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Ein seltsamer Tod im Gefängnis

(GEORG VETTER) Am letzten Mittwoch sich hat der Nationalrat, eher unbemerkt, gegen die Todesstrafe und für deren weltweite Abschaffung ausgesprochen. Am Vortag wurde der kasachische Ex-Botschafter Aliyev erhängt im Straflandesgericht aufgefunden. Drei Tage später sollen in seinem Blut Spuren eines Betäubungsmittels nachgewiesen worden sein. Eine solche Substanz sollen angehende Selbstmörder erfahrungsgemäß selten zuvor freiwillig einnehmen.

Jahrelang bemühte sich Kasachstan um die Auslieferung ihres Ex-Botschafters, der offensichtlich in eine regierungs-/familieninterne Fehde dieses Staates geraten war. Die Republik verweigerte dieses Ansinnen standhaft. Dennoch fand sich ein Staatsanwalt, der auf Basis der aus Kasachstan gelieferten Beweise eine Anklage erstellte, die demnächst verhandelt werden sollte. Aliyev fürchtete um sein Leben und schrieb über seine Geschichte zwei Bücher (The Godfather-In-Law und Tatort Österreich). Das Damoklesschwert des gewaltsamen Todes hing beständig über ihm. 10 Millionen Euro sollen auf ihn ausgesetzt gewesen sein. Sollte es tatsächlich einem Exekutionskommando der eigenen Art gelungen sein, in Österreichs größtem Gefängnis zur Tat zu schreiten, erhielte die eingangs erwähnte Aufforderung des Nationalrats einen ziemlich makabren Beigeschmack.