Salzburger Finanz-Dilettanten

Von | 5. April 2013

(Andres UNTERBERGER) In Salzburg haben sie wirklich bis zum bitteren Ende gepfuscht. Noch viel katastrophaler als all das, was eine Beamtin in den letzten Jahren (möglicherweise) angestellt hat, ist das, was sich dort in den vergangenen Monaten (ganz realerweise) abgespielt hat. Das ist nun durch den Bericht eines beigezogenen Experten aufgedeckt worden.

Man (das ist wohl vor allem der inzwischen zurückgetretene Finanzlandesrat) hat die diversen Veranlagungen des Bundeslands so unbedacht und schnell aufgelöst, dass daraus ein Schaden von über 200 Millionen Euro entstanden ist. Dabei geht es wohlgemerkt um die Zeit nach Öffentlichwerden der – angeblich – geheim gewesenen Veranlagungen.

Der nun gutachtende Universitätsprofessor Lukas attestiert dem Land, im Herbst die einfachsten Grundlagen der Sorgfalt vernachlässigt zu haben: Es gab keine Statusbewertung der Derivate, keine rechtliche Prüfung, keine externe Unterstützung und keine Abbaustrategie.

Es ging offenbar zu wie in den nächsten Tagen beim Räumungsverkauf bei Niedermeyer: Alles muss raus, egal um welchen Preis. Der mit dem Abverkauf beauftragte Beamte hatte, wie Lukas entsetzt festhält, nicht einmal einen Bloomberg-Computer (das Instrument jedes Börsenakteurs mit allen relevanten Informationen in Echtzeit). Dadurch konnte die Gegenseite praktisch die Preise diktieren. Das ist niemand anderer als die Käufer der vom Land plötzlich unerwünschten Papiere.

Noch tollpatschiger geht’s wohl nicht mehr. Aber dieselbe Politik will ständig noch mehr regulieren und ständig noch mehr Steuern kassieren . . . (Tagebuch)

 

7 Gedanken zu „Salzburger Finanz-Dilettanten

  1. Herr Karl jun.

    Frau Burgstaller meinte in einem Interview, sie sei deshalb nicht zurückgetreten, weuil ja auch in Privatwirtschaft ein Vorstand nicht gehen müsste, wenn in dem geleiteten Unternehmen ohne dessen/deren Wissen Malversationen stattfänden. Eine bemerkenswert schräge Einschätzung der Gepflogenheiten in Privatwirtschaft – natürlich wird so ein Vorstand wegen Vertrauensmangel sofort in die Wüste geschickt!

  2. Thomas Holzer

    @Herr Karl jun.
    Die werden manchmal sogar vor Gericht gestellt; siehe Schmiergeldskandal bei Siemens vor ein paar Jahren

  3. oeconomicus

    Mir fällt dazu nur ein: Finanzakrobatische Zauberlehrlinge (Formulierung leider nicht von mir!)

  4. FDominicus

    oeconomicus :
    Mir fällt dazu nur ein: Finanzakrobatische Zauberlehrlinge (Formulierung leider nicht von mir!)

    Problem es gibt nicht einen Meister weit und breit der diesen Lehrlingen die Ohren langziehen könnte….

  5. Samtpfote

    FDominicus :

    oeconomicus :
    Mir fällt dazu nur ein: Finanzakrobatische Zauberlehrlinge (Formulierung leider nicht von mir!)

    Problem es gibt nicht einen Meister weit und breit der diesen Lehrlingen die Ohren langziehen könnte….

    und keine Prüfungskommission..
    keine Kammer…
    anscheinend das einzig frei Gewerbe in Österreich 🙂

  6. Reinhard

    Ich stell mir gerade vor, wie es wäre, hätte in Salzburg die ÖVP regiert und Grasser wäre Finanzlandesrat gewesen.
    Uiuiui….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.