Schlaue Schweizer!

(ANDREAS TÖGEL) Das von kundigen Beobachtern erwartete Abstimmungsergebnis ist eingetreten: Die Initiative zur Einführung eines „Bedingungslosen Grundeinkommens“ wurde von den Eidgenossen mit überwältigender Mehrheit verworfen. Vier von fünf Schweizern halten nichts davon. Lieber nicht daran denken, wie eine derartige Abstimmung in Österreich – und im nicht minder linksverstrahlten Deutschland – ausfallen würde. Eine Mehrheit für diese bespiellos „soziale“ Maßnahme wäre nicht unwahrscheinlich. Der Traum vom anstrengungsfreien Leben auf fremder Leute Kosten, ist einfach zu süß.

Mit etwas Erinnerungsvermögen ausgestattete Austriaken haben nicht vergessen, dass es dem selig entschlafenen „Liberalen Forum“, das heute als unter dem Etikett „Neos“ wiedergekehrter Zombie unter uns weilt, vorbehalten war, sich als erste politische Kraft Österreichs für diese Schnapsidee stark zu machen. „Angstfrei leben zu können“ war das ans Herz rührende Ziel, so Heide Schmidt, die seinerzeitige Führerin der kleinen Linkspartei. Das sollte dem gepeinigten Nettosteuerzahler monatlich immerhin 750 Euro pro Kopf jedes Müßiggängers wert sein. Arbeitsunfähig zu sein, wäre zum Bezug dieser Apanage nicht nötig gewesen. Keine Lust zum Arbeiten zu haben, hätte schon gereicht. Das Paradies 2.0 auf Erden.

Der „Bedingungslosigkeit“ für die Bezieher, stand und steht allerdings eine ebensolche Bedingungslosigkeit für die Zahler gegenüber. Die müssen – anders als die Benefiziare dieser sozialen Errungenschaft – den Rücken krumm machen, um die von staatlichen Wohltätern zu verteilenden Almosen (um etwas anderes handelt es sich nämlich nicht – allerdings ohne den moralischen Wert einer freiwillig gewährten Gabe!) heranzuschaffen. Die werden auch nicht gefragt, ob sie es gut finden, sich auf dem Weg von und zur Arbeit von ganzen Bataillonen von Minderleistern ins Gesicht lachen zu lassen – falls die zu dieser Zeit nicht noch oder schon wieder im Bett, beim Branntweiner oder vor dem Fernseher hocken.

Den Befürwortern der Idee des Etwas für Nichts, übersehen, dass hienieden keinem gebratenen Tauben in den Mund fliegen, sondern dass man den Lebensunterhalt im Schweiße seines Angesichts zu verdienen hat. Um zu begreifen, wie man in einer Welt des Mangels, in der wir Menschen seit unserer Vertreibung aus dem Garten Eden zu leben haben, auf die Idee kommen kann, die Kosten seines Lebensunterhalts anderen aufbürden zu dürfen und dafür keinerlei Gegenleistung erbringen zu müssen, bedarf es schon einer gründlichen Gehirnwäsche. Woher einer das Recht zu nehmen meint, seine Mitmenschen nicht als gleichberechtigte Individuen, sondern als Roboter oder Sklaven – als bloße Mittel zur Erreichung seines Zwecks – anzusehen und zu bewirtschaften, liegt völlig im Dunkeln.

Dass eine Gesellschaft funktioniert, in der jeder arbeitet, um seinen Unterhalt zu verdienen, liegt auf der Hand. Dass eine Gesellschaft funktionieren könnte, in der jeder auf Kosten des jeweils anderen lebt, ist mit den Regeln der Logik indes unvereinbar. Irgendjemand wird nicht nur faulenzen dürfen, sondern auch arbeiten müssen, um für Nahrung, Bekleidung, Behausung und die Erfüllung aller übrigen Bedürfnisse zu sorgen. Warum aber sollten diejenigen die Früchte ihrer Arbeit nicht selbst genießen, sondern stattdessen dem von linken Brandstiftern verblendeten Pöbel freiwillig in den Rachen werfen?

Um freiwillige Entscheidungen geht es den Roten aber ohnehin nicht – das tat es noch nie. Denn dass keiner unaufgefordert schuftet, um arbeitsscheues Pack durchzufüttern, ist auch den Protagonisten des bedingungslosen Grundeinkommens klar. Sie betrachten es daher – wie alle Sozialisten – als ihr gutes Recht, sich gewaltsam des rechtmäßig erarbeiteten Vermögens und Einkommens produktiv tätiger Klassenfeinde zu bemächtigen.

Die Bedingungslosigkeit der Zuteilung einer Transferzahlung durch die Bedingungslosigkeit eines gegen die Werktätigen geführten Raubzuges sicherzustellen, weil der Staat ja über keinerlei selbst erwirtschaftete Mittel verfügt, die er verteilen könnte, ist der Gipfel der moralischen Verworfenheit. Sich für eine solche Tat auch noch als Held des Solidargedankens feiern zu lassen, fügt dem Unrecht den blanken Hohn hinzu.

Man muss die Schweizer dazu beglückwünschen, sich nach dem weltweit totalen Sieg von Sozialismus und Sozialdemokratismus – und dem damit verbundenen Verlust beinahe jeden Anstands – immer noch einen sicheren Blick für die Frage von richtig und falsch bewahrt zu haben.

Könnte dieses beeindruckende Votum am Ende sogar dazu angetan sein, auch in Deutschland und Österreich ein Gefühl dafür entstehen zu lassen, dass Rechtsstaat und Wohlfahrtstaat nicht gleichzeitig auf demselben Territorium bestehen können? Es wäre zumindest schön, daran glauben zu können.

10 comments

  1. sokrates9

    Fürchte das “Schweizer Modell” wäre nichts für Österreich! Wie wäre da so eine Wahl ausgegangen, bei 50% wirtschaftskompetenten Van der Bellen Wähler und 25% Sozialisten, die begeistert von der Klamottenkiste eines Kern´s sind??

  2. Reini

    … wie schon mal geschrieben,…. die Schweizer haben ein PLUS in der Fahne,… die Österreicher ein MINUS! 😉

    … eigentlich sollten nur alle Nettosteuerzahler wählen dürfen, diese sollten entscheiden wie mit den Steuerabgaben gewirtschaftet wird! Alle anderen sind gefangen im System.

  3. Lisa

    @Reini: sehr dafür – mit Ausnahme der nun mal nciht arbeitsfähigen Kranken und Behinderten. Wieso sollen Menschen in einem Gemeinwesen etwas zu sagen haben, wenn sie in diesem Gemeinwesen nicht durch Steuern oder gemeinnützige Arbeit mithelfen oder es sogar ablehnen? 23% waren für ein BGE, viele davon allerdings auch aus rationalen, nciht nur sympathetischen oder egoistischen Gründen: angesichts der immer weiter zunehmenden Automatisierung im Arbeitsmarkt wird es eben weniger Stellen, v.a. für Unqualifizierte, geben, dh. die strukturelle Arbeitslosikgeit und damit die Abhängigkeit von Ämtern wird zunehmen. Und viele, die die Idee eigentlich gut fänden, lehnten sie trotzdem ab – ebenso aus rationalen Gründen: die Finanzierung ist nämlich noch gar nicht ausgearbeitet und die Gefahr besteht, dass das Geld dann doch nicht reichen wird und dann trotzdem wieder “Zusatzleistungen” ausgerichtet werden müssen, somit m.o.w. alles beim alten bleibt. Vorallem die “Teilnahme am kulturellen Leben” ist bei dieser Summe schlicht unmöglich – das liegt kaum ein Konzert oder ein wichtiges Fussballspiel oder nur schon mehr als ein auswärts Essen pro Monat drin. Und darüber, was ein “menschenwürdiges Leben” heisst, kann man sehr verschiedener Meinung sein. Stimm- und wahlberechtigt sollten tatsächlich nur jene sein, die mitarbeiten. “wie niet wil dijken moet wijken” – also wer zu faul ist ist, am Deichbau mitzuarbeiten, soll sich schleichen…

  4. Falke

    Die Initiatoren der Schweizer Volksabstimmung bejubeln allerdings die knapp 23% als tollen Erfolg, der sie ermutigt, weiterhin für diese hehre Ziel zu arbeiten. Ehrlich gesagt hätte ich ich erwartet, dass die ansonsten recht klugen Schweizer, diesen Unsinn mit mehr als 90% ablehnen.

  5. Reini

    @Lisa,… “die Katze beißt sich in den Schweif!” und die politische Spirale dreht sich nach unten,…
    seit der Finanzkrise 2007 hat jede staatliche Investition ihr Ziel nicht erreicht, sonst würde Österreich nicht ca. 292.000.000.000 €, 86% des BiP haben. (Schweiz 34,1% des BIP), und stetig wachsende Arbeitslosenzahlen!
    ein Wirtschaftsplus wurde 2013 vorausgesagt, dann auf 2016 verschoben und weiter auf 2019! … und weiter auf ….

  6. Gerald Steinbach

    Christian Peter@
    Man stelle sich einmal vor , es kommt der Brexit und nach ein, zwei Jahren geht es den Land besser
    Die Angst in Brüssel wird man spüren können und diesmal nicht einmal diffus

  7. mariuslupus

    Dise Initiative wurde, verdient, Bach ab, geschickt. Trotzdem 23% Zustimmung ist eindeutig zu hoch. Aber bei der Verteilung in den Kantonen zeigt sich ein anderes Bild. Die grösste Zustimmung bis 36% erhielt die Initiative in den linken Hochburgen Basel-Stadt, Genf, Neuenburg
    Ein ganz anderes Bild in der Ostschweiz, oder Innerschweiz. Zustimmung bei cca 12%
    Der ORF hat sich einzig für diese Abstimmung interessiert. Selbstverständlich überwogen deutlich Kommentare die diese Initiative als sozialpolitische Errungenschaft gepriesen haben, nach dem Motto: “Nur so weiter, alle sollen gleich sein, bis alle nichts haben”. Die Neue Ökonomische Politik der Linken.

  8. Christian Weiss

    “Ehrlich gesagt hätte ich ich erwartet, dass die ansonsten recht klugen Schweizer, diesen Unsinn mit mehr als 90% ablehnen.”

    Ich habe auch mehr Nein-Stimmen erwartet. Zwar gibt es immer einen gewissen Teil in der Bevölkerung, der jeden Humbug befürwortet, wenn man ihn ihm nur genug verschwurbelt schmackhaft macht, aber die für die Schweizer Volkswirtschaft ähnlich ruinöse Energiesteuer wurde letztes Jahr auch mit über 90 Prozent abgelehnt. Warum dieses distopische Unterfangen (Statt den Himmel hätte es uns die Hölle gebracht) doch noch so viel Zuspruch fand, war wohl die Behauptung der Initianten, mit dem BGE liesse sich über die Abschaffung von Alters- und Invalidenrente viel Geld sparen, weil administrative Abläufe wegfielen. Das war allerdings jedem, der nicht an Diskalkulie leidet, auch klar, dass das nicht stimmt.

  9. Rennziege

    7. Juni 2016 – 15:09 —> Christian Weiss
    Dennoch meine ich, dass die Eidgenossen wieder einmal bewiesen haben, Herz und Hirn auf dem rechten Fleck zu tragen. Aus österreichischer Sicht — eine hiesige Volksabstimmung über diese abwegige Idee wäre verheerend positiv ausgegangen — frisst mich der Neid. Drei von vier Schweizern haben sie abgelehnt, erwartungsgemäß. Is’ das nixxx?
    Keineswegs. Die Schweiz ist so ziemlich die letzte vitale Demokratie in Mitteleuropa. Die Bürger lassen sich kein X für ein U vormachen, sind entspannt bienenfleissig, selbstbewusst und wehrhaft. Darauf können sie (und Sie) stolz sein.

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .