Schiefergas: Mit Begeisterung schiessen wir uns ins Knie

Von | 2. Dezember 2013

“….Kürzlich stellte die Internationale Energieagentur ihren aktuellen „Energy Outlook“ vor. Laut diesem wird Europa bis zum Jahr 2035 ein Drittel seines globalen Marktanteils bei energieintensiven Produkten verlieren, weil Energie so teuer ist. Anders in den USA, wo Schiefergas und Schieferöl den Preis nach unten drücken.” (hier)

7 Gedanken zu „Schiefergas: Mit Begeisterung schiessen wir uns ins Knie

  1. DailyMirror

    Beständig müssen neue Bohrungen angesetzt werden, um die Produktion konstant zu halten. In Haynesville müssen jedes Jahr 800 neue Bohrungen abgeteuft werden, um die Pumpmenge konstant auf dem Niveau des Jahres 2012 zu halten – das entspricht etwa einem Drittel der dort im letzten Jahr insgesamt vorhandenen Stationen. Jede Bohrung kostet ungefähr neun Millionen Dollar, allein die neu zu errichtenden Bohrplätze verschlingen also pro Jahr sieben Milliarden Dollar – die Gesamtkosten einschließlich der Lizenzen, weiterer Infrastruktur und sonstiger Maßnahmen liegen sogar noch höher. Quer durch die Vereinigten Staaten summiert sich dies für 7200 Bohrungen auf 42 Milliarden Dollar jährlich, nur um die produktiven Rückgänge auszugleichen. Diese Investitionen durch die Öl- und Gasfirmen werden durch die Verkaufszahlen nicht aufgewogen: 2012 erlösten die Unternehmen mit Schiefergas nur 33 Milliarden Dollar (mancherorts tragen zusätzliche geförderte flüssige Kohlenwasserstoffe allerdings in erheblichem Umfang zur Rentabilität bei). Um zumindest ausgeglichene Bilanzen bei reiner Schiefergasgewinnung zu erzielen, müssten die Preise also eigentlich steigen.

    Momentan benötigt die Rohstoffextraktion riesige Kapitalzuflüsse aus der verarbeitenden Industrie, um die Produktivität zumindest zu stabilisieren. Im Lauf der Zeit werden die besten Felder mit ihren “sweet spots” ohnehin ausgebeutet sein, weshalb die Kosten weiter steigen. Der größte Teil der Schiefergasförderung ist momentan also unwirtschaftlich und benötigt höhere Gaspreise, um allein die Fördermengen stabil zu halten, geschweige denn sie zu steigern.

    Der Geologe J. David Hughes auf http://www.spektrum.de/alias/rohstoffe/schiefergas-im-realitaetstest/1185968

  2. Thomas Braun

    Ist mir etwas peinlich einen auf Oberlehrer zu machen, aber “schießen” schreibt man auch nach der Rechtschreibreform mit “ß”.

  3. Rennziege

    Was die vorvorgestrigen Fracking-Gegner weder wissen noch wahrhaben wollen:
    http://www.nationalreview.com/article/365094/greener-green-deroy-murdock
    Wie umweltfreundlich und profitabel (und zwar für alle, nicht nur die Betreiber) sich dieses Verfahren nach kleinen Kinderkrankheiten entwickelt hat, wird hierzulande und in der gesamten EU gnadenlos zensuriert.
    Es scheint was dran zu sein, dass die ultima ratio unserer Volksbeglücker darin besteht, die heimische Wirtschaft zu ruinieren und alle Europäer durch absurd hohe Energiepreise zu enteignen.
    Wie man sich diese Chance entgehen lassen kann, die heimische Wirtschaft im globalen Wettbewerb konkurrenzfähig zu halten, ist ein Rätsel. Aber gewisse Kreise träumen halt von einer Rückkehr zu Ochsenkarren und Kienspan. (Nebenbei bemerkt, würde die auch in Österreich mögliche Energie-Autarkie sogar den Sozialstaat für einige Jahrzehnte über Wasser halten.)

  4. Heinrich Elsigan

    Die Amifirmen hatten viele Unfälle, die deutsche Mobi Oil keinen einzigen, egal ob vor oder nach dem Aufkauf durch Exon.
    Aber hier wäre es besser sich innerhalb der EU zu koordinieren um nicht so sehr von nicht EU Nationen abhängig zu sein.

  5. Christian Peter

    Fracking ist in den USA eine feine Sache, im dicht besiedelten Europa wegen zu geringer Vorkommen von Schiefergas aber keine Alternative. Alleine der Ausbau der Kernenergie würde den Preisschub der Energiekosten in Europa verhindern.

  6. Christian Peter

    Über die Nachhaltigkeit des Schiefergas – Booms in den USA lässt sich streiten. Dass die Gaspreise in den USA auch in 20 Jahren noch niedrig sein werden, ist eine hochspekulative Annahme.

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