Roter Wunsch & rote Wirklichkeit

Von | 12. Januar 2017

(JÜRGEN POCK) Da trafen sie sich also in der Welser Messehalle, die leidgeprüften Genossen und harrten gespannt auf ihren Herren im Maßanzug, den SPÖ-Zeremonienmeister Kern. Als Austragungsort für die einstudierte One-Man-Show diente just jene Arbeiterstadt, welche die Sozialdemokraten so lange für sich beanspruchten, die sich jedoch seit Herbst 2015 als blaue Musterstadt zeigt. Die örtliche Pseudo-Symbolik sollte demnach Selbstbewusstsein ausstrahlen, ausgefeilte Inszenierungstechniken sollten die sozialistischen Botschaften erlebbar machen. Die Parteiprominenz unterstützte artig den Auftritt ihres Chefs, einzig der mit internen Personalstreitigkeiten beschäftigte Wiener Bürgermeister blieb der Veranstaltung fern und beschäftigte sich dann doch lieber mit seinen skandalösen Stadträtinnen.
Alle im Saal waren bereit für den theatralischen Auftritt des SPÖ-Vorsitzenden, der, von Lichteffekten, Elvis-Klängen und Szenenapplaus begleitetet, das Podest bestieg und in demutsvoller Gestik sein Publikum begrüßte. Kurz und gut: Jubel, Trubel, Heiterkeit. Kern begann seine Rede mit dem künstlichen Versuch, eine Art Aufbruchsstimmung zu erzeugen und den Beobachtern ein Gefühl von innerparteilicher Selbstreflexion zu vermitteln. Die Partei wisse durchaus um ihre krachende Niederlage, siehe auch Wels, sie erkenne auch den zunehmenden Wählerschwund, aber hallo, immerhin entschieden sich die Welser trotz FPÖ-Bürgermeister mehrheitlich für Van der Bellen als Bundespräsidenten. Die SPÖ-Zukunft ist ja doch nicht so düster, wie sie scheint. Schönredner Kern fand folglich schnell zur Ablenkung von der eigenen Kraftlosigkeit, er bediente sich einer Methode, die sich die Sozialdemokratie seit ihrem kontinuierlichen Niedergang immer wieder aufs Neue verordnet. Leider vergaß der Parteichef dabei, dass diese inflationäre Anwendung schlichtweg nur den Mut der Verzweiflung ausdrückt.
Langsam und bedacht erzählte der Kanzler fortan von seinen Ideen für Österreich. Das Motto des Abends fügte sich in die redundanten, allzu oft gepredigten Floskeln der Vergangenheit: „Zeit, die Dinge neu zu ordnen“. Eines kann man der SPÖ nicht absprechen: An genügend Zeit für diverse Kurskorrekturen hat es der etablierten Regierungspartei wohl kaum gemangelt. Trotzdem blieb der jetzt erneut als Heilrezept verschriebene Wandel bis dato aus, getauscht wurden hin und wieder die Gesichter, während das universelle Scheitern durch die ideologische Verblendung nur beschleunigt wurde.
So nahm der Wahnsinn, der Methode hat, auch an diesem Abend seinen Lauf. Umverteilungsfantasien, Neubesteuerungseuphorie, Regulierungswut und das Bedürfnis nach weiterer Schuldenausweitung, waren zentrale Punkte. Hervorgehoben sei insbesondere die wiedergekäute Forderung nach Mindestlohn und die damit verbundene Sehnsucht nach noch mehr Staatsintervention. Der mündige Bürger, der eigenverantwortlich seinen Weg beschreitet und sich eben nicht auf die Gunst des Staates verlässt, um diverse Lebenslasten meistern zu können, hat die Sozialisten noch nie interessiert. Aber solange Kern verpflichtende Flüchtlingsquoten für große Unternehmen sowie eine 40-Prozent-Frauen-Quote für Aufsichtsräte und Leitungsfunktionen in der Privatwirtschaft verlangt und sich auch noch um Gratis-Tablets in den Schulen kümmert, klatschen die Parteigenossen im Takt.
Das Skript des Kanzlers stammte zwar aus der großen sozialistischen Schatzkiste überlieferter Allgemeinplätze, ist jedoch bloß ein Ausdruck davon, dass die Partei mit ihrem Erbe nicht viel anfangen konnte und es längst verjubelt hat. Wenn der Theaternebel verzogen ist und die nächsten katastrophalen Wahlresultate in die rote Parteizentrale flattern, wird die tiefe Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit längst unüberbrückbar sein.

17 Gedanken zu „Roter Wunsch & rote Wirklichkeit

  1. waldsee

    regulierungswut,schuldenausweitung sind die kern-sätze.
    vermisst habe ich den hinweis auf die reiche sau,die das alles bezahlen soll.sie wird nie gelobt und bedankt.

  2. Thomas Holzer

    Der Sozialismus hat sich, ist genauso überholt wie z.B. die Sklaverei!
    Wer würde es in diesen Zeiten noch wagen, nach “einer Sklaverei mit menschlichem Antlitz” zu rufen?!

  3. raindancer

    aus dem Programm
    Programm der SPÖ:
    “Mit der Beschäftigungsgarantie wollen wir
    jedem älteren Arbeitslosen spätestens nach
    einem Jahr Arbeitslosigkeit einen kollektivvertraglich
    entlohnten Arbeitsplatz anbieten.
    Eine notwendige, wenn auch sehr
    ambitionierte Säule des Programms, das
    wir mit den kompetenten PartnerInnen des
    AMS jedoch verlässlich zur Umsetzung
    bringen können und werden. Dazu schaffen
    wir 40.000 zusätzliche Arbeitsplätze dort,
    wo sie benötigt werden: in der Pflege, in der
    Altenbetreuung, beim Ausbau der kommunalen
    Infrastruktur und in der eigenen Gemeinde.”

    Und was bedeutet das, der arbeitslose 50jährige Maurer muss in die Altenpflege zwangsweise, sonst Streichung des AMS Geldes?
    Man sollte da genauer nachfragen.

  4. raindancer

    aus dem Programm
    “Große Unternehmen sollen sich verpflichten, Asylberechtigte aufzunehmen. „Qualifizierungsprogramme und eine 80-Prozent-Deckung des Gehalts für das erste Jahr werden von staatlicher Seite zur Verfügung gestellt.“

    Dh Österreicher werden nachgereiht….Inländer Diskriminierung. Ein Unternehmer wird wohl eher jemand nehmen, wo er ein Jahr 80% des Gehalts subventioniert bekommt.

  5. raindancer

    aus dem Programm
    Führerschein gratis Lehrlinge sollen die Möglichkeit haben, im Rahmen der Berufsschule kostenlos den Führerschein zu machen.

    Warum keine Maturanten zb? Auch hier gibt es Familien, die knapp bei Kasse sind.
    Seltsame Logik

  6. Johannes

    Mir ist es es egal wie raffiniert, zeitgeistig in Form einer Apple Präsentation die neue SPÖ ihre Position darlegt. Für mich ist das wichtig was ich in den kommenden Wochen und Monaten an tatsächlichen Fakten zu spüren bekommen werde.
    Wird wieder alles beim Alten bleiben und ich von hochgedienten Funktionären und innen belehrt werden was ich zu denken und wie ich mich zu artikulieren habe, Stichwort gendern, wird weiterhin die Umschreibung unserer Hymne, das Umbenennen von Straßen, das Verbrüdern von sozialistischen Politikern und ihren Künstlern im Seitenblickeformat mit Bussi, Bussi und gegenseitiger Beweihräucherung das sein was ich an Bürgernähe wahrnehme?

    Ist der reiche Erbe der zum Aderlaß gebeten wird der Mann im mittleren Alter der seit seinem 16 Lebensjahr am Aufbau des elterlichen Betriebes von morgens bis abends mitgearbeitet hat und nun dafür das er den Betrieb mit etlichen Angestellten weiterzuführen bereit ist mit einer Erbschaftssteuer bestraft wird?

    Ist die SPÖ endlich bereit Leistungsträger nicht als Ausbeuter sondern als wichtige Arbeitgeber zu sehen?
    Ist die AK und Gewerkschaft bereit private Arbeitgeber nicht als Klassenfeinde und Eier legende Wollmilchsäue zu betrachten, die mit unsinnigsten Forderungen und Auflagen zur Aufgabe gezwungen werden ?
    Ist die SPÖ bereit sich der Realität einer überbordenden Einwanderung mit allen ihren Kosten bewußt zu werden? (Kern zeigte Ansätze dafür, bestimmte Genossen schlafwandeln in dieser Frage noch gefährlich nahe am Abgrund der Unfinanzierbarkeit und der demographischen Selbstzerstörung.)

    Ob man sich diesen und vielen, sehr vielen anderen brennenden Fragen in einer schnellen effizienten, lösungsorientierten Art und Weise stellt wird entscheiden wie es mit der SPÖ weitergeht.

  7. Wanderer

    Marc-Uwe Kling: “Wer hat uns verraten?”…Das Lied sagt mehr als 1000 Worte.

  8. raindancer

    @Wanderer das trifft mit diesem Programm der SPÖ wohl mehr zu als je zuvor…wer sich das genau durchliest ..sieht darin einen ÖVP SPÖ Allianz …und für Arbeiter und Angestellte wirds noch katastrophaler

  9. raindancer

    @stiller Mitleser
    es steht nirgends wie hoch der Zoll sein soll ..ich tippe auf 10 Euro

  10. Weninger

    @Wanderer
    EIgentlich ist das ja ein Spruch der Kommunisten, aber wie Sie wollen …Bei Zitaten sollte man schon den hsitorischen Kontext beachten, und sie nihct nach Belieben einbauen. Es ging darum , dass die angeblich verratenden Spzialdemokraten den Krieg Wilhelms gegen Frankreich und GB 1914 mitgetragen haben.

  11. Lisa

    @Weninger: aber es reimt sich so schön… (wenn übrignes die sog. Linksparteien cniht so zerstritten gewesen wären, hätte auch die braune Prartei damals keine Mehrheit bekommen…
    Auch ein schöner Spruch: Rechts sitzt der Geiz, links sitzt der Neid… Und beiden gemeinsam ist die Habgier…

  12. Weninger

    Nun, zerstritten untereinander waren immer auch die rechten und bürgerlichen Bewegungen. Da ist nicht viel Unterschied zu links. Wenn man hier überhaupt eine klare Trennlinie ziehen will. Die FPÖ ist heute in vielen Fragen linker als die SPÖ, aber eben auch weil sie in der Opposition ist.

  13. Gerald Steinbach

    Statt einer Mietbegrenzung wäre es sinnvoll eine Pensionsdeckelung im öffentlichen Bereich durchzusetzen, aber wenn dann die eigenen Genossen betroffen sind, ist es mit der Fairness nicht weit her
    Mietbegrenzungen haben nur zur Folge das sich der private Wohnbausektor weiter zurückzieht und dadurch weniger Wohnungen gebaut werden und der Markt drauf reagieren wird und des Wohnungsbau den öffentlichen Bereich zu überlassen kann man getrost als Drohung gegenüber den Steuerzahler auffassen
    Fairness und Gerechtigkeit …Fehlanzeige!!

  14. buerger2015

    40.000 neue arbeitsplätze im staatsdienst – wie wäre es mit umschulungen. da müßten schreibtischtäter einmal zupacken. neue arbeitsplätze schafft man mit steuersenkungen, unbürokratischen betriebsansiedlungen und unterstützung dabei usw. hat er aber nicht gelernt als publikationswissenschaftler – als bk also inkompetent – wiedereinmal.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.