlicher Haftung langfristige Verträge zum Schaden Dritter und ohne geregeltes Ausstiegsszenario abschließen.

    Wer profitiert? Die Tourismusregion Zell am See, hochpreisige “Begleit”-Agenturen in den Regionen Salzburg und Wien, eine ehemalige Ministerin mit einer Vorliebe für Brillen und Niquabs, eine Tiroler Künstlerin, die sich dem “künstlerischen” Reframing der öffentlichen Burka-Wahrnehmung widmet, etc.

  3. cmh

    Da Faymann dafür ist, kann es nur dumm sein.

    Wer die Absicht hinter dem Dialogzentrum nicht erkannt hat, sollte sich besser heimgeigen lassen. Was sollte es denn sonst sein?

    Der saudischerseits intendierte Zweck der Veranstaltung kann doch nur sein, die Kuffars mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, und es auch nur die, eine ehemalige Ministerin einer christlichen (!!!) Partei vorzuführen.

    Machen wir es doch anders: zwingen wir die dazu, sich kritisch gegen die manifest nicht friedlichen Auswüchse dieser latent nicht friedlichen Religion zu äußern.

  4. mannimmond

    Im Zusammenhang mit dem Abdullah-Zentrum ist auch ein Blick auf die Prioritäten der österreichischen “Zivilgesellschaft” aufschlussreich. Am vergangenen Freitag fanden in Wien zeitgleich zwei Demonstrationen statt:

    1. Gegen die Ausspeitschung eines Bloggers in SA (was wegen des unsäglichen Abdullah-Zentrums einen sehr direkten Wien-Bezug aufweist)
    2. Gegen das Hinauskomplimentieren eines lesbischen Pärchens aus einem Wiener Café.
    Demonstranten mussten also Prioritäten setzen.

    Und das kam dabei heraus: 2000 Demonstranten vor dem Café Prückel.
    In summa weniger als 200 vor der saudischen Botschaft und dem Abdullah-Zentrum

  5. cmh

    Die wurden nicht hinauskomplimentiert weil sie “Lesbisch” sind, sondern weil sie sich mehr als rüpelhaft benommen haben.

    Österreich steht für Schleim und schlechte ERziehung und nicht für den Mut zum aufrechten Gang oder etwa gar für ein intaktes Wertesystem.

  6. cmh

    @mannimmond
    Noch etwas wird dabei deutlich: das Ende des eigenen Horizontes!

    Dieser endet zumeist dort, wo das endet, wofür uns nach Aussage von Experten (hahahohohihi) die Frauen beneiden und bei diesen entsprechend früher. (Dass viele den vergleichsweise weiten Weg zum Luegerplatz auf sich genommen haben sollte da nicht täuschen.)

    Die sexuellen Vorlieben gehen die Allgemeinheit genauswenig an wie ob man den Kaffee mit oder ohne Milch trinkt. Die Allgemeinheit sollte daher aber auch nicht damit belästigt werden.

  7. Thomas F.

    Herr Abdullah kann soviele Dialogzentren in Österreich aufstellen, wie er will. Aber es sollten privatrechtliche Veranstaltungen sein und die Regierung nichts damit zu tun haben. Denn Religion geht einen sekulären Staat überhaupt nichts an. Es gibt keine Rechtfertigung warum eine Richterin das Privilleg einer Karenzierung bekommt um dort tätig zu sein.

  8. Ophicus

    Nur zur Erinnerung: Im Dialog-Zentrum wird niemand ausgepeitscht oder gesteinigt. Dass dort die Blödheiten, die in Saudi-Arabien passieren verharmlost werden, ist richtig. Das ist zwar dumm bis dreist, aber trotzdem nichts anderes als eine dumme und dreiste Meinungsäußerung. Das Zentrum jetzt also im Namen der Meinungsfreiheit dichtmachen zu wollen ist wieder ein Zeichen für unglaubliche Doppelmoral.
    Eine ganz andere Sache ist die Trägerschaft. Die Republik muss sich natürlich nicht als Träger und Mitzahler an einem solchen Zentrum beteiligen. Aber wenn die Republik sich daraus zurückzieht ist das was völlig anderes, als den Laden dicht zu machen.

    Der verlogene Umgang mit fragwürdigen Regimen weltweit ist ein ganz anderes Thema.

  9. Selbstdenker

    @Ophicus:
    Einspruch!

    Saudi Arabien und Katar exportieren zwar nicht offiziell den Jihadismus, sie liefern aber das Geld, die Infrastruktur und den “Dünger” um innerhalb und außerhalb der muslimischen Länder eine ultra-konservative Form des Islam zu installieren.

    Einem Land, in welchem es weder Meinungs- noch Religionsfreiheit gibt, im Namen dieser Grundfreiheiten eine Propaganda-Plattform mit österreichischer Kofinanzierung zu bieten, hat schon was. Als nächstes malen wir uns gleich ein großes “D” – wie Depp (die Saudis werden es als “Dhimmi” lesen) – auf die Stirn, damit es auch die Dümmsten begreifen.

    Warum errichten die Wiener nicht gleich auf Kosten aller Österreicher ein vom Iran und Nordkorea betriebens Nuklearforschungszentrum?

    @mannimmond:
    Den Headcount bei solchen Demonstrationen würde ich nicht unbedingt mit den Prioritäten der Zivilgesellschaft verwechseln. Es deutet vielmehr auf das Vorhandensein mehr oder weniger schlagkräftiger Organisationen und deren finanzieller Ausstattung hin.

  10. Ophicus

    @ Selbstdenker:
    Und? Hab ich jemals etwas anderes behauptet? Ich habe absolut nichts dagegen, wenn man gegen deren Finanzierung oder sonstige Unterstützung von Terror vorgeht.
    Aber das Dialogzentrum will Herr Ortner ja nicht zusperren, weil es an solchen Machenschaften beteiligt ist, sondern weil es eine “Propagandaplattform” ist, also Meinungen verbreitet.
    Selbst wenn ein Land hochoffiziell den Islamismus verbreitet bedeutet Meinungsfreiheit, dass jeder Mensch frei sagen darf, dass er das gut findet. So wie ihm auch jeder andere frei darauf antworten darf, dass er ein Idiot ist.
    Meinungsfreiheit ist kein Wunschkonzert!

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