Selbstdarstellung statt Politik

(JOSEF STARGL) Zahlreiche Politiker schätzen nichts mehr als Selbstdarstellung. Sie absolvieren ein Schaulaufen und freuen sich als Entertainer über jeden Sager. Ankündigungen, Versprechungen und andere Elemente von Desinformationsstrategien dienen der Selbstinszenierung, welche die für Führungspersönlichkeiten erforderliche Selbstdisziplin ersetzt. Ein Mangel an Leistungen und moralische Defizite sind die Folgen.

Politiker sollten Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen und sich auch mit effizienten Problemlösungen bewähren.

Auf Dauer wirken die Selbstdarsteller langweilig, da sie nur minimale Anforderungen an das Auffassungsvermögen der Bürger stellen und stets – ihrem Motto „Präsentation ersetzt Inhalte“ entsprechend – ernsthafte Auseinandersetzungen mit Argumenten ausblenden.
Bei den Unterhaltungskünstlern verdrängt die Kunst der Darbietung eine sachliche Erörterung im Dialog. Arroganz beginnt an die Stelle von effizienten Problemlösungen zu treten. Knapp und knallig formulierte Schlagzeilen, Worthülsen und Werbespots sind eben nicht sehr hilfreich bei der Lösung von konkreten Problemen. Rhetorische Erfolge können doch nicht die einzigen Leistungen von Politikern sein.

Nicht jedes Thema lässt sich bekanntlich als Unterhaltung präsentieren, aber vieles, was nicht unterhaltsam ist, verdient Aufmerksamkeit. Wenn Leerformeln einzig und allein der Verschleierung unterschiedlicher Auffassungen dienen, dann kommt es letztlich leicht zu einem Verlust an Urteilskraft und zu einer Abnahme der Fähigkeit, Realität zur Kenntnis zu nehmen.

Die Selbstdarstellungsexperten pflegen keineswegs die Tradition einer Würdigung sachlicher Argumente. Professionelle Problemverdrängung ersetzt immer mehr Konfliktbereitschaft und ein offenes Austragen von Konflikten.
Führungspersönlichkeiten sollten Verantwortung übernehmen und Leistungen erbringen.

Um als fachliche und als moralische Autoritäten akzeptiert zu werden, bedarf es eines ständigen Bewährens in der täglichen Praxis.
Politiker sollten die Fähigkeit besitzen, zu dienen und somit auch die Kunst beherrschen, sich selbst zurückzunehmen.

Führung erfordert Selbstdisziplin. Ohne Selbstbeherrschung werden Autoritäten kaum als Quelle des Vertrauens empfunden. Wer führt, der sollte sich auch dessen bewusst sein, dass er als Vorbild beurteilt wird. Er muss sich konkreten Aufgaben gewachsen zeigen. Der Weg des Verzichts auf einen Wettstreit um Ideen und Werte führt in eine Sackgasse. Führen verlangt Engagement für Grundsätze, Wertorientierung im Denken und Handeln sowie den Mut zum Streiten.

2 comments

  1. Josef Eisner

    Man könnte sagen – ja eh.
    Ich persönlich bevorzuge eine Gesellschaftsform in der keine Führung, kein Führer, keine Autorität bestimmende ist. Autoritäten sind für mich kaum Quelle des Vertrauens, eher Quelle des Misstrauens.
    Im Übrigen wählen wir Parteien, welche Mitglieder in die Landtage und den Nationalrat entsenden und wir wählen den Bundespräsidenten. Wozu brauchen wir Politiker?

  2. Johannes

    Ich finde es sehr schade das ein Hartwig Löger oder ein MMag. DDr.Hubert Fuchs nicht mehr einer künftigen Regierung angehören werden. Bei der Arbeit dieser beiden Persönlichkeiten konnte man erkennen wie klug, verantwortungsvoll und erfolgreich Politik sein konnte.

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