Sebastian Kurz ist kein „Green-Tec-Visionär“ – na und?

Von | 8. August 2021

(Christian Ortner)  Warum die Rückkehr zum Sonntagsbraten und andere Verarmungsvisionen kein taugliches Instrument gegen den Klimawandel sein werden. In China wurde unlängst der mit Abstand schnellste Zug der Welt vorgestellt, ein futuristisches Objekt, das mithilfe der Magnetschwebetechnik in wenigen Jahren 600 km/h schnell Peking mit Shanghai verbinden wird. Gäbe es so etwas hier, wäre man in etwas über zwei Stunden von Wien in Brüssel. China eignet sich gerade die Zukunft an.
In Deutschland, dem industriellen Herzland Europas, schwärmen sie derweil von Lastenfahrrädern, mit menschlicher Muskelkraft betrieben, zerstören sie mutwillig die bislang weltweit führende Autoindustrie zugunsten einer ökologisch wie ökonomisch problematischen E-Mobilität und fetischisieren sie den – grundsätzlich ja notwendigen – Umweltschutz in völlig unverhältnismäßigem Ausmaße und weisen ihm quasireligiösen Charakter zu.

Selbstgeißelungen und Enthaltsamkeit sind die Erlösungsvoraussetzungen dieses Kultes. „Zurück zum Sonntagsbraten“ – als einzige fleischliche Mahlzeit der Woche –, forderte etwa jüngst die Organisation Global 2000, und in der „Kronen Zeitung“ fand sich ein Aufruf, auf weltlichen Besitz wie „Nähmaschine, Mähmaschine oder Bohrmaschine“ zu verzichten und stattdessen „auszuborgen“, denn: „Umstellungen, die jetzt nach Verzicht aussehen, werden sich . . . als persönlicher Gewinn erweisen.“

Neu ist diese lustfeindliche, schmallippige und stets mit zusammengekniffenen Arschbacken vorgetragene Konsumfeindlichkeit nicht. Gerade im deutschen Sprachraum setzt sie auf eine Tradition der Konsumkritik von links, partiell aber auch von rechts auf. Eine „Kleinbürgerhölle“ habe er erblickt, grauste sich der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger einst – nach einem Blick in den „Quelle“-Katalog. Der Begriff „Konsumterror“ ist seit der 1968er-Revolte ein Lieblingsklischee der Linken, das der Klimawandel nun wiederbelebt.

Für linksalternative Systemgegner ist der von ihnen vorhergesehene Schrecken einer zerstörten Natur zugleich eine maximale weltanschauliche Bestätigung: „Nun können sie ihre Abneigung gegen den Konsum, die sie aus anderen Gründen ohnehin hegen, mit dem vollen Pathos der Menschrettung vortragen“, schreibt der deutsche Publizist Thomas Hecken. „Weit über die Wählerschaft der Grünen oder die Hunderttausenden Käufer von Büchern wie denen Fromms hinaus gilt Konsum vor allem in den Mittelschichten nicht zuletzt darum als Phänomen von höchst zweifelhaftem Wert . . .“ (Hecken: „Das Versagen der Intellektuellen. Eine Verteidigung des Konsums gegen seine deutschen Verächter“) Was lang eine Art intellektuelle Marotte war, ein törichtes Posieren im Bobo-Milieu, dringt nun als Folge des Klimawandels in den Mainstream ein.
Dass Sebastian Kurz offensichtlich nicht das Appeasement mit dem albernen Zeitgeist sucht, sondern eher den Konflikt („nicht zurück ins Mittelalter“), hat ihm viel Kritik eingebracht. Er verkörpere „das alte Denken“, vergebe die Chance, sich zum „Green-Tech-Kanzler“ zu stilisieren, kritisierte man. Er habe, schrieb etwa Hubert Patterer in der „Kleinen Zeitung“, den „Nerv der Zeit“ nicht erkannt.

Mag sein, dass es diesen Nerv gibt, aber ziemlich sicher gibt es noch einen ganz anderen. Und der liegt langsam bei jenen blank, die am Wochenende lieber „Grillen als Gendern“ (Gabor Steingart), sich nicht leisten können, mit einem Tesla in die Fabrik zu fahren, und die nach Schichtende gern einen Braten essen – nicht nur am Sonntag, wenn das Global 2000 gnädigerweise gestattet. Und die intuitiv spüren, dass sie am Ende die Zeche zahlen werden, in Form von viel höheren Lebenshaltungskosten, von Jobverlust oder auch in Form des Verlustes jener Lebensart, die ihnen vertraut und angenehm ist, der „Kleinbürgerhölle“, wie sie die höheren Stände verachtungsvoll nennen.
Kurz mag kein großer „Green-Tec-Visionär“ sein, geschenkt. Aber auf die Befindlichkeit jener vergessenen Männer und Frauen Rücksicht zu nehmen könnte sich politisch durchaus noch lohnen. (“Presse”)

14 Gedanken zu „Sebastian Kurz ist kein „Green-Tec-Visionär“ – na und?

  1. Mourawetz

    Neuestes Beispiel grüner Lustfeindlichkeit. Das bisher einen Operettznabend beschließende Feuerwerk in Mörbisch ist nicht mehr, betrieben von der grünen Politik des Burgenlandes. Statt dass man sich um die Enteignung der Pfahlbautensirdlung auf der ungarischen Seite widmet. Aus Umweltschutzgründen, was lächerlich ist. Man wird den Verdacht nicht los, daß es gegen die „Kleinbürgerhölle“ geht.

  2. Selbstdenker

    Christian Ortner hat – beinahe schon beiläufig – einen sehr wichtigen Punkt angesprochen: wir haben es mit einen Kult zu tun.

    Die grüne Kirche bietet all jenen spirituelle Heimat und Wirkungsstätte, die gerne etwas “besseres” wären, es aber nicht sind.

    Das verbale Anspucken, Erniedrigen und Gängeln von Menschen, die sie gerne in eine untere Kaste drängen und einsperren würden, ist nicht ein Nebeneffekt, sondern der Kern der grün-camouflierten braunen Sache.

    Praktisch überall auf der Welt und in jeder Kultur tauchen solche Sekten, die den Todestrieb der Nutzlosen bewirtschaften, zyklisch auf.

    Wenn alles in Trümmern liegt, verschwinden sie noch schneller als sie gekommen sind und überlassen den von ihnen verachteten “einfachen” Menschen die Aufräumarbeiten.

    Anhänger und Profiteure von diesem Kult (hier: die von Christian Ordner angesprochenen Medien), versuchen eine Zwangsläufigkeit zu vermitteln, die es in Wahrheit nicht gibt.

    Wie kann sich aber die Mehrheit gegen diese von einer radikalisierten Minderheit ausgehende Usurpation wehren?

    Ein guter Anfang ist, sich klar zu werden mit was man es zu tun hat und dies auch präzise und offen zu benennt.

    Egal was Medien und “Experten” sagen: die Mehrheit unterstützt das nicht und nichts ist alternativlos.

    Werft dem Feind die Wahrheit wie faule Eier ins Gesicht, zeigt ihm den nackten Arsch und macht sie lächerlich.

    Reißt den Vorhang weg, der das heuchlerische Treiben der NGO Kirchenfürsten vor den Blicken ihrer bigotten Anhänger schützt!

    Der Preis, diese Spinner wieder los zu kriegen, hängt davon ab, wie schnell man such wehrt.

  3. Johannes

    Der Nerv der Zeit scheint es zu sein Massenimmigration bei gleichzeitiger Einstellung wichtiger Infrastruktureller Maßnahmen zu fordern.
    Millionen Menschen ins Land zu lassen bedeutet das die vorhandene Infrastruktur, im speziellen das Verkehrsaufkommen, zunimmt.

    Wenn der Speckgürtel rund um Wien laufend üppiger wird hat es auch damit zu tun das immer mehr Wiener “flüchten” und zwar vor einer Nachbarschaft die ihnen nicht nur fremd sondern oft auch feindselig begegnet.
    Vor allem viele Kinder sind dieser Situation ausgesetzt. Sie müssen als Minderheit in Klassen sitzen und immer öfter, so auch erst gestern wieder, hört man das sie bedroht, ausgeraubt, geschlagen oder zum Drogenkonsum verführt werden.
    Daher, viele Familien wollen nichts wie weg und die Kolonnen auf der mittlerweile dreispurigen A4 werden immer länger.
    Das scheint mir der” Nerv der Zeit” zu sein, einer der wohl eher der Realität entspricht.

  4. GeBa

    @Selbstdenker, den letzten 3 Sätzen möchte ich mich 10%ig anschließen

  5. Selbstdenker

    Und was die sogenannten NGOs angeht:

    Die meisten NGOs erfüllen keine Zwecke (mehr), von denen die Allgemeinheit profitieren würde. Die Streichung aller Steuerprivillegien dieser globalen NGO-Konzerne ist überfällig.

    Die Allgemeinheit braucht sich nicht von Sich-Besserfühlenden, die sich ihr gemeinwohlschädigendes Wirken mit Zahlungen ab dem 6-stelligen Bereich vergüten lässt, den Verzicht erklären zu lassen.

    Falls es jemals eine Grundlage gegeben hat, die die steuerliche Besserstellung von NGOs gerechtfertigt hat, ist diese längst weggefallen.

    Neben dem Aussackeln alter und leichtgläubiger Menschen via Kampagnen und Abo-Modellen, stecken viele NGOs tief im Erpressungsgeschäft drinnen.

    Sie sind selbst ein beliebtes Vehikel für Geldwäsche und aggressiver Steuervermeidung. Die EU mischt sich aber hier nicht ein, weil viele EU-Politiker selbst auf der Gehaltsliste dieser NGOs stehen und in den Brüsseler Lobbyzentren (treffender: den “grünen” Kirchenpalästen ein- und ausgehen).

    Sollen diese Heuchler doch auf ihre NGO-Steuerprivilegien, ihre “Aufwandsentschädigungen” verzichten!

  6. CE___

    Kurz mag vielleicht kein Visionär der Baustelle “Green-Tec” sein.

    Ein Umsetzer der Niemals-Fertig-Baustelle “Test-Masken-Impf-Tec” scheint er mir aber allemal.

    Beides Seiten der gleichen Münze.

    Und mir kann die mit beidem einhergehende Demokratur wirklich gestohlen bleiben und sehe beides als Gefahr für “jene Lebensart, die mir vertraut und angenehm ist”.

  7. Selbstdenker

    @Johannes:
    Revealed preferences sagen mehr über die öffentliche Meinung (treffender: die Meinung der Allgemeinheit) aus, als die veröffentlichte Privatmeinung einzelner “Medienschaffender”.

  8. aneagle

    Was es medienmäßig für die Meinungsbildung bedeutet die Grünen in der Regierung zu haben:

    * Schlagzeile in vielen Medien Österreichs: “Verkehrsministerin denkt über Nachdenkpause für Asfinag nach”
    * Keines der vielen Medien Österreichs (Ausnhme-Ortner Online) griff diesen lesenswerten Artikel auf:
    https://www.achgut.com/artikel/die_gruenen_heute_retten_sie_deutschland_und_morgen_die_ganze_welt

    Österreich, als Wasserkraftland, kann auf den ganzen Zinnober der heldenhaften Weltrettung mit fraglicher CO2 Vermeidung und cancel culture glücklicherweise verzichten, auf grüne Wirtschaftszerstörung ebenso.

    Wieviel Wohlstand es Österreich kosten wird, Grüne in der Regierung zu haben, wird sich erst weisen. Daß vorrangig der Verkehr zum Stillstand gebracht wird, merkt man an jeder willkürlichen, kilometerlangen Autobahn- Abschnittsverengung und an den vielen, strategisch gleichzeitigen, Wiener “Baustellen”.

    Daß die ÖVP hierbei nicht gegenlenkt, ist keine Empfehlung und die so verursachten grünen Staus sind umweltschädlich. Die grüne Knoflacher- Ideologie wirkt in Österreich, zum Schaden aller, ungehindert nach. Dafür sind 40% Wähler in Stadt und Land für eine am Wählerwillen uninteressierte ÖvP zu viel.

  9. Selbstdenker

    Nehmt den NGOs das Geld weg.

    “You’ll ohne nothing and you you’ll be happy”

    Oder: put your money where your mouth is.

  10. Erwin Tripes

    Der Grund des immer weiter degenerierenden Denkens ist das Verbot des Querdenkens.
    Ohne das “Quer” gibt es keine Innovation.

  11. sokrates9

    Warum lassen wir uns alle von einer kleinen Masse von viertelintellektuellen Grünen derart terrorisieren?Die studienabbrecherin Greta wird von Spitzen der Gesellschasft wobei dem Organigramm nach auch unser BP gehört wie eine Heilige empfangen! Keiner traut sich die Nonsensforderungen der Grünen zu hinterfragen geschweige dann als wissenschaftlichen Unsinn darzustellen.Habe noch keinen Techniker in der Automobilbranche gefunden der nicht hinter vorgehaltener Hand die Elektromobilität, Kernkrafttabu , Klimaziele und Migranteninvasion als völlig unrealistisch bezeichnet.
    NGO – Not governmental Organisations was haben die für ein Recht Steuergelder abzukassieren und ohne Verantwortung, konsequenzen ihren senf überall ungefragt beizusteuern! weg mit allen Privilegien.Die Zahl linksradikaler und kommunistischer Geschwätzwissenschaftler ist da immens hoch, seriöse Techniker kaum zu finden

  12. Gast

    Noch ein Beitrag zu den NGOs:
    Jörg Schönenborn im Gespräch mit Wladimir Putin, insbes. die ersten Minuten

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