Schweiz: Mehrheit für Gold-Franken?

“….Die Volksabstimmung zur „Schweizer Gold-Initiative“ findet am 30. November statt. Eine jüngste Umfrage einer Schweizer Zeitung deutet an, dass derzeit etwa 45 Prozent der Befragten die Gold-Initiative unterstützen, 39 Prozent lehnen sie ab; der Rest ist unentschieden. Die Forderungen der Gold-Initiative lauten: (1) Die Schweizer Nationalbank (SNB) darf kein Gold mehr verkaufen, (2) die Schweizer Goldreserven müssen in der Schweiz gelagert werden, und (3) die SNB muss mindestens 20 Prozent ihrer Aktiva in Gold halten.” (hier)

3 comments

  1. Marcel Elsener

    Leider habe ich auch schon von Umfragen gehört, die zu gegenteiligen Ergebnissen kommen. Trotzdem ist es gut, dass diese Frage endlich aufs Tapet kommt.

    Die Schweiz hat vor etwa 10 Jahren zu Dumpingpreisen jede Menge Gold verkauft. Fast sämtliche Politiker waren seinerzeit dafür. Das erhaltene Geld wurde natürlich nicht etwa für den staatlichen Schuldenabbau verwendet sondern in die Aufrechterhaltung des überdimensionierten und notorisch defizitären Zwangssozialstaats gesteckt, damit man dringend notwendige Reformen noch ein paar Jahre hinauszögern kann. Die Wirkung war somit nach wenigen Jahren verpufft. Leider hat der Stimmbürger sich damals zu diesem Schwachsinn bequatschen lassen. Auch in einer direkten Demokratie wird nicht immer richtig entschieden.

    Ich hoffe sehr, dass die Gold-Initiative durchkommt, obwohl Volks- und Ständemehr sehr schwierig zu erreichen sind. Damit würde wenigstens ein Schritt in die richtige Richtung getan, auch wenn der Weg zur Gesundung des Staates noch sehr lang ist. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt…

  2. Christian Weiss

    Mir erschliesst sich nicht, warum alles Gold in der Schweiz eingelagert werden sollte? Ein Teil der Goldreserven liegt zum Beispiel in Kanada. Nicht der schlechteste Ort für ein Depot, wenn Europa wieder mal vor die Hunde gehen sollte und dieses Mal die Schweiz auch betroffen ist.

    Die Schweiz hat relativ zur volkswirtschaftlichen Leistung gesehen immer noch die grössten Goldreserven. Dass momentan der Anteil an den Aktiva nur etwa 8% beträgt, liegt an den massiven Währungsinterventionen zugunsten des Euros. Solche Interventionen sind nicht mehr machbar, wenn diese Initiative angenommen wird.

    Auch wenn die Bedeutung des Goldes als Werkstoff z.B. in der Elektrotechnik oder in der Militärtechnik (Stealth-Glaskuppen für Jagdflugzeuge) zugenommen hat, so ist der Wert des Goldes nach wie vor ein recht symbolischer: Gold ist darum wertvoll, weil es glänzt und den Leuten gefällt. Auch nur eine Scheinstabilität.

  3. Marcel Elsener

    @Christian Weiss
    Aus philosophischer Sicht hat jedes Gut immer nur den Wert, den wir ihm zumessen. Die bedruckten Papierchen, welche Staaten herausgeben und als Geld bezeichnen, haben einen sehr tiefen Wert, wenn wir nicht den Wertaufdruck sondern den Warenwert betrachten. Gold hat hingegen einen hohen Warenwert; das war vor 2000 Jahren so, vor 200 Jahren, heute ist es so, und in 200 Jahren wird es wohl noch immer so sein. Werden die bunt bedruckten Papierchen namens Euro-Banknoten in 200 Jahren noch irgendeinen Wert haben? Wohl kaum.

    Entgegen Ihrer Behauptung, Herr Weiss, ist Gold nicht einfach wertvoll, weil es glänzt, sondern weil es sehr selten und somit ein knappes Gut ist. Bronze glänzt auch sehr schön, ist aber deutlich weniger wertvoll als Gold, weil es in viel grösseren Mengen hergestellt werden kann und ein weniger knappes Gut ist. Geldscheine hingegen sind in beliebig grossen Mengen mit beliebig hohen Wertaufdrucken produzierbar. Geldscheine sind somit kein knappes Gut – von den virtuellen Geldbeständen in irgendwelchen Computerspeichern, die bloss aus Bitreihen bestehen, ganz zu schweigen. Bei Geldscheinen bzw. gespeicherten Geldbeträgen ist also der zugemessene Wert ein reines Phantasieprodukt, da ja kein nennenswerter Warenwert dahintersteckt.

    Inwieweit Kanada und insbesondere den USA zu trauen ist, das muss halt jeder Schweizer Stimmbürger selbst entscheiden. Faktisch ist das Gold im Ausland jedenfalls unter der Kontrolle einer fremden Macht, während es in der Schweiz eben unter eigener Kontrolle wäre. Offen gestanden, habe ich zum Schweizer Volk mehr Vertrauen als zum US-amerikanischen oder kanadischen Staat.

    Gewisse politische Ereignisse um das deutsche Gold, welches in den USA eingelagert ist, haben wohl nicht nur mich aufhorchen lassen. Dass keine ausländischen Inspektionen zugelassen sind, um die eigenen physischen Goldbestände zu prüfen, ist doch recht eigenartig. Warum lassen die USA solche Inspektionen nicht zu? Machen sie selbst denn keine Inventur, um die Buchbestände mit den physischen Beständen abzugleichen? Also müsste doch eine Inspektion durch ausländische Goldeigentümer kein Problem darstellen. Auch dass das wenige Gold, das Deutschland jetzt zurückholt, erst umgegossen werden muss, bevor es ausgeliefert werden kann, ist kaum logisch begründbar. Die USA sind selbst schuld, wenn dabei Verschwörungstheorien ins Kraut schiessen, denn sie selbst schüren sie mit ihrem seltsamen Geschäftsgebaren kräftig. Transparenz sieht jedenfalls anders aus.

    Der grösste Vorteil der Goldinitiative besteht jedoch darin, der Schweizerischen Nationalbank (SNB) gewisse Fesseln anzulegen. Die sind zwar immer noch recht lose, aber sie sind besser als gar nichts. Und wenn die SNB Euros gegen Gold tauscht, dann schlagen wir gleich zwei Fliegen mit einer Klappe:

    1. die hohen Eurobestände, die ein erhebliches Währungsrisiko darstellen, werden abgebaut, und
    2. wir bekommen etwas wirklich werthaltiges dafür.

    Gerade die Handlungseinschränkungen der SNB sind den Politikern ein Dorn im Auge. Denn dann können sie nicht mehr eine grenzenlose Schuldenpolitik basierend auf FIAT-money durchziehen. Auch der Schweizer Bundesstaat und die Schweizer Kantone sind hoch verschuldet. Wenn es gelingt, diesen Verschuldungswahn der öffentlichen Haushalte zu stoppen oder wenigstens stark zu verlangsamen, dann ist ein wichtiges Etappenziel bereits erreicht – auch wenn noch ein weiter Weg bis zum Endziel von gesunden Staatshaushalten zurückzulegen ist.

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