Schule: Die Folgen des Bildungsjakobinismus

(JOSEF STARGL) In zahlreichen öffentlichen Schulen können nicht mehr die geistigen Voraussetzungen für ein Leben in einer freien Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung erworben werden. Es weitet sich die Kluft zwischen den Anforderungen der Lebens-, Arbeits- und Berufswelt einerseits und der schulischen (Aus-)Bildung andererseits.

Leistungsfeindliche pädagogische Programme der „Jakobiner“, die im Namen der Gleichheit und des Gemeinwohls agieren, gefährden die individuelle Freiheit und fördern einen ökonomischen Analphabetismus sowie die Geringschätzung des produktiven Gelderwerbes.

Der Bildungsjakobinismus mit seinem geistigen Egalitarismus und mit seiner Wohlfahrtspädagogik führt zu einer „leistungsunfähigen“ öffentlichen Schule.

Die Schule wird in den Händen der „Avantgarde“ zu einem Werkzeug geistiger Umverteilung. Alle Schüler eines „Kollektivs“ sollen die gleichen Ergebnisse erzielen. Jeder Einzelne soll dabei das erhalten, was er haben „soll“. Eliten werden abgelehnt. Talente werden bewusst behindert. Eine Überforderung der Unterforderten ist beabsichtigt.

Die bevormundenden Wohlfahrtspädagogen wollen, dass in ihrer „sozial gerechten Wohlfahrtsschule“ eine Zuteilung von Wohltaten entsprechend einem ideologisch fixierten Standard einer „pädagogischen Umverteilungsgerechtigkeit“ erfolgt.

Dies führt in der Praxis zu einer „geistigen Einkommensumverteilung“, zu einer Einebnung nach unten auf Kosten der Freiheit des einzelnen Schülers. Im Interesse der Gleichheit soll eine Erziehung zu Individualität vermieden werden. Ein Leben in Freiheit und Eigenverantwortung ist unerwünscht.

Das hat nachhaltige Wirkungen auf Unternehmergeist, Risikobereitschaft, Kreativität, Zivilcourage, Eigeninitiative und Leistungsfreude.

Die „Jakobiner“ behindern gezielt das Verfolgen von Selbstinteresse und den Wunsch nach individueller Entfaltung. Persönliche Unabhängigkeit und Leistungswettbewerb sind nicht ihre Anliegen. Die Avantgarde bemüht sich nicht um den Einzelnen, sondern um das Kollektiv.

Die Freiheit des Kollektivs tritt an die Stelle der personalen Autonomie und der damit verbundenen Würde des Individuums. Der Einzelne hat angeblich nur Pflichten, aber keine Rechte gegenüber der Gemeinschaft. Ein „soziales Schulprofil“ verlangt die Gleichsetzung von „sozial“ und moralisch richtig. Wer nicht altruistisch handelt, der wird als unmenschlich und unmoralisch betrachtet.

Der „Traum vom Glück im Team“ geht in den öffentlichen Schulen um. Die Nutzung von Herden- und Hordeninstinkten steht am Programm. Im Lichte von Solidaritätsutopien und einer darauf abgestimmten spezifischen „Team-Ideologie“ sollen die Schüler „geformt“ und „umgebaut“ werden.

Gezielte Gruppenmanipulation und andere Umerziehungsinstrumente sollen es ermöglichen, dass die Schüler eine Begeisterung für die „Nestwärme“ verspüren und „Angst vor Liebesentzug“ entwickeln.

Der Bildungsjakobinismus ersehnt Homogenität, Harmonie, Verzicht auf Andersartigkeit und Originalität, Entindividualisierung und Anpassung.

Bildung gelingt angeblich ohne Anstrengung. Hintergrund- und Orientierungswissen werden gezielt als „Faktenwissen“ abgewertet. In der Schule sollen nicht etwa die erbrachten fachlichen Leistungen im Vergleich mit konkreten Anforderungen beurteilt werden, sondern die sogenannten „dynamischen Fähigkeiten“, die „Schlüsselqualifikationen“ und die Kompetenzen- wie z.B. „Sozialkompetenz“ und „Teamfähigkeit“.

Die Antileistungsstrategen wollen keine Transparenz von fachlichen Leistungsunterschieden innerhalb des Kollektivs. Der „bürgerliche“ Leistungsbegriff und die Idee einer leistungsgerechten Beurteilung werden abgelehnt. Leistung kann in den Augen der „Jakobiner“ keineswegs dadurch gefördert werden, indem man sie von den Schülern auch verlangt.

Die bürgerlichen Bildungspolitiker sind gefordert, eine „wertorientierte Bildung“ zu unterstützen, die einer freien Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung entspricht. Der Erfolg einer Bildungspolitik basiert nicht auf populistischen Motiven, sondern auf Ergebnissen.

9 comments

  1. Selbstdenker

    @Josef Stargl:
    Die Schule ist das Beispiel schlechthin für die linke Unterwanderung liberaler Institutionen: es begann mit Chancengleichheit und es endet mit Ergebnisgleichheit. Jede Institution, die nicht per Design in der Lage ist, Abwehrkörper zu bilden, wird infiziert und ruiniert.

  2. Herbert Manninger

    Alle sind Sieger, das muss schon im Kindergarten vermittelt werden, um Verlierertränen und Traumatisierungen nach Gemeinschaftsspielen vorzubeugen.
    Im späteren Leben werden dann die Schneeflöckchen erwarten, die gleiche Gage einzustreichen wie die wirklich Besten und sich verwundert die Augen reiben….

  3. Sokrates9

    @Josef Stargl Sie beschreiben perfekt die ÖVP Bildungspolitik in der Kritiker sofort als Maulwuerfe bezeichnet werden und mit dem Applaus aller Parteien gefeuert werden! Der Islam entspricht viel eher den neuen Bildungsidealen!

  4. Kluftinger

    @Sokrates9
    Eigenartig wie man den Blickwinkel verstellen kann?
    Von wegen ÖVP Bildungspolitik:
    Von 1970 bis 1990: Gratz; Sinowatz; Ziik; Moritz; Hawlicek; Scholten: alles SPÖ Unterrichts-bzw. Bildungminister.
    Dann kamen Busek und Gehrer (ÖVP) und von 2007 – 2017: Schmied; Heinisch-Hosek; Hammerschmied , wiederum SPÖ Bildungsministerinnen .
    Und da sprechen sie von einer ÖVP Bildungspolitik?
    Man muss schon weit weg sein von der Realität, um derartige Entwicklungen signifikant der ÖVP zuzuschreiben?

  5. Marianne Gollacz

    @ Herbert Manninger
    Ich hatte vor ca. drei Jahren so ein “Kindergartenerlebnis”. Habe bei einem Frauenlauf mitgemacht. Auch ein Nordic Walking Beweb fand statt. Nach dem “Rennen” rief die Frauenlandesrätin in die Menge “Ihr seid alle Siegerinnen”, was Jubel und Applaus auslöste. Ich war baff, die schlechteste Walkerin war genauso wie die beste Läuferin Siegerin. Etwas später fand dann doch, pro forma, eine Siegerehrung für die tatsächlichen Siegerinnen statt. Die Landesrätin forderte einen Parteikollegen auf, die Medaillen zu überreichen und lediglich eine kleine noch anwesende Gruppe jubelte und applaudierte.

  6. sokrates9

    Kluftinger@Sehe wenig Unterschied zwischen SPÖ / ÖVP Bildungspolitik. Wer hat sich gerade gegen Kopftuchverbot ausgesprochen? ÖVP – Tirol! Wie schauen die Ganztagesschulforderungen in Vorarlberg aus? ÖVP. Wo sehen sie da einen Unterschied von SPÖ / ÖVP Bildungspolitik??Welche Farbe hat die christliche Lehrergewerkschaft? Wieviel Prozent der Lehrerstimmen hat sie? was die Minister betrifft haben sie natürlich Recht, wurde aber alles brav von der ÖVP mitgetragen. Wer hat nun Wiesinger gefeuert??ÖVP /SPÖ Nomenklatura sind beide für die Schulpolitik zuständig die sie massiv ruiniert haben. Früher konnten nach 4 Klassen Volksschule mehr als 90% rechnen und schreiben- heute ist nach 8! Jahren so an die 25% nicht fähig sinnerfassend Artikel zu verstehen.

  7. Marianne Gollacz

    Auch der Islam funktioniert nach diesem Prinzip. Deshalb ist die Anzahl der muslimischen Nobelpreisträger überschaubar.

  8. Kluftinger

    @ sokrates9
    a) zu Tirol: manchmal bedarf es keiner Bosheit, da genügt Dummheit.
    b) zu Vorarlberg: lassen sie sich überraschen (ich erlebe die GS im Ländle nicht mehr)
    c) zu Frau Wiesinger: Das Buch war ein eklatanter Vertrauensbruch gegenüber dem Auftraggeber und hatte die Freisetzung zur Folge. (abgesehen von etliche rechtlichen Aspekten wie Meldepflicht der Nebentätigkeit für Beamte etc…)
    Und was das Buch selbst betrifft: glauben sie mir, die Kollegen vom Addendum-Verlag sind Profis.
    Die wussten genau, wenn das Buch nach dem Bericht erscheint -der kostenfrei über die Web-site des Ministeriums einsehbar ist – ist das Kaufinteresse für das Buch, das neben den Kernaussagen einige reale oder vermeintliche Intrigen beschreibt, minimal.
    Also musste es vor der Veröffentlichung des Berichtes erscheinen – mit den bekannten Folgen.
    (Mein Mitleid für Frau Wiesinger hält sich in Grenzen. Hoffentlich kompensiert der monetäre Ertrag ihre Seelenpein?).
    d) zur Bildungspolitik allgemein: selbstverständlich gibt es in Koalitionen Kompromisse die jeweils einen Partner nicht erfreuen .
    Die Frage ist, wer zündet welche Initiative. Glauben sie, die ÖVP hatte damals die Studiengebühren für die Unis aus heiterem Himmel erfunden? Dann fragen sie die damaligen Partner in der FPÖ!
    Oder die Idee der Frau Schmied mit dem “bifie” und die damit verschleuderten Millionen (25 Mio p.A.).
    Oder die Idee mit der kaum bis nicht funktionierenden Zentralmatura etc…
    Abgesehen davon, dass die Schulpolitik in Wien dunkelrot ist und sich der Katastrophe nähert, hat natürlich auch St. Pölten seine parteipolitischen Duftmarken gesetzt….
    Wie überhaupt die Farbenlehre in der Besetzung von Direktorenposten, Landesschulratspräsidenten etc teilweise groteske Züge angenommen hat.
    Wenn der Bericht / das Buch von Frau Wiesinger dazu beiträgt, die Missstände zu reduzieren, hat sie verdienstvoll gearbeitet.
    Wie kommt man zu einer derartige Sichtweise ?
    Mehr als 20 Jahre Minoritenplatzerfahrung reichten aus um ein abendfüllendes Programm zu gestalten ( Hauptakteure SPÖ/ÖVP mit blauen Episoden ).
    Was aber nicht erlaubt ist: eine monokausale Zuordnung von Parteien zu einzelnen Entscheidungen mit gleichzeitig verbundener Schuldzuweisung.
    PS.: die Schul- und Wissenschaftsbürokratie hat ein Trägheitsmoment welches für Beobachter ausserhalb des Systems kaum erfahrbar ist.

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