Rote Flecken für 200 Millionen

(ANDREAS UNTERBERGER) Was steckt hinter dem Spruch zweier Schweizer Gerichte, dass die Bank Austria für den Schaden haftet, der nach den Geldschiebereien der dubiosen Geschäftsfrau Rudolfine Steindling zurückgeblieben ist?

Nun, einen Hintergrund haben wir im Grund alle gewusst: Die Zeiten des real existierenden Sozialismus haben auch ökonomisch viele düstere Geheimnisse und Netzwerke gehabt. Die östlichen Kommunisten haben so manche Ausbeutung der ihnen Unterworfenen (einschließlich brutalster Zwangsarbeit) dazu benutzt, um internationale Vermögen zur Verfügung der Bonzen anzuhäufen. Dabei hat das so neutrale Österreich sehr oft eine diskrete und keineswegs saubere Rolle gespielt. Diese Rolle kann man am besten mit „gezieltes Wegschauen“ umschreiben.

Auch die Verbindungen zwischen der DDR und dem Linksextremismus im Westen sind inzwischen da und dort schon offenkundig geworden. Die inzwischen verstorbene Steindling, über die viele DDR-Sauereien gelaufen sind, war eine bekannte Geberin von (eigenem oder fremdem?) Geld für Österreichs Kommunisten. Die Mörder aus der Baader-Meinhof-Bande sind von der DDR finanziell unterstützt worden. Und sie haben im Arbeiter- und Bauernstaat auch immer wieder ein ungefährdetes Rückzugsgebiet gehabt, aus dem sie dann zu neuen Verbrechen in den Westen aufgebrochen sind.

Intensiv aufklärungsbedürftig wären aber auch die engen Verbindungen von Länderbank und Zentralsparkasse mit diesem Filz. Dass da jetzt die Bank Austria für den entstandenen Schaden haftet, zeigt ja nur die Oberfläche der Affäre. Dahinter steckt nach den Erkenntnissen der Schweizer Gerichte insbesondere die Tatsache, dass die damaligen Vorläufer der heutigen Bank Austria einseitig mit Steindling und KPÖ kollaboriert haben. Und sie taten dies offensichtlich bewusst gegen die Interessen der Bundesrepublik, die ja zum Zeitpunkt, da das Geld verschwunden ist, schon eindeutige Rechtsnachfolgerin der DDR gewesen ist.

Welche tieferen Querverbindungen gibt es da? Immerhin waren ja Länderbank und Zentralsparkasse komplett unter Kontrolle der SPÖ gestanden, die sich auch unter der 1991 erfolgenden Fusion zur Bank Austria nahtlos fortsetzte und erst in diesem Jahrtausend langsam auflöste. Zu dieser rein parteipolitischen Geschichte der 90er gehört ja auch, dass von Viktor Klima dann der Bank Austria die Creditanstalt mit all ihren stillen Reserven zugespielt worden ist. Dennoch musste die überpolitisierte Megabank dann zuerst Richtung Deutschland und von dort aus Richtung Italien verkauft werden.

Offenbar haben in diesem roten Sumpf Anfang der 90er Jahre auch in der Bank Austria manche lieber mit der KPÖ (oder Frau Steindling?) kooperiert als mit der Bundesrepublik. Wir werden es wohl nie im Detail erfahren. Denn die wirklichen Sauereien der Nachkriegsrepublik sind so fest unter den Teppich gekehrt, dass sie wohl niemand mehr da herausbringt. Die Zunft der Historiker befasst sich weiterhin lieber mit der – für sie offenbar überraschenden, sonst aber allgemein bekannten – Tatsache, dass die Philharmoniker auch unter den Nazis heftig und wunderschön aufgespielt, ebenso wunderschön spielende Juden verjagt und mit den Nazis innig getechtelt haben.

Der heutigen Bank Austria ist nur ein Vorwurf zu machen: dass sie nicht von sich aus die eigenen roten Flecken der Vergangenheit intensiv untersuchen lässt. Aber dazu sitzen wohl in den mittleren Rängen noch zu viele Altgenossen aus jenen Jahren, als dass diese Vergangenheit bewältigt werden könnte.

PS.: Gäbe es nicht so viele Bank-Austria-Inserate in allen Zeitungen, würden wir übrigens auch viel mehr Recherche-Energie rund um ein anderes Thema lesen und hören: nämlich rund um die – sagen wir freundlich: etwas nachlässige – Kontrolle der Bank in Hinblick auf jene Gelder, die mit ihrer Hilfe zum Megabetrüger Madoff geflossen und dort verschwunden sind. Aber auch in dieser Frage gibt es zum Glück wenigstens noch recht hartnäckige Gerichte. (Tagebuch)

2 comments

  1. Rado

    Habe mich schon lange gefragt, was Franz Vraitzky 1990 bei Egon Krenz wollte. Vranitzky war der letzte Staatsbesucher der DDR, nur wenige Wochen vor dem Ende. Über die gute alte Zeit werden die beiden wohl nicht nur geplaudert haben.

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