Schöne neue Welt nach der Corona-Krise?

Von | 28. Juni 2021

(HANS WINKLER) Die COVID-19-Pandemie war gerade ausgebrochen und der erste strenge Lockdown verhängt, da wussten schon manche alles über die Zeit „danach“. Von allen Seiten wurden uns ermunternde Botschaften zugerufen. „Das wird jeden einzelnen und die Gesellschaft verändern“, schrieb eine junge Dame hochgemut und setzte hinzu: „Man muss sich an den kleinen schönen Dingen festhalten, dem Sonnenschein, der aufwachenden Natur, Telefongesprächen mit den Lieben, gute Bücher, Musik, ich bin heute mit Kardinal Schönborn und der Messe im Livestream aufgestanden“. Überall fühlt sie ein „neues Nachbarschaftsgefühl“ entstehen.  Als alter Mensch mit wenig Neigung zu solcher poetischen Lebenshaltung sollte man sich da wohl beschämt vorkommen.

Vor den „Goldenen Zwanzigerjahren“ des 21. Jahrhunderts

Dass eine große Prüfung wie Corona die Menschen bessern werde, ist eine sehr idealistische Erwartung an die Folgen der Krise. Eine historische Evidenz gibt es dafür nicht. Aus den Zeiten nach den Pest-Epidemien im Mittelalter  und der frühen Neuzeit wird uns nichts von Einkehr und  Abkehr vom sündhaften Leben berichtet, das als Ursache für das Unglück galt.  „Die Menschen bleiben immer gleich. Aber das ist ihre Kraft und ihre Unschuld“ lässt Albert Camus den Arzt Doktor Rieux in der „Pest“ sagen, einem Buch, dass während der Pandemie wieder viel gelesen wurde. Von Unschuld will Karl Kraus ohnehin nichts hören: „Die Kugel ist der Menschheit beim einen Ohr hinein- und beim anderen hinausgegangen“, schrieb er nach dem ersten Weltkrieg voll wütenden Zynismus´. mehr hier

5 Gedanken zu „Schöne neue Welt nach der Corona-Krise?

  1. sokrates9

    Positive Aspekte der Coronakrise habe ich noch keine entdeckt: Ein Teil der Bevölkerung völlig hysterisch würde sich am liebsten in Ganzkörperpräservativ mit 3 Masken schützen,sieht bei weniger Abstand als 2 Meter Lebensbedrohung, Jugendliche denen man alle Freuden des Jungseins systematisch abtrainiert, Erwachsene die das Gefühl haben permanent belogen zu werden, das Reisen / Fernreisen in klassischem Sinne ist tot und wird auch nicht wiederkommen.Viel zu gefährlich man will doch nicht „neue Gedanken“oder sehen wie woanders agiert wird, Polizeistaat im Entstehen jeder hat schlechtes Gewissen wenn er Polizisten sieht – hat man was falsch gemacht? Maske schlecht auf, Abstand, was auch immer. ….Vorteile sehe ich nirgends.

  2. Allahut

    @sokrates9

    Einen Vorteil gibt es schon, dieses lästige Bussi-Bussi-Ritual ist zumindest vorübergehend vorbei, auch das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist erträglicher, weil die meisten doch den direkten Körperkontakt meiden.
    Allerdings wird uns das Motto von Kurz: „Koste es, was es wolle“ noch oftmals schmerzhaft in Erinnerung gerufen werden, denn irgendwann muss ja irgendwer das alles bezahlen. Zudem werden nach der Corona-Krise die Grünen mit ihren wahnsinnigen Ideen zur Rettung des Weltklimas kommen, koste es, was es wolle.

  3. Thomas F.

    Die schmerzlichste Erkenntnis an der „Wuhan Flu“ ist, wie einfältig und naiv als Kollektiv die Menschheit ist. Man fühlt sich in das Mittelalter zurückversetzt, als es Inquisitionsgericht, Aderlass, Ablasshandel etc. gab. Damals lebte die manipulierte Masse im Dunkeln, weil sie nicht die Möglichkeit hatte, zu erfahren, was abgeht. Inzwischen gab es die Aufklärung dank Buchpresse und man würde meinen, das Internet sollte eine zweite Welle der Aufklärung bewirken. Jeder hat die Möglichkeit zu recherchieren und Gegenmeinungen einzuholen, wenn er sich etwas Mühe macht. Aber die Masse der Homo Sapiens lässt sich die größten Absurditäten von ihren Leithammeln bequem eintrichtern wie eh und je. Wer ausschert, wird als gemeingefährlich eingeordnet und kommt auf den Scheiterhaufen. Erst, wenn ihnen das Wasser persönlich bis zum Hals steht, wachen sie auf und fangen an selbst zu denken, wie etwa die ‚Künstler‘ – nach einem Jahr Verspätung.

  4. Nightbird

    @ Thomas F.

    „Man fühlt sich in das Mittelalter zurückversetzt, als es Inquisitionsgericht, Aderlass, Ablasshandel etc. gab“
    „Wer ausschert, wird als gemeingefährlich eingeordnet und kommt auf den Scheiterhaufen“

    Danke für Deine Worte.
    Daran sehe ich, daß doch noch nicht alle erblindet sind.
    Auch, wenn’s nur wenige sind.

    lG, Nightbird

  5. D.B.

    „Schöne“ neue Social Credit System Welt nach Corona…2030
    Wer spurt und sich allem fügt hat keine Nachteile.
    z.b. ab Seite 122, 5.5
    https://www.vorausschau.de/SharedDocs/Downloads/vorausschau/de/BMBF_Foresight_Wertestudie_Langfassung.pdf?__blob=publicationFile&v=1

    https://www.vorausschau.de/SharedDocs/Downloads/vorausschau/de/BMBF_Foresight_Wertestudie_Langfassung.pdf

    „Studie ZUKUNFT VON WERTVORSTELLUNGEN DER MENSCHEN IN UNSEREM LAND

    Diese Publikation entstand im Rahmen des Dienstleistungsauftrags „Zukunftsbüro des Foresight-Prozesses
    (Foresight III)“ der Prognos AG und der Z_punkt GmbH
    im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und
    Forschung (BMBF), Referat – Strategische Vorausschau;
    Partizipation und Bürgerforschung.“

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