Schweden schafft das Bargeld ab

Von | 2. März 2013

“Schwedische Banken stellen den Bargelddienst in den Filialen ein. Kreditkarten sollen das Zahlen sicherer machen. Kritiker werfen ein, dass vor allem die Banken profitieren. Kunden würden zudem für den Handel völlig berechenbar.” (merkur.de)

10 Gedanken zu „Schweden schafft das Bargeld ab

  1. Gerhard

    Bei so einer Umstellung gibt es viele Vor- aber auch gravierende Nachteile.

    Vorteile für Banken, Handelsbetriebe usw.:
    keine Manipulation mit Münzen und Banknoten, keine Fehler beim Herausgeben, keine falschen Geldmittel, Banken bekommen für jede Bezahlung mittels “Plastikgeld” bzw. künftig NFC-Smartphones Kommissionen, mehr Kundengeld am Konto mit mickrigen Habenzinsen, mehr Kontoüberziehungen mit entsprechenden Gebühren, mehr Umsätze im Handel, da man beim bargeldlosen Einkauf viel großzügiger ist.
    Nachteile für Banken und den Handel:
    keine

    Vorteile für Kunden:
    Wegfall von Falschgeld, keine Fehler beim Wechselgeld, kein Herumschleppen von vielen schweren Münzen, Verlust bzw. Diebstahl von Geld wird verringert
    Nachteile für Kunden:
    Verführung zu mehr und unüberlegten Einkäufen, Wegfall der Anonymität beim Einkauf, dadurch Möglichkeit der Erstellung von Kundenprofilen, eigentlich komplette Überwachung aller Einkäufe bei vernetzten Verrechnungssystemen zwischen Handel und Banken (ähnlich wie die Erstellung von Wegeprofilien durch eingeschaltete Handys), Kartenspesen werden in die Preise eingerechnet und sind daher vom Kunden zu bezahlen.

    1984 von George Orwell lässt grüßen.

  2. Reinhard

    Die endgültige Enteignung: der Endverbraucher bekommt gar nix mehr in die Hand, muss jeden Lutscher und jede Cent-Rechnung mit virtuellen Buchungssätzen begleichen, was zu gewaltigen Mengen an wiederum gebührenpflichtigen Transaktionen führt (wenn’s geht versteuert, weil Finanztransaktionen ja so böse sind).
    Keine Möglichkeit des “Notgroschens” mehr, keine Möglichkeit für Trinkgeld oder Geldgeschenke, keine Sparwerte ohne Daumen des Staates darauf. Die Oberkontrolleure in den Bank- und Parteizentralen (mal nachschauen, das sind oft die gleichen Namenslisten…) bekommen glatt ein feuchtes Höschen vor Glück.
    Und die Masse ist wahrscheinlich noch begeistert darüber, endlich die dicken Geldtaschen voller kleinem Schotter nicht mehr herumschleppen zu müssen. Ein Plastikstück für alles.
    Erst die Bürgerkarte, dann der Kartenbürger, dann…???

  3. Thomas Holzer

    @Reinhard
    Vollkommen richtig!
    Staatlich organisierte Entmündigung und Enteignung!

    “Und die Masse ist wahrscheinlich noch begeistert darüber,”

    LEIDER!

  4. Wolf

    Der schwedische Staat hat ja traditionell die Tendenz, seine Bürger zu entmündigen, zu enteignen und ihnen nur das zuzuteilen und zu erlauben, was der Staat für richtig hält (irrwitzige Steuern, totaler Sozialstaat, Alkohol, Prostitution…).

  5. wollecarlos

    Wir müssen aufpassen, daß sich hier bei uns im Blog kein Popanz aufbaut!

    Es ist -wie in der Einleitung ja auch steht- eine Sache der Banken und Kunden, nicht der Regierung.

    Und die Kunden wollen (!!) das auch so, jedenfalls ist das meine Beobachtung, die ich bei meinem letzten Schweden-Besuch vor knapp zwei Jahren gemacht habe.

    Auch damals hat kaum Jemand noch mit Bargeld bezahlt. Eigentlich nur noch mit Karte.

    Und wenn man in einen Bus, die Bahn oder auf eine Fähre stieg, hielt man sein Handy an einen Button und der Fahrpreis wurde schnell und verwechslungsfrei abgebucht.

    Auch im Einkauf der Waren des täglichen Bedarfs ist man weiter: Man kann in vielen Supermärkten schon einkaufen, ohne an der Kasse (mit evtl. Warte-Schlangen) vorbeigehen zu müssen. Man scannt selber ein und hängt den mobilen Sanner am Ausgang in eine Halterung. Dort wird der Betrag ausgelesen und vom Konto abgebucht.

    Nach Ausaage von Marktmanagern gibt es (fast) keine Probleme mit Betrug, jedenfalls nicht mehr, als vorher!

  6. Reinhard

    Es klingt ja schön, wenn man “Banken” und “Regierung” voneinander trennen möchte, aber wie ist das mit den ehemaligen und gleichzeitig zukünftigen BankmanagerInnen in den bestehenden Regierungen? Mit den Parteisoldaten in den Führungsetagen der Bankhäuser? Mit den von parteinahen Organisationen betriebenen Banken oder den in Südeuropa von den Banken eingesetzten Masseverw… äh Ministerpräsidenten?
    Nein, ich trenne da bewusst nicht, denn der Komplex aus Politik und Geldwesen ist so miteinander verflochten, dass es nicht wundert, dass Bankgesetze den Banken entgegenkommen und Staaten die größten Schuldner bei ihnen sind.
    Man kann den Verzicht auf Bargeld natürlich als großen Fortschritt feiern und sich freuen, wenn man den Schotter aus der Hand gibt, aber wenn es nur um eine Vereinfachung für die Kunden ginge, könnte man über das (wenig forcierte und schlecht angenommene) Quick-Chip-System nachdenken, das immerhin einen Kauf über die Summe hinaus, die aufgeladen wurde, verhindert. Eigentlich das einzige Kartensystem, das eine Geldtasche simuliert: Wenn’s leer is’, is’ leer! Aber es geht ja um Kreditkarten, ausgerechnet jenes System, das (wie die Erfahrungen der USA zeigen) die meisten der den Grundrechnungsarten fremden Konsumsüchtigen aus der unteren Schublade des Bildungsniveaus in die Überschuldungsfalle rennen lässt.
    Die Politik ist immer mit an Bord, schon durch die Gesetzgebung, die all das erst ermöglicht, und seltsamerweise sind genau jene, die immer von Wohlstand für alle, von Gerechtigkeit und Schutz der kleinen Leute schwadronieren, jene, die ein System als fortschrittlich und toll bejubeln, das mehr kleine Leute in die Kreditkartenfalle tappen lässt.

    Über die jetzt schon idiotisch fette Kreditkartenblase und was deren Platzen bedeuten könnte, wollen wir mal gar nicht reden. Das wird dann sowieso ein Knall, gegen den die “Kriiiiiese”, die man uns täglich vorgaukelt, ein Murmeltierpups ist.

  7. Thomas Holzer

    @wollecarlos
    Soll sein, aber:
    Barabhebungen über EUR 15.000,– in Österreich nur mehr mit Ausweis; Barzahlung z.B. in Italien nur bis EUR 1.500,– erlaubt!
    und das ist per Gesetz geregelt, das ist keine Übereinkunft zwischen Kunde und Bank!

  8. Ludwig Reiners

    Schweden – das war doch das Land mit der weltweit zweithöchsten Vergewaltigungsrate. Und den No-Go-Areas. Und der 100% Einkommensteuer.

  9. Smarti

    Mal abgesehen von einer nie dagewesenen Durchleuchtung des unbescholtenen Bürgers käme die komplette Abschaffung des Bargeldverkehrs durch das Bankensystem einem Paradigmenwechsel gleich. Es stellt sich nämlich die Frage wie Banken mit Kundeneinlagen verfahren sollen. Werden diese Sichteinlagen lediglich “digital aufbewahrt” oder sofort an Kreditnehmer weiterverliehen. In letzterem Falle wäre das originäre Geld weg, der Einleger könnte aber immer noch darüber verfügen. Das funktioniert aber nur wenn die Bank das dafür notwendige Geld aus dem Nichts schöpft, also das ursprünglich eingelegte Geld quasi “kopiert”. Dummerweise kann der Einleger diese Geldfälschung nicht durch einen Einlagenabzug bestrafen, weil das abzuziehende Geld ja eben von der “bestraften” Bank bereits im vorhinein erschaffen wurde. Kurzum: Wird das Fractional-Reserve-Banking in einem bargeldlosen System beibehalten, gibt es wirklich KEINERLEI Sanktionsmechanismus mehr für die (ja bereits im gegenwärtigen Regime institutionalisierte) Geldfälschung des Bankensystems. D.h. es wird noch schneller und skrupelloser inflationiert.
    Die Alternative besteht darin, dass die Sichteinlagen der Bankkunden tatsächlich digital aufbewahrt werden, es also keine Kreditschöpfung durch das Bankensystem gibt. Wie wahrscheinlich die Abschaffung des Fractional-Reserve-Bankings ist, kann sich jeder an fünf Fingern abzählen.

  10. aneagle

    Wozu die komplizierte diskussion und die völlig willkürliche trennung zwischen regierungen und ihren helfershelfern, wer immer das ist und warum auch immer?

    Mit dem ende des anonymisierten geldes, ist, zumindest in europa, die mauer, welche bis 1989 die ddr umschloß,völlig wiederaufgebaut. Einzige Ausnahme: keine Selbstschußapparate an den virtuellen grenzen europas.

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