Schwacher (Ex-)Kanzler, schwaches Buch

(Rezension von Andreas TÖGEL) Die Liste der Erfolge Franz Vranitzkys als Kanzler ist kurz. Darum wäre er, nach dem Rücktritt von seinem Amt, gerne zumindest als „Elder Statesman“ ernstgenommen worden. Tatsächlich jedoch gab es für sein diesbezügliches Angebot zu keiner Zeit relevante Nachfrage. Warum nicht, dafür liefert das vorliegende Buch “Zurück zum Respekt”die Begründung.

Wer heute, am Höhepunkt weltweiter Schuldenexzesse, allen Ernstes einen weiteren keynesianisch inspirierten „New Deal“ – also noch mehr kreditfinanzierte Staatsausgaben – fordert, hat offenbar jede Bodenhaftung verloren. Einer Schuldenkrise (in der Zeit seiner Kanzlerschaft sind die Staatsschulden Österreichs förmlich explodiert) mit noch mehr Schulden Herr werden zu wollen, ist einfach Unsinn: Löschen mit Benzin. Wie formulierte es der Wirtschaftsnobelpreisträger des Jahres 1974, F. A. Hayek: „Wenn Sozialisten etwas von Ökonomie verstünden, wären sie keine.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Aber auch abseits der Wirtschaftspolitik, hatte und hat er wenig zu bieten: In seiner Zeit als Kanzler, war er mit seiner kurzsichtigen Ausgrenzungstaktik gegen den einstigen Koalitionspartner, maßgeblicher Verursacher des Erfolges jener bösen „Rechtspopulisten“, die er in seinem Buch an mehreren Stellen kritisiert. Den derzeit amtierenden US-Präsidenten Trump stilisiert er gar zu seinem Lieblingsfeindbild: „Trump – der Höhepunkt der Respektlosigkeit“, heißt das dem Immobilientycoon im Weißen Haus gewidmete Kapitel. Trump – respektlos gegenüber Frauen und den (für Vranitzky offenbar sakrosankten) Medien. Furchtbar. Klar, für einen Mann, der außerhalb geschützter Werkstätten Erfolg hatte (und hat) empfinden gestandene Parteikader wie Vranitzky, die keine Sekunde außerhalb der Strukturen des Deep State verbracht haben, zu dem auch der Finanzsektor zählt, naturgemäß wenig Zuneigung. Außerdem: Populisten sind immer die anderen. Wenn nämlich rote Kanzler Wehrdienstzeitverkürzungen versprechen, das Geld fremder Leute als Heirats- und Wurfprämien verteilen, Pensionsprivilegien roter Stammwähler zäh verteidigen und ihr übriges Klientel unausgesetzt mit Brot und Spielen verwöhnen, hat das mit Populismus natürlich überhaupt nichts zu tun. Hier zeigt sich jener Doppelstandard in seiner ganzen Pracht, der für moralinsaure linke Spießer typisch ist.

Die am Ende präsentierten Listen der vom Autor erkannten Problemfelder und „Rezepte“ zu deren Heilung, offenbaren die Oberflächlichkeit seines Denkens und enthalten einiges an unfreiwilliger Komik: Dass ausgerechnet ein in der Wolle gefärbter Roter sich um die Errungenschaften der Aufklärung sorgt, entbehrt ja nun wirklich nicht der Ironie. Denn der Gebrauch des Verstandes durch vom allsorgenden sozialistischen Nannystate rund um die Uhr besachwaltete Untertanen, ist wohl das Letzte, was staatsgläubige Paternalisten gebrauchen können. Sie sind ja auf den in Unverstand und Abhängigkeit gehaltenen Klienten angewiesen, der – wie sie selbst – ohne Partei gar nichts ist (wie es Vranitzkys Vorgänger Sinowatz in einem lichten Moment so treffend formulierte).

Spätestens wenn man die Passagen erreicht, an denen er die „Anerkennung der Gleichheit des anderen Menschen“ (?) fordert, oder feststellt, „…im Islam darf man nicht alle Menschen in einen Topf werfen.“ (??) wird klar, dass man die für diese Lektüre aufgewendete Zeit besser anderweitig verwendet hätte.

 

Zurück zum Respekt

Franz Vranitzky

Edition a, 2017

159 Seiten, Hardcover

ISBN:978-3-99001-229-1

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5 comments

  1. Christian Peter

    Bücher österreichischer Politiker sind natürlich besonders spannend. Der Titel eines Buches von Sebastian Kurz wird vermutlich lauten : ,,Wie man es als Taugenichts in der Politik bis ganz nach oben schaffen kann.”

  2. Johannes

    Denk ich an Vranitzky denke ich auch an sein Beraterhonorar das er erhalten haben soll für einige oder mehrere Telephongespräche (“vielleicht 8 vielleicht 10“)mit einem gewissen Flöttel, wenn ich nicht irre.
    Soweit ich mich erinnere hat Flöttel den Informationsgehalt dieser Gespräche nicht allzu hoch eingeschätzt.
    Nun das Honorar war nach meiner Meinung hoch.
    Ich bin sehr mißtrauisch wenn mir Politiker wie Gusenbauer und leider muss ich es sagen auch Vranitzky etwas erzählen wollen.

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