Schlächter Assad, ein Partner des Westens?

Von | 19. August 2014

(C.O.) Omran al-Zoubi, der Chef der staatlichen syrischen Medien, erklärte in einem Interview, Syrien sei bereit, militärisch  auf Seite der irakischen Kurden gegen die IS-Terroristen zu kämpfen. Das ist erstens logisch, weil IS der gefährlichste Gegner Assads ist,  und führte zweitens dazu, dass der Schlächter Assad zum Verbündeten der USA würde, deren Luftwaffe ja ebenfalls auf Seite der Kurden gegen den islamischen Staat kämpft. Bleibt eigentlich nur noch die Frage, ob die USA nicht die von Assad einkassierten Chemie-Waffen mit einem freundlichen “sorry” hätten zurückgeben sollen, so unter Waffenkameraden?

7 Gedanken zu „Schlächter Assad, ein Partner des Westens?

  1. Rennziege

    A wengerl sarkastisch formuliert. Die Beziehungen von Staaten, seien sie lammfromm oder kriminell, werden nicht von Freundschaft bestimmt, sondern von kaltblütigen Interessen. Dies hat sich von der Antike bis heute nicht geändert, was nur Gutmenschen nicht wahrhaben wollen. Diese Interessen unterliegen, oft abrupt, dem Wandel durch Verschiebungen der Kräftefelder. (Christopher Clark zeigt in “The Sleepwalkers” eindrucksvoll, wie wetterwendisch dies in den Vorwehen des Ersten Weltkriegs geschah, damals oft aufgrund gezielter Desinformationen oder Gerüchte.)

    So kam und kommt es in der Weltgeschichte häufig zum Schulterschluss zwischen strange bedfellows, die gestern noch als bandits und slaughterers galten. Vater und Sohn Bush meinten noch, diese eiserne Regel durch den Zwangsimport von Demokratie aushebeln zu können — schnallten aber nicht, dass Orientalen sich, auch historisch und glaubensbedingt, unter der Knute von Kalifen und Diktatoren einfach wohler fühlen. Für sie ist Demokratie etwas für dekadente Weicheier.

    Obama, seinerseits zumindest subkutan islam-affin, beginnt (spät, nach meinem Empfinden) die Lektion zu lernen. Er unterbricht sogar seinen Urlaub für ein Weilchen und kehrt vom Golfplatz ins Weiße Haus zurück, um en passant mit seinen Beratern zu parlieren.
    Die werden ihm nun, ein wenig weiser geworden, verklickern, dass schon die Beseitigung von Libyens Gaddhafi eine geopolitische Schnapsidee war, nicht anders als die von G.W. Bush unterstützte Ermordung Saddam Husseins im Irak. Und dass Assad so ziemlich der letzte Araber ist, der als Verbündeter gegen die IS-Mörderbanden zur Verfügung steht und einer lahmen Ente noch ein bisschen Wasser unterm Kiel verschaffen kann.. (Bewährtes altes Motto: Bandit, aber unser Bandit.)

  2. LePenseur

    Chère Rennziege,

    mit dem »A wengerl sarkastisch formuliert« üben Sie sich eigentlich noch in freundlicher Untertreibung (aber warum gegenüber dem Betreiber einer Seite nicht »a wengerl« freundlich formulieren 😉 …?

    Ich würde sagen: der Westen hat einst den Schlächter Stalin als Partner genommen, um damit Hitler zu bekämpfen, und sich einen Dreck darum gekümmert, daß Stalin davor und parallel dazu hekatombenweise Leute massakriert hat.

    Gegen Stalin ist Assad ein braver Supppenkoch von der Heilsarmee …

  3. Rennziege

    19. August 2014 – 15:18 LePenseur
    Mon cher Pensuer,
    Sie haben völlig recht. Ursprünglich lag mir ja “zynisch formuliert” auf der Zunge, aber beim Frühstück (hier war’s kurz vor 9 a.m) hab’ ich das Wort durchs Teesieb gefiltert, um unserem Hausherrn nicht unhöflich zu begegnen. Der gute alte Twining’s Earl Grey ließ mich schon beim ersten Schluck wissen, “sarcastical” sei nicht offensive, weshalb ich das Wort wagte. C.O., nehm’ ich an, wird’s nicht in die falsche Kehle kriegen.
    Denn es ist so, wie Sie sagen: Im Vergleich mit den Massenmördern des 20. Jahrunderts (Hitler, Stalin, Mao, Pol Pot, Türken an den Armeniern) haben die islamischen Epigonen deren Zahlen noch nicht erreicht, gottlob. Aber in Absicht und Blutdurst sind sie ihren Vorbildern ebenbürtig. Und sie arbeiten emsig daran, diese eines Tages einzuholen

  4. dieter

    @Rennziege: Ihre Einschätzung Obamas ist grundverkehrt. Die ideologische Denkschule, die solche Ansichten vertritt, das sind die realists. Dazu zählen Kissinger und heute Mearsheimer und Stephen M. Walt und John J. Mearsheimer. Die realists waren gegen den Irak-Krieg, gegen die Libyen-Intervention, gegen die Unterstützung der syrischen “Rebellen” und sind auch dagegen, sich unnötig mit Russland anzulegen. Der Spruch “Bandit, aber unser Bandit” ist dieser Fraktion zuzurechnen.

    Die realists haben aber im Washingtoner establishment und auch in den Medien nichts zu sagen, gelten quasi als Pariah. Dort und in der Obama-Administration haben die liberal internationalists und die neocons das sagen. Und die waren für all diese Abenteuer. Die sehen überall neue Hitlers und sehen in jeder revolutionären Opposition neue Jeffersons.

    Obama fällt dadurch auf, dass er diese Leute eher bremst. Bei Libyen zögerte er. Den Syrien-Angriff verzögerte er, indem er das heiße Eisen dem Kongress zuspielte. Und dann erübrigte sich das ganze dank des Kerry-Versprechers und Miliband. Stephen Walt schätzt Obama als einen intuitiven Realisten ein.

  5. dieter

    Taten zählen, nicht Worte. Dass Obama “subkutan islam-affin” ist, sehe ich auch so. Außerdem scheint er tatsächlich geglaubt zu haben, mit seinen Predigten den Weltfrieden herbeireden zu können. Das halte ich aber für nebensächlich.

    Die Handlungen der US-Regierung und Obamas lässt sich am Besten damit erklären, dass sie ihre eigene politisch korrekte Propaganda glaubt, nämlich, dass der wahre Islam völlig unbedenklich und harmlos ist, so wie Obama das vermutlich als Kind erlebt hat und dass die alle Menschen auf der Welt im Herzen Liberaldemokraten sind, denen nur unglücklicherweise irgendwelche Tyrannen wie Assad, Saddam, Mubarak und Gaddafi im Weg stehen, die es zu entfernen gilt.

    Von den Unterstellungen sowohl der verschwörungstheoretischen Anti-Amerikaner, als auch Teilen der islamkritischen Szene, dass Obama ganz bewusst islamische Terroristen und Theokraten fördern will, halte ich nichts.

    Ich halte mich da ganz an Hanlons Rassiermesser: „Schreibe nichts der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist.“

  6. Der Realist

    und was kommt nach “Schlächter” Dr. Assad Herr Dr. Ortner?

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