Sind die USA noch eine Republik?

(A. UNTERBERGER) Das war zwar erwartet worden. Das ist dennoch interessant und macht den Wahlkampf spannend. Nur noch ganz verklemmte Menschen und einfallsarme Journalisten werden es als etwas (im Positiven oder Negativen) Sensationelles finden, dass eine Frau für das Weiße Haus kandidiert. Aber auch nur wenige jener „progressiven“ Medien, die jetzt ob Hillary Clintons Antreten einen feministischen Orgasmus bekommen, werden sich selbstkritisch daran erinnern, wie sie bei der vorletzten Wahl die Vizepräsidenten-Kandidatin Sarah Palin wegen ihrer wertkonservativen Ansichten als frommes Landei auch sexistisch verhöhnt haben. Hillary Clinton war jedenfalls eine durchaus passable Außenministerin und damit auch Kandidatin. Was aber stutzig macht, ist die langsame Verwandlung Amerikas in eine Aristokratie. Siehe etwa die Kennedys. Siehe etwa die Familie Bush, die nun gar schon zum dritten Mal einen Präsidenten stellen will. Siehe viele Abgeordneten-Dynastien. Sollen politische Jobs dauerhaft den Mitgliedern einiger weniger Familien gehören? Das wäre bedenklich. Man denke an jene Vorzeiten, wo eigentlich nur kurzfristig bestellte Heerführer (=Herzöge) die Herrschaft zu einer dauerhaften und familiär erblichen gemacht haben. Daraus entwickelte sich der Adel, dessen Herrschaft dann immer totalitärer geworden ist. Ähnliche Entwicklungen kennt man auch von den römischen Kaisern und nordkoreanischen Diktatoren. Geht es wieder dorthin? (TB)

4 comments

  1. Selbstdenker

    Deshalb wäre es ein Fehler, wenn die GOP einen Bush ins Rennen schicken würde. Insgesamt ist der Name Clinton in den USA weit mehr verbraucht als in Europa.

  2. Fragolin

    Jede Form der pseudo-demokratischen Parteienherrschaft ist nichts anderes als eine Modifikation des Feudalismus mit persönlichem Ablaufdatum. Und wie im Feudalismus üblich züchten die Parteihäuser ihren Parteiadel und landen schließlich in inzestuöser Vetternwirtschaft.
    So lange das Volk sich immer wieder bequem zurücklehnt und die Eigenverantwortung an Stellvertreter übergibt, wird sich aus den Reihen der Stellvertreter ein neuer Adel formen, der sich in den Pfründen suhlt und dem Personenkult frönt. Das ist eine Gesetzmäßigkeit, die weder vor Österreich noch vor den USA Halt macht.

  3. Marcel Elsener

    Zumindest auf legislativer Stufe liesse sich das System eines faktischen Parteiadels leicht beseitigen. Anstatt die Parlamentarier zu wählen, werden sie ausgelost. Dadurch wäre das Parlament gemäss den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit endlich einmal eine echte Repräsentation des Demos, was es heute nicht ist.

    In den Exekutiven wären hingegen andere Instrumente vonnöten. Föderalismus und Subsidiarität würden die Macht der Exekutiven wirksam beschränken. Ein Scherbengericht für Exekutivmitglieder wäre eine weitere Möglichkeit. Unnötig zu sagen, dass in einer Föderation jedes Mitglied bis hinunter auf kommunale Ebene ein uneinschränkbares Sezessionsrecht haben sollte.

    Letztendlich sind aber die Bürger entscheidend. An ihnen liegt es, die modernen Feudalherren zu entmachten. Wenn sie das nicht tun, dann werden sie halt zu Untertanen herabsinken. Für die meisten Bürger scheint der Untertanenstatus eine akzeptable Option zu sein – leider.

  4. Christian Weiss

    Irgendwie seh’ ich da das Problem nicht. Wenn die Leute Hillary Clinton oder Jeb Bush als Präsidenten wollen, dann seht es ihnen frei, jemand von beiden auf den Wahlzettel zu schreiben. Wenn nicht, schreiben sie die nicht drauf. Na und?

    Das mal der Vater und der Sohn das Präsidentenamt bekleideten, gab es in der amerikanischen Geschichte ja schon früh: John Adams (1797 – 1801) und John Quincy Adams (1825 – 1826). Und das war in der instabilen Gründerzeit, wo noch die alten Helden aus der Amerikanischen Revolution die Chance gehabt hätten, echte Dynastien entstehen zu lassen, wohl sicher problematischer gewesen.

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .