Selbstbedienungsladen ORF

Von | 9. August 2016

(ANDREAS UNTERBERGER) Die ZiB berichtet über die Generaldirektorswahl zwischen zwei Kopfan Kopf liegenden Kandidaten. Die Redaktion bemüht sich um Neutralität und Ausgewogenheit – was sie ja sonst nie tut. Aber man weiß ja nie, wer gewinnt. Es könnte ja der Falsche sein. Wenns ums eigene Haus geht, dann können sie also plötzlich doch objektiv sein.
So weit, so gut. Aber dann fällt doch ein entlarvender Satz. Er ist nicht etwa deshalb entlarvend, weil er Präferenzen für einen der beiden Kandidaten zeigen würde, aber er enthüllt die ganze weltfremde Hybris des ORF. Denn da wurde behauptet: Der Stiftungsrat repräsentiere “die Bevölkerung in ihrem Wahlverhalten”.
Einen Schmarrn tut er. Gegen diese Fiktion spricht nicht nur die skandalöse Teilnahme der Betriebsräte an einer solchen Chef-Wahl, was in einem Medienbetrieb, der ja eigentlich allen Österreichern gehört, völlig absurd ist. Aber genau mit den Stimmen dieser Betriebsräten spekuliert der amtierende General, wenn er als Wahlslogan vom “Wir-Gefühl” der ORF-Mannschaft spricht, das er stärken wolle.
Wir lernen: Es geht nur um die ORF-ler. Ihnen gehört der Sender. Die anderen Österreicher haben nur eine Form der Mitsprache: Sie sollen zahlen, zahlen, zahlen. Die Wrabetz-Ankündigung ist also die glatte Anoncierung, dass der ORF noch mehr ein “Wir-Gefühl”-Selbstbedienungsladen werden soll.
Noch absurder ist die ZiB-Behauptung von der “Repräsentativität” des Stiftungsrats, wenn man bedenkt, dass Schwarz und Rot de facto mehr als 90 Prozent der Sitze im Stiftungsrat kontrollieren. Dabei haben sie bei der letzten Wahl nur noch 52 Prozent erhalten. Dabei liegen sie bei allen Umfragen heute noch weit darunter. Dabei beträgt bei Einbeziehung des Wahlverhaltens auch der Nichtwähler die Unterstützung für Rot und Schwarz überhaupt nur noch rund ein Drittel. Zusammen.
Eigentlich sollten Parteien überhaupt nichts in einem Medienbetrieb verloren haben. Ein Medium kann nur gut sein, wenn es von den Parteien unabhängig ist! Aber das kümmert den ORF doch nicht. Man will gar nicht gut sein, man will sich mit den Parteien arrangieren, damit man selber weiterhin seine eigenen Privilegien genießen kann.
Und damit man selber seine Macht ständig ausbreiten kann. Dies hat nun Alexander Wrabetz ungeschminkt angekündigt: Er will – mit Hilfe der Zwangsgebühren! – für den ORF auch die “Sozialen Medien” erobern. Obwohl er dazu keinerlei gesetzlichen Auftrag hat. Obwohl es keinerlei Bedürfnis oder Notwendigkeit gibt, die – ohnedies blühenden – Internet-Medien durch den ORF zu bereichern.
Wären die Stiftungsräte auch nur in irgendeiner Hinsicht Repräsentanten der Bevölkerung, dann dürfte Wrabetz schon wegen dieser ungeheuerlichen Ankündigung (und natürlich seit langem schon wegen der Verwandlung des ORF in ein einseitiges Ideologie-Medium) keine einzige Stimme bekommen. Aber die Stiftungsräte vertreten eben nur die Parteien, nicht die Bürger.
PS: Wenn es schon einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit Zwangsgebühren gibt (was die Mehrheit der Österreicher längst für überflüssig ansieht), dann wäre das entscheidende Machtgremium zehnmal repräsentativer, würde es nicht von Parteien bestellt, sondern etwa durch ein Lossystem, wie es im jüngsten “Spiegel” sehr eindruchsvoll vorgestellt worden ist, oder durch eine Wahl aller Gebührenzahler.
(hier)

13 Gedanken zu „Selbstbedienungsladen ORF

  1. sokrates9

    Wie so vieles ließe sich dieses Problem mit einem Paradigmenwechsel schnell, einfach und kostengünstig lösen: Abschaffung der Zwangsgebühren! Ob dann ein eventuell noch vorhandener Betriebsrat (Analog Mateschitz) noch was zu bestimmen hätte bezweifle ich!

  2. Fragolin

    @sokrates9
    Ohne Zwangsgebühren täte der Staat eben Steuern hineinschaufeln.
    Nein, sofortige Schließung der Bude. Private Investoren können den Laden gern übernehmen und den arbeitslosen Ex-ORFlern marktkonforme Angebote machen. Aber ich bezweifle das Interesse privater Investoren an einem überteuerten inkompetenten Propagandasendehaus. Oh, wie würden wir ihn vermissen, den Roten Kanal…

  3. sokrates9

    Bei Privatisierung tut sich Staat schwer da Steuern hineinzuschaufeln!

  4. Fragolin

    @sokrates9
    Sie haben aber nichts von Privatisierung geschrieben sondern nur von der Abschaffung der Gebühren.
    Und was das Einschaufeln von Steuern in Privatkonzerne angeht, naja, das Thema ist auch nicht so ohne. Egal ob vorgetäuschte Privatisierung (ÖBB, Asfinag) oder echte Konzerne (Siemens, Strabag) – hui, da fließt die Marie aber im Railjet-Tempo aus dem Steuersäckel auf das Firmenkonto. Subventionen, Förderungen, Großaufträge zum Freundschaftspreis (also extra teuer, zahlt eh nur der Steuerzahler) usw.
    Nein, da hängt so viel Mist dran, da müsste man das ganze System zerschlagen bis hin zum expliziten Subventionsverbot für alles und jeden. Ich wäre sofort dabei, aber ich befinde mich da im Kreis von hochgeschätzt 3% der Menschen…

  5. sokrates9

    Was mich wundert ist dass Strache nicht auf Privatisierung drängt! Kann mir vorstellen dass die FPÖ die Mehrheit der Österreicher hinter sich haben kann – speziell wenn man mal die Gagen der Politgünstlinge publiziert! Die FPÖ wird unter Wrabetz immer unfair behandelt werden! Ob ich in einer Marktsituation eine Thurnherr oder ein Wolf halten kann ich mir nicht vorstellen!

  6. Reini

    @sokrates9,… mittlerweile hat sich das “Unfaire Behandeln der FPÖ” im ORF als Vorteil für Herrn Strache herausgestellt! … die “Heirats – und Liebesgschichten” der Parteigünstlingen verbergen die Realität,… das Volk wacht Schrittweise aus dem Dornröschenschlaf auf,…

  7. mariuslupus

    Man könnte auch sagen, es handelt sich nur um ein Sturm im Wasserglas. Der ORF hat abe,r eine linkslastige,Propaganda Monopolstellung. Den Einfluss des ORF auf die Meinungsbildung sollte nicht unterschätzt werden. Immer nach dem Grundsatz, wie macht man aus einer Unwahrheit, einer Lüge eine Wahrheit. Ganz einfach, die Lüge wird als Wahrheit tausendmal wiederholt. Genau das Rezept nach dem der ORF vorgeht.

  8. Gerald Steinbach

    “Große Sensation” beim ORF, der politisch unabhängige Wrabetz darf weitere 5 Jahre frei von politischen Einfluss weiterbezahlt werden, dazu Gratulieren wir unabhängig

  9. Falke

    @Gerals Steinbach
    Stellt sich nun die Frage, was mit Grasl geschieht. Es ist wohl kaum denkbar, dass sich Wrabetz seinen “Feind” wieder ins Team holt, es sei denn, er wird von den Parteien dazu gezwungen. Ein gedeihliches Miteinander wäre in diesem Fall aber eher nicht zu erwarten.

  10. Gerald Steinbach

    Falke
    Ich sehe das nicht so prekär, in solchen Unternehmen wie den ORF sind die meisten Mitarbeiter primär eh mit ihren persönlichen Problemen/Streitereien beschäftigt und sekundär dann mit den ORF
    Irgendwann wird dann verlautbart das der Hr Grasl eine neue Herausforderung im Unternehmen übernimmt und sich schon auf seine neue Aufgabe freut

  11. Thomas Holzer

    Lächerlich, all diese “Stiftungsräte” -peinlich war ja gestern die Übertragung auf ORFIII, mit dem Kameraschwenk über all die bekannten Typen, welche sich, sobald sie von der Kamera “ins Visier” genommen wurden, “artgerecht” zeigten (das vulgus populus war natürlich kaum vertreten)- und natürlich auch diese “Wahl”, Hauptsache, die ÖVP stellt die RH-Präsidentin, und die SPÖ den ORF-General.
    Das einzig Erfreuliche, mit all den Neubürgern geht das Land noch schneller vor die Hunde als von all den Politikerdarstellern geplant; das Tragische daran: die wenigen “Aufrechten” und noch nicht Bestochenen, Korrumpierten, gehen ebenfalls vor die Hunde

  12. Reini

    … Man bezahlt Zwangsgebühren und bekommt einen Vorgesetzten den man gar nicht will,… Diktatorischer geht’s nimmer…..

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