Schulen schätzen Individualität & Wettbewerb nicht

(JOSEF STARGL) Begriffe wie Teamfähigkeit und Sozialkompetenz sind in aller Pädagogen Munde. „Kollektiverziehung“ (ohne Sinn für die „gemeinsame Sache“!) sowie Erziehung zu Selbstlosigkeit und Solidarität (ohne Verzicht im Sozialstaat!) stehen am Programm.

Die Gruppe hat Vorrang vor dem Individuum. Der Einzelne soll sich den Interessen der Gruppe unterordnen. Die Identität von Individual- und Gemeinschaftsinteresse wird zur pädagogischen Zielsetzung.

Im Rahmen des „Sozialen Lernens“ soll der Schüler emotionale Bildung erwerben und altruistische Verhaltensweisen internalisieren. Es geht um eine Erziehung zu Homogenität, zu Konsens und Kompromiss um jeden Preis. Nicht Positionierung und Konflikt sind gefragt, sondern Harmonie ist das Ziel. Der Schüler soll vergleichsweise nicht besser sein wollen und den Wettbewerb verachten. Die Solidarität mit den Mitschülern ersetzt fachliche Leistungen.

Begabte und Eliten sind unerwünscht und werden daher bewusst benachteiligt. Primär sollen die Lern- und Leistungsschwachen gefördert werden. Die kleinste Abweichung bzw. Verschiedenheit wirkt anstößig inmitten allseitiger Gleichförmigkeit.

Ist es nicht unfair und gegen die Gleichwertigkeit, gegen die Würde des Menschen gerichtet, wenn man jemanden daran hindert, das zu leisten, wozu er fähig ist? Um die Idee der Gleichwertigkeit der Menschen zu verwirklichen, bedarf es der Ungleichheit. Die Würde des Menschen besteht in seinem „Unterschiedlich-Sein“, in seiner Individualität.

Es gibt in den Schulen leider eine zu geringe Wertschätzung von Individualität und Wettbewerb. Einzelne Schüler behaupten sogar, dass Wettbewerb zu Feindseligkeiten führe und dass sie eigentlich Mitschüler hassen, die besser sein wollen oder besser sind.

In der beruflichen Praxis brauchen wir mehr denn je Führungspersönlichkeiten, Autoritäten, Vorbilder, Begabte, Eliten, Abenteurer, Pioniere, „Unternehmer“, Neuerer, Entdecker und Erfinder. Warum werden in den Schulen Individualisten nicht gefördert?

Gefragt sind Querdenker mit Zivilcourage, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und Widerstände zu überwinden. Sowohl die Repräsentative Demokratie als auch die Marktwirtschaft leben von unternehmerisch denkenden und handelnden Persönlichkeiten, die sich für etwas einsetzen und sich sowohl im Wettbewerb als auch im Konflikt bewähren können.

Von „in der Gruppe angepassten Schülern“ kann man doch nicht erwarten, dass sie Neugierde zeigen, „Warum-Fragen“ stellen und ein Denken in Alternativen pflegen.

Die Schüler sollen Persönlichkeiten werden, die es wagen, zu widersprechen, sachliche Kritik einzubringen, Argumente zu erörtern und schöpferische Ideen zu artikulieren. Wer etwas bewegen will, muss Phantasie und Kreativität zeigen. Um Neuerungen umzusetzen, sind individuelle Leistungen erforderlich. Die Mitgestaltung der Dynamik der kulturellen Entwicklung verlangt Entscheidungsfreude und Mut zu Initiativen.

Individuelle Lernprozesse sind fundamentale Bausteine von Veränderungen. Ein Pädagoge darf einfach nicht vergessen, dass Individuen nicht ersetzbar sind. Im Interesse von Persönlichkeitsbildung und Wettbewerbsfähigkeit gilt es, Ungleichheit und Andersartigkeit akzeptieren zu lernen und Begabungen gezielt zu fördern. „Individualismus und Konflikt“ statt „Gruppe und Harmonie“ sind zu betonen.

Die Lebenspraxis erfordert Konfliktbereitschaft und die Fähigkeit, Konflikte in menschenwürdiger Form zu lösen.

5 comments

  1. Cora

    Ich frage mich schon lange, wer eigentlich das Heft in die Hand nehmen wird, wenn einmal die Babyboomer endgültig abgetreten sind, also zirka in 10 Jahren. Die Weichgespülten werden ein Weilchen von der Substanz, die die die Vorgeneration aufgebaut hat, leben – d.h. von den Handelsverträgen zehren, die nach rund 10 Jahren ausgelaufen sein werden. Und was dann? Wer zahlt dann noch ein, wer zahlt dann für das Sozialsystem ein, wer für Pensionen? Niemand mehr da, der kann. Nur noch die, die mitpartizipieren wollen.

  2. Kluftinger

    Wenn das Team (die Gruppe) im Vordergrund stehen, kann es diejenigen nur freuen, die gelernt haben was mit der Gruppendynamik möglich ist.
    Der Trick dabei ist, dass die Gruppe kaum merkt wie sie manipuliert wird. Oder im anderen Fall (wie in der KPdSU z.B.) bildet sich eine “Avantgarde” heraus, die den anderen schon sagen wo der Bartl den Most holt.
    ( Tipp: Das Buch “Nomenklatura” von Michail Voslensky)

  3. Franz Jäger

    Ich denke es gilt noch das Schulorganisationsgesetz, dort ist folgendes festgelegt:

    § 2. Aufgabe der österreichischen Schule

    (1) Die österreichische Schule hat die Aufgabe, an der Entwicklung der Anlagen der Jugend nach den sittlichen, religiösen und sozialen Werten sowie nach den Werten des Wahren, Guten und Schönen durch einen ihrer Entwicklungsstufe und ihrem Bildungsweg entsprechenden Unterricht mitzuwirken. Sie hat die Jugend mit dem für das Leben und den künftigen Beruf erforderlichen Wissen und Können auszustatten und zum selbsttätigen Bildungserwerb zu erziehen.

    Die jungen Menschen sollen zu gesunden, arbeitstüchtigen, pflichttreuen und verantwortungsbewußten Gliedern der Gesellschaft und Bürgern der demokratischen und bundesstaatlichen Republik Österreich herangebildet werden. Sie sollen zu selbständigem Urteil und sozialem Verständnis geführt, dem politischen und weltanschaulichen Denken anderer aufgeschlossen sowie befähigt werden, am Wirtschafts- und Kulturleben Österreichs, Europas und der Welt Anteil zu nehmen und in Freiheits- und Friedensliebe an den gemeinsamen Aufgaben der Menschheit mitzuwirken.

  4. Herbert Manninger

    @Cora
    Genau so wird’s ablaufen.
    Die jungen Esel und Eselinnen tanzen bereits auf dem Eis.

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