«Sehr geehrt* Liessmann» – Triumph des Unsinns

Der Philosoph Konrad Paul Lissmann in der NZZ: “Neulich erreichte mich die Nachricht einer Mitarbeiterin der Verwaltung meiner Fakultät, in der ich als «Sehr geehrt* Liessmann» angesprochen wurde. Ich war verblüfft. Ich kenne die Absenderin seit zwei Jahrzehnten und habe nie einen Zweifel daran gelassen, dass ich die in dieser Zeit verwendete Anredeformel «Sehr geehrter Herr» stets als korrekt empfunden habe. Nun werde ich – wahrscheinlich gar nicht aus Überzeugung, sondern aufgrund einer brav exekutierten Vorschrift – zu einem geschlechtsunspezifischen Wesen degradiert.” weiter hier

19 comments

  1. Rado

    Man sollte sich generell überlegen, genderbewegte Menschen nicht überhaupt geschlechtsneutral zu grüßen. Aus meiner Schulzeit ist mir zB. noch diese Grußformel geläufig: “Hi du Ei”. Man müsste natürlich die Anrede je nach dem entsprechend auf “Sie” variieren. In diesem Sinne: Wie sehen uns auf der Damentoilette!

  2. sokrates9

    Herr oder Frau geht nicht, da fühlt sich das Dritte Geschlecht?? diskriminiert. Bemerkenswert dass das das Problem der Universität in Wien ist. Mit wissenschaftlichen Arbeiten ist man da in den letzten Jahren nicht mehr aufgefallen, im Universitätsranking liegt man jenseits von 200 und konkurriert da mit afrikanischen Universitäten. Warum wohl ist das so??

  3. astuga

    Dafür dürfen biologische Herren wie der Herr Lissmann bald auch auf die Frauentoilette gehen und vice versa.
    Oder alle dürfen bzw müssen (kommt später) gemeinsam die Gender-Toilette benützen.

  4. Falke

    Ich habe auch schon Stellenangebote gesehen, wo die gesuchte Person als “m, w, d” angesprochen wurde.

  5. Rizzo C.

    @Rado
    Stimme völlig zu. Mein Vorschlag wäre ein schlichtes, weniger förmliches und völlig neutrales “Hallo du da!” und zum Abschluss ein ebenso neutrales “Bussi Bussi..”, eventuell ergänzt um ein betont kollegiales “..aufs Popscherl”

  6. Kluftinger

    Ausgerechnet die Uni Wien ?
    Anstatt durch exzellente wissenschaftliche Leistungen aufzufallen, werden Scheinprobleme kriegt um dann in der Öffentlichkeit präsent zu sein.
    Ein ähnlicher Fall war wohl die Uni Salzburg. Die als bessere Lehrerbildungsanstalt bekannte Uni hat ja auch keine wissenschaftlichen Leistungen im internationalen Feld aufzuweisen. Also beschäftigte man sich mit der Aberkennung des Ehrendoktorates von Konrad Lorenz. Bumm, das hat gesessen!
    ( dass die “inkriminierenden Texte” von Jerusalem bis New York – NYT- längst bekannt und eingeordnet wurden, hat die Wichtigtuer der Uni Salzburg nicht gestört. Woher sollten sie auch wissen?)

  7. sokrates9

    Kluftinger@ Wien, Salzburg, Graz – wissenschaftliche Erkenntnisse ziemlich mau! Einzig Leoben hat noch Image zu bieten! Was ein Wissenschaftsministerium eigentlich tut wenn solche Spleens nicht abzustellen sind ist mir rätselhaft!

  8. Johannes

    Bei meiner Grundausbildung beim Bundesheer war es ein Teil der Übung Dinge zu tun die auf den ersten Blick wenig Sinn ergaben. Ich begriff sehr schnell das der Sinn der Übung es ist so trainiert zu werden das man gehorcht, das man Befehle befolgt ohne sie zu hinterfragen, das man den Exerzierplatz rauf und runter läuft, wohl an die zwanzig mal, das man wenn man beim Exerzieren an eine Wand gelangt solange auf der Stelle tritt bis der Befehl links- oder rechts- um oder kehrt, je nach dem, gerufen wird.

    Ich habe es verstanden und akzeptiert, ich war beim Militär und ich wusste diese Übungen sind Disziplinierungen welche notwendig sind um für den Fall des Falles zu funktionieren.

    Was ich aber niemals akzeptieren werde, niemals, das irgendwelche dahergelaufenen Oberlehrer glauben sie könnten mich mit Methoden der versuchten Disziplinierung solange piesacken bis ich meine Überzeugung aufgebe und dem linken Mainstream aus der Hand fresse.

    In Wirklichkeit geht es doch nur darum den Menschen die idiotischsten Zwänge aufzuerlegen um ihren kritischen Geist zu brechen.
    Hat man das einmal geschafft dann kann man per Stichwort die Massen steuern.

  9. Kluftinger

    @ socrates9
    Da hat das Ministerium keinen Einfluss . Gott behüte, wenn die am Minoritenplatz die Frage stellten, ob derartige Arabesken sinnvoll sind, würde die gesamte Uniko aufheulen wegen “einschränken” der universitären Autonomie.

  10. aneagle

    Das Ende der liberal demokratischen Gesellschaft kündigte sich in den schriftlichen Formen im 20. Jahrhundert mit dem abschließenden Gruß an. Es war zwar kein Gesetz, aber niemand in Deutschösterreich hatte die selbstmörderische Zivilcourage einen Brief ohne den Wunsch auf das Wohl(das Heil) des Machthabers zu beenden. Ca. 1 Jahrzehnt danach, war die Beteuerung der “Freundschaft” für alle, am Ende eines jeden Briefes, die unbedingte Notwendigkeit in einer Republik mit Schießbefehl auf seine Bürger.

    Im 3.Jahrtausend schleicht die Einengung wesentlich sanfter in die Sprache, ist aber bald ähnlich erzieherisch zwingend. Zwar beginnt es diesmal harmlos mit der vorgeschriebenen entmenschten Anrede, aber wer den Sternchencodex nicht zu befolgen weiß, dessen (Doktor)Arbeit wird eher nicht wohlwollend oder ev. gar nicht beurteilt. Und Gnade dem Studierenden, wenn ihn seine Tochter im Dirndl mit 2 lustigen Zöpfen Marke Greta von der Vorlesung abholt.

    Wer die Geschichte nicht versteht ist verurteilt sie wieder zu erleben. Jene Universität, in welcher der nachmalige Kanzler der Republik, der Student Josef Klaus, in jenen unsäglichen Tagen seinem Vortragenden jüdischen Professor die Türe wies, sollte mehr Bildung, Verstand und Anstand haben, als die Uni Wien vorzeigen kann.

  11. Kluftinger

    @ aneagle
    Klaus und der jüdische Vortragende. Wann war das und wo?
    Da ist mir etwas entgangen. Sachdienliche Hinweise erbeten an…
    Danke!

  12. Volker Seitz

    @Falke In Bonn in den Straßenbahnen werden auch Mitarbeiter„ m. w. d.“ für die städtischen Betriebe gesucht.

  13. GeBa

    Ich lach mich schief über diese fortschreitende Verdummung und bin sehr froh, dem Arbeitsprozess “entwachsen” zu sein, unabhängig zu sein und vor allem zu wissen, WER ich selbst bin ☺️

  14. astuga

    @Kluftinger
    Ich bin zwar nicht aneagle, aber es dürfte sich um diesen Fall handeln…
    “Einer dieser antisemitisch gesinnten Studierenden war übrigens ein gewisser Josef Klaus.
    Der spätere ÖVP-Politiker und Bundeskanzler (1964-1970) unterfertigte 1932 mit zwei Mitstudierenden ein Flugblatt, das gegen die Wahl von Ernst Peter Pick zum Dekan der medizinischen Fakultät mobilisierte…”

    https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/chronik/wien/767162-Die-antisemitische-Baerenhoehle.html
    Was dort steht ist fraglos alles richtig, aber leider politisch auch deutlich einseitig interpretiert.
    So wird von Taschwer der linke Antisemitismus in der 1. Republik nicht mal am Rande erwähnt (Bspl. der Sozialist Karl Renner), und auch die Auseinandersetzung mit Kommunisten unter Studenten und Professoren wird auf Antisemitismus reduziert.
    Außerdem gab es Antisemitismus an Universitäten bereits in der k&k Monarchie (und das überall), dazu muss man nicht die 1. Republik bemühen.
    Anyway, anderes Thema…

  15. Kluftinger

    @ astuga
    Danke! Das Phänomen Antisemitismus an der Uni Wien ist mir bekannt, die Passage über Josef Klaus nicht.
    (Hatte vor Jahren ein interessantes Gespräch über diese “Welt” mit Erwin Chargaff. Er entschied sich, u.a. gleich in die USA zu gehen).

  16. Kluftinger

    @ astuga
    Da ich in jungen Jahren das Wirken von Josef Klaus verfolgen konnte entsteht bei mir der Eindruck , dass er vom “Saulus zum Paulus” geworden ist.
    Jedenfalls hatte ich nie von ihm eine nur Äusserung gehört die seiner Studentenzeit zuzurechnen war.

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