Rot-Schwarze Trümmerlandschaften

(JÜRGEN POCK) Der Rauch um die Wahlschlacht hat sich noch lange nicht verzogen, die Altparteienlandschaft liegt in Trümmern, schon formieren sich die rot-schwarzen Überreste in der Manier unbeirrt motivierter Reformpartner. Das Pressefoyer nach dem Ministerrat verwandelt sich zur Bühne für das gewohnt trostlose Verliererstück. Dieselbe Inszenierung wird nach begangenen Wahlpleiten immer wieder zur Aufführung gebracht, dieselbe Diktion, dieselben Beteuerungen. Die beiden Exponenten der Regierung, Kanzler Faymann und Vizekanzler Mitterlehner, treten vor die Pulte und spulen ihr einsouffliertes Phrasenpogramm ab. Man ist versucht zu denken, dass dieser totale politische Niedergang der rot-schwarzen Reichshälften, zumindest eine Spur von aufrichtiger Selbstreflexion mit sich bringen könnte. Weit gefehlt!
Die beiden Realitätsverweigerer geben sich im letzten Akt ihres Trauerspiels nicht geschlagen, sie zeigen keine Spur von Reue, nein, sie negieren einfach die Wirklichkeit. Der Kanzler, staatstragende Gebärden simulierend, schwankt zwischen lächerlich anmutender Autorität und Phrasendrescherei. „Wir nehmen die deutliche Warnung der Bevölkerung nach dem ersten Durchgang zur Bundespräsidentenwahl ernst“, betont er bekanntlich entrückt und fügt hinzu, dass die Regierung ja immerhin „fürs Arbeiten gewählt wurde“. Kurz: Faymann der Falschmünzer führt seinen Kurs der Ignoranz fort.
Hochmütig bagatellisiert er die historische SPÖ-Blamage und wähnt sich wahrhaftig in der Lage, von einer Warnung zu sprechen, wo sich die Sozialdemokratie doch nach dem politischen Kahlhieb längst in Luft auflöst. In den Augen Faymanns und seiner Partei ist die Wählerschaft nun gefragt, denn in Zeiten komplexer Herausforderungen scheint sie eindeutig überfordert. Das Volk muss nach akuter politischer Fehleinschätzung nun endlich den Arbeitswillen der Regierung erkennen, den Grund also, wofür sie einst gewählt wurde. In realiter wurde Faymann samt Partei abgewählt, mittlerweile stürzen ihn sogar seine Genossen auf offener Bühne. Unbeeindruckt vom Widerstand und vom Impetus beseelt, das Volk weiterhin mit der Sinnlosigkeit sozialistischer Politik zu geißeln, beruft sich der Wackelkanzler auf leere Placebomaßnahmen in puncto Arbeit und Asyl.
Der scharfsinnige Koalitionspartner, ehemals Volkspartei, führt „einen Teil der Unzufriedenheit“ darauf zurück, dass „die Regierung untereinander relativ viel an Auseinandersetzung liefert“. Laut Vizekanzler Mitterlehner möchte man mit Hilfe einer Neuausrichtung der Politikverdrossenheit entgegenwirken. Den Grund der Unzufriedenheit, basierend auf der eigenen Unfähigkeit zu regieren, spart er geflissentlich aus. Die Tatsache, dass nicht das verblendete Volk oder die misslungene Meinungsforschung Schuld am Wahldebakel trägt, sondern das unsägliche SPÖ-ÖVP-Gespann, das sich Regierung schimpft. Darüber täuscht auch die putzig präsentierte Einigung zum neuen Kindergeld-Konto im Ministerrat nicht hinweg.
Als Regierung dürfe man nicht das Unmögliche versprechen, sondern müsse das Mögliche tun, gibt sich die Koalition einig. Wahrhaftig! Man hat sich redlich bemüht, den Staat gemeinsam an den Rand des Abgrundes zu führen, man hat auch das Möglichste getan, um die unzähligen Warnschüsse der Bevölkerung bewusst zu ignorieren. Getreu dem Motto: Zögern, wegducken, aussitzen.
Und nun? Wo der Untergang besiegelt ist, üben sich die sonst so reglosen Regierungsparteien, gedemütigt und verzweifelt, beim Weiterwursteln in Konformität. Im würdelos vorgetragenen Überlebenskampf stützt man sich einzig auf das traditionelle Motiv des pathologisch betriebenen Proporzes

5 comments

  1. Der Realist

    denke ich an diese Politikerdarsteller (“Der Kanzler, staatstragende Gebärden simulierend, schwankt zwischen lächerlich anmutender Autorität und Phrasendrescherei” – sehr gut analysiert), fällt mir ein Lied von Arik Brauer ein.

  2. Reini

    … schön mit anzusehen wie sie sich selber untereinander in die Goschn hauen! 🙂

  3. Christian Peter

    Besonders pikant : Urplötzlich sehen sich die beiden korrupten Altparteien ÖVP/SPÖ angesichts des Ergebnisses der BP – Wahl gezwungen, einen politischen Kurswechsel in Sachen TTIP zu vollziehen. Sonst hätten sie es gemacht, wie in den vergangenen Jahrzehnten (EU – Beitritt, Beitritt zur Währungsunion, Vertrag von Lissabon, u.a.) : Die heimische Bevölkerung wird belogen, betrogen und für dumm verkauft.

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