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“Realsatire vom Feinsten

Michael Fleischhacker in seinem “Addendum”-Newsletter zur “Journalist-des-Jahres”- Show: Am Donnerstag dieser Woche lobte Claus Kleber, Ansager des ZDF-„heute journals“ und Autor eines der schlechtesten Bücher über Medien und Wahrheit, für das jemals unschuldige Bäume geopfert wurden, den österreichischen Edelgladiator Armin Wolf, der von seiner Blase zum Journalist des Jahres gewählt worden war. Laudatio und Dankesrede sind Realsatire vom Feinsten. Früher haben mich solche Hochämter der Selbstgefälligkeitsinzucht geärgert, inzwischen finde ich sie sehr großartig. Ich habe mich bereits darüber beschwert, dass es keine umfangreiche Filmdokumentation der Veranstaltung gibt. Kommt ja nicht alle Tage vor, dass Sklaven, Krieger, alternde Raubkatzen, Publikum und Stallgehilfen sich gemeinsam im Kolosseum treffen, um Party zu machen.

Am anderen Ende des Bedeutungstunnels

“Ich selbst habe knapp zwei Jahre meines Lebens beim Standard verbracht, im Herz der moralisierenden Finsternis. Es war sehr schön. Zum 30-Jahr-Jubiläum, das gerade groß gefeiert wurde, war ich nicht eingeladen. Ich glaube, dass ein kosmischer Buchstabenwurm versehentlich die Staubkörner, die im Standard-Universum von meiner früheren Anwesenheit übrig sind, mitgejausnet hat, als er sich einen kleinen Tunnel durch Hans Rauschers Bedeutungsberg graben wollte, um zu sehen, ob da Licht ist am anderen Ende. Der arme Wurm hat keine Ahnung: Am anderen Ende des Bedeutungstunnels ist selten Licht, aber meistens Armin Wolf.” (Michael Fleischhacker, Addendum-Chef)

Christian Kern, Jörg Haiders Erbe

“Habituell und phänotypisch ist der Universalerbe Jörg Haider jedenfalls nicht Heinz-Christian Strache, sondern Christian Kern. Haiders Kunst, der Zuhörerschaft genau das zu sagen, was sie hören will, ob es sich nun um hippe Jungunternehmer handelt oder um klassenkämpferisch gesinnte und gestimmte Sozialisten: Christian Kern beherrscht sie, und er macht von dieser Gabe ausgiebig Gebrauch, während Heinz-Christian Strache vor jedem Auditorium die gleiche hölzerne Show abzieht, die kaum noch jemand hören kann außerhalb des Kreises jener, die auch noch im Zustand der Universalanästhesie FPÖ wählen würden….” (NZZ, hier)

Österreich zuerst, so what

“……Die SPÖ geht jetzt den Weg Jörg Haiders, den Weg der FPÖ: Österreicher zuerst. Ein „Rechtsruck“ ist das nicht, es ist ein Move, den weltweit unterschiedlichste politische Bewegungen mit unterschiedlichsten ideologischen Herkünften gehen. Es geht nicht mehr um Rechts oder Links, sondern um Global oder National….” (NZZ.at, hier)

Trump, 1968, 2017

“Was die Linken, die sich jetzt auch in Europa wieder gern Liberale nennen, an den Trumpisten besonders schmerzt, ist Folgendes: Sie spüren am eigenen Leib, wie sie von den Reaktionären geschlagen werden. Die alten weissen Männer, die derzeit in pseudointellektuellen Hipster-Kreisen und ihren angeschlossenen Medienfabriken als Erklärung für alles herumgereicht werden, was irgendwie schlecht läuft, sind zwar rückständige Idioten, die Frauen unterdrücken, Ausländer deportieren und Habermas nicht lesen wollen. Aber eines ist ihnen gelungen: sich so zu inszenieren, dass sie als Minderheit wahrgenommen werden. Und damit haben sie es geschafft. Der alte weisse Mann, der sich missachtet, missverstanden, herumgeschubst und abmontiert fühlt, ist gleichsam unser Muslim. Problematisch, aber schützenswert….” (NZZ, hier)

Des Kanzlers kalte Füße

“…Für die SPÖ, für die ÖVP und für das Land wäre es besser gewesen, der forsche Kanzler hätte seinen Plan durchgezogen (und vielleicht bekommt er ja auch noch die Gelegenheit). Denn es geht hier nicht um die Frage, ob es schon im Juni oder erst im November zu einer Flexibilisierung der Arbeitszeit kommt, es ist nicht entscheidend, wann eine gesetzliche Arbeitsplatzgarantie für ältere Arbeitnehmer in Kraft tritt. Es geht darum, dass ÖVP und SPÖ keine gemeinsame Antwort auf die Fragen haben, die sich heute ökonomisch, kulturell und demokratiepolitisch stellen. Weder inhaltlich noch personell…” (hier)

Journalismus darf kein Umerziehungsprogramm sein

“…..Die 95 Prozent der amerikanischen Journalisten, die für Hillary und gegen Trump waren, wussten natürlich genau, was da draußen los ist, so wie es auch die 95 Prozent der österreichischen Journalisten wissen, die für Van der Bellen und gegen Hofer sind. Die These, die Medien hätten den Wahlausgang falsch eingeschätzt, weil sie den Kontakt zu den Menschen da draußen verloren hätten, ist einfach Quatsch. Natürlich wissen die, was da draußen los ist – selbst die am weitesten danebenliegenden Prognosen für die US-Wahl legten ja nahe, dass Trump fast so viele Stimmen kriegen würde wie Hillary –, sie dachten nur, dass ihr Umerziehungsprogramm, das sie „kritischen Journalismus“ nennen, greifen und der Vernunft doch noch zum Sieg verhelfen würde….” (NZZ.at)

“Nein zum Brainxit!”

“….Neben dem guten und dem bösen Populismus gibt es seit kurzem auch den jenseitigen Populismus. Er wurde von den Initiatoren der Kampagne „Nein zum Öxit“ erfunden. Eine Gruppe von Unternehmern rund um Hans Peter Haselsteiner will mit dieser Kampagne verhindern, dass Norbert Hofer am 4. Dezember zum Bundespräsidenten gewählt wird. Dieser Tage präsentierte man neue Sujets und neue Mitstreiter. Nun, auch wenn Weiterlesen

Die Mitschuld der Medien am Willkommens-Karneval, Teil II

Michael Fleischhacker, Ex-Chef der „Presse“ und Leiter von “nzz.at” , fand meine letzte Kolumne „unbehaglich“. Eine Replik von Christian Ortner.         Geschätzter Michael Fleischhacker, es betrübt mich sehr, dass Du nach Lektüre meines letztwöchigen Kommentars an dieser Stelle („Die Mitschuld der Medien am verrückten Willkommens-Karneval“) nicht nur „Unbehagen“ und „Irritation“ verspürt hast, wie Du es beschreibst, sondern diese unerquicklichen Emotionen offenbar intensiv genug waren, dass Du sie Deinen Lesern in einem ausführlichen Text unter dem Titel „Trostpreisträger“ zur Kenntnis bringen mußtest.
Nun, ich hoffe, es hat Dir Erleichterung gebracht Weiterlesen