Rotes Wien: Wer sich muckt, der wird zerdruckt….

(ANDREAS UNTERBERGER) Gute Ärzte sind Mangelware. Auf Grund der schlechten Bezahlung von Jungärzten in Österreich sind hierzulande teuer ausgebildete Mediziner in Heerscharen ins Ausland abgewandert. Aber dennoch ist es jetzt in der Stadt Wien zu einem neuen Skandal gekommen: Ein Arzt, der sich gewerkschaftlich betätigt, ist gefeuert worden. Das zeigt: Der Terror in der Gemeinde Wien wird immer schlimmer. Das System zeigt immer mehr Eigenschaften, die es als totalitär qualifizieren.

Der Hinauswurf von Menschen, weil sie sich betriebsrätlich oder gewerkschaftlich betätigen, kommt nur noch ganz selten bei ganz brutalen Unternehmern vor. Und wenn er einmal passiert, rollt dagegen sofort eine breitangelegte Kampagne der gesamten Sozialdemokratie und Gewerkschaft an. Wenn jedoch die Gemeinde Wien der Arbeitgeber ist, und wenn die gewerkschaftliche Betätigung bei einer freien Ärztegewerkschaft stattfindet, die nicht zum ÖGB gehört, dann werden die Genossen plötzlich selbst zu den allerbrutalsten Arbeitgebern.

Das ist dann doppelt ungeheuerlich, wenn der Gefeuerte noch dazu einem absoluten Mangelberuf angehört, wenn er eine besondere Spezialausbildung aufweist und wenn er auch eine exzellente Beschreibung im Dienstzeugnis hat.

Es geht um den Obmann der Ärztegewerkschaft Asklepios (angeblich 1800 Mitglieder), Gernot Rainer. Sein befristeter Vertrag im Otto-Wagner-Spital wurde ungewöhnlicherweise nicht verlängert, obwohl sein Abteilungsvorstand zuvor den Antrag auf eine Dauerbeschäftigung gestellt hat.

Besonders grauslicher Aspekt der Affäre: Ärztliche Leiterin des Spitals ist niemand anderer als Barbara Hörnlein, die Frau von Bürgermeister Häupl. Wobei ja schon die Tatsache ihrer Beschäftigung im Machtbereich Häupls ein Skandal an sich ist. Und ihr gerüchteweise bevorstehendes Avancement an die Spitze des KAV, also des Verbundes der Wiener Gemeindespitäler, wäre gleich ein weiterer.

In anderen Ländern wäre jedenfalls beides absolut unzulässig. Sobald etwa in den USA eine Beziehung oder gar eine Eheschließung in einem Unternehmen bekannt wird, muss umgehend einer der beiden Partner die Firma verlassen. Das ist bei hierarchischen Situationen extrem sinnvoll. Und es kann ja gar keine Frage sein, dass es zwischen Bürgermeister und allen KAV-Amtsträgern eine solche Hierarchie gibt. Auch wenn pro forma der Bürgermeister sicher keine Weisung ans Otto-Wagner-Spital gibt. Dazu hat man ja eine Stadträtin (ja genau: Wehsely heißt sie) und eine KAV-Direktion.

Der KAV teilte anfragenden Journalisten nur schnippisch mit, dass er keine Auskünfte zu dem Fall gebe. Der Arzt selber sagt, dass ihm gegenüber der Hinauswurf schriftlich damit begründet worden ist, dass ihm eine „Identifikation mit den Gesamtinteressen der Stadt Wien“ fehle.

Also, wir lernen: Im Häupl-Wien ist es nicht entscheidend, ob ein Arzt ein guter Arzt ist, ob er sich gut um Patienten kümmert, ob er wissenschaftlich up to date ist, sondern ob er sich mit den „Gesamtinteressen“ der rotgrünen Stadt identifiziert. Wobei allein schon das verräterische Wort „Gesamtinteressen“ die Bezeichnung „totalitär“ rechtfertigt. Denn es macht klar: Damit sind auch (oder nur?) die Interessen der beiden Machtparteien gemeint. Und zum zentralen Interesse der einen Machtpartei zählt auch der ÖGB, zählt dessen Monopol gegenüber jeder Konkurrenz.

Bei SPÖ wie ÖGB ist Feuer am Dach, wenn nun eine frische Konkurrenzgewerkschaft den – gegenüber roten Arbeitgebern ja immer extrem zahmen – ÖGB herausfordert. Da geht es für sie um den Kern der Macht. Da geniert man sich nicht, brutale Methoden anzuwenden.

Die Wiener haben freilich gelernt, wie dieses Verhalten im dialektischen Neusprech der Machthaber zu bezeichnen ist: als „Haltung“.

Wenn man Haltung hat, da ist es auch nicht mehr wichtig, ob man genug Ärzte für eine gute Versorgung der Patienten hat . . .  (TB)

18 comments

  1. Herr Superg'scheit

    Niemals vergessen! Die Wiener fühlen sich mehrheitlich pudelwohl in diesem System und wählen links und wieder links und wieder links…

  2. Fragolin

    Es ist nicht Aufgabe eines Arztes, die “Gesamtinteressen der Stadt” zu vertreten – abgesehen davon, dass diese Formulierung ein solch hirnerweichender bullshit ist, dass es im Ohr weh tut, sowas laut auszusprechen. Die Aufgabe eines Arztes besteht darin, seine Patienten zu heilen und deren Wohlbefinden wiederherzustellen. An diesem Punkt kann man dem Arzt keinerlei Vorwurf machen.
    Somit liegt ein ganz klarer und eindeutiger Fall von politisch motiviertem Handeln vor, man feuert einen Arzt wegen der Inkompatibilität seiner politischen Ansichten mit denen seiner Chefetage. Rechtlich sicher eine Grauzone, weil man ja das “Diskriminierungs”-Blabla in den entsprechenden Gesetzen so schwammig formuliert hat, dass man zwar jeden Günstling reinwaschen, aber jeden Gegner damit ans Kreuz nageln kann. Moralisch eine verheerende Optik, aber um Moral kümmern sich Linke grundsätzlich nie, denn diese ist immer auf ihrer Seite, egal was sie tun. Und egal ob es um Luxus-Immobilien zum Schleuderpreis für Freunderln geht oder um Amtsmissbrauch in einem aggressiven und brutalen Feldzug gegen Andersdenkende im Nahbereich. Die Partei, die Partei, die hat immer recht…
    Man kann es eigentlich nur so ausdrücken: Willkommen am Nordbalkan! Und schöne Grüße vom Genossen Stalin. Vergesst nicht, mal wieder ein paar rote Nelken an sein Ehrenmal zu legen…

  3. Markus Eckhart

    Perfekt auf den Punkt gebracht Herr Unterberger , man gewinnt immer mehr den Eindruck ,Wien wird von einen feudal Fürsten regiert, alle wichtigen Stellen sind mit vertrauten Personen besetzt . Aber wie sagt der werte Herr doch immer , ich lasse mir mein Wien nicht schlecht reden , besser klingt da schon , Wien ist anders ,ganz anders inzwischen ,der positiv gemeinte Spruch an allen Einfahrtsstrassen Wien´s wurde ins Gegenteil verkehrt.

  4. Fragolin

    @Markus Eckhart
    Das Parteiensystem IST ein Feudalsystem, und wenn ein Parteihaus dauerhaft die Absolute hat bilden sich absolutistische Strukturen in Nullkommanix heraus.
    Die Formulierung “mein Wien” ist kein Zufall, sondern sehr wohl Besitzanspruch.

  5. Bernard Martin

    Zum Thema Rotes Wien und Spitalswesen … bei den Semmelweis-Gründen sollte man auch noch nachbohren http://wien.orf.at/news/stories/2757578/
    “Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) sei dafür persönlich nach Singapur geflogen. Es soll Dokumente aus europäischen Geheimdienstkreisen geben, in denen Chandler Geldwäsche in großem Stil vorgeworfen wird, mit Schwarzgeld von russischen Oligarchen.”

  6. Reini

    … wenn die Vorherrschaft zu Enden droht, wird dies grausam und mit allen Mitteln versucht an der Macht zu bleiben! … man will es in seiner Selbstüberzeugung nicht wahrhaben das man verliert!!! … und so mehr man dagegen steuert, umso tiefer fällt man, und da scheinen einige sehr viel Angst zu haben, es könnte die Futterquelle versiegen!

  7. Falke

    Die “Gesamtinteressen der Stadt” vertreten sollten (ich betone: sollten!) Politiker, nicht Ärzte. Und wenn Politiker einen Arzt, seine ureigenste Aufgabe gut erledigt, aus seiner Position entfernen, haben gerade diese Politiker gegen die Gesamtinteressen der Stadt verstoßen.

  8. aneagle

    …fehlende Identifikation mit den Gesamtinteressen der Stadt Wien-
    mit diesem Kriterium könnte höchstens die Wiener Bürgerschaft den Versuch unternehmen, Herrn Häupl als Bürgermeister loszuwerden. Und sogar das würde richtigerweise, mit einem Hinweis auf die nächsten Wahlen, scheitern.
    Für den Arbeitsvertrag eines Arztes mit einem Spital ist es ein wenig geeignetes, in jedem Fall nachrangiges Bewertungskriterium. Den vorrangigen Kriterien ist der Vorrang zu geben.

    In Deutschland würde Herr Dr.Gernot Rainer zum Arbeitsgericht gehen und aller Wahrscheinlichkeit nach obsiegen. Auch die jeweilige Ärztekammer, so sie ihren Namen verdient, müsste sich des Kollegen annehmen und wird dies, angesichts des fast sicheren billigen Imagegewinnes, auch tun.
    Aber soweit würde es gar nicht erst kommen. Die inkriminierte Stadt ist, möchte sie aus den Schlagzeilen unbeschadet herauskommen, in der Defensive. Zumal sich in Deutschland die 4. Gewalt im Staate, öffentlich bundespolitisch kastriert, geradezu lustvoll in regionalen Erregungsszenen wälzt. Eine einvernehmliche Rücknahme der “unbedachten” Handlung ohne Gerichtsurteil wäre sogar unter Berücksichtigung der Unbequemlichkeit des “Delinquenten” ein Gewinn. Nicht zuletzt für die Patienten.

  9. Thomas Holzer

    @Herr Super’gscheit
    Es gibt halt auf der rechten Seite leider kein Angebot!
    Es buhlen ja nur Sozialisten, Etatisten und Opportunisten um die Stimmen

  10. Christian Peter

    ‘Aufgrund der schlechten Bezahlung der Jungärzte..’

    Unsinn, in keinem Land der Erde verdienen Ärzte mehr als in Österreich – mit Ausnahme der USA.

  11. Christian Weiss

    Die Gesinnung geht über die Kompetenz. Klingt irgendwie wie Ostberlin 1949 bis 1989. Bemerkenswert, dass es das in Wien 2016 auch gibt.

    Aber so ist er, der Sozialdemokrat: Er kann tagein tagaus nicht genug “Transparenz”, “Offenlegung der Finanzierung” und ähnliches von sich geben. Aber wenn es um die eigenen Seilschaften geht, dann kann man nicht genug klüngeln.

  12. Gerald Steinbach

    Thomas Kurier link@
    “”Das ist ein gelungenes Projekt”, sagt MA 69-Chefin Marion Winkler. Ein Bieterverfahren wäre nicht zielführend gewesen, der Preis sei für das Jahr 2012 üblich gewesen. Das habe auch ein externer Gutachter bestätigt.””
    ——————–
    Ein(“”externer”) Gutachter der auf den selben Areal ein Zinshaus um 500.000€ geschenkt bekommt, hat dieser auch frei und unabhängig gutachten können, wahrscheinlich war dies der Haus und Hof Gutachter der Gemeinde Wien!
    Meine Herren, da wird Steuergeld nicht mit den Händen ausgegeben, da wird mit der Schubkarre nachgeholfen

  13. Johannes

    Die Gesamtinteressen der Gemeinde Wien sollten idealerweise eine gute ärztliche Versorgung sein. Laut Auskunft seines Vorgesetzten hat Dr Rainer diese Kriterien erfüllt. Ich glaube hier liegt ein grundsätzlicher Irrtum vor, die Interessen der Gemeinde Wien also aller seiner Bürger sollten nicht mit den Interessen der mit den Amtsgeschäften betrauten Parteien verwechselt werden. Verständlich wenn man über Jahrzehnte die Stadtregierung stellt das man die Stadt als sein Eigentum betrachtet.

  14. gms

    Die bislang gebrachten Analysen, inklusive jene von Unterberger, leiden an fehlendem Tiefgang, weshalb auch die davon abgeleiteten Forderungen harmlos an der Oberfläche kratzen; Nadelstiche bloß, nicht viel mehr.

    Faktum ist, wonach ein befristet geschlossener Dienstvertrag nicht verlängert wird. Kritisiert wird dies nun ausgerechnet aus der Innensicht des verkorksten linken Systems, wonach die unterlassene Weiterbeschäftigung ansich legitim sei, nicht jedoch dann, wenn sie einer sogenannten ‘Diskriminierung’ erwächst, im Anlaßfall der Bewertung einer tatsächlichen oder bloß behaupteten politischen Haltung des Dienstnehmers.

    Haben wir schon derart an linker Gehirnwäsche gelitten, daß wir zur Beurteilung eines bestimmten Sachverhaltes just jene Maßstäbe anlegen, die wir in jedem anderen Kontext berechtigt mit dem Verweis auf Vertragsfreiheit verwerfen und dergestalt alle anderen von der Politik oktroyierten Nebenbestimmungen vehement ablehnen?
    Klar ist der rote Kosmos eine einzige Müllhalde aus falschen Prämissen und putzigen inneren Widersprüchen, doch anstatt darin zu wühlen und Sozialisten mit ihrem eigenen moralingetränkten Mist zu füttern, möge man sich doch tunlichst den Gesamtkontext vergegenwärtigen.

    ‘Wer muckt, wird zerdruckt.’ — Ob dieses Diktum überzogen ist oder nicht — daß man einem Mediziner herzulande massiv an die Karre fahren kann, folgt einzig dem Umstand, wonach sozialistischer Ungeist über Sozialsversicherungen, KAV und speziell über den ‘Fond Soziales Wien’ das Gesundheitswesen bis hinunter zur letzten Infusionsnadel beherrscht.

    Was es mit der Macht über Untertanen durchs Innehaben von Institutionen aufsich hat, wußten Marx und Engels schon. Stalin fügte später das verstaatlichte Gesundheitswesen noch hinzu als wirksamen Rammbock mitten hinein in die bürgerliche Gesellschaft.

    Ärzte sind natürliche Autoritäten, verpflichtet in erster Lesung durch ihren Eid dem Hilfesuchenden gegenüber. Als noch dazu gebildete und geachtete Personen sind sie paradeypisch für potentielle Regimegegner. Wer solche Autoritäten mit deren zugleich unabdinbaren Aufgabe für das Gemeinwesen dominieren möchte, bringt sie in ökonomische Abhängigkeit. Nachdem diese Dominanz des sozialistischen Herrschens innerhalb der vergangenen Jahrzehnte mit zunehmender Intensität herbeigeführt werden konnte, brechen heute auch nahezu unvermeidbar dessen Auswüchse an die Oberfläche durch.

    Den Symptomen kann man mit dem Aufzeigen der verlogenen Heuchelei der roten Ursupatoren des Medizinbetriebes durchaus begegenen, quasi als Akt der Psychohygiene. Angesagt, notwendig und unerläßlich danach aber ist ein kritischer Blick aufs Gesamtsystem und die Hintergründe und Mechanismen, die dazu führten.

    Im Prinzip ist völlig egal, weshalb ein Dienstgeber auf einen Mitarbeiter verzichtet, entscheidend ist die Frage, wieso ausgerechnet ein rot durchseuchtes Kartell entstehen konnte, das heute über Beschäftigung oder Kündigung entscheiden kann, und dies im Anlaßfall ausgerechnet dort, wo es buchstäblich der Bürger Innerstes betrifft.

  15. Christian Peter

    ‘Nur in den USA verdienen Ärzte mehr, als in Österreich’

    während sich Ärzte in den USA sich das Studium selbst finanzieren müssen und daher mit hohen Schulden in das Arbeitsleben starten, während Ärzte in Österreich das teure Studium auf Kosten der Steuerzahler absolvieren. Das ewige Geleier von der vermeintlich ‘armen Ärzteschaft’ kann kein Mensch mehr hören.

  16. Christian Peter

    Nachtrag : In den USA zahlen Medizinstudenten Studiengebühren zwischen 23.000 und 43.000 Dollar – pro Semester. Im Schnitt starten Jungmediziner in den USA daher mit 160.000 Dollar Schulden in das Berufsleben.

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