Scheitert die Zentralmatura?

(ANDREAS UNTERBERGER) Pannen, politische Hetze – alles war bei der Zentralmatura bisher egal oder gar ganz normal. Jedoch jetzt droht ihr erstmals wirklich ernste Gefahr. Denn jetzt steht ein Aufmarsch der Genderistinnen an der Anti-Matura-Front bevor. Und sie werden Frau Heinisch-Hosek im neuen Jahr mit hoher Wahrscheinlichkeit wohl zwingen können, die Zentralmatura noch abzusagen.

Bisher hingegen hat ihr Ministerium auch bei widerlicher politischer Agitation, die unter dem Vorwand der Zentralmatura in die Schulen getragen worden ist, nicht nur keinen Widerstand geleistet, sondern sogar heftig mitgetan.

Der neueste, vom Ministerium ignorierte Skandal ist der ministeriell abgesegnete „Trainingsteil für die neue Reife- und Diplomprüfung“ aus Deutsch. Darin werden die Schüler aufgefordert, einen mit Beschimpfungen um sich werfenden Kampfartikel aus dem „Standard“ zusammenzufassen. In diesem Text wird in einer an den einstigen Nazi-Stürmer oder die KPÖ-Volksstimme erinnernden Diktion so aggressiv über die schwarz-blaue Regierung hergezogen, dass einem nur noch der Mund offen bleibt.

„Eine Bagage, Gauner, Verbrecher“. „Falotten“. „Dumm und bösartig“: Das ist „Standard“-Sudelei in Reinkultur (Autor: ein gewisser Michael Völker). Der Text ist in der Matura-Broschüre aber nicht etwa als abschreckendes Beispiel einer Polemik abgedruckt, mit der man sich kritisch auseinandersetzen soll, sondern damit die Schüler eine völlig unkritische „Zusammenfassung“ erstellen. Sie sollen die „wichtigsten Aussagen“ wertneutral noch einmal wiedergeben. Was nur eine neuerliche unkommentierte Auflistung aller Beschimpfungen bedeuten kann.

Das also wird unseren Kindern in den Schulen Heinisch-Hoseks zugemutet. Aufgeregt hat sich Heinisch-Hosek aber darüber nicht, sondern nur damals, als den Schülern bei den Probeläufen für eine Deutsch-Zentralmatura ein krauser Text vorgelegt worden war, der zwar nach grüner Ideologie klang, der aber in Wahrheit aus eher braunem Umfeld stammte. Was freilich leicht passieren kann, da ja da wie dort Blut-und-Boden-Geschwafel zu finden ist.

Aber beide Beispiele (und noch viele andere) machen eigentlich klar: Im Fach „Deutsch“ ist der Versuch einer Zentralmatura jämmerlich gescheitert. An Stelle solcher lächerlichen Standardisierungs-Versuche wäre es ausreichend, aber viel wichtiger, die Anforderung für die Deutsch-Matura auf folgende zwei Punkte zu fokussieren: Zum einen muss die Fähigkeit bewiesen werden, einen längeren, freien Text auf gehobenem Niveau und mit anspruchsvollen Argumenten in weitestgehend fehlerfreiem Deutsch zu schreiben; und zum anderen darum, ein paar dutzend Werke der Weltliteratur auch wirklich zu kennen.

Das würde absolut genügen. Das ist schwer und fordernd genug. Alles andere, wie die kunstvolle Einteilung in zahllose artifizielle Textkategorien ist Mumpitz und nur Beschäftigungs-Therapie für pädagogische Theoretiker..

Aber groteskerweise ist es nicht die Deutsch-Reifeprüfung, die die Zentralmatura gefährdet. Es sind zu Recht auch nicht die vielen kleinen und mittleren Aufregungen, die es bei jeder Änderung im Schulbetrieb halt immer gibt. Etwa der Streit um die Herstellung von Kopien oder um die Zahl der Vorbereitungsstunden. Dann man kann nur hoffen, dass jeder Lehrer, der bei der Vorbereitung auf die Matura wirklich wie angedroht auf die Stoppuhr schauen sollte, möglichst umgehend aus dem Schuldienst ausscheidet. Lehrer, die unseren Kindern eine solche Maurer-Gesinnung vermitteln, wären nämlich eine absolute Katastrophe.

Krasse Benachteiligung der Mädchen durch Mathematik
Die Zentralmatura ist hingegen von einer ganz anderen Seite her gefährdet: von Seite der Genderistinnen und zwar in Hinblick auf die Mathematik-Matura. Es ist fast sicher, dass das anlaufende Jahr deren Großangriff bringen wird: Denn bei den vor wenigen Wochen abgehaltenen „Modellschularbeiten“ hat es für Mädchen massiv schlechtere Ergebnisse gegeben als für Burschen. Erhielten bei den männlichen Schülern 24 Prozent ein Nichtgenügend, so waren es bei den weiblichen 34 Prozent. Das ist ein Unterschied, der weit jenseits aller Schwankungsbreiten liegt. Und er versetzt naturgemäß die ganze Frauenbewegung in Schock. Denn er macht die Tatsache mehr als fragwürdig, dass eigentlich Mädchen deutlich bessere Schulnoten haben als die (für Lehrer oft viel zu aufsässigen) Burschen.

Und jetzt das! Ausgerechnet unter einer Ministerin, die zugleich (und wohl in erster Linie) Frauenministerin ist! Das darf doch nicht wahr sein! Da hilft nur noch eines: Die Zentralmatura muss unter irgendeinem Vorwand abgesagt werden! So eine Blamage darf einfach nicht stattfinden!

Manche Feministinnen werden jetzt zwar noch nach einem Trick suchen, wie ihn einst eine Genossin Vizerektorin an der Wiener Medizin-Uni entwickelt hat: Sie hat dort vor ein paar Jahren einen nach Geschlechtern unterschiedlichen Punkteschlüssel dekretiert, um so die Zahl der weiblichen Studienanfänger künstlich über ihren Anteil laut Aufnahmetest-Ergebnis hinaus zu erhöhen.

Später hat man dann wiederum versucht, die Fragen so zu strukturieren, dass sie den Möchtegern-Ärztinnen mehr entgegenkommen. Was freilich nur sehr zum Teil geglückt ist.

Bei der schriftlichen Mathematik-Matura werden beide Strategien der Kampfgenderinnen wohl nur schwer möglich sein. Oder sollen die größeren sozialen Kompetenzen der Mädchen bei der Bewertung einfach zwei falsche Beispiele mehr erlauben als bei den Burschen?

Menschen mit Lebenserfahrung kann die schlechte Mädchen-Mathematik nicht erschüttern. Die haben vor jedem Genderismus schon aus zahlreichen Beobachtungen und Studien gewusst, dass es typische genetische Unterschiede in den Fähigkeiten und Interessen zwischen den Geschlechtern gibt. Burschen sind im Schnitt in abstrakten und physikalischen Disziplinen besser, Mädchen in sprachlichen und sozialen. Was beides gut, wichtig und für die menschliche Gesellschaft notwendig und gleich wertvoll ist.

Erst der Genderismus hat daraus ein höher- und minderwertig gemacht, erst seit ihm versucht man nun mit aller Brutalität, alle Unterschiede gleichzumachen und einzuackern.

PS: Einzelbeispiele sind absolut keine Gegenbeispiele. Die gibt es in jede Richtung. Es kann aber immer nur um den Durchschnitt (oder Median) gehen. Ich habe in der eigenen Verwandtschaft zwei Frauen, die brillante Mathematik- bzw. Physik-Studien absolviert haben. Eine davon hat sich aber dann völlig freiwillig für einen sozialen Job entschieden, bei der sie „nur“ mit jungen Menschen und überhaupt nicht mit Formeln zu tun hat . . .(TB)

5 comments

  1. Ehrenmitglied der ÖBB

    “Scheitert die Zentralmatura?” – Hoffentlich!!!
    Stellen sie sich vor, unter der BM Gehrer wären solche bildungspolitischen Fehlleistungen (von bifie bis zum Genderismus) passiert? Die SPÖ und die Grünen hätten die Welt einstürzen lassen?
    Aber die derzeitige ÖVP Führung ist in ihrer Bildungspolitik (Schulpolitik) eher nicht existent, da kümmert man sich darum, ab welche Alter Jugendliche rauchen dürfen?

  2. Thomas Schwalb

    Interessanter Diskussionsbeitrag, Herr Unterberger. Was mir aber wirklich sauer daran aufstösst ist Ihr Vorurteil gegen Maurer. Das sollten Sie revidieren.

  3. sokrates9

    Wir brauchen Genderkonforme Prüfungen??! Das schlimmste bei der Zentralmatura ist, dass man versucht die Prüfungsfragen so zu gestalten, dass mindestens 70% durchkommen! Fazit: Man gibt keine Lehrziele vor sondern man nivelliert nach unten!

  4. Herbert Manninger

    Gäbe es keine Quote, die HH wäre schon längst aus dem Amt gejagt worden.
    Ist diese Ministerin nicht beschämend für denkende Frauen?

  5. Thomas Holzer

    “………..der zwar nach grüner Ideologie klang, der aber in Wahrheit aus eher braunem Umfeld stammte.”

    Bei diesen BrüderInnen im Geiste sehe ich eigentlich keine wesentlichen Unterschiede; außer den, daß die GrünInnen (erfreulicher Weise) noch nicht über entscheidende Mehrheiten verfügen

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